26 Teilnehmer aus ebenso vielen Regionen aus zwölf verschiedenen Staaten matchen sich um den begehrten Europäischen Dorferneuerungspreis 2020, der unter dem Motto „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“ steht. Die international und interdisziplinär besetzte Jury hat – COVID-bedingt mit einer mehrmonatigen Verspätung –  Anfang September im Rahmen eines Meetings in Prag mit dem mehrstufigen Bewertungs-Vorgang begonnen, der in den kommenden Wochen mit Vor-Ort-Besichtigungen der Wettbewerbs­orte seine Fortsetzung findet. Die Entscheidung fällt voraussichtlich im Frühsommer 2021, wann und in welchem Rahmen die Preisverleihung im Siegerort von 2018, der oberösterreichischen Gemeinde Hinterstoder, stattfindet, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab. Den erfolgreichsten Teilnehmern winkt ein Eintrag auf einer Online-Roadmap der besten Dorf- und Gemeindeentwicklungsprojekte Europas.

„Gerade in Zeiten, in denen das Wort Krise viele zu lähmen, zu verunsichern oder zu deprimieren scheint, ist es von unschätzbarem Wert, wenn Menschen die Initiative ergreifen und aktiv die Zukunftsfähigkeit ihres unmittelbaren Lebens­raumes stärken. Genau das geschieht in den Dörfern, die sich um den
16. Europäischen Dorfer­neuerungspreis beworben haben“, zeigte sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll , anlässlich der ersten Bewertungssitzung Anfang September in Prag, Tschechien, überzeugt. Es sei beeindruckend, mit wie viel Mut, Kreativität, Beharrlichkeit, Weitblick und Offenheit Projekte umgesetzt werden, die nachhaltig die ökonomische Potenz, die ökologische Qualität, den sozialen Zusammenhalt und den kulturellen Reichtum der jeweiligen Dörfer festigen.

Eintrag in virtuelle „Roadmap“ winkt

Veranstalterin des Wettbewerbes, der seit 1990 im Zweijahresrhythmus ausgelobt wird, ist die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung. Neben dem „Europäischen Dorferneue­rungs­preis 2020“ werden auch Europäische Dorferneuerungspreise in Gold, Silber und Bronze sowie „Lobende Anerkennungen“ vergeben. Neben Trophäe und Plakette winkt den erfolgreichsten Teilnehmern ein Eintrag in eine elektronische „Roadmap“, auf der die europaweit besten Dorferneuerungsorte auf einer virtuellen Landkarte per Mausklick auffind- und abrufbar sind.

Die Mitglieder der Wettbewerbsjury werden in den nächsten Wochen sowie gegebenenfalls auch im ersten Jahresdrittel 2021 alle teilnehmenden Orte zu besichtigen versuchen, ehe im Zuge einer weiteren Bewertungssitzung im Frühsommer 2021 die Entscheidung fällt. In welcher Form und zu welchem Zeitpunkt die Preis­verleihung in Hinterstoder, Oberösterreich, Österreich, der Siegergemeinde des Wett­bewerbes 2018, stattfinden wird, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt bedingt durch die Ungewissheiten im Zusammenhang mit der COVID-Entwicklung noch offen. Bewertet wird, wie das teilnehmende Gemeinwesen auf die festgestellten Stärken und Schwächen sowie internen und externen Gefahren und Chancen reagiert hat. Dabei geht es um konkrete Maßnahmen im Sinne einer wirtschaftlichen Entwicklung, der Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, der Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung, Umgang mit der Digitalisierung sowie um kulturelle und Bildungsaktivitäten. In gleicher Weise von Bedeutung sind die gewählten Methoden und verfolgten Strategien, die von einem ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz sowie von Partizipation und Kooperation gekennzeichnet sein sollen.

Das Wettbewerbsmotto „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“ trägt der Tatsache Rechnung, dass jeder Ort, auch die kleinste Siedlung, mit überregionalen, kontinentalen und vielfach auch weltweiten Entwicklungen, seien es nun Gefahren oder Chancen, konfrontiert ist – Corona hat übrigens, auch wenn es diesen absolut nicht gebraucht hätte, einen weiteren Beweis dafür geliefert. Das Motto soll ein Signal dafür sein, diese Herausforderungen zu erkennen und sich ihnen zu stellen. Es wirft demgemäß einen besonderen Fokus auf jene Gemeinwesen, die sich ihrer Verantwortung über den eigenen Tellerrand hinaus bewusst sind und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Antworten auf die großen Fragen des 21. Jahrhunderts finden, die dazu beitragen, das Leben auf unserem Planeten zu einem besseren zu machen.

„Ziel des Wettbewerbes ist es, Landgemeinden in ihrem Engagement zu bestätigen, zu weiteren Aktivitäten zu motivieren und den Erfahrungsaustausch mit anderen ländlichen Gemein­wesen in Europa zu fördern. Darüber hinaus wollen wir Dörfer und Regionen zur Nachahmung anregen, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst machen und nicht zuletzt auch Europas Zusammenwachsen stärken“, erläutert die Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Theres Friewald-Hofbauer.

 

Presseaussendung

Press release

Der Wettbewerb um den 16. Europäischen Dorferneuerungspreis ist geleitet von der Intention, besonders herausragende und beispielhafte Entwicklungs- und Erneuerungs­prozesse in ländlichen Gemeinwesen „vor den Vorhang“ zu bitten und – unter Berück­sichtigung der jeweiligen Ausgangsbedingungen, des ökonomischen und sozio-kulturellen Kontextes sowie der länderspezifischen Standards, Besonderheiten und Möglichkeiten – zu prämieren.

Vorrangiges Kriterium ist, dass die gesetzten Maßnahmen gemäß dem „Leitbild der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden“ zu einer Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume und zu einer Hebung der Lebensqualität der DorfbewohnerInnen beitragen.

Der Wettbewerb forciert daher jene ländlichen Gemeinwesen,

  • die sich den aktuellen Herausforderungen ihres Lebensraumes mit nachhaltigen, innovativen und zeitgemäßen Projekten stellen und ganzheitliche Entwicklungsprozesse in Gang gebracht haben;
  • die eine Einbindung aller Bevölkerungsgruppen in das örtliche Geschehen verfolgen und auf diese Weise unterschiedliche Perspektiven, weitere Horizonte und vielfältigere Ideen gewinnen;
  • die sich des Wertes und der Notwendigkeit von Kooperationen bewusst sind und demgemäß auf Netzwerke sowie interkommunale und regionale Zusammenschlüsse setzen.

Das Wettbewerbsmotto „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“ trägt der Tatsache Rechnung, dass jeder Ort, auch die kleinste Siedlung, mit überregionalen, kontinentalen und vielfach auch weltweiten Entwicklungen, seien es nun Gefahren oder Chancen, konfrontiert ist.

Es soll ein Signal dafür sein, diese Herausforderungen zu erkennen und sich ihnen zu stellen. Das Motto wirft demgemäß einen besonderen Fokus auf jene Gemeinwesen, die sich ihrer Verantwortung über den eigenen Tellerrand hinaus bewusst sind und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Antworten auf die großen Fragen des 21. Jahrhunderts finden, die dazu beitragen, das Leben auf unserem Planeten zu einem besseren zu machen.

Kriterien

Formular

Englisch Version:

Criteria

Form

Hinterstoder, Oberösterreich, Österreich, von internationaler, interdisziplinärer Jury zum Sieger im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2018 unter dem Motto „we!ter denken“  gekürt; außergewöhnlich hohe Qualität aller 23 Einreichungen; Preisverleihung vom 20. bis 22. September 2018 in Fließ, Tirol.

 

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2018 ist entschieden: Eine interdisziplinäre internationale Jury hat dieser Tage nach einer um­fassenden Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung in St. Pölten die Gemeinde Hinterstoder, Oberösterreich, Österreich, zum Sieger gekürt.

„Hinterstoder zeigt äußerst facettenreich, wie die Hebung der Lebensqualität in einem attraktiven, innovativen und zukunftsfähigen Dorf zum Schlüsselfaktor eines partizipativen Entwicklungsprozesses werden kann. Die Dynamik und der Erfolg basieren maßgebend auf dem regen Ideenaustausch über kreative Kooperationen mit den ruralen wie den urbanen Lebenswelten. Highlights aus einer Vielzahl an realisierten Projekten sind die Erstellung eines Naturraum-Entwicklungskonzeptes für das Stodertal, die Rückwidmung von Baugrundstücken in Grünland, die Renaturierung des Naturjuwels Schiederweiher, die effiziente Nutzung von endogenen Rohstoffen zur Wärmegewinnung, die Umnutzung der alten Post für zentrumsnahes Wohnen, die Umstellung der Ortsbeleuchtung gemäß Energieeffizienz, Verkehrssicherheit und Gesundheit, die Schaffung von Begegnungs-und Dokumentationsräumen in hoher architektonischer Qualität, die Stärkung des lokalen Wirtschaftspotenzials und des touristischen Angebots unter der Dachmarke „Hinterstoder pur“, die Förderung einer nachhaltigen Mobilität für Einheimische und Gäste sowie eine Vielfalt an herausragenden Aktivitäten im Bereich Kunst und Kultur. Kurz und gut: Hinterstoder wird dem Motto ‘we!ter denken‘ auf eine umfassende und strahlkräftige Weise in bester Form und höchster Qualität gerecht“, heißt es in der Beurteilung der Bewertungskommission.

 

23 Einreichungen aus ganz Europa auf hohem und höchstem Niveau

 

Neben der Siegergemeinde Hinterstoder haben es noch 13 weitere Teilnehmer in die höchste Kategorie geschafft, die jene Orte umfasst, die sich durch eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität auszeichnen. An neun Teilnehmer wird ein Euro­päischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwick­lung verliehen. Aufgrund der ungewöhnlich hohen Qualität der 23 Einreichungen, wurde heuer erstmals weder ein „Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung“ noch eine „Lobende Anerkennung besonderer Leistungen“ vergeben.

 

Innovationspreis in Memoriam Camille Gira

 

Auf Anregung der Geschäftsführung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung wird in Erinnerung an und Wertschätzung für den kürzlich verstorbenen luxemburgischen Staatssekretär Camille Gira, Bürgermeister der Siegergemeinde 1996 Beckerich und langjähriges Mitglied der Jury um den Europäischen Dorferneuerungspreis, ein „Innovationspreis in Memoriam Camille Gira“ in Leben gerufen. Er geht an die niedersächsische Dorfgemeinschaft Flegessen – Hasperde – Kleinsüntel für einen herausragenden basisdemokratischen Prozess, der von globalem Verantwortungsbewusstsein und nachhaltiger Orientierung geprägt ist.

 

Die Preisverleihung, die den Höhepunkt einer mehrtägigen Veranstaltung mit Exkursionen, Ausstellungen und kulturellen Begegnungen bildet und ein großes europäisches Fest sein wird, findet vom 20. bis 22. September 2018 in der Siegergemeinde des vergangenen Wettbewerbes, nämlich in der Tiroler Gemeinde Fließ, statt.

Europäischer Dorferneuerungspreis 2018: Hinterstoder Oberösterreich, Österreich

 

Der Entwicklungsprozess „talaufwärts – vom Schlusslicht zum Vorzeigeort“ hat in der rund 930 Einwohner/innen zählenden Gemeinde bereits im Herbst 1991 begonnen. Die zentralen Erfolgsfaktoren des integrierten und ganzheitlichen Entwicklungsprozesses in Hinterstoder sind konsequente und aktive Bürgerbeteiligung, zahlreiche kreativ und kooperativ mitgestaltende Akteure sowie das Selbstverständnis, mit dem Nachhaltigkeit, Innovation und Modernität verfolgt und gelebt werden. Mit dem Ziel, für Bewohner/innen wie auch für Gäste ein Mehr an Lebensqualität zu verwirklichen, hat die Gemeinde 1994 mit der dorfgerechten Umgestaltung der Durchgangs­straße sowie mit der Schaffung von attraktiven Dorfplätzen oder Begegnungspunkten im Ortskern begonnen. Die Bestellung eines externen Architekten und Ortsplaners und insbesondere die Organisation von Architektur-Wettbewerben als Novum der Hinterstoderer Gemeindepolitik führten zu mehr Qualität bei kommunalen Gestaltungsfragen sowie zu neuen Formen von Partnerschaft und strategischer Zusammenarbeit. In diesem Geiste entstanden mehrere baukulturelle Highlights wie das preisgekrönte Veranstaltungszentrum Höss-Halle und das Vereinshaus.

 

Weitere integrierte Projekte fallen unter die Themenbereiche der nachhaltigen Raumentwicklung, der Verbesserung der Lebensqualität im Dorf sowie der Stärkung des lokalen Wirtschaftspotenzials und des touristischen Angebotes. Unter aktiver Einbindung und Mitgestaltung der lokalen Land- und Forstwirte/innen, der Tourismus­betriebe sowie weiterer lokaler Engagierter wurden ebenfalls innovative kommunale Projekte umgesetzt. Besonders erwähnenswert sind die Etablierung der Dachmarke „Hinterstoder pur“ für sämtliche touristische Winter- wie auch Sommerangebote sowie die Teilnahme am internationalen Netzwerk „Alpine Pearls“ mit einem klaren Bekenntnis zum Ökotourismus und sanfter, nachhaltiger Mobilität für Einheimische wie auch Gäste.

 

Zahlreiche Maßnahmen dokumentieren das Engagement zur Stärkung der lokalen Identität und des Selbstbewusstseins der Dorfgemeinschaft, zur Hebung der „inneren Wertschöpfung“, zeugen von gesellschaftlichem Engagement und sind von der Bildung von Netzwerken und lokalen wie auch überregionalen Kooperationen geprägt. Besonders stechen dabei die Initiativen „Stodertaler WIR-te“ und „Landinger Sommer“ als jährliche Sommerfrische-Woche zum kreativen Themen-Input von engagierten Menschen aus Stadt und Land sowie zahlreiche regelmäßige Veranstaltungen in den Bereichen Kunst und Kultur wie „Landschaft revisited“, „Augenblicke“, „Ars Vivendi“, „Stodertaler Advent“ und viele mehr ins Auge. Erwähnenswert ist auch das mit dem Museum of the Year 2000 Award ausgezeichnete Dokumentationszentrum Alpineum. Zusammenfassend zeigt Hinterstoder eindeutig und äußerst facettenreich, wie die Hebung der Lebensqualität in einem attraktiven, innovativen und zukunftsfähigen Dorf zum Schlüsselfaktor eines partizipativen Entwicklungsprozesses werden kann. Die Dynamik und der Erfolg basieren maßgebend auf dem regen Ideenaustausch über kreative Kooperationen mit den ruralen wie den urbanen Lebenswelten. Weitere Highlights aus einer Vielzahl an realisierten Projekten sind die Erstellung eines Naturraum-Entwicklungskonzeptes für das Stodertal, die konkrete Rückwidmung von Baugrundstücken in Grünland, die Renaturierung des Naturjuwels Schiederweiher, die effiziente Nutzung von endogenen Rohstoffen zur Wärmegewinnung, die Umnutzung der alten Post für zentrumsnahes Wohnen und die Umstellung der Ortsbeleuchtung, die einem qualitätvollen Konzept folgt und neben der Energieeffizienz und der Verkehrssicherheit auch gesundheitliche Aspekte des Phänomens Licht berücksichtigt.

 

Methodik, Nachhaltigkeit, vorbildliche Partizipationskultur und beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement sind sehr hoch zu bewerten, auch dem Motto „we!ter denken“ wird man in Hinterstoder auf vielfältige und strahlkräftige Weise gerecht. Das bewusste Einbringen von konsequenter Beratung durch externe Fachplaner/innen oder Behörden sowie eine abgestimmte Prozessplanung erscheinen als deutlicher Pluspunkt des integrierten Entwicklungsprozesses. Dies ist „we!ter denken“ über den eigenen Tellerrand in bester Form und höchster Qualität.

 

 

Innovationspreis in Memoriam Camille Gira

 

Die Dorfgemeinschaft Flegessen – Hasperde – Kleinsüntel, Niedersachsen, Deutschland, als Verwaltungseinheit der Gemeinde Bad Münder im Weserbergland besticht durch einen außergewöhnlichen Bottom Up-Prozess einer selbstbestimmten und selbstverantworteten Erneuerung, der Inspiration für viele ländlichen Regionen Europas sein kann. Auf Basis eines vernetzten globalen Wissens- und Erfahrungsaustausches mit Vertretern/innen der Transition-Town-Bewegung und der Nutzung konkreter Potenziale vor Ort werden in einer partizipativen, basisdemokratischen, vereins-, parteien- und generationenübergreifenden „Ideenwerkstatt Dorfzukunft“ Maßnahmen und Projekte generiert, konzipiert, finanziert, realisiert und betrieben.

 

Die konkreten Umsetzungen reichen vom Programmkino in der Kirche, einer zu ironischer Selbstreflexion anstiftenden Film-AG, der Dorfzeitung „Süntelblatt“, einer Immobilien-Leerstands-Vermittlungs-AG für „Neues Leben in alten Mauern“, einem Repair-Café, einem Mitfahrpunkt mit Mitfahrplan, einem in Planung befindlichen gemeinschaftlichen Wohnprojekt im ehemaligen Pfarrhaus und – ein echter Leuchtturm – einem als Unternehmer- und Verbrauchergemeinschaft geführten Dorfladen mit ausschließlich biologischen oder regionalen Lebensmitteln. Durch den ehrenamtlich mitgliederbasierten Betrieb können die hochwertigen Produkte bemerkenswert günstig angeboten werden. Ganzheitliche Wirtschaftsförderung als Regionalwert AG und eine regionale Währung im Weserbergland sind die längerfristigen Planungen in der Überzeugung, dass ein zukunftsorientiertes und nachhaltiges Leben im ländlichen Raum vor allem durch eine regionalisierte und gemeinwohlorientierte (Land-) Wirtschaft, Ernährung, Energieerzeugung und Mobilität verwirklicht werden kann.

 

Der Preis wird in Erinnerung und Wertschätzung an den kürzlich verstorbenen luxemburgischen Staatssekretär Camille Gira, Bürgermeister der Siegergemeinde 1996 Beckerich und langjähriges Mitglied der Jury um den Europäischen Dorferneuerungspreis, vergeben.

 

 

Europäischer Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität

(in alphabetischer Reihenfolge)

 

Verbandsgemeinde Bad Schandau, Sachsen, Deutschland, hat im Zuge einesbeispielhaften Prozesses unter einer überdurchschnittlich breiten Einbeziehung der Bürger/innen die Entwicklung des Leitbildes „Perspektive Bad Schandau“ vorangetrieben und daran anschließend konsequent umgesetzt. Besonders stechen dabei die grenzüberschreitende Koordination der Maßnahmen bei Hochwasserschutz und zeitgemäßen touristischen Erlebnisangeboten, die vorausschauende Umgestaltung der gesundheitlichen Dienstleistungen, das logistisch und räumlich sorgfältig ausgearbeitete öffentliche Bussystem sowie die elektronische Plattform „Gutes von Hier“ zur Direktvermarktung heraus. Zusammen mit der behutsamen baulichen Restaurierung von Altbauten mit komplexen architektonischen Maßnahmen ergibt sich eine mottogerechte Denkweise. Hervorzustreichen sind schließlich noch die partnerschaftliche Zusammenarbeit der drei Verbandsgemeinden Bad Schandau, Rathmansdorf und Reinhardtsdorf-Schöna mit ihren jeweiligen Zentralorten und Ortsteilen sowie das Engagement der Ehrenamtlichen für Flüchtlinge in einem sehr schwierigen Umfeld.

 

 

Duchroth und Oberhausen an der Nahe, Rheinland-Pfalz, Deutschland, zeichnen sich durch eine begrüßenswerte intensive interkommunale Zusammenarbeit aus. Der Start des Dorferneuerungs­prozesses in Duchroth stand unter der Devise „Unser Neubaugebiet ist der Ortskern“ und damit einem starken Bekenntniss zur Innenentwicklung. Die Revitalisierung von über 50 Objekten im Ortskernbereich bestätigt eindrucksvoll die Nutzung des Leerstandes und damit die Inwertsetzung der vorhandenen Infrastruktur. Eine weitere große Stärke stellt die Gestaltung des öffentlichen Raumes, die sich insbesondere in der Reaktivierung des historischen Ringpfades zeigt, dar. In Oberhausen werden die Umnutzung des alten Bahnhofgebäudes in ein High-Tech-Zahnlabor, die Innovationskraft der Winzerbetriebe und die bauliche Umsetzung zeitgemäßer Architekturlösungen hervorgehoben. Die Erarbeitung einer Zukunftsvision Dorf 4.0 in Zusammenarbeit mit der Hochschule Offenbach verdient ebenfalls besondere Erwähnung.

 

Groß Schönebeck, Brandenburg, Deutschland, besticht durch die Bewältigung des radikalen Funktionswandels in der Forstwirtschaft und in der Jagd nach der Wende und durch das Annehmen und innovative Weiterentwickeln der neuen Gegebenheiten, die durch die Ausweisung des Biosphärenparks Schorfheide entstanden sind. Auffällig ist die intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte, die unter anderem in der Ausstellung „Jagd und Macht“ ihren Ausdruck findet und als sinnvolle „Nachnutzung der Vergangenheit“ gewertet werden darf. Die Schaffung eines neuen Lebensgefühls durch eine herausragende und durchgängige Offenheit gegenüber Neuem und Andersartigem, die sich in mehreren erfolgreichen Projekten manifestiert, sowie die Entwicklung und konsequente Umsetzung hochwertiger partizipatorischer Prozesse werden dem Motto „we!ter denken“ besonders gerecht. Diese Leistung ist umso bedeutender, als dass Groß Schönebeck innerhalb der Großgemeinde Schorfheide in vielen Entwicklungsfragen und Projektgenehmigungen von der Meinungsbildung in der Großgemeinde abhängig ist.

 

 

Hopfgarten in Defereggen, Tirol, Österreich, wählte im Laufe des rund 20-jährigen Entwicklungsprozesses seinen ganz eigenen autonomen Weg, dem eine intensive Auseinandersetzung mit den vorhandenen Potenzialen und den daraus resultierenden mittel- und langfristigen Chancen für die rund 700 Seelen zählende Gemeinde zugrunde liegt. Viele facettenreiche und integrierte Projekte und Initiativen dokumentieren eine konsequente Neu-Orientierung, in deren Mittelpunkt die Schaffung von hoher Lebensqualität für alle Dorfbewohner/innen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen sowie die Wahrung von Authentizität und starker Identität bei gleichzeitig ansteckender Offenheit stehen. Alle Projekte und Initiativen orientieren sich an der Devise: Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun. Sie sind einerseits von breitem ehrenamtlichen Engagement und aktiver Teilnahme der Bürger/innen und andererseits von tragfähigen überregionalen Kooperationen geprägt.

 

 

Iszkaszentgyörgy, Komitat Fejér, Ungarn, zeichnet sich durch eine umfassende und ganzheitliche Entwicklung aus, die den Bedürfnissen der Einwohner/innen gerecht wird. Die Gemeinde bemüht sich dabei, alle vorhandenen Potenziale auszuschöpfen. Mit Problemen setzt man sich sehr bewusst auseinander, was sich auch bei der Lösungsfindung als zielführend erweist.  Mit enormer Eigeninitiative wurde Bemerkenswertes erreicht. Vorbildhaft sind der Umgang mit dem kulturellen Erbe, die effizienten und attraktivn Infrastrukturen für die Bewohner/innen, insbesondere für ältere Menschen einerseits und die Jugend andererseits, sowie das hochwertige Gesundheitswesen. Das alles spiegelt sich auch an der hohen Zahl an Arbeitsplätzen im Dorf. Erwähnenswert ist schließlich auch der große ehrenamtliche Einsatz der Bevölkerung.

 

Iszkaszentgyörgy fejlődése a falufejlesztés összes tématerületére kiterjedően átfogó jellegű, az ott élők igényeihez alkalmazkodik. Igyekszenek az összes rendelkezésükre álló erőforrást, lehetőséget kihasználni. Tudatosan és célratörően oldják meg a községben felmerülő problémákat. Jelentős eredményeket értek el saját önálló kezdeményezéseik végrehajtásával. Példaszerűen gondoskodnak a rájuk bízott kulturális örökségről, a lakosság, különösen a fiatalok és az időskorúak szociális, egészségügyi ellátásáról. Ez a gondoskodás a helyi munkahelyek számában is megnyilvánul. Mindezen teljesítmények a lakosság nagymértékű közreműködésével valósultak meg. Ezért Iszkaszentgyörgy község Európai Falumegújítási Díjban részesül átfogó, fenntartható és a mottónak megfelelő magas színvonalú falufejlesztési tevékenységéért.

 

 

Kašava, Region Zlín, Tschechische Republik, zeichnet sich durch eine nachhaltige Dorfentwicklung auf Basis guter Planungsgrundlagen und intensiver Kooperationen mit Nachbarregionen aus. Mit der Umsetzung der Konzepte unter Einbindung von Bevölkerung und Experten/innen wurden wichtige Schritte für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung gesetzt. So wurde etwa mit der Erhaltung der Biotope, Wiesen und alten Obstsorten ein wichtiger Beitrag zur Artenvielfalt geleistet. Auch das Engagement der Gemeinde zur Förderung des sozialen Lebens ist hervorragend, Bauprojekte verstärken den sozialen und gemeinschaftlichen Aspekt. Erwachsenenbildung wird groß geschrieben, ein Zweckfonds unterstützt kulturelle und sportliche Aktivitäten. Dadurch ist es möglich, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu festigen und Projekte gemeinschaftlich umzusetzen. Dem Motto des Preises „we!ter denken“ wird darüber hinaus mit weiteren Maßnahmen in den Bereichen Ökologie und alternativer Energie entsprochen. Insgesamt ist Kašava damit sehr gut für eine Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen gerüstet.

 

Kašava se vyznačuje udržitelným rozvojem obce na základě dobrého plánování a intenzivní spolupráce se sousedními regiony. Důležité kroky k dalšímu rozvoji orientovanému na budoucnost představuje realizace konceptů, do nichž jsou zapojení obyvatelé a experti. Tak se například výrazně přispělo k druhové pestrosti péčí o biotopy, louky a staré druhy ovoce. Také nasazení obce v oblasti podpory sociálního života je nadstandardní, stavební projekty posilují sociální a komunitní aspekt. Vzdělávání dospělých hraje důležitou roli, účelový fond podporuje kulturní a sportovní aktivity. Díky tomu je možné posílit cit pro pospolitost a realizovat společně projekty. Mottu soutěže kromě toho odpovídají další aktivity v oblasti ekologie a alternativních zdrojů energie. Celkově je Kašava díky tomu velmi dobře vybavena pro zvládání budoucích výzev. Kašava se vyznamenává Evropskou cenu obnovy vesnice za celistvý, udržitelný a mottu odpovídající rozvoj vesnice vysoké kvality. Kašava se vyznamenává Evropskou cenu obnovy vesnice za celistvý, udržitelný a mottu odpovídající rozvoj vesnice vysoké kvality.

 

 

Loikum, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, hat sich dem Leitspruch „Keiner kann alles, niemand kann nichts, gemeinsam schaffen wir viel“ verschrieben, der 2003 gestartete Entwicklungsprozess folgt nicht zuletzt deshalb dem Bottom up-Prinzip, das von Instrumenten wie der Zukunfswerkstatt unter Zuhilfenahme externer Berater/innen getragen wird. Ein Highlight des zukunftsorientierten Entwicklungsprozesses ist das Glasfasernetz, das bereits 2013 in Eigeninitiative und Eigenleistung installiert wurde, hochwertigste Homeoffice-Arbeitsplätze für global operierende Unternehmen sind dadurch entstanden. Großes Augenmerk wird auf die Siedlungsentwicklung, auf unterschiedliche Bedürfnisse abgestimmtes Wohnen, eine attraktive Nahversorgung, die in enger Kooperation mit den örtlichen Biobauern/Biobäuerinnen gewährleistet wird, gelegt. Bemerkenswert ist auch der Betrieb des Bürgerbusses, der von rund 50 Ehrenamtlichen betrieben wird. Positiv sind darüber hinaus der eingeschlagene Weg in Richtung Energieautarkie, die Ortsbildpflege und das rege Vereinsleben zu bewerten.

 

 

Markt Stamsried, Bayern,  Deutschland, besticht in seinem 35-jährigen Entwicklungsprozess durch außerordentliche Kontinuität bei gleichzeitiger Innovationskraft, dank derer aus dem strukturschwachen Dorf am Eisernen Vorhang eine moderne Marktgemeinde entstanden ist. Zu den interessantesten Projekten zählen die Revitalisierung des barocken Schlossparks mit dem Naturbad und dem „Pfad der Selbsterfahrung“ sowie die Renaturierung der Kirchbachaue, die sich mit Kneipptretbecken, Barfußpfad, Spielplatz und keltischem Baumkreis zu einem attraktiven Naherholungsgebiet entwickelt hat. Die gute und solide städtebauliche Planung mit viel externer Expertise ist wegweisend, in diesem Geiste sind auch der Umgang mit Baulücken und Leerständen und die fußgängerfreundlichen Maßnahmen im Ortszentrum vorbildlich. Kooperationen, etwa im Bereich des Tourismus sind ebenso erwähnenswert wie der Umgang mit neuen Bürgern/innen. Bestechend ist der Weg hin zur Energieautonomie, der sich in zahlreichen aufeinander abgestimmten Projekten manifestiert.

 

 

Oravská Polhora, Region Žilina, Slowakische Republik, beeindruckt mit herausragendem bürgerschaftlichem Engagement, einem mit Experten/innen erstellten, richtungweisenden Entwicklungskonzept und einer Schwerpunktsetzung auf Umweltbildung, die bereits in der Grundschule beginnt und auf breiter Basis gelebt wird. Eine eingerichtete Seniorenuniversität verstärkt den Bildungsansatz. Auf dem Weltkulturerbe des Dudelsackes aufbauend hat sich die Gemeinde zum weit überregionalen Zentrum dieser Kultur entwickelt. Sie ist bestrebt, den nachhaltigen Tourismus zu fördern, wozu die Nutzung einer vorhandenen Heilquelle für die Errichtung eines Heilzentrums und von Radwegen wichtige Beiträge sind. Begleitend dazu wird die Schaffung von Arbeitsplätzen im Gewerbebereich aktiv vorangetrieben und der Abwanderung entgegengewirkt. Als wichtige Herausforderungen sind die sozialen Dienste und die Schaffung von Wohnraum erkannt worden und befinden sich in der Lösungsphase. Die Mottogerechtigkeit ist durch ein facettenreiches „we!ter denken“ in vielen Bereichen gewährleistet.

 

Oravská Polhora získava Európsku cenu obnovy dediny za komplexný, trvalo udržateľný a motto sledujúci rozvoj vynikajúcej kvality.

Oravská Polhora imponuje vynikajúcou občianskou angažovanosťou, expertmi zostavenou smerodajnou koncepciou rozvoja a ťažiskovou orientáciou na environmentálne vzdelávanie, ktoré začína už na základnej škole a je aplikované v širokom meradle. Tu zriadená univerzita seniorov posilňuje prístupy vo vzdelávaní. Nadväzujúc na svetové dedičstvo gajdošov, sa obec stala centrom tejto kultúry. Snaží sa podporovať udržateľný cestovný ruch, pre ktorý sú významným potenciálom cyklotrasy a miestny liečivý prameň. S tým súvisí aj aktívne vytváranie pracovných miest v komerčnom sektore, čo pôsobí proti odchodu mladých. Dôležitou výzvou sú služby v sociálnej oblasti a výstavba bytov. Súlad s mottom sa prejavuje rozmanitým „myslením dopredu“ v mnohých oblastiach života obce. Oravská Polhora získava Európsku cenu obnovy dediny za komplexný, trvalo udržateľný a motto sledujúci rozvoj vynikajúcej kvality.

 

St. Andrä, Kärnten, Österreich, schaffte mit dem 2013 begonnen Prozess die Trendwende weg von der Depression zur zukunftsfähigen Entwicklung, die von reger Bürgerbeteiligung und intensivem Austausch zwischen Gemeindeverwaltung und Bürger/innen getragen wird. So konnte sowohl im privaten wie auch im unternehmerischen Bereich proaktiv ein positives Investitionsklima geschaffen werden, das insbesondere dem Stadtkern zu neuem Leben verholfen hat. Das dabei angewandte aktive Leerstandsmanagement zur Förderung von neuen Nutzungskonzepten ist genauso als beispielhaft zu nennen wie das innovative Public-Private-Partnership-Modell, das beim Bau und Betrieb des neuen Rathauses zur Anwendung kommt. Die architektonische und bauliche Qualität der sanierten, umfunktionierten oder neu errichteten Objekte ist hoch. Die Lebendigkeit des Stadtkerns manifestiert sich schließlich auch in regem kulturellen Leben und steigender touristischer Attraktivität, wobei insbesondere der Exkursionstourismus hinsichtlich Orskernbelebung zu nennen ist, der gleichzeitig auch eine positive Bestätigung des eingeschlagenen Weges darstellt.

 

 

Truden, Südtirol, Italien, lief aufgrund der abseitigen Lage und wenig touristischen Entwicklung Gefahr, in vielen zentralen Bereichen der Gemeindeentwicklung den Anschluss zu verpassen. Zahlreiche Leerstände vor allem in der historischen Bausubstanz im Ortskern sowie fehlende Einrichtungen für Kinder und Senioren/innen waren nur einige der vielen anzupackenden Aufgaben. In einer beispielhaften neuen Partizipationskultur gelang es der erst 2015 neu gewählten Gemeindeverwaltung, das Blatt zu wenden. Im Rahmen eines gemeindlichen Leerstandsmanagements konnten zahlreiche junge Familien überzeugt werden, statt neu zu bauen, vorhandene Bausubstanz zu nutzen, damit den Ortskern zu beleben und zum schonenden Umgang mit der Ressource Boden beizutragen. Wegweisend sind auch der Ausbau der Elektromobilität, die Inwertsetzung des gemeindeeigenen Waldes, zahlreiche Einrichtungen für Jugendliche und Senioren und die Verknüpfung von Landwirtschaft und Tourismus, die durch den bewussten Verzicht auf Hagelnetze sichtbaren Ausdruck findet.

 

 

Waidhofen an der Ybbs, Niederösterreich, Österreich, zeichnet sich durch einen langjährigen Entwicklungsprozess aus, der 1988 in den Katastralgemeinden begann und 1993 einen umfassenden Stadterneuerungsprozess induzierte, der in der ambitionierten Vision 2030 mündete – einem hochkarätigen Leitfaden für die gesamte Gemeinde im Bereich Wohnen, Arbeiten und Tourismus, der gemeinsam von Bürgern/innen, Experten/innen und politisch Verantwortlichen formuliert wurde. Die Umsetzung dieser Vision ist bereits weit fortgeschritten und in einer Vielzahl von Leuchtturmprojekten in den Bereichen Baukultur, Regionalwirtschaft, Kunst und Kultur, zeitgemäßer sozialer Infrastruktur wie auch Ökologie ersichtlich. Zahlreiche Maßnahmen wurden in interkommunaler Zusammenarbeit realisiert, so arbeitet die Gemeinde beispielsweise beim Breitbandausbau, der gemeindeübergreifenden Flächenwidmung und im Rahmen des ÖPNV unter anderem mit der Hauptregion Mostviertel, der Kleinregion und der Leaderregion Eisenstraße zusammen.Herausragend erscheint auch die Installierung eines „Stadtkümmerers“, der die Innenstadt-Unternehmer und die Verwaltung koordiniert und somit zur Innenstadtaufwertung beiträgt. Generell sind die Offenheit für Heterogenität und Vielfalt, zeitgemäße Beteiligungs­strukturen und breites bürgerschaftliches Engagement sowie das beispielhafte Miteinander von Stadt und Land auf Augenhöhe positiv zu erwähnen.

 

 

Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung

 

 

Germerode, Hessen, Deutschland, baut seinen Entwicklungsprozess auf den bestehenden Potenzialen wie historische Klosteranlage, Bildungsstätte „Altes Forsthaus“, Gastronomie und Wildpark, Gewerbe- und Handwerksbetriebe sowie viele aktive Vereine auf, wagt aber auch Neues. Dank einer Inspiration aus Österreich wird Germerode durch das Thema Mohnblüte geprägt. Der innovative Ansatz zur ihrer Vermarktung integriert die Landwirtschaft, die Herstellung von regionalen Spezialitäten sowie den Vertrieb vor Ort und funktioniert hervorragend als eine Attraktion für Touristen, die den Geo-Naturpark Frau Holle-Land besuchen. Die Förderung der standortverträglichen Erwerbsmöglichkeiten mit Blick auf regionale Wertschöpfungsketten gelingt dadurch beispielhaft. Die Gesellschaft zur Erhaltung der Klosteranlage, der viele Dorfbewohner/innen angehören, kümmert sich um das einzigartige Kulturerbe vor Ort. Dank der Evangelischen Communität Koinonia wird Germerode zum Zentrum der Spiritualität und Besinnung. Unter den Aktivitäten zahlreicher Vereine ist vor allem die Initiative des Vereins Dorfzentrum Germerode zu nennen, die auf eine seniorengerechte und familienfreundliche Entwicklung des Dorfes etwa mit barrierefreiem Wohnen für Jung und Alt abzielt. Mit der Eröffnung des Dorflandens mit einem Café ist es gelungen, die Grundversorgung im Dorf zu gewährleisten.

 

 

Heřmanov, Region Vysočina, Tschechische Republik, zeichnet sich nach dem politischen Umbruch durch die zuerst erbrachten Leistungen und Investitionen im Infrastrukturbereich – Wasser, Gas, Elektrizität, Telefon und Kanal – sowie die hervorragend gelungene Renovierung des Pfarrhofs aus. Hervorzuheben ist auch die Steigerung der Lebensqualität im Dorf durch ein sehr reges Vereinsleben und die Schaffung des Kulturzentrums Hermanek im ehemaligen Volksschulgebäude, in dem sehr vielen Akzente für Jung und Alt gesetzt werden. Der Ansatz, den „sanften Tourismus“ mit einem Wander- und Radwegenetz in einer so großartigen Naturlandschaft zu forcieren, wird als richtig und zukunftsweisend beurteilt und es gibt auch schon erste Erfolge. Dazu zählen ein realisierter Naturlehrpfad mit 16 Stationen und ein Biobetrieb mit 27 Hektar, der auch ein Ferienhaus vermietet. Das Motto „weiter denken“ wird durch viele geplante neue Projekte hier offensichtlich gelebt.

 

Počítají se k nim ponejprv aktivity a investice v oblasti infrastruktury – voda, plyn, elektřina, telefon a kanalizace, jakož i nadstandardně vydařená renovace fary. Vyzdvihnout je třeba také zvýšení kvality života díky čilému spolkovému životu a vytvoření kulturního centra Heřmánek v budově bývalé obecní školy s mnoha aktivitami pro mladé i starší. Přístup zaměřený na podporu „šetrného turismu“ se sítí turistických a cyklistických tras v tak nádherné přírodní krajině je také hodnocen jako správný a směrodatný pro budoucnost a vykazuje již první úspěchy. K nim se počítá realizovaná přírodní naučná stezka se 16 zastávkami a zemědělský podnik zaměřený na bioprodukci s 27 hektary, který nabízí také ubytování pro turisty. Motto „MYSLET DÁL“ je zde díky mnoha nově plánovaným projektů viditelně žito. Heřmanov se vyznamenává Evropskou cenou obnovy vesnice za zvláštní výsledky ve více oblastech rozvoje vesnice. Heřmanov se vyznamenává Evropskou cenou obnovy vesnice za zvláštní výsledky ve více oblastech rozvoje vesnice.

 

 

Holzheim, Ostbelgien, Belgien, begann seinen Entwicklungsprozesses mit der Gründung eines Dorfvereines im Jahr 2003, mit Hilfe dessen es gelungen ist, nahezu alle Dorfbewohner/innen zu mobilisieren und damit eine hohe und qualitätvolle Bürgerbeteiligung zu etablieren. Das daraus resultierende überdurchschnittliche bürgerschaftliche Engagement ist allgegenwärtig und verdient hohe Anerkennung. Die derzeit laufende Realisierung des Dorfhauses mit zwei „Sprungbrett-Wohnungen“, das Pilotprojekt zur Abwasserklärung, die hohe Sensibilität für ökologische Fragen, die sich unter anderem in der hohen Dichte biologisch wirtschaftender Landwirte/innen manifestiert, und die Installation alternativer Energieformen sowie das Bauland-Modell in der Ortsmitte stellen herausragende Projekte für das kleine Dorf mit seinen rund 100 Einwohnern/innen dar.

 

 

Langenstein, Sachsen-Anhalt, Deutschland, hat es für ein vom Umbruch nach 1990 betroffenes Dorf in einem seit Jahrzehnten laufenden Entwicklungsprozess mit großem Engagement von Bürgern/innen sehr gut geschafft, die vorhandenen Potenziale zu nutzen und fortzuentwickeln. Langenstein verfolgt das Ziel, sich in der Nordharzregion als ein Standort mit Lebens- und Wohnqualität für jüngere und ältere Menschen zu etablieren. Der Dorfkern wurde mit dem Ausbau der Kultur- und Festscheune auf dem denkmalgeschützten Schäferhof gestärkt, die einzigartigen Höhlenwohnungen wurden restauriert, erhalten und in Wert gesetzt, die Erinnerungskultur an die Opfer des ehemaligen Konzentrationslagers wird für die Gegenwart nutzbar gemacht, eine neue Schule wurde in Bürgerverantwortung gegründet, das Vereinsleben gestärkt und weitere Projekt angedacht und ausdiskutiert.

 

 

Nahetal-Waldau, Thüringen, Deutschland, hat den strukturellen Wandel, der durch die Wiedervereinigung Deutschlands notwendig wurde, aktiv gestaltet und kann auf einige hervorragende Ergebnisse des mit Bürgerbeteiligung durchgeführten Entwicklungsprozesses verweisen. Das Bekenntnis zur Ortsinnenentwicklung und die Revitalisierung historischer und ortstypischer Gebäude mit Fachwerk und Schieferfassade ist vorbildhaft gelungen. Besonders erwähnenswert ist die Aufrechterhaltung des Schulstandortes als Privatinitiative und damit verbunden die Stärkung der Identität und des Selbstbewusstseins der örtlichen Bevölkerung. Die Bemühungen um den sanften Tourismus im Zusammenhang mit dem Naturpark Thüringerwald tragen bereits Früchte.

 

 

Oosterlo, Flandern, Belgien, hat sich in besonderer Weise des Themenkreises Inklusion verschrieben und auf dem Niveau von Leuchtturmprojekten umfassende, aufeinander abgestimmte Maßnahmen umgesetzt. Die Arbeitsgruppe BuitenMaten hat eine qualitativ hochwertige Analyse des Dorflebens erarbeitet. Wichtige Projekte haben eine nachhaltige Belebung des Dorfes angestoßen: Die Natur wird als Erlebnis inszeniert, was in mehreren Projekten Berücksichtigung findet, die alte Schule wurde zu einem Dorfhaus umgebaut, das als Begegnungszentrum gemeinsam mit der Öffnung des Parks zu einer maßgeblichen Belebung des Ortszentrums geführt hat. Die Wiedereinführung des Jahrmarkts, die gemeinschaftliche Aussaat von Dinkel und einige weitere Projekte stärken das soziale Miteinander, lassen ein hohes Maß an nachhaltigem Bewusstsein erkennen und sind auf kluge Weise miteinander vernetzt.

 

Oosterlo, Vlaanderen, België, zet zich bijzonder in voor inclusie en heeft in vuurtorenprojecten alomvattende, gecoördineerde maatregelen geïmplementeerd. De werkgroep BuitenMaten voerde een kwalitatief hoogwaardige analyse van het dorpsleven uit. Belangrijke projecten brachten een duurzame opleving van het dorp op gang: De natuur wordt geënsceneerd als een ervaring in verschillende projecten en de oude school werd herbouwd tot een dorpshuis. Dat leidde als ontmoetingscentrum samen met de opening van het park tot een aanzienlijke heropleving van het dorpscentrum. De herintroductie van de jaarlijkse boerenmarkt, het gezamenlijk zaaien van spelt en enkele andere projecten versterken de sociale verbondenheid en zijn op intelligente wijze aan elkaar gelinkt. Oosterlo krijgt daarvoor een Europese prijs voor dorpsvernieuwing voor uitstekende prestaties op verschillende gebieden van de dorpsontwikkeling.

 

 

Ujazd, Opole, Polen, überzeugt mit einem 1997 begonnenen Erneuerungsprozess, der positive gesellschaftliche Entwicklungen ausgelöst hat. Es sind zahlreiche Dorferneuerungsgruppen entstanden, die sich im Zusammenwirken mit der Stadt Ujazd erfolgreich um die finanzielle Sicherung der dörflichen Projekte bemühen. Die Wirtschaftsentwicklung, gefördert vor allem durch die gute Anbindung an die Autobahn, aber auch die Sozial- und Wohnungspolitik, das breite kulturelle Angebot und die gepflegte Landschaft bewirken eine deutlich größere Attraktivität, die eine stark gesunkene Arbeitslosigkeit, leicht steigende Einwohnerzahlen und erste Rückkehrer zur Folge hat.

 

Gmina Ujazd przekonana do procesu odnowy wsi zainicjowanego w 1997 r., a który wywołał pozytywne zmiane społeczne. Powstały liczne grupy odnowy wsi, które współdziałając z miastem Ujazd z sukcesem starały się o środki finansowe na projekty wiejskie. Ich realizacja skutkowała prężnym rozwojem gospodarczym, któremu sprzyja przede wszystkim skomunikowanie z autostradą A4, ale również polityka społeczna i mieszkaniowa, a do tego bogata oferta kulturalna jak rownież ład krajobrazowy, wszystko to złożyło się w konskekwencji się na wyraźny wzrost atrakcyjnosci gminy, mocny spadek stopy bezrobocia, umiarkowany wzrost ilości mieszkańców i pierwsze powroty osób, które wyjechały za pracą.Gmina Ujazd zostaje wyróżniona Europejską Nagrodą Odnowy Wsi za szczególne osiągnięcia w wielu obszarach odnowy wsi.

 

 

Warta, Łódzkie, Polen, zeichnet sich in besonderer Weise dadurch aus, dass es als Großgemeinde mit 68 verstreuten Ortsteilen und einer denkbar schlechten infrastrukturellen Ausgangslage einen Entwicklungsprozess mit zwei großen Schwerpunkten und etlichen kleineren Projekten in Gang gesetzt hat. Die beiden Schwerpunkte beziehen sich auf den Hauptort Warta mit der Schaffung von Außen- und Innenräumen für kulturelle und kreative Veranstaltungen sowie von interessanten touristischen Angeboten rund um den Wassersport im Jeziorsko-Staubecken. Gleichzeitig wurde durch viele kleinere Projekte in verschiedenen Bereichen das Vereinsleben in den Ortsteilen gefördert. Aufbauend auf bemerkenswert hohen Eigenleistungen konnte eine große Zahl an identitätsstiftenden Aktionen realisiert und damit die Dorfgemeinschaften deutlich gestärkt werden.

 

Warta wyróżnia się szczególnie tym, że jest wielką powierzchniowo gminą miejsko-wiejską składającą się z 68 rozproszonych sołectw i miejscowości, która będąc w trudnej sytuacji wyjściowej, jeżeli chodzi o infrastrukturę, wdrożyła proces zmian opierający się na dwóch priorytetach jak również na bazie licznych pomniejszych projektach. Priorytety dotyczyły miasta Warty, siedziby gminy i stworzenia odpowiedniej przestrzeni publicznej i infrastruktury lokalowej przeznaczonej na działalność kulturalną i imprezy kreatywne, jak również przygotowano interesującą ofertę turystyczną dotyczącą sportów wodnych na terenie zbiornika Jeziorsko. Dodatkowo liczne mniejsze projekty doprowadziły do ożywienia działalności organizacji pozarządowych i stowarzyszeń na terenie poszczególnych sołectw. Bazując na godnym podziwu wysokim zaangażowaniu społeczności lokalnej i wkładzie własnym zrealizowano cały szereg działań budujących tożsamość lokalną i wyraźnie zacieśniając wspierając wspólnotę wiejską. Gmina Warta zostaje wyróżniona Europejską Nagrodą Odnowy Wsi za szczególne osiągnięcia w wielu obszarach odnowy wsi.

 

 

Witteveen, Niederlande, liegt als eines von 35 Dörfern der Gemeinde Midden-Drenthe in einem der am dünnsten besiedelten Teile der Niederlande. Die drohende Schließung der Grundschule sorgte 2011 für ein Erwachen, die Problematik des demografischen Wandels ehrlich zu erfassen und eigenbestimmt Lösungen für die Zukunft zu finden: Fusionierung von Grundschule und Jugendsport mit dem Nachbarort bei gleichzeitiger engerer Vernetzung der Radwegeverbindungen, Installierung der Arbeitsgruppe Nieuw Grijs (Neues Grau), das Projekt Naoberkracht, das Wünsche und Möglichkeiten der Dorfbewohner/innen in einer digitalen Kartei erfasst, private Hilfsanfragen und -angebote miteinander vernetzt und neue Projekte initiiert, sowie das ehrenamtliche Engagement für ein Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz. Aus der leer gefallenen Grundschule ist ein voll funktionierendes Mehrgenerationenzentrum geworden. Zusammenhalt und Engagement werden heute in Witteveen in außergewöhnlichem Maße und mit modernem Geist gelebt.

 

Witteveen is onderdeel van de 35 dorpen tellende gemeente Midden-Drenthe en geldt als één van de dunst bevolkte delen van Nederland. De dreigende sluiting van de basisschool in 2011 was het startmoment om de problematiek van de demografische veranderingen op een eigen, oorspronkelijke wijze aan te pakken. Witteveen nam het initiatief tot de fusie van de basisschool met het nabije buurdorp. Evenzo werd de voetbalverenigingen samengevoegd, werd gericht gestuurd op betere fietspaden-verbindingen tussen de dorpen, werd de werkgroep Nieuw Grijs in het leven geroepen, het project Naoberkracht gestart dat wensen en mogelijkheden van de dorpsbewoners zeer uiteenlopend inventariseert waardoor vraag- en aanbod met elkaar verbonden kunnen worden. De jury ontmoette in Witteveen enthousiaste dorpsbewoners die zelfbewust uiteenlopende vraagstukken succesvol aanpakken; in het bijzonder is daarbij te benoemen het initiatief om in de gemeente Midden-Drenthe een hoogwaardig en snel glasvezel-netwerk te realiseren. Uit de niet meer in gebruik zijnde basisschool in Witteveen is een centrum ontstaan voor alle generaties. Sociale samenhang, eigentijdse benadering en actief burgerschap zitten in de vezels van de Witteveen samenleving. De jury van de Europese Dorpsvernieuwingsprijs bekroont Witteveen met een prijs voor bijzondere prestaties op meerdere terreinen van de dorpsontwikkeling.

Für Landeshauptfrau Mikl-Leitner „ein Aushängeschild der NÖ Dorferneuerung“

 

Der Vertreter Niederösterreichs beim 15. Europäischen Dorferneuerungspreis ist die Statutarstadt Waidhofen an der Ybbs. Das gaben Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll, und Bürgermeister Werner Krammer heute, Donnerstag, in einem Pressegespräch im Landhaus in St. Pölten bekannt.

 

Für Landeshauptfrau Mikl-Leitner verbindet die Dorferneuerung und das Land Niederösterreich eine lange Erfolgsgeschichte. Viele Menschen seien bereit, sich in der Dorferneuerung freiwillig und ehrenamtlich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen. Aufgabe des Landes sei es, diese Dynamik in den Regionen zu unterstützen, zu begleiten und in übergeordneten Fragen auch richtungsweisend vorzugeben. An konkreten Maßnahmen nannte sie regionale Beschäftigungs-Initiativen, die Breitband-Offensive für schnelles Internet in allen Regionen, die Initiative Landarzt zur bestmöglichen Gesundheitsversorgung am Land, die Dezentralisierungs-Offensive mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen in die Regionen und den Ausbau von Straße und Schiene.

 

Die Landeshauptfrau erinnerte, dass die Projektwettbewerbe der Niederösterreichischen Dorf- und Stadterneuerung alle zwei Jahre durchgeführt werden. Der Sieger der Kategorie „Ganzheitlichkeit“ sei „ein Aushängeschild in Sachen Dorferneuerung“ und vertrete Niederösterreich auf europäischer Ebene im Zuge des Europäischen Dorferneuerungswettbewerbs. „Nur die Besten eines Landes aus 38 Regionen werden entsendet, das macht den Europäischen Dorferneuerungspreis, der heuer unter dem Motto ‚weiter denken‘ steht, so wertvoll“, so Mikl-Leitner. Die Preisverleihung findet im Herbst (September) in Fließ in Tirol statt. Die Landeshauptfrau ist überzeugt, dass Waidhofen an der Ybbs gut abschneiden werde und wünschte der Stadtgemeinde viel Erfolg.

 

Für Erwin Pröll soll die ARGE Orientierungshilfe geben bei der Weiterentwicklung des ländlichen Raums. Entscheidend bei der Dorferneuerung sind für ihn die Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit, die Bereitschaft „das Heft selber in die Hand zu nehmen“ und in Zeiten der Globalisierung „die Eigenschaften, Einzigartigkeit und Lebensweisen“ der Regionen zu erhalten.

 

Der ARGE-Präsident betonte, dass der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis seit dem Jahr 1990 ausgeschrieben wird und heuer zum 15. Mal stattfindet. Pröll ist überzeugt, dass Waidhofen an der Ybbs „unglaublich viel Potenzial in sich birgt und Chancen für ein gutes Abschneiden bei diesem Bewerb hat“.

Für Bürgermeister Krammer ist es eine besondere Auszeichnung, dass Waidhofen an der Ybbs als Niederösterreichs Vertreter teilnimmt. Waidhofen habe bereits seit 1988 in verschiedenen Ortsteilen im Rahmen der Dorferneuerung zahlreiche Projekte initiiert und umgesetzt. Heute zeichne Waidhofen neben einem historischen Stadtzentrum auch eine dörfliche Struktur aus.

Die Generalversammlung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung heißt die niederöster­reichische Landeshauptfrau in ihrem Gremium herzlich willkommen und freut sich über ihre damit einhergehende maßgebliche Verstärkung und Aufwertung.

 

„Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung ist ein wertvolles und starkes Netzwerk, das Europas Dörfern eine Stimme gibt, grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch im Bereich der Entwicklung ländlicher Räume fördert und herausragende Leistungen der Landbevölkerung weithin sichtbar macht. Niederösterreich hat hier von Beginn an eine Schlüsselrolle eingenommen und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Daher ist es mir ein großes Anliegen, die politische Repräsentanz des Landes Niederösterreich in der Generalversammlung der ARGE persönlich zu übernehmen“, erklärte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner anlässlich der Jahres­hauptversammlung 2017 der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, die am 16. Oktober in Krakau, Polen, abgehalten wurde und mit der offiziellen Installierung Mikl-Leitners ihren Höhepunkt fand. Sie folgt damit Landeshauptmann a. D. Dr. Erwin Pröll nach, der weiterhin die Funktion des ARGE-Vorsitzenden innehat.

 

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung wurde 1989 als eine Plattform des Ökosozialen Forums Österreich gegründet. Seit Februar 2007 ist sie ein eigenständiger Verein mit Sitz in St. Pölten, zu dessen Mitgliedern vorrangig europäische Regionen, Länder und Staaten zählen. Die Mitglieder sind durch jeweils zwei wahl- und stimmberechtigte Personen, üblicherweise ein/e PolitikerIn und eine/en MitarbeiterIn der Verwaltung, in der Vollversammlung/Generalversammlung vertreten.

 

Ziel der ARGE ist es, die Lebensqualität im ländlichen Raum zu steigern, das Selbstbewusstsein der Bürger/innen zu heben und deren Identität als lokal verwurzelte Europäer/innen mit gemeinsamen Werten zu stärken sowie die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des ländlichen Raumes als zukunftsfähige Lebens-, Erholungs- und Wirtschaftsräume bewusst zu machen.

 

Davon ausgehend wurde mittlerweile eine Fülle von Aktivitäten in verschiedenen europäischen Regionen gesetzt, die sich schwerpunktmäßig auf ökologische, öko­no­mische, soziologische und kulturelle Fragen des Dorflebens konzentriert haben. Neben internationalen Kongressen, Fachtagungen und Diskussions­veranstaltungen, Foto- und Multimediawettbewerben, zahlreichen Publikationen und regelmäßigen Studienfahrten sind hier vor allem die Wettbewerbe um einen Europäischen Dorferneuerungspreis, die im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführt werden, zu nennen. Die Auslobung des Europäischen Dorferneuerungspreises 2018 unter dem Motto „weiter denken“ erfolgte im Juni 2017.

 

Arbeit der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung durch „Masterplan. Aufschwung für den ländlichen Raum“ bestätigt. Erfolgreicher Teilnehmer am Europäischen Dorferneuerungspreis als Pilotgemeinde.

 

„Der von Minister Andrä Rupprechter initiierte Masterplan für den ländlichen Raum weist in die richtige Richtung, weil er Schwerpunkte aufgreift und Maßnahmenvorschläge bringt, die auf einen modernen, den Anforderungen von Gegenwart und Zukunft gerecht werdenden Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum abzielen“, zeigt sich die Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung,Theres Friewald-Hofbauer, erfreut.

 

Dass die im Masterplan aufgegriffenen Kapitel nahezu deckungsgleich jene Themenfelder widerspiegeln, die die ARGE in ihrer „Rural Roadmap. Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden“ vor drei Jahren herausgegeben hat, zeige deutlich, dass man in Österreich einen ganzheitlichen, tiefgreifenden und vernetzten Ansatz wähle, um die Vitalität des ländlichen Raumes zu gewährleisten. Friewald-Hofbauer: „Der Masterplan trägt in vielem die Handschrift der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung. Das ist letztlich nicht verwunderlich, ist er doch unter der Schirmherrschaft von ARGE-Präsident Erwin Pröll und – wie auch die Rural Roadmap – unter Einbindung von Bürgern/innen, Politik, Verwaltung sowie Experten/innen, nur eben auf europäischer Ebene, entstanden.“

 

Nun gelte es mit aller Anstrengung, Schritt für Schritt die Konkretisierung, Umsetzung und das Aufeinander-Abstimmen der im Masterplan angeregten Maßnahmen voranzutreiben und damit einen nachhaltigen Mehrwert für die gesamte Gesellschaft zu erwirken – dies sei freilich der mindestens genauso schwierige Part. „Unsere Erfahrungen in unserem Netzwerk von Akteuren in erfolgreichen Dorferneuerungsgemeinden zeigen aber, dass der Erfolg ländlicher Entwicklung maßgeblich vom politischen Willen und den entsprechenden Rahmenbedingungen sowohl auf nationaler als auch auf regionaler und kommunaler Ebene abhängig ist.“ Der Masterplan sei daher auch als wichtiges Signal für Verantwortungsträger/innen im ländlichen Raum zu werten.

 

Kirchberg an der Pielach: Erfolgreiche Teilnahme am Europäischen Dorferneuerungspreis und Pilotgemeinde für Audit

 

Das im Einklang mit dem Masterplan neu entwickelte Communal Audit des Landwirtschaftsministeriums ist für die ARGE, die seit vielen Jahren auf die Bedeutung von umfassender Prozessbegleitung setzt, besonders begrüßenswert. Mit dem niederösterreichischen Kirchberg an der Pielach fungiert denn auch ein Dorf als Audit-Pilotgemeinde, das im Zuge des im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfindenden Wettbewerbes um den Europäischen Dorferneuerungspreis erfolgreich von der interdisziplinären und international besetzen Jury evaluiert worden ist. Kirchberg an der Pielach erreichte bei seiner Teilnahme 2016 die höchste Kategorie und war damit Sieganwärter.

 

Potenzielle Preisträger kommender Jahre können vom neuen Communal Audit zweifelsohne profitieren – der Europäische Dorferneuerungspreis 2018, der unter dem Motto „WE!TER DENKEN“ steht, wurde erst vor wenigen Tagen ausgeschrieben.

 

Elektronische Landkarten als Wegweiser in eine prosperierende Zukunft

 

Dass das, was die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung mit ihrer elektronischen Roadmap, einer interaktiven Landkarte zu ausgewählten Best-Practice-Beispielen in ganz Europa, vor rund eineinhalb Jahren auf www.ruralroadmap.eu begonnen hat, auf der Homepage des Landwirtschaftsministeriums nun ein österreichisches Pendant gefunden hat, ist ebenfalls eine begrüßenswerte Neuerung. „Auch wenn es für ländliche Kommunalwesen keine fertigen Entwicklungskonzepte von der Stange geben kann und jedes Dorf, jede Gemeinde und jede Region ihre eigenen, auf die spezifischen Stärken aufbauenden Strategien entwickeln muss, sind Ideen-Pools, Know how-Transfer und Erfahrungsaustausch von unschätzbarem Wert. Elektronische Roadmaps wie die der ARGE und des BMLFUW können alle diese Funktionen erfüllen“, gibt sich Theres Friewald-Hofbauer abschließend überzeugt.

 

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24 Dörfer aus 11 verschiedenen Staaten matchen sich um den begehrten Europäischen Dorferneuerungspreis 2016, der unter dem Motto „offen sein“ steht. Die international und interdisziplinär besetzte Jury hat vergangene Woche im Rahmen eines Meetings in Klagenfurt mit dem mehrstufigen Bewertungs-Vorgang begonnen, der in den Monaten Mai und Juni mit Vor-Ort-Besichtigungen der Wettbewerbsteilnehmer seine Fortsetzung findet. Die Entscheidung fällt Ende Juni, die Preisverleihung erfolgt im September in Ungarn. Den erfolgreichsten Teilnehmern winkt ein Eintrag auf einer Online-Roadmap der besten Dorf- und Gemeindeentwicklungsprojekte Europas.

 

„Gerade in Zeiten, in denen das Wort Krise viele zu lähmen scheint, ist es von unschätzbarem Wert, wenn Menschen die Initiative ergreifen und aktiv die Zukunftsfähigkeit ihres unmittelbaren Lebens­raumes stärken. Genau das geschieht in den Dörfern, die sich um den 14. Europäischen Dorfer­neuerungspreis beworben haben“, zeigte sich der Vorsitzende der Wettbewerbs-Jury, der Luxem­burger Charles Konnen, anlässlich der ersten Bewertungssitzung Mitte April in Klagenfurt, Österreich, überzeugt. Es sei beeindruckend, mit wie viel Mut, Kreativität, Beharrlichkeit, Weitblick und Offenheit Projekte umgesetzt werden, die nachhaltig die ökonomische Potenz, die ökologische Qualität, den sozialen Zusammenhalt und den kulturellen Reichtum der jeweiligen Dörfer festigen.

 

Veranstalterin des Wettbewerbes, der seit 1990 im Zweijahresrhythmus ausgelobt wird, ist die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung. Neben dem „Europäischen Dorferneue­rungspreis“ werden auch Auszeichnungen für „Herausra­gende ganzheitliche Entwicklungsprojekte“ sowie für „Besondere Leistungen in mehreren oder einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung“ vergeben. Neben Trophäe und Plakette winkt den erfolgreichsten Teilnehmern ein Eintrag in eine in wenigen Tagen online gehende elektronische „Roadmap“. Mittels dieses EU-geförderten Projektes werden die europaweit besten Dorferneuerungsorte auf einer virtuellen Landkarte per Mausklick auffind- und abrufbar sein.

Die Mitglieder der Wettbewerbsjury werden im Mai und Juni alle teilnehmenden Orte besichtigen, ehe im Zuge einer weiteren Bewertungssitzung Ende Juni in München die Entscheidung fällt. Die Preisverleihung erfolgt am 9. September 2016 in Tihany, Ungarn, der Siegergemeinde des Wettbewerbes 2014. Bewertet wird, wie das teilnehmende Gemeinwesen auf die festgestellten Stärken und Schwächen sowie internen und externen Gefahren und Chancen reagiert hat. Dabei geht es um konkrete Maßnahmen im Sinne einer wirtschaftlichen Entwicklung, der Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, der Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung sowie um kulturelle und Bildungsaktivitäten. In gleicher Weise von Bedeutung sind die gewählten Methoden und verfolgten Strategien, die von einem ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz sowie von Partizipation und Kooperation gekennzeichnet sein sollen. Das Wettbewerbsmotto „offen sein“ versteht sich als eine Aufforderung, Scheuklappen abzulegen, einen offenen Blick für das Neue, Unbekannte und Ungewöhnliche zu gewinnen, Innovatives zu wagen, Dorfgrenzen zu überschreiten und gesellschaftliche Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu begreifen.

 

„Ziel des Wettbewerbes ist es, Landgemeinden in ihrem Engagement zu bestätigen, zu weiteren Aktivitäten zu motivieren und den Erfahrungsaustausch mit anderen ländlichen Gemein­wesen in Europa zu fördern. Darüber hinaus wollen wir Dörfer und Regionen zur Nachahmung anregen, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst machen und nicht zuletzt auch Europas Zusammenwachsen stärken“, erläutert die Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Theres Friewald-Hofbauer.

 

 

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Die Vollversammlung 2014 der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, die dieser Tage in Krems, Niederösterreich, stattfand, bot eine Rückschau auf ein beeindruckendes Arbeitsprogramm und einen Ausblick auf nicht minder ambitionierte Zukunftsprojekte. Bei der Neubestellung des Vorstandes wurde der niederösterreichische Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll einstimmig als Präsident wiedergewählt.

“Große Ideen brauchen Zeit, um verstanden und in sinnvollen Projekten umgesetzt zu werden. Das betrifft auch die Entwicklung der ländlichen Räume in Europa, die lange nur aus der agrarpolitischen Perspektive gesehen wurde. Nicht zuletzt dank des 25-jährigen Engagements der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung sind Themen wie Leerstandsmanagement und Ortskernentwicklung, demographischer Wandel und soziale Erneuerung der Dörfer, um nur einige zu nennen, in der Gesellschaft und wohl auch bei vielen AgrarpolitikerInnen als zentrale Zukunftsthemen angekommen“, betonte der Präsident der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Erwin Pröll, bei der Vollversammlung 2014 der ARGE, die Anfang November in der Donau-Universität Krems, Niederösterreich, abgehalten wurde.

 

Die Bilanz, die Erwin Pröll und Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer über die vergangenen zwölf Monate zogen, konnte sich jedenfalls sehen lassen: Mit Konferenzen, Workshops  und Netzwerktreffen zu Themen wie „European Rural Visions. Krisen – Wandel – Chancen“, „Kulturlandschaften zwischen Tradition, Produktion und Innovation“ oder „Innenentwicklung der Dörfer“ wurde man auf überzeugende Weise dem Anspruch auf europaweitem Know-how-Transfer gerecht. Zum grenzüberschreitenden Erfahrungsaustausch trugen insbesondere zwei Dorferneuerungsstudienfahrten sowie der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis unter dem Motto „besser.leben“ bei. Als ein wahres Fest der Begegnung, bei der das europäische Wir-Gefühl reiche Nahrung erhielt, erwies sich der dreitägige Veranstaltungsreigen zur Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise im September 2014 in der Schweiz mit mehr als 1000 Gästen aus zahlreichen europäischen Ländern. Die Herausgabe mehrerer Publikationen, darunter eine „Roadmap – Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden“, komplettieren das umfangreiche und vielfältige Aktivitätenspektrum.

 

Von großer Brisanz für die Entwicklung der ländlichen Räume sind die Themen, derer sich die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung 2015 annehmen will. „NeubürgerInnen und Integration“ wird dabei ebenso Raum gegeben werden wie „Naturschutz und ländliche Entwicklung – Dreamteam oder Gegensatzpaar?“ oder „Leerstandsbewältigung und Ortskernstärkung.

 

Die Vollversammlung stand aber auch im Zeichen der Neuwahl des Vorstandes. Als Vorsitzender wiedergewählt wurde der  niederösterreichische Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, als seine StellvertreterInnen fungieren wie in der abgelaufenen Funktionsperiode der Bayerische Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Helmut Brunner, der luxemburgische Flurbereinigungsexperte Charles Konnen, die Naturschutzverantwortliche des Slowenischen Landwirtschaftsministeriums Marija Markes und Wojewode Ryszard Wilczynski aus der polnischen Wojewodschaft Opole. Neu als stellvertretende Vorsitzende in den Vorstand gewählt wurde Ministerin Isabelle Weykmans aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens.

 

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung wurde 1989 als eine Plattform des Ökosozialen Forums Österreich gegründet. Seit Februar 2007 ist sie ein eigenständiger Verein und versteht sich als unbürokratischer Zusammenschluss von RegierungsvertreterInnen, WissenschafterInnen sowie DorferneuerungsexpertInnen und mittlerweile auch KommunalpolitikerInnen und RepräsentantInnen von Nichtregierungsorganisationen.

 

Foto: NLK Pfeiffer

 

Presseaussendung Österreich

Presseaussendung International

Synergien nutzen. Identitäten bewahren. Kommunale und regionale Entwicklung zwischen Fusion, Kooperation und Koordination – so lautete der Titel einer Konferenz, die am 5. November mehr als 80 Gäste aus sechs europäischen Staaten und mehreren österreichischen Bundesländern an die Donau-Universität Krems, Niederösterreich, gelockt hatte.

 

Die Veranstaltung wurde von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung  in Kooperation mit der Donau-Universität Krems und der NÖ Dorf-und Stadterneuerung durchgeführt und näherte sich dem ambivalenten Thema aus verschiedenen Perspektiven.

 

Fusionen und Zwang gefährden Kooperationen

 

So informierte der Leiter des Zentrums für Baukulturelles Erbe an der Donau-Universität Krems, Peter Strasser, über internationale Initiativen im Bereich des Natur- und Kulturerbes, die allesamt als „Ansatz, Hilfe und Ideengeber  für die Schaffung und Erhaltung einer regionalen Identität dienen“.

 

Der Luxemburger Charles Konnen, stv. Vorsitzender der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, zeigte anhand von zwei Beispielen aus Luxemburg und Bayern auf, dass mittels freiwilliger interkommunaler Kooperationen die Lebensqualität in ländlichen Räumen maßgeblich verbessert werden könne, während er in Zwangsfusionen den „Tod“ für fruchtbringende regionale Entwicklungen sieht. In die gleiche Kerbe schlug auch Johannes Pressl, Bürgermeister der Mostviertler Gemeinde Ardagger, der allem voran dem Subsidiaritätsprinzip, der Transparenz und der BürgerInnenbeteiligung das Wort redete und keinen Zweifel daran ließ, dass nur „starke“, autonome Gemeinden zu effizienter Zusammenarbeit befähigt seien.

 

NÖ.Regional.GmbH – ein Kind der Zeit

 

Der Leiter der Gruppe Raumordnung, Umwelt und Verkehr im Amt der NÖ Landesregierung, Friedrich Zibuschka, und der Geschäftsführer der  NÖ.Regional.GmbH, Walter Kirchler, erklärten die Struktur und die Motive für die Gründung dieser neuen Gesellschaft, in der die Regional- und die Kleinregionsmanagements sowie der Verband für Dorf- und Stadterneuerung eine gemeinsame operative „Heimat“ gefunden haben. Für Zibuschka ist die Schaffung der NÖ.Regional.GmbH ein logischer Schritt im Sinne einer „notwendigen Anpassung der Strukturen und Services an gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen“, für Kirchler eine „Chance, partnerschaftlich und effizienter und koordinierter als bisher für die Gemeinden und das Land Niederösterreich zu arbeiten“.

 

Dorothea Stepan, Leiterin des Lehrgangs „Integrative Regionalentwicklung“ an der Donau-Universität Krems, stellte den Lehrgang „Integrative Regionalentwicklung“ als ein erfolgreiches Zusammenwirken von Theorie und Praxis auf Basis eines Fachbereiche übergreifenden Ansatzes vor und betonte, dass Regionen mit gut ausgebildeten Menschen die Basis für den Erfolg im globalen Wettbewerb seien.

 

Résumé

 

Bemerkenswert ist, dass die Kernbotschaften der ReferentInnen ebenso wie die Diskussionsbeiträge der Konferenzgäste einander nicht nur ergänzten, sondern auch wesentliche Übereinstimmungen aufwiesen:

 

  • Kooperationen sind in Zeiten komplexer werdender Aufgabenstellungen und schmäler werdender Budgets ein Gebot der Stunde.
  • Sie müssen jedoch auf Freiwilligkeit beruhen und dem Prinzip der Subsidiarität Rechnung tragen.
  • Voraussetzung für fruchtbringende Zusammenarbeit sind starke, selbstbewusste und eigenständige Gemeinwesen sowie eine koordinierte Vorgehensweise, die Top-down- und Bottom-up-Ansätze, also etwa Landestrategien und lokale Interessen, in Einklang bringt.
  • Dabei gilt es multisektoral und multidisziplinär zu denken und zu agieren, das heißt integrative Entwicklungen zu verfolgen, bei denen auf Fachwissen ebenso wie auf regionalen und internationalen Erfahrungsaustausch zurückgegriffen wird.
  • Kooperationen, die sich an diesen Grundsätzen orientieren, vermögen lokale und kommunale Identitäten nicht nur zu bewahren, sondern sogar zu stärken, und können darüber hinaus zur Herausbildung neuer, oft grenzüberschreitender Identitäten beitragen, die auf traditionellen oder innovativen, wiederentdeckten oder erst geschaffenen Gemeinsamkeiten mit anderen Gemeinden und Regionen beruhen.

 

Presseaussendung

Die ungarische Plattensee-Gemeinde Tihany gewinnt den Europäischen Dorferneuerungspreis 2014. Mehr als 1.000 DorferneuerungsakteurInnen aus ganz Europa wohnten der stimmungsvollen Preisverleihung in der Graubündner Gemeinde Vals, Schweiz, die den Wettbewerb vor zwei Jahren gewonnen hatte, bei. Der Festakt war in ein buntes Rahmenprogramm eingebettet, das sich vom 11. bis 13. September über drei Tage erstreckte, bei dem sich sowohl die Gastgebergemeinde als auch die 29 Wettbewerbsteilnehmer aus zwölf Staaten auf vielfältige Weise präsentierten und begegneten.

Das Motto des 13. Europäischen Dorferneuerungspreises lautete „besser.leben“ und war ein Signal dafür, dass “schneller, höher, weiter” nur selten ein Erfolgsrezept für ländliche Räume ist und dass daher weniger quantitative als vielmehr qualitative Verbesserungen des Lebensalltages im Vordergrund stehen sollten. Der luxemburgische Staatssekretär für Nachhaltigkeit, Camille Gira, widmete seine Festrede bei der Preisverleihung diesem Thema und kam zu dem Schluss, dass es zur Erhöhung der Lebensqualität nicht ein Mehr an Konsum brauche, sondern einer Gewährleistung der tatsächlichen Grundbedürfnisse wie Gesundheit, Sicherheit, Respekt, gesellschaftliches Miteinander und intakte Umwelt bedürfe. Als die drei Schlüsselbegriffe für eine zukunftsfähige Entwicklung ländlicher Gemeinwesen nannte Gira Toleranz, Resilienz und Netzwerke.

Der Einladung zum Festakt waren neben Staatssekretär Gira und mehr als 1.000 DorferneuerungsaktivistInnen aus über 30 europäischen Regionen eine lange Reihe weiterer hochrangiger Persönlichkeiten wie der polnische Woiwode Ryszard Wilczynski, der Vizedirektor des Eidgenössischen Bundesamtes für Landwirtschaft Christian Hofer und als Mitglied der Graubündener Kantonalregierung Regierungsrat Hansjörg Trachsel gefolgt. Dieser betonte in seinem Grußwort, dass Dörfer attraktive Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven brauchen, die bei den regionalen Stärken ansetzen. Diese Potenziale kämen aber nur dort zur Entfaltung, wo sie von der Bevölkerung mit Schaffenskraft, Ideenreichtum und Unternehmergeist genutzt würden, so Trachsel.

Dorfführungen, Besichtigungen – etwa der weltberühmten Valser Therme –, ein Open Space mit den WettbewerbsjurorInnen, eine Ausstellung der Wettbewerbsprojekte mit Verkostungen regionaler Produkte und ein mitreißendes wie auch berührendes kulturelles Programm, das von Gastgebern und Gästen gemeinsam gestaltet wurde, ließen Vals zum Schauplatz für ein grandioses dreitägiges Fest der Begegnung werden, bei dem Europa nicht als abstraktes Gebilde, sondern als vielfältige, pulsierende Gemeinschaft erlebt wurde.

Erstmals eine ungarische Gemeinde als Siegerin

Die 1.358 EinwohnerInnen zählende Gemeinde Tihany zeichnet sich durch eine malerische Lage am Plattensee sowie eine große Zahl an kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten aus. Trotz dieser Attraktivität durchlebte der Ort nach der Wende eine tiefgreifende Verfallsperiode. Die in der Blütezeit des Massentourismus ausgebaute Infrastruktur veraltete zusehends, die ökologische Qualität und die Siedlungsentwicklung ließen zu wünschen übrig und die Dienstleistungen waren längst nicht mehr zeitgemäß. Die Folgen waren ein erheblicher Einbruch des Tourismus sowie umfassende soziale Depressionen.

2006 startete Tihany einen ambitionierten Entwicklungsprozess mit dem Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen ganzheitlich zu verbessern und die Wertschöpfung aus dem Tourismus zu erhöhen. Kanalisation, eine energiesparende Straßenbeleuchtung, verkehrsberuhigende und Barrieren abbauende Gestaltungsmaßnahmen standen am Anfang. Es folgten die Errichtung von Fahrrad- und Fußwegen, von Rastplätzen und Besucherzentren für die Abtei und den Nationalpark sowie die Erneuerung der Freilichtbühne, die Eröffnung einer Galerie und die Schaffung weiterer kultureller Angebote. Bildungsinitiativen, die Einrichtung von sozialen Dienstleistungen und die Entwicklung der Selbstverwaltungsbehörde zu einer serviceorientierten Anlaufstelle für Bürgeranliegen ließen ebenfalls nicht lange auf sich warten. Umwelt – und Naturschutz werden heute nicht mehr als Behinderung, sondern als Chance gesehen und Gastronomie und Hotelerie investieren wieder in qualitätvolle Verbesserungen ihrer baulichen Substanz und ihres Angebotes. Parallel dazu engagiert man sich für eine Verbreiterung der wirtschaftlichen Basis durch die Produktion und Verarbeitung lokaler Erzeugnisse.

Die Gemeinde Tihany geht ihren Weg nicht allein: Sie kooperiert mit den Nachbarorten, der Stadt Balatonfüred sowie mit Universitäten und sie lässt vor allem die Menschen mitreden, mitentscheiden und mitgestalten. Tihany selbst sieht sich noch lange nicht am Ziel, plant und realisiert bereits die nächsten Projekte, obwohl „besser.leben“ längst keine Vision mehr, sondern gelebte Realität ist, wie die 18-köpfige internationale Jury feststellte .

Enorm hohe Qualität aller teilnehmenden Dörfer

Neben der Siegergemeinde Tihany haben es noch weitere zwölf Gemeinden oder Orte in die höchste Kategorie geschafft, die jene Teilnehmer umfasst, die sich durch eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität auszeichnen. An weitere elf Teilnehmer wurde der Preis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung verliehen. Fünf Gemeinden oder Orte durften sich über einen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung freuen.

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis wurde 1990 von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung mit dem Ziel, den Erfahrungsaustausch zu fördern, Europas Zusammenwachsen zu begünstigen und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst zu machen, ins Leben gerufen. Er wird seit 1990 im 2-Jahresrhythmus veranstaltet und bewertet neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden, also Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, die Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, die Auseinandersetzung mit Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie, Ressourcenverantwortung und Energieversorgung sowie kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen. Wesentlich dabei sind ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperationsbereitschaft geprägte Methodik der Umsetzung.

Pressetext

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2014 ist entschieden: Eine hochrangige, interdisziplinär zusammengestellte, internationale Jury hat dieser Tage nach einer umfassenden Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung in München die Gemeinde Tihany, Bezirk Veszprém, Ungarn, zum Sieger gekürt. „Tihany beeindruckt mit einem beispielhaften, von den Gemeindeverantwortlichen initiierten, den BürgerInnen getragenen und von ExpertInnen begleiteten Entwicklungsprozess, der auf den vorhandenen Stärken und Chancen aufbaut und von einem umfassenden Problembewusstsein zeugt. Die zahlreichen bereits realisierten und projektierten Maßnahmen haben dazu geführt, dass das Wettbewerbsmotto ,besser.leben’ in Tihany Realität geworden ist. Dass erstmals der Teilnehmer eines Landes, das bis 1989 ,hinter dem Eisernen Vorhang` gelegen hat, mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet wird, macht einerseits deutlich, welch große Entwicklungsfortschritte dort im letzten Vierteljahrhundert erreicht werden konnten, und ist andererseits ein Beweis für die hohe Sensibilität, die fachliche Kompetenz und das Vermögen der Jury, nicht nur erreichte Ziele, sondern auch zurückgelegte Wegstrecken zu messen und zu bewerten“, zeigt sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, der niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll, in einer ersten Reaktion begeistert.

 

 

 

29 Einreichungen aus ganz Europa auf hohem und höchstem Niveau

 

Neben der Siegergemeinde Tihany haben es noch weitere zwölf Gemeinden oder Orte in die höchste Kategorie geschafft, die jene Teilnehmer umfasst, die sich durch eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität auszeichnen. An elf Teilnehmer wird ein Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung verliehen. Fünf Gemeinwesen dürfen sich über einen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung freuen. Aufgrund der hohen Qualität der Einreichungen wurde diesmal keine „lobende Anerkennung besonderer Leistungen“ vergeben (Details zu den Ergebnissen in der Anlage).

Die Preisverleihung, die den Höhepunkt einer mehrtägigen Veranstaltung mit Workshops, Exkursionen und Ausstellungen bildet und ein großes europäisches Fest sein wird, findet vom 11. bis 13. September in der Siegergemeinde des vergangenen Wettbewerbes, nämlich in Vals, Kanton Graubünden, Schweiz, statt.

 

Presseaussendung

 

Bewertung mit Erklärung der Jury

Im Rahmen einer Pressekonferenz informierten der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll sowie Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer über das EU-geförderte Projekt „European Rural Visions 2020“ und damit auch über Zukunftsperspektiven für Landentwicklung und Dorferneuerung in Europa.

 

“Die Menschen in den Dörfern Niederösterreichs genauso wie in anderen europäischen Regionen stehen heute gewaltigen Heraus­forderungen gegenüber, die nach raschen, zugleich aber nachhaltigen und zukunftsfähigen Entscheidungen verlangen. Europaweiter Erfahrungsaustausch und Know-How-Transfer erweist sich dabei zunehmend als wichtiger Wegbegleiter“, erklärte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorf­erneuerung, Niederösterreichs Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, St. Pölten, heute bei einer Pressekonferenz im NÖ Landhaus.

 

 

Als vorrangige Aufgaben, die es zu bewältigen gelte, nannte Pröll die Themen

  • Überalterung und eine immer bunter werdende Gesellschaft,
  • Klimawandel und Energieversorung,
  • Ressourcen- und Nahrungsmittelverknappung,
  • schrumpfende Finanzhaushalte sowie
  • Verstädterung, Land- und Stadtflucht.

 

 

Ländlicher Raum ist mehr als Landwirtschaft!

 

Pröll machte deutlich, dass die ländlichen Gebiete einen besonderen Reichtum Europas darstellen und sich eine Politik zu ihren Gunsten zum Wohle der gesamten Gesellschaft erweise.  Diese müsse im Bewusstsein handeln, dass ländliche Räume nicht auf die agrarische Dimension reduziert werden dürfen, und darauf ausgerichtet sein, die ökonomische Potenz und die Beschäftigung in den ländlichen Kommunen zu fördern, die natürlichen Ressourcen nicht zuletzt durch eine umsichtige Raumplanung zu schützen sowie die Lebensqualität ihrer BewohnerInnen maßgeblich zu heben, was nach einer zeitgemäßen Nahversorgung und innovativen Infrastrukturen den Bereichen Gesundheit, Pflege, Betreuung und Bildung verlange. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Entwicklung, so Pröll weiter, sei aber das menschliche Potenzial der Dörfer als Orte, in denen Betroffene zu Beteiligten, das Ehrenamt und Hilfe zur Selbsthilfe gepflegt und das soziale Miteinander über gesellschaftliche Gruppen hinweg gelebt würden.

 

„Dörfer haben das Potenzial, sich als soziale Oasen und Quellen der Gesellschaft zu erweisen. Das ist eine Auftrag und eine Chance zugleich“, betonte Landeshauptmann Pröll und verwies darauf, dass dies eine der wesentlichen Erkenntnisse des einjährigen Projektzyklus „European Rural Visions 2020“ sei, der nun mit der Abhaltung einer Internationalen Dorferneuerungs-Konferenz im polnischen Wroclaw zum Thema „Krisen. Wandel. Chancen“ und mit der Herausgabe einer „Rural Roadmap“, einem praxistauglichen Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden, seinen Abschluss finde.

 

ARGE-Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer nannte als weitere Bestandteile der EU-geförderten Maßnahme „European Rural Visions 2020“ einen Fotowettbewerb mit mehr als 700 Einreichungen, der den Reichtum Europas an vielfältigen Landschaften ins rechte Licht rückte, eine darauf aufbauende mobile Ausstellung mit Stationen in Berlin (Grüne Woche), Polen, Belgien, Italien und im Landhaus St. Pölten, eine europäische Studienfahrt zu beispielhaften Gemeinde- und Regionalentwicklungsprojekten in Niederösterreich und im Burgenland sowie eine internationale Konferenz in München über Kulturlandschaften und Boden im Spannungsfeld von Tradition, Produktion und Innovation.

 

 

Pressetext

 

Rund 150 Interessierte aus zehn Ländern Europas sind am 6. und 7. März einer Einladung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung zur Konferenz „European Rural Visions 2020. Krisen – Wandel – Chancen“ ins polnische Wroclaw gefolgt und beschäftigten sich zwei Tage lang mit den mannigfaltigen Zukunftsfragen, die Europas ländliche Regionen bewegen und herausfordern. Der niederösterreichische Landeshauptmann und Vorsitzende der ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Erwin Pröll, brachte es in einem einleitenden Statement auf den Punkt: „Die Entwicklung von Dörfern und ländlichen Regionen kann längst nicht mehr auf die Landwirtschaft reduziert werden, sondern reicht erheblich weiter. Wir müssen uns mit der ganzheitlichen Dimension auseinandersetzen und die großen Herausforderungen in Angriff nehmen, mit denen sich unsere Gesellschaft konfrontiert sieht.“

 

 

Zu diesen großen Herausforderungen zählen der demografische Wandel, der Themenkreis Klima und Energie, die Schaffung von regionaler Wertschöpfung angesichts einer globalisierten Wirtschaft oder der Umgang mit den Ressourcen Landschaft und Boden. Manche dieser Entwicklungen wie etwa der demografische Wandel betreffen ländliche Dörfer und Gemeinden in besonders dringlicher Weise, für andere wiederum – Stichwort erneuerbare Energien – bieten vitale ländliche Räume gangbare Lösungen. Klar ist daher, wie dies im Rahmen der Konferenz vonseiten der international und interdisziplinär zusammengesetzten Runde der ReferentInnen wie auch TeilnehmerInnen mehrfach festgestellt wurde: Nur durch ein Miteinander von Stadt und Land, ein Miteinander städtischer und ländlicher Gesellschaft sind wir befähigt, Antworten auf die großen Fragen der Zukunft Europas zu finden.

 

Zeitgemäße Lebensräume brauchen Diversität

Um die Attraktivität von Dörfern als Lebensraum für Menschen jeder Generation und beider Geschlechter zu steigern, bedarf es in vielen Bereichen des täglichen Lebens einer Auswahl an Angeboten – sei es im Bereich der Kinderbetreuung, sei es im Dienstleistungsbereich oder im Vereinswesen. Da einzelne Gemeinden diese Diversität nicht zu bieten vermögen, sind kommunale und interkommunale Allianzen von unschätzbarer Bedeutung. „Der demografische Wandel, der neben einem Älterwerden der Bevölkerung auch dadurch gekennzeichnet ist, dass die Gesellschaft bunter wird, ist nicht aufzuhalten, nicht in den großen Städten und schon gar nicht in den Dörfern – umso wichtiger ist es daher, auf ihn zu reagieren und Strategien zu entwickeln, die ihn nicht als Bedrohung beklagen, sondern als Chance erkennen“, zeigte sich etwa BOKU-Professorin Gerlind Weber überzeugt.

 

(Wieder-)Entdeckung alternativer Wirtschafts-, Demokratie- und Energiekonzepte

Keineswegs im Widerspruch zu nationalen, europäischen und globalen Realitäten stehen ländliche Regionen, die durch Kreativität und Innovationskraft alternative Wege bestreiten, wenn sie beispielsweise durch die Besinnung auf das Genossenschaftswesen und die Etablierung von Regionalgeld Wertschöpfung neu definieren und den Verlust von Kaufkraft minimieren, wie dies Franz Galler vom bayrischen Büro für nachhaltige Regionalentwicklung darlegte. Eine Intention übrigens, die angesichts der Tatsache, dass die Europäische Union jährlich rund 400 Milliarden Euro für den Import von Erdöl und Erdgas vorwiegend aus Russland und dem Nahen Osten ausgibt, neben dem Klimaschutz auch das zentrale Argument für die Erzeugung erneuerbarer Energien darstellt, wie dies der luxemburgische Staatssekretär für Nachhaltigkeit und Infrastruktur, Camille Gira, betonte. „Ohne ländliche Räume, wo neben Nahrungsmitteln auch ein breites Portfolio an erneuerbarer Energie erzeugt wird, ist die Energiewende, an deren Notwendigkeit längst kein Zweifel mehr besteht, schlicht und einfach unmöglich.“ Neue Beteiligungsmodelle spielen bei der Finanzierung von alternativen Energieanlagen genauso eine Rolle wie bei einer Vielzahl anderer Projekte, die von und mit den BürgerInnen erdacht und umgesetzt werden – eine „Schule für Basisdemokratie par excellence“, so Henning Kuschnig vom Sächsischen Staatsministerium.

 

Am Rande der Konferenz, die in Kooperation mit den polnischen Wojewodschaften Niederschlesien und Oppeln sowie der Universität für Naturwissenschaften Wroclaw, veranstaltet wurde, zeigte die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung eine Fotoausstellung, die die Vielfalt und Schönheit von Kulturlandschaften in europäischen ländlichen Räumen eindrucksvoll widerspiegelt, und präsentierte die zweisprachige „Rural Raodmap“, ein Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden.

 

Beiträge der Refernten (Teil 1)

Beiträge der Refernten (Teil 2) 

Beiträge der Refernten (Teil 3)

Beiträge der Refernten (Teil 4)

 

Deutsches Programm

Englisches Programm

Polnisches Programm

„Der Fotowettbewerb ,European Rural Visions 2020’ hat auf beeindruckende Weise einmal mehr vor Augen geführt, wie wunderbar vielfältig sich einerseits die ländlichen Räume Europas darstellen und wie sehr andererseits die Landwirtschaft deren Bild prägt. Dass rund 250 Menschen aus Dutzenden Regionen Europas, darunter auch zahlreiche Kinder und Jugendliche, unserem Aufruf gefolgt und mehr als 700 Fotos eingereicht haben, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass den Menschen Europa alles andere als egal ist. Und die hohe Beteiligung von (Groß-)StädterInnen gibt uns außerdem zu verstehen, dass die Sehnsucht nach vitalen ländlichen Räumen im Interesse aller ist“, zeigte sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Erwin Pröll, im Vorfeld der Siegerehrung des Fotowettbewerbes, die am 21. November in München stattfand, begeistert.

Kein geringerer als der bayerische Staatsminister Helmut Brunner, seines Zeichens auch stellvertretender Vorsitzender der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, überreichte den Gewinnern des Wettbewerbes ihre Preise. „Wieder einmal sieht man, dass ein Bild oft mehr zu sagen vermag als tausend Worte. Und besonders viel sagten der Jury und den mehr als 13.000 Menschen in aller Welt, die sich am finalen Online-Voting beteiligten, die Bilder der Sieger“, fand Brunner anerkennende Worte.

In der Kategorie „Kinder bis 14 Jahre“ gelang es dem 14-jährigen Niederösterreicher Christoph Riegler junge FotografInnen aus Dortmund und Dresden mit einer stimmungsvollen Aufnahme in der Gegend seines Heimatortes Engabrunn auf die Plätze zu verweisen. In der Kategorie „Erwachsene“ konnte sich der Salzburger Publizist und Fotograf Walter Schweinöster vor TeilnehmerInnen aus Niedersachsen und Ungarn durchsetzen. Das Siegerfoto zeigt einen Südtiroler Bauern bei der Bewirtschaftung seiner Alm – schwere Handarbeit, auf die die Gesellschaft nicht verzichten kann, wenn ihr etwas an der Schönheit und Vitalität unserer Almen und der Kulturlandschaft im Allgemeinen liegt.

Preise, und zwar (bäuerliche) Produkte aus verschiedenen europäischen Regionen, gibt es für die fünf besten TeilnehmerInnen in jeder Kategorie. Auf die SiegerInnen wartet ein Aufenthalt in der vielfach ausgezeichneten Südtiroler Gemeinde Sand in Taufers. Dort ist auch das kürzlich mit dem Award for Excellence als nachhaltigstes und gastfreundlichstes Hotel Europas ausgezeichnete Designhotel Feldmilla beheimatet – und ist damit bestens als Quartier für die Gewinner von „European Rural Visions 2020“ geeignet.

Übrigens werden die aussagekräftigsten Fotos des Wettbewerbes in den nächsten Monaten auch im Rahmen einer mobilen Fotoausstellung an verschiedenen Plätzen Europas gezeigt. Erste Station wird im Jänner 2014 die Grüne Messe in Berlin sein.

 

Der Fotowettbewerb „European Rural Visions 2020“ wurde im Rahmen eines von der EU geförderten Projektes von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung durchgeführt und von der Gemeinde Sand in Taufers sowie dem Designhotel Feldmilla unterstützt.

Bei der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2012 der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung am Freitag, dem 21. September 2012, im Wolfurter Cubus wird Lebensminister Niki Berlakovich die Festrede halten. Landeshauptmann Markus Wallner wird die rund 1000 Delegierten der 29 Gemeinden aus zwölf europäischen Staaten sowie zahlreiche hochrangige RepräsentantInnen aus mehr als 30 europäischen Regionen begrüßen.

Das Wochenende vom 20. bis 22. September steht im Zeichen der europäischen Dorferneuerung und des Wettbewerbes um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2012, von dem Landeshauptmann Erwin Pröll, Präsident der ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, sagt, er „erfüllt eine wichtige, unverzichtbare Funktion für die ländlichen Räume in Europa. Mit dem Wettbewerbsmotto ‚Der Zukunft auf der Spur‘ wurde ein zusätzlicher Fokus auf die innovative Kraft der Dorferneuerung und auf Projekte, die von einer offensiven Herangehensweise an die brennenden Fragen der Zeit sowie der Courage zu Neuem gekennzeichnet sind, gelegt.“

Die Siegergemeinde 2012 heißt Vals in Graubünden, bekannt vor allem durch die Therme des Stararchitekten Peter Zumthor. Der Gastgebergemeinde Langenegg, Gewinnerin des Wettbewerbes 2010, streut Pröll Rosen: „Hier können wir nicht nur eine Gemeindeentwicklung der Extraklasse mit absoluten Best-Practice-Projekten in den Bereichen erneuerbare Energie, Bildung und Bürgerbeteiligung, Wirtschaft und Umwelt im Einklang, Soziales und Nahversorgung, um nur einige zu nennen, hautnah kennen lernen. Hier treffen wir auch auf ganz großartige Gastgeber – höchst kooperativ, professionell, engagiert und kreativ!“

Rund um die Preisverleihung haben Gemeinde, ARGE, Land und Regionalentwicklung Vorarlberg zusammen mit Partnern ein ambitioniertes Programm gestaltet, das u. a. informative Workshops und Vorträge (Freitagvormittag und Samstag), beispielgebende Exkursionen und Dorfrundgänge (Samstag), eine interessante Ausstellung der Wettbewerbsprojekte (Freitagabend und Samstag) sowie eine intensive Begegnung der Dorfgemeinschaften in einem reichhaltigen kulturellen und kulinarischen Rahmen auf dem „Marktplatz Europa erleben“ in Langenegg umfasst.

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2012 wird von der Zentralen Raiffeisenwerbung, der Raiffeisen-Bankengruppe Vorarlberg, der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, der Novomatic AG und der Wirtschaftskammer Österreich unterstützt.

„Die gewaltigen sozialen Herausforderungen, die mit dem demografische Wandel einhergehen und sich in ländlichen Gemeinden oftmals noch wesentlich ausgeprägter gestalten , können nicht von der öffentlichen Hand alleine bewältigt werden. Diese kommt sehr rasch an budgetäre, aber auch an humanitäre Grenzen. Daher braucht es in unseren Dörfern vermehrt eigeninitiative Lösungen und ehrenamtliches Engagement”, betonte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, bei einem Symposium zum Thema “Soziale Dorferneuerung. Ein Baustein auf dem Weg zu sozialen Musterregionen in den ländlichen Regionen Europas”, das am 10. November 2011 im Landtagssitzungssaal in St. Pölten, Niederösterreich, abgehalten wurde. Die Sozialen Dorferneuerung, so Pröll weiter, sei ein wichtiges Instrument, um das soziale Netz in Niederösterreich noch enger zu knüpfen – dies vor allem durch einen bedarfsgerechten Ausbau der sozialen Infrastruktur, eine bessere Koordinierung bestehender Einrichtungen,eine gezielte Verbreitung erfolgreicher Projekte und eine verstärkte Motivation der DorfbewohnerInnen zu Freiwilligen­diensten. Erste wichtige Schritte auf diesem Weg seien die Erstellung einer “Sozialen Landkarte”, ein Online-Tool, das Auskunft über Projekte, Initiativen und Service­leistungen gibt, sowie die Etablierung von SozialkoordinatorInnen in den Gemeinden.

 

Freuen sich über die gelungene Veranstaltung: Landesobfrau Maria Forstner, Univ.-Prof. Gerlind Weber, Woiwode Ryszard Wilczynski, LH Erwin Pröll, MP Stanislaw Tillich, GF Theres Friewald-Hofbauer (von links nach rechts)

Der Ministerpräsident des Landes Sachsen, DI Stanislaw Tillich, der ebenfalls auf der hochrangigen Rednerliste des Symposiums stand, beleuchtete die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung, die die ländlichen Regionen seines Landes in den 22 Jahren seit der Wende genommen haben. Dennoch gestaltete sich die Bevölkerungsentwicklung durch massive Abwanderung aus den ruralen Räumen und zunehmende Überalterung dramatisch. “Daher geht es bei uns jetzt vorrangig darum, die Dörfer attraktiver zu machen. Dabei setzen wir vor allem auf Kooperationen zwischen den Dörfern und Gemeinden, auf vernetzte Lösungs­ansätze, auf die Eigeninitiative und die Kreativität der Betroffenen sowie auf den Erfahrungsaustausch auf europäischer Ebene, der Sachsen stets ein sehr wertvoller Begleiter war”, erklärte Ministerpräsident Tillich.

“Gesundschrumpfen statt Gesundbeten” sei für viele Gemeinden mit rückläufiger Bevölkerungsentwicklung die bessere Devise als die Flucht in Wachstumsstrategien, lautete das Credo der Leiterin des Instituts für Raumplanung und Ländliche Neuordnung an der Universität für Bodenkultur Wien, Univ.-Prof. Dr. Gerlind Weber. Sie bekannte sich zu der Überzeugung, dass der Schlüssel für eine geglückte Entwicklungspolitik in manchen ländlichen Regionen auch darin liegen wird, sich rechtzeitig auf das Wenigerwerden einzustellen und mit geeigneten Maßnahmen ein kontrolliertes “Gesundschrumpfen” zu ermöglichen.

Statements des Kreishauptmannes des tschechischen Kreises Vylocina, Dr. Jiri Behounek, und der für Soziales zuständigen niederösterreichischen Landesrätin Mag. Barbara Schwarz, Interviews mit dem Geschäftsführer der NÖ Landesakademie Dr. Christian Milota, der Würnitzer Sozialkoordinatorin Luise Kasses, und mit den Repräsentanten der NÖ Dorf- und Stadterneuerung Maria Forstner und DI Josef Strummer,  Projektpräsentationen aus Sachsen, Tschechien und Gänserndorf, sowie die Vorstellung von Ausbildungsangeboten zu Sozialbetreuungsberufen im ländlichen Raum an den Landwirtschaftlichen Fachschulen Gaming und Zwettl durch die Direktorinnen Daniela Fuchs und Erna Stiermaier rundeten das Programm des eintägigen Symposiums, das von der Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Theres Friewald-Hofbauer, moderiert wurde, ab.

Mehr als 400 TeilnehmerInnen aus Polen, Tschechien, Deutschland und mehreren österreichischen Bundesländern, darunter neben Landeshauptmann Erwin Pröll und Ministerpräsident Stanislaw Tillich auch der der Oppelner Woiwode Ing. Ryszard Wilczynski, Polen, waren der Einladung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung und der Niederösterreichischen Dorf- und Stadterneuerung, die das Symposium in Kooperation durchführten, gefolgt.

Weitere Informationen: Theres Friewald-Hofbauer, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Tel.: +43 1 533 84 01-10, E-Mail: friewald@landentwicklung.org

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2012 ist entschieden. 29 europäische Staaten, Länder bzw. Regionen haben daran teilgenommen und je einen Teilnehmer nominiert. Sie alle haben Grund zur Freude und zum Feiern, nachdem ja nur die Besten eines Landes zur Teilnahme berechtigt waren und darüber hinaus die Jury bei ihrer Beurteilung zu der Erkenntnis gelangte, dass auf Grund des herausragenden Niveaus jedes Projekt mit einem Preis zu bedenken ist.

 

Vom 20. bis 22. September 2012 wird es soweit sein: Die Auszeichnungen werden verliehen – im Rahmen eines Festaktes, eingebettet in ein vielfältiges Rahmenprogramm mit breitem Raum zur Begegnung und zum Erfahrungsaustausch mit Dorfgemeinschaften aus mehr als 30 europäischen Regionen. Austragungsort ist die Gemeinde Langenegg im österreichischen Vorarlberg, die den Europäischen Dorf­erneuerungspreis 2010 gewinnen konnte. Einzig der Festakt wird im Veranstaltungszentrum Cubus in Wolfurt stattfinden, da Langenegg selbst über keinen Saal in der erforderlichen Größe verfügt.

 

Die Vorbereitungen in Vorarlberg, allem voran in Langenegg, und bei der ARGE in Wien laufen auf Hochtouren, zumal wir an die 1000 Gäste erwarten. An ihrer Spitze stehen der österreichische Bundesminister im Lebensministerium Niki BERLAKOVICH sowie Vorarlbergs Landeshauptmann Markus WALLNER.

 

Programm Festakt

Gesamtprogramm

 

In Ergänzung zu den Veranstaltungen rund um die Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise beherbergt die Region Bregenzerwald zeitgleich auch ein internationales LEADER-Forum. Nähere Informationen finden Sie unter http://zukunft.regio-v.at/

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2012 ist entschieden: Eine hochrangige, interdisziplinär zusammengestellte, internationale Jury hat dieser Tage nach einer umfassenden Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung in München die Gemeinde Vals, Graubünden, Schweiz, zum Sieger gekürt. „Vals hat auf ganzheitliche, zahlreiche ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Aspekte berücksichtigende Weise Maßnahmen gesetzt, die zu einer Entwicklung geführt haben, die dem Motto des diesjährigen Bewerbes ‚Der Zukunft auf der Spur’ in beeindruckender Weise gerecht werden“, zeigt sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, der niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll, in einer ersten Reaktion begeistert.

 

Natur, Architektur und Lebensqualität

 

Vals ist eine rund 1.000 EinwohnerInnen zählende Gemeinde im deutschsprachigen Teil der Schweiz. Es liegt auf einer Meereshöhe von 1.250 Metern am Ende eines engen, von steilen Hängen umgebenen Tales, dessen BewohnerInnen es hervorragend verstehen, mit und von dieser besonderen naturräumlichen Situation zu leben und dafür Sorge zu tragen, dass diese Basis für ökonomisches Handeln geschützt und auch für künftige Generationen erhalten bleibt. Im vormals reinen Bauerndorf Vals spielen die Land- und die Forstwirtschaft nach wie vor eine bedeutende Rolle. Man hat sich der biologischen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Bewirtschaftung und Vermarktung verschrieben und ist auch Mitglied der „Allianz in den Alpen“ und setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung im Sinne der Alpenkonvention ein. Die Stromversorgung stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen, nicht zuletzt deshalb, weil man sich früh für die Errichtung eines Wasserkraftwerkes entschieden hat. Eine Pionierleistung, die auch bedeutende ökonomische Früchte trägt.

 

Mit dem Tourismus sowie einem breit aufgestellten wirtschaftlichen Leben, das besondere Impulse durch die Nutzung der Valser Mineralwasserquellen und den Abbau des Valser Quarzit erfährt, mit zahlreichen kleinen und mittleren Gewerbe-, Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zusätzliche Erwerbsquellen für die ansässigen EinwohnerInnen erschlossen und das Dorf für ZuzüglerInnen attraktiver gemacht, wodurch nicht zuletzt die Bevölkerungszahlen konstant gehalten werden konnten.

Besondere Wege ist man im Tourismus gegangen, in dem man bewusst der Qualität Vorrang vor der Quantität gegeben hat. Mit dem Bau der mittlerweile weltberühmten Therme des Architekten Peter Zumthor wurde Mut zu zeitgenössischer Architektur unter Verwendung des lokal vorhandenen Baumaterials Stein bewiesen, weitere Beispiele moderner Architektur folgten und sind Teil der Valser Identität geworden. Gleichzeitig werden traditionelle Bauformen nicht nur bewahrt, sondern dienen auch als Inspiration für das zeitgemäße Bauen, wodurch ein einheitliches Erscheinungsbild gegeben ist.

 

Vals ist durch eine ausgesprochen offene, pluralistische Gesellschaft geprägt und zeichnet sich einerseits durch ein reges Vereinsleben und andererseits auch durch zahlreiche Maßnahmen zur Einbindung aller Bevölkerungsteile, Generationen sowie beider Geschlechter aus. MigrantInnen werden zu Sprachkursen eingeladen und durch eine Fülle von Maßnahmen aktiv ins gesellschaftliche, sportliche und kulturelle Leben eingebunden. Dass sich die BewohnerInnen intensiv mittels Petitionen, Initiativen oder Anträgen an kommunalen Entscheidungsprozessen beteiligen und in projektbezogenen Arbeitskreisen engagieren, wird seitens der Gemeinde begrüßt und gefördert.

 

Eine gute Infrastruktur in den Bereichen Nahversorgung und medizinische Dienstleistungen ist vorhanden. Besonderes Augenmerk wird darüber hinaus einerseits Kindern und Jugendlichen, andererseits älteren Menschen geschenkt, wobei auch generationenübergreifende Maßnahmen eine bedeutende Rolle spielen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kindergarten, Schule, Gemeinde und Vereinen ermöglicht so ein breit gefächertes Freizeit- und außerschulisches Bildungsangebot. Seniorengerechtes Wohnen und umfassende Barrierefreiheit sowie ein reiches kulturelles und künstlerisches Angebot erhöhen die Lebensqualität in bedeutendem Umfang. Umfassende publizistische Tätigkeit von ValserInnen wirkt darüber hinaus in hohem Maße identitätsstiftend.

Die Reihe der Maßnahmen, mit denen Vals durch Kreativität, Offenheit und konkretes Handeln sowie durch eine sensible, aufeinander abgestimmte Nutzung seiner besonderen Ressourcen Wasser, Stein und Gras eine solide Basis für kommende Generationen schafft, ist beeindruckend lang und in hohem Maße beispielhaft.

 

29 Einreichungen aus ganz Europa auf hohem Niveau

 

Neben der Siegergemeinde Vals haben es noch weitere elf Gemeinden oder Orte in die höchste Kategorie geschafft, die jene Teilnehmer umfasst, die sich durch eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität auszeichnen. An weitere elf Teilnehmer wird der Preis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung verliehen. Sechs Gemeinden oder Orte dürfen sich über den Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung freuen. Aufgrund der hohen Qualität der Einreichungen wurde diesmal keine „lobende Anerkennung besonderer Leistungen“ vergeben. (Details dazu in der Anlage)

 

Die Preisverleihung, die den Höhepunkt einer mehrtägigen Veranstaltung mit Workshops, Exkursionen und Ausstellungen bildet und ein großes europäisches Fest sein wird, findet vom 20. bis 22. September in der Siegergemeinde des vergangenen Wettbewerbes, nämlich Langenegg in Vorarlberg, statt.

 

 

Rückfragehinweis:

Theres Friewald-Hofbauer (Geschäftsführerin)

Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung

Unter dem Motto „Der Zukunft auf der Spur“ bewerben sich 29 Gemeinden bzw. Dörfer aus zwölf europäischen Nationen um eine der wohl begehrtesten Auszeichnungen im Bereich einer nachhaltigen Entwicklung ländlicher Kommunen, nämlich um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2012.

Der Wettbewerb, der eine echte Leistungsschau der besten europäischen Landentwicklungs- und Dorferneuerungsprojekte darstellt, ist bereits voll in Gang und kommt nun in eine entscheidende Phase: Nachdem die 20-köpfige internationale Wettbewerbsjury unter Vorsitz des Luxemburgers Charles Konnen Ende März in Budapest, Ungarn, zu ihrer ersten Bewertungssitzung zusammengetroffen war, werden in den kommenden Wochen und Monaten drei- bis vierköpfige Bewertungsteams alle Wettbewerbsgemeinden bereisen, um sich an Ort und Stelle ein Bild über den Stand der Entwicklungsaktivitäten zu machen. Dabei wird aber nicht nur die “strenge” Beurteilung im Vordergrund stehen, sondern in gleicher Weise wird es auch darum gehen, mit BürgerInnen, BehördenvertreterInnen und KomunalpolitikerInnen in eine Dialog zu treten und über Intentionen, Schwierigkeiten und Erfolge gesetzter und geplanter Maßnahmen zu diskutieren.

Der Wettbewerb um den 12. Europäischen Dorferneuerungspreis ist geleitet von der Intention, beispielhafte Aktivitäten und Initiativen zur nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume vor den Vorhang zu bitten und zu prämieren.

Veranstalterin des Wettbewerbes, der seit 1990 im Zweijahresrhythmus durchgeführt wird, ist die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung. Neben dem „Europäischen Dorferneuerungspreis“ werden auch Auszeichnungen für „Herausragende ganzheitliche Entwicklungsprojekte“ und für „Besondere Leistungen in mehreren oder einzelnen Teilbereichen der Dorferneuerung“ vergeben. Die Entscheidung fällt Anfang Juli 2012 in München, die Preisverleihung erfolgt vom 20.-22. September 2012 in Wolfurt und in Langenegg, Vorarlberg, Österreich, der Siegergemeinde des Wettbewerbes 2010.

Bewertet werden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden, also Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, die Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, die Auseinandersetzung mit Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung sowie kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen. “Für den Sieg kommen allerdings nur Teilnehmer in Frage, die sich durch nachhaltige, vernetzte und ganzheitliche Konzepte auszeichnen, die von der Bevölkerung getragen werden, in regionale Kooperationen eingebunden sind und dem Wettbewerbsmotto deutlich Rechnung tragen “, ist ARGE-Vorsitzender Landeshauptmann Erwin Pröll, Niederösterreich, überzeugt.

Der Zukunft auf der Spur – so lautet das Motto des Wettbewerbes um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2012, der heuer zum zwölften Mal ausgetragen wird. 29 Dörfer bzw. Landgemeinden aus 12 europäischen Staaten bewerben sich um den prestigeträchtigen Titel. Neben dem “Europäischen Dorferneuerungspreis” werden auch Auszeichnungen für “Herausragende ganzheitliche Entwicklungsprozesse” und für “Besondere Leistungen in mehreren oder einzelnen Teilbereichen der Dorferneuerung” vergeben.

Die Preisträger werden von einer 20-köpfigen internationalen Wettbewerbsjury im Rahmen von zwei Bewertungssitzungen (die erste fand Ende März in Budapest, Ungarn, statt) und Vorortbesichtigungen aller teilnehmenden Gemeinden ermittelt. Die Entscheidung fällt Anfang Juli, die Preisverleihung erfolgt im Rahmen einer mehrtägigen Veranstaltung mit Festakt, Workshops, Begegnungsabenden, Exkursionen und einem europäischen Marktplatz vom 20. bis 22. September 2012 in der Vorarlberger Gemeinde Langenegg, die den Europäischen Dorferneuerungspreis 2010 gewinnen konnte.

Seit 1990 ruft die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung alle zwei Jahre zum Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis auf, um besonders beispielhafte Aktivitäten und Initiativen der Dorf- und Gemeindeentwicklung „vor den Vorhang“ zu bitten und unter Berücksichtigung des ökonomischen und kulturellen Kontextes zu prämieren. Bewertet werden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden, also Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, Gewährleistung einer funktionstüchtigen Nahversorgung, Auseinandersetzung mit Fragen der Ressourcenschonung, Anbindung an Verkehrs- und Datennetze, Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung sowie kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen.

Vorrangige Intention des Wettbewerbes ist es, den Erfahrungsaustausch und die Motivation im Bereich einer zukunftsfähigen Entwicklung ländlicher Lebensräume zu fördern, Europas Zusammenwachsen zu begünstigen und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst zu machen.

„Erstmals in der Geschichte lebt die Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten, Tendenz steigend. In knapp 20 Jahren sollen es bereits 5 Milliarden und damit 60 % sein, 80 % davon in den Megacities der 3. Welt. Auch in Europa, wo immerhin noch die Hälfte der Arbeitsplätze und 50 % der Bevölkerung in ländlichen Region angesiedelt sind, schreitet die Verstädterung rapide voran und drohen Dörfer im Sog der urbanen Zentren von den Landkarten zu verschwinden. Eine Entwicklung, bei der es mittelfristig nur Verlierer geben kann, denn Stadt und Land sind eine Schicksalsgemeinschaft, von einander abhängig und für einander unverzichtbar“, erklärte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, Vorsitzender der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, bei einer Europäischen Konferenz zum Thema „Stadt braucht Land braucht Stadt“, die Ende November in Freising, Bayern, stattfand.

 

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll und die Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Theres Friewald-Hofbauer, erörterten gemeinsam mit 150 internationalen KonferenzteilnehmerInnen die Problematik einer wachsenden Verstädterung.

Daher seien eine Stärkung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und eine Verbesserung der infrastrukturellen Ausstattung ruraler Siedlungsräume ein Gebot der Stunde, damit diese nicht in Hintertreffen gerieten und ihre wichtigen Funktionen im gesamtgesellschaftlichen Gefüge wie Energie- und Nahrungsmittelproduktion, Naherholungsraum und Ausgleichsraum auch weiterhin erfüllen könnten. Es werde sich somit garantiert nicht als zielführend erweisen, Stadt und Land gegeneinander auszuspielen oder einander anzugleichen. Vielmehr müsste eine Gleichwertigkeit angestrebt werden, sollten die besonderen Prägungen und Alleinstellungsmerkmale der verschiedenen Lebensräume zum Programm gemacht, die wechselseitigen Abhängigkeiten und Verflechtungen als Chance begriffen und Stadt-Land-Kooperationen auf Augenhöhe angestoßen werden.

Die Politik, allem voran Raumordnungs-, Regional- und Verkehrspolitik, sei daher gefordert, rasch und entschieden zu handeln. Denn: „Die gegenwärtige Entwicklung einer massiven Abwanderung aus peripheren ländlichen Regionen ebenso wie aus städtischen Zentren, die mit einem hemmungslosen Landverbrauch, einer massiven Zunahme des Individualverkehrs, einem dramatischen Verlust von Erholungsraum und eklatanten Identifikationsproblemen einhergeht, ist alles andere als zukunftsfähig“, schloss Pröll.

Die Konferenz „Stadt braucht Land braucht Stadt“ wurde von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und der Arge der deutschen Akademien Ländlicher Raum veranstaltet und zählte an die 150 Gäste aus 8 europäischen Ländern mit dem bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner an der Spitze.

Mehr als 1.000 DorferneuerungsakteurInnen aus über 30 europäischen Regionen wohnten der stimmungsvollen Preisverleihung in der Südtiroler Gemeinde Sand in Taufers bei.

“Das diesjährige Motto des Europäischen Dorferneuerungswettbewerbes ‚Neue Energie für ein starkes Miteinander’ thematisierte zwei der wohl größten Herausforderungen unserer Zeit und verlangte nach innovativen Konzepten gegen den Klimawandel sowie nach effizienten Maßnahmen zum sozialen Zusammenhalt von Generationen, Geschlechtern und Kulturen. Wie sich herausstellte, echte Domänen der Vorarlberger Gemeinde Langenegg, die sich darüber hinaus durch eine ganzheitliche, zukunftsorientierte und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Gemeindeentwicklung von höchster Qualität auf Basis einer ausgeprägten Bürgerbeteiligung auszeichnet. Damit bestand für die 19-köpfige internationale Jury kein Zweifel daran, dass der Sieger im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2010 nur Langenegg heißen konnte“, erklärte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Niederösterreichs Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, bei der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2010 am 24. September 2010 in der Südtiroler Gemeinde Sand in Taufers, Italien.

Dem Festakt bzw. den zahlreichen Rahmenveranstaltungen wohnten neben einer Reihe anderer hochrangiger Persönlichkeiten auch die Südtiroler Landesregierungsmitglieder Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder, Landeshauptmann-Stv. Hans Berger und Landesrat Dr. Michl Laimer, der Vorarlberger Landesstatthalter Mag. Markus Wallner sowie mehr als 1.000 DorferneuerungsaktivistInnenen aus über 30 europäischen Staaten bei. Konferenzen, Workshops, Open Space, Exkursionen, eine Ausstellung der Wettbewerbsprojekte, ein Festumzug, eine Genussstrasse zur Präsentation regionaler Produkte und ein grandioses Fest der Begegnung, das sich über den ganzen Ort erstreckte und drei Tage andauerte, rundeten das Programm ab.

Die Gemeinde Langenegg startete ihren beispielhaften Entwicklungsprozess Mitte der 1990er Jahre auf Basis eines umfassenden, von BürgerInnen und ExpertInnen erarbeiteten Konzeptes. Initialprojekt war die Sanierung eines geschichtsträchtigen Gebäudes mitten im Ortszentrum, in dem wichtige Dienstleistungen und Wohneinheiten Platz fanden. Damit war ein wichtiger erster Schritt zu mehr Lebensqualität und Identität im Ort gesetzt. Daneben wurden zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht, um eine effiziente Nutzung von Energie unter Einsatz erneuerbarer Energieträger zu etablieren. Biogasanlagen, Hackschnitzelheizanlagen und eine Vielzahl an Photovoltaik- und Solaranlagen, deren Errichtung von der Gemeinde gefördert wurde, machen Langenegg heute zu einem Vorreiter in Sachen Energieautarkie. Die Nutzung der heimischen Weißtanne als Baumaterial für zahlreiche private und kommunale Bauprojekte trägt nicht nur zur Stärkung kleinräumiger Wirtschaftskreisläufe bei, sondern leistet auch einen wertvollen Beitrag zum ökologischen Bauen. Die hohe Qualität der Architektur wird niemals allein zum Selbstzweck, sondern beinhaltet in Langenegg immer auch die soziale und wirtschaftliche Komponente. Zahlreiche Aktivitäten beweisen, dass man gewillt ist, die Energie aller Bevölkerungsgruppen zu nutzen. Ein Beispiel dafür ist die Einbindung der „Langenegger Lebenshilfe Werkstätte“ in das Wirtschaftsleben, die im „Postlädle“ die Postdienste übernimmt und kunsthandwerkliche Produkte aus der Werkstätte verkauft.

Die Vorderwälder Mitfahrbörse, die „Langenegger Talente“ – eine Ersatzwährung, die  dazu beiträgt, das Geld in der Gemeinde zu halten, ein gemeindeeigenes Carsharing-Auto, ausleihbare Jahreskarten für den Verkehrsverbund Vorarlberg sowie ein umfassendes Sozialkonzept für junge, alte und bedürftige MitbürgerInnen sind nur einige der Projekte, die verdeutlichen, dass in Langenegg das Motto „Neue Energie für ein starkes Miteinander“ sowohl  im Wortsinn als auch im übertragenen Sinn eindrucksvoll gelebt wird.

„Neue Energie für ein starkes Miteinander“ bewiesen auch alle anderen Teilnehmer. Unter vielen guten Projekten wurden die zwölf Besten mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 13 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“, vier über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung“, freuen.

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis wurde 1990 von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung mit dem Ziel, den Erfahrungsaustausch zu fördern, Europas Zusammenwachsen zu begünstigen und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst zu machen, ins Leben gerufen. Er wird seit 1990 im 2-Jahresrhythmus veranstaltet und bewertet neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden, also Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, die Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, die Auseinandersetzung mit Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung sowie kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen. Wesentlich dabei sind ferner ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperations¬bereitschaft geprägte Methodik der Umsetzung.

Die Veranstaltung wurde von der Europäischen Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung, gefördert.

INFORMATIONEN:
Theres Friewald-Hofbauer, +43/1/533 84 01, E-Mail: friewald@landentwicklung.org

Europäischer Dorferneuerungspreis 2010

Langenegg, Vorarlberg, Österreich

Die Bregenzerwäldergemeinde  Langenegg mit ihren 1062 EinwohnerInnen startete ihren beispielhaften Entwicklungsprozess Mitte der 1990er Jahre zunächst mit dem Ziel, die Lebensqualität in der eigenen Gemeinde deutlich zu verbessern, um der drohenden Abwanderung und dem Verlust von Dienstleistungseinrichtungen und Arbeitsplätzen entgegenzuwirken. Mit dem Beitritt zum Klimabündnis Österreich nur wenige Jahre später wurden auch der Klimaschutz und das Energiesparen wichtige Bestandteile der Aktivitäten von Gemeinde und BürgerInnenn und ziehen sich bis heue sich wie ein roter Faden durch die vielfältigen Projekte. Der hohe Grad der Vernetzung der einzelnen Maßnahmen, die unter der Prämisse stehen, einen möglichst hohen Nutzen für möglichst viele Langenegger BürgerInnen zu generieren, führte zu einem die Wettbewerbskommission im höchsten Maße beeindruckenden Ergebnis.

Unter Einbindung der Bevölkerung erarbeitet die Gemeinde zusammen mit  der Universität Innsbruck und der FH Liechtenstein ein umfassendes Entwicklungskonzept. Initialprojekt war der gemeinsame Entschluss zur Sanierung eines geschichtsträchtigen, leer stehenden Gebäudes mitten im Ortszentrum.  Parallel dazu gelang es der neu gegründeten Wirtschaftsgemeinschaft, im nunmehr vorbildlich sanierten  Objekt wichtige Dienstleistungsfunktionen wie Arzt, Apotheke und Friseur sowie drei Wohneinheiten zu etablieren – ein wichtiger erster Schritt zu mehr Lebensqualität und Identität im Ort.
Daneben wurden  zahlreiche  Projekte  auf den Weg gebracht, um eine effiziente Nutzung von Energie unter Einsatz erneuerbarer Energieträger zu etablieren. Die Nutzung der heimischen Weißtanne als Baumaterial für zahlreiche private und kommunale Bauprojekte trägt nicht nur zur Stärkung  kleinräumiger Wirtschaftskreisläufe bei, sondern  leistet auch einen wertvollen Beitrag zum ökologischen Bauen. Die hohe Qualität der Architektur wird niemals allein zum Selbstzweck, sondern beinhaltet in Langenegg immer auch die soziale und wirtschaftliche  Komponente.

Biogasanlagen, Hackschnitzelheizanlagen und eine Vielzahl an Photovoltaik- und Solaranlagen, deren Errichtung von der Gemeinde gefördert wurde, machen Langenegg  zu einem Vorreiter in Sachen Energieautarkie. Die  Energie aller Bevölkerungsgruppen – auch der Menschen mit besonderen Bedürfnissen –,  die sich in zahlreichen Aktivitäten mani¬festiert, leistet einen großartigen und unverzichtbaren Beitrag zur Ideenfindung und zur Umsetzung einer Fülle an Projekten aus unterschiedlichsten Bereichen wie etwa: Einbindung der „Langenegger Lebenshilfe Werkstätte“ in das Wirtschaftsleben, die im „Postlädle“ die Postdienste übernimmt und kunsthandwerkliche Produkte aus der Werkstätte verkauft; die Vorderwälder Mitfahrbörse; die „Langenegger Talente“ – eine Ersatzwährung, die  dazu beiträgt, das Geld in der Gemeinde zu halten; ein gemeindeeigenes Carsharing-Auto; ausleihbare Jahreskarten für den Verkehrsverbund Vorarlberg sowie ein umfassendes Sozialkonzept für junge, alte und bedürftige Mitbürger, um nur einige zu nennen.
In Langenegg wird das Motto „Neue Energie für ein starkes Miteinander“ sowohl  im Wortsinn als auch im übertragenen Sinn eindrucksvoll gelebt.

Europäischer Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von heraus¬ragender Qualität

Aller-Leine-Tal, Niedersachsen, Deutschland

Das Aller-Leine-Tal beeindruckt in allen Teilbereichen der Dorfentwicklung, beginnend bei dem Aufbau von Nahversorgungseinrichtungen wie Bauernmärkten und Dorfläden, der Umnutzung von schützenswerter alter Bausubstanz, der Errichtung und Erhaltung des Ensembles um den Burghof Rethem als Kultur- und Bürgerzentrum für Gäste und Einheimische, der Errichtung eines Telehauses bis hin zum Betrieb der  innovativen Kunstschule PINX. Besonders hervorzuheben sind auch die Aktivitäten im Sektor der erneuerbaren Energie mit dem Ziel, 100% der verbrauchten elektrischen Energie in der Region aus regenerativen Energiequellen zu gewinnen,  das rege Vereinsleben sowie die Bereitschaft der BürgerInnen bei der Neugestaltung von Gemeinschaftsprojekten unentgeltlich mitzuarbeiten und sie auch in Folge in Eigeninitiative zu betreiben. Nicht zuletzt ist zu betonen, dass die Einbindung der BürgerInnen in die Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse auf allen drei Ebenen – Dorf, Samtgemeinde, Region – in hervorragender Weise gelöst.

Alsómocsolád, Ungarn

In Alsómocsolád, einem kleinen Dorf abseits großer Zentren, ist es auf bemerkenswerte Weise gelungen, mit viel Umsicht und Engagement die Wirtschaftskraft und die Lebensqualität deutlich zu erhöhen. Besonders bemerkenswert sind der soziale Ansatz sowie die Einbeziehung aller Generationen und Minderheiten. Explizit zu erwähnen sind insgesamt:
−    Sehr durchdachte Methoden zur Einbeziehung der Bürger
−    Aufbau von Wertschöpfungsketten aus dem sozialen Bereich
−    Sparsamer Umgang mit Energie
−    Verbindung von Ortsbild mit handwerklicher Kunst im öffentlichen Raum
−    Beispielhafte Sozialeinrichtungen unter Bedachtnahme auf ökonomische Synergieeffekte
−    Hohe Identifikation der Bewohner
−    intensive regionale und überregionale Zusammenarbeit unter Einbeziehung eines Expertenkreises sowie
−    umfassende Nutzung der verschiedenen europäischen und nationalen Förderungs¬programme.

Európai Falumegújítási díj, kiemelkedő minőségű, fenntartható, komplex, a kiírás szerinti mottónak megfelelő falufejlesztésért

…. egy kicsi, a városias központoktól távoleső faluban, újfajta, jól megalapozott falusi életminőség kialakításáért, amely a korábbi visszafejlődést követően sok energiával, körültekintéssel kezdődött meg és került sikeres megvalósításra. Különösen említésre méltó a szoros társadalmi együttműködés, a lakosság összes generációjára és a kisebbségekre kiterjedő figyelem.

Példaértékű eredmények:
−    Alaposan végiggondolt módszerek kidolgozása és alkalmazása a lakossággal való együttműködés lehetőségeire vonatkozóan,
−    Körjegyzőség keretei között végzett térségi szervezőmunka,
−    Értékteremtő szociális háló kiépítése és a szociális intézmények példás üzemeltetési gyakorlata
−    Energiatakarékossági intézkedések,
−    A településkép gazdagítása kézműves alkotásokkal,
−    A lakosság identitástudatának magas színvonala,
−    Példaértékű gondoskodás a fiatalokról, nyugdíjasokról, kisebbségekről,
−    Intenzív és eredményes együttműködés külső szakértőkkel, regionális szervezetekkel,
−    Európai és nemzeti fejlesztési források átfogó, összehangolt hasznosítása.

Eicherscheid, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Eicherscheid zeichnet sich durch die bürgerschaftliche Erarbeitung und konsequente Realisierung eines ganzheitlichen und nachhaltigen Zukunftskonzeptes von beispielhafter Qualität aus. Besonders nennenswert sind die Pflege, Revitalisierung und schonende Modernisierung des bestehenden baulichen und kulturellen Erbes sowie die ehrenamtlichen Aktivitäten und innovativen Ideen der Dorfgemeinschaft zur Sicherung, Schaffung und zum Betrieb wichtiger Versorgungseinrichtungen. Hervorzuheben sind nicht zuletzt auch die fachgerechte Pflege der einzigartigen, von Hecken geprägten Kulturlandschaft  und der vorbildhafte soziale Zusammenhalt.

Elster / Elbe, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Elster zeichnet sich durch den Aufbau zahlreicher, bestens miteinander vernetzter Projekte von überörtlicher Bedeutung  aus, die alle wesentlichen Bereiche einer Dorfentwicklung abdecken und deutlich machen, dass es der Bevölkerung gelungen ist, sich unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen neu zu orientieren. Dazu zählen in besonderer Weise die Initiativen im Bereich Museen und Schulen, die Schaffung wichtiger Dienstleistungseinrichtungen sowie die vielfältigen Aktivitäten zum Erhalt und zur Pflege der dörflichen Tradition, der regionalen Baukultur und der natürlichen Ressourcen. Bemerkenswert sind auch der sorgsame Umgang mit dem öffentlichen Raum und die zeitgemäße Umnutzung der historischen Fischer-, Speicher- und Bauernhäuser.

Losheim am See, Saarland, Deutschland

Losheim am See nimmt mit der großen Anzahl, der Effektivität sowie der Professionalität in Betreibung und Erhaltung der Anlagen zur Nutzung regenerativer Energie eine herausragende Stellung ein. Beeindruckend sind auch der Unternehmergeist und die Solidarität in der Bevölkerung, was das Thema „erneuerbare Energien“ betrifft. Die großzügige Freizeit-Anlage mit dem „Garten der Vier Jahreszeiten“, dem Garten Pavillon, Shop, Hotels und der modernen Infrastruktur für große Open Air-Konzerte ist ein touristisches Highlight von bemerkenswertem Format. Eigene Erwähnung unter einer Vielzahl an erfolgreichen und vorbildhaften Projekten verdienen die Prämiumwege, die Einblick in die Spezifika der saarländischen Landschaft und Lebensform gewähren.

Merkendorf, Bayern, Deutschland

Merkendorf erweist sich als in herausragender Weise mottogerecht, Denn seine Pionierarbeit im Bereich alternative Energien verbunden mit der Schaffung nachhaltiger wirtschaftlicher Tätigkeiten, seine Leuchtturmprojekte im Übergang „vom Landwirt zum Energiewirt“ bei gleichzeitiger bewusster Förderung des Natur- und Umweltschutzes wird als absolut vorbildhaft eingeschätzt . Dazu kommt eine starke Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Ort, die auf einem großen Maß an ehrenamtlichem Engagement basiert und allem voran an  Projekte wie einem gemeinsamen Obstgarten und der Weiterführung der Kraut-Tradition in vielen Facetten zum Ausdruck kommt.

Prellenkirchen, Niederösterreich, Österreich

Prellenkirchen zeichnet sich durch eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität aus. Besondere Anerkennung verdient, dass  die Gemeinde erfolgreich bemüht ist, regionale Wirtschaftskreisläufe in der Landwirtschaft, beim Weinbau, in der Vermarktung von Wildbret u.a. zu schaffen. Ein Leuchtturmprojekt stellte das Windinformationszentrum dar, das grenzüberschreitend für die Nutzung alternativer Energien wirbt. Der Entwicklungsansatz ist nachhaltig und breit aufgestellt, wobei sich die Gemeinde in der Grenzregion offen positioniert und bemüht, zunehmend auch Neubürger aus der Slowakei proaktiv zu integrieren.

St. Veit/Glan, Kärnten, Österreich

Die Stadt St. Veit an der Glan beeindruckt mit einer höchst erfolgreichen innerstädtischen Kernbildung als Kristallisationspunkt mit einer Ausstrahlung in alle Lebensbereiche der Stadt und des umgebenden ländlichen Raumes. Mit ihren visionären Projekten kann sie auch anderen Städten und Dörfern den Weg zur Energieautarkie weisen. Hervorzuheben sind darüber hinaus:
−    Klare Strategie für eine differenzierte und akkordierte Stadtentwicklung
−    Bündelung von äußerer Gestaltung, kulturellen Angeboten und umfassenden Einkaufsmöglichkeiten
−    Einführung des „Syntegrationsmodells“ zur Bürgerbeteiligung
−    Gut durchdachte und umfassende Raumordnung mit hohem Umsetzungsgrad
−    Aufbau und Bemühungen um Hotellerie und Gastronomie zur Stärkung der Tourismusfunktionen
−    Hervorragender Umgang mit historischen Bausubstanzen auch in der Verbindung mit zeitgemäßen Umgestaltungen und Zubauten in hoher Dichte sowie
−    Innovative Initiativen im Sozialbereich

Tučin, Olmütz, Tschechische Republik

Tučin hat elementare Herausforderungen einer ökologischen und nachhaltigen Siedlungsentwicklung erkannt und begegnet diesen mit einer ortsspezifischen Antwort. Der Gemeinde Tučin ist es auf herausragende Weise gelungen, soziale und gesellschaftliche Energien freizusetzen und zusammenzuführen. Sie wirken integrativ und identitätsstiftend über Generationen, Geschlechter und gesellschaftliche Gruppen hinweg. Der Ansatz für die künftige Entwicklung der Gemeinde ist ganzheitlich ausgerichtet, wobei die Verantwortlichen sich bewusst sind, dass auf diesem zukunftsweisenden Weg noch manche Hürden zu nehmen sind.

Tučín rozpoznal základní výzvy ekologického a trvale udržitelného rozvoje a nakládá s nimi podle místních podmínek. Obci Tučín se skvěle podařilo uvolnit sociální a společenské energie a společně je realizovat. Působí integrativně a upevňují identitu generací, pohlaví a společenských skupin. Nasazení pro budoucí rozvoj obce  je orientováno komplexně, přičemž odpovědní jsou si vědomi toho, že na této cestě k budoucnosti jsou ještě mnohé překážky. Proto obdržel Tučín Evropskou cenu obnovy vesnice za komplexní, tvale udržitelný a mottu soutěže odpovídající rozvoj vesnice vynikající kvality.

Virgen, Tirol, Österreich

Virgen beeindruckt mit einer breiten Bürgerbeteiligung, initiiert durch professionell eingeleitete Prozesse bei Fragestellungen über die zukünftige Dorfentwicklung, die zu einer deutlichen Stärkung des Gemeinwohls beigetragen haben, sowie mit einer beispielhaften Vernetzung von Einzelmaßnahmen, die zu einem großen und tragfähigen Ganzen geführt haben. Besondere Erwähnung verdienen der beispielhafte Umgang mit erneuerbarer Energie, die Initiativen zur Stärkung der kleinstrukturierten Berglandwirtschaften und der Erhaltung der Kulturlandschaft, insbesondere der Virger Feldfluren, sowie die beispielhafte Revitalisierung von traditionellen Gehöftformen. Bemerkenswert ist nicht zuletzt auch, dass man in Virgen selbstbewusst das Gesetz des Handelns an sich zieht, statt auf Hilfe von außen zu warten.

Vrin, Graubünden, Schweiz

Hervorzuheben sind die zahlreichen und miteinander vernetzten Projekte, die zur Wahrung der kulturhistorischen und architektonischen Substanz sowie zur Verbesserung der Wohn- und Betriebsverhältnisse in Vrin beitragen. Exemplarisch seinen dabei genannt: die landwirtschaftlichen Ökonomiegebäude von hoher architektonischer Qualität unter Einsatz standortgerechter Materialien, das genossenschaftliche Schlachthaus zur Direktvermarktung der traditionellen Bündner Produkte, die multifunktionale Mehrzweckhalle mit ihren innovativen Holzbaudetails und die qualitativ hochstehende Sanierung und Revitalisierung des  baukulturellen Erbes. Mit dem Bau des Aufbahrungsraumes in der Ortsmitte wird das starke Miteinander der örtlichen Gemeinschaft beeindruckend umgesetzt.

Zillingtal, Burgenland, Österreich

Zillingtal präsentiert sich als harmonische, deutsch-kroatischen Gemeinde, in der das Volkstum noch gelebt wird und wo beispielgebende soziale Initiativen zu einer deutlichen Steigerung der Lebensqualität beigetragen haben. Herausragend sind darüber hinaus das hohe Maß an Bürgerbeteiligung mit starker Verzahnung zur Gemeindevertretung, die ausgeprägte Identifikation der Bevölkerung, das rege Vereinsleben, die erfolgreichen Bemühungen im Rahmen der Energieagentur Burgenland sowie die gelungene Ortsbildgestaltung mit Grünflächenkonzept.

Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung

Burgjoß, Hessen, Deutschland

Burgjoß zeichnet sich durch Mottogerechtigkeit, einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen, eine durchdachte Bauentwicklung, eine sorgsame Erhaltung wertvoller Bausubstanz sowie das fortschrittliche und bewusste Herangehen an die Aufgaben und Folgen des demografischen Wandels aus. Die in der Realisierung befindlichen Projekte im Bereich der regenerativen Energien sind von hoher Qualität und zusammen mit der den Aktivitäten im Gutshof „Schafhof“ Garant einer nachhaltigen Entwicklung.

Dobrá Niva, Slowakei

Dobra Niva beeindruckt mit herausragenden gemeinschaftlichen Leistungen im sozialen und kulturellen Bereich. Besondere Anerkennung verdienen das Engagement der Dorfgemeinschaft für die Wahrung des historischen Erbes und die Pflege der dörflichen Traditionen wobei das „offene Tor“ nicht nur materiell, sondern auch idell für die Auf¬geschlossenheit der Gemeinde für zukünftige Herausforderungen steht. Auch die Verdienste der Gemeinde und der örtlichen Landwirte für die Gestaltung der Kulturlandschaft und die Pflege des Naturschutzgebietes Gavurky verdienen große Anerkennung.

Dobrá Niva získava „Európsku cenu obnovy dediny za mimoriadne výkony vo viacerých oblastiach obnovy dediny“ za vynikajúce, nasledovaniahodné výkony v sociálnej a kultúrnej oblasti. Zvláštne uznanie si zasluhuje angažovanosť miestnych občanov v oblasti zachovávania historického dedičstva a udržiavania miestnych tradícií, ako aj významný podiel obce a miestnych hospodárov pri vytváraní kultúrnej krajiny a pri starostlivosti o chránené územie Gavurky.

Dzierżoniów, Niederschlesien, Polen

Dzierżoniów beeindruckt mit einer bemerkenswerten sozialen Energie und besticht auch durch den Aufbau mehrerer unterschiedlicher und vernetzter Projekte von überörtlicher Bedeutung – wie Museum, Schulen und neu geschaffene Sportanlagen – zum Erhalt und zur Pflege der dörflichen Tradition und Baukultur sowie der Erhöhung der Lebensqualität. Dabei verdienen das hohe Engagement der Bevölkerung und die beachtliche Eigenleistung bei mehreren Projekten höchste Anerkennung.

Jützenbach, Thüringen, Deutschland

Jützenbach zeichnet sich ganz besonders durch die Sanierung und nachhaltige Nutzung der schützenswerten alten Bausubstanz, wie der Errichtung eines Dorfladens mit angeschlossener Fleischerei in der alten Schule und eines Dorfgemeinschaftshauses in der ehemaligen Zigarrenfabrik, die Schaffung eines Kindergartens und ein reges Vereinsleben in einem qualitativ hochwertigen Wohnstandort aus. Hervorzuheben ist auch die hohe Mottogerechtigkeit: Die BürgerInnen beweisen bei der Umsetzung von Projekten durch ihr großes unentgeltliches Engagement ihr „starkes Miteinander“.Alles in allem ist es gelungen, einen zukunftstauglichen Ort mit einem kinder- und familienfreundlichen Umfeld zu schaffen und Abwanderung zu verhindern.

Lajen, Südtirol, Italien

Lajen zeichnet sich durch seine äußerst erfolgreichen Bemühungen, den Energieverbrauch in der Gemeinde deutlich zu senken und den Bedarf auf erneuerbare Energieformen umzustellen, aus. Auch die ambitionierte architektonische Gestaltung kommunaler Bau¬vorhaben unter Einsatz standortgerechter Materialien sowie die Revitalisierung von alter schützenswerter Bausubstanz für Einrichtungen des Gemeinbedarfs in der Ortsmitte sind höchst bemerkenswert. Nicht zuletzt sei auf das attraktive Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche sowie das gesellschaftliche Miteinander unter besonderer Beachtung der Senioren verwiesen.

Langenreichenbach, Sachsen, Deutschland

Langenreichenbach ist ein herausragendes Beispiel für die Bewahrung und erfolgreiche Weiterentwicklung der dörflichen Traditionen mit überörtlicher Ausstrahlung, die als besondere Qualität des generationenübergreifenden Gemeindelebens verstanden werden, sowie für das Bewusstsein im Umgang mit den landschaftlichen Gegebenheiten. Besondere Beachtung verdienen auch das zukunftsträchtige und integrative Kindergartenkonzept sowie die auf Binnenentwicklung ausgerichtete Siedlungspolitik, welche sich in der gelungenen Umnutzung der Dreiseitenhöfe konkretisiert.

Lidečko, Kreis Zlin, Tschechische Republik

Lidečko arbeitet seit vielen Jahren mit großer Energie konzentriert und erfolgreich daran, ein kulturell und sozial aktives Zusammenleben in seiner Dorfgemeinschaft zu fördern, Natur, Landschaft, Siedlung und Landwirtschaft nachhaltig und sinnstiftend neu miteinander zu verknüpfen und die bauliche und soziale Infrastruktur in der Gemeinde zu verbessern. Das Engagement der Gemeinde in den baulichen Aufgaben zur Stärkung des Ortskerns als Ort des Zusammentreffens, der Kommunikation und Identifikation ist dabei besonders hervorzuheben.

Lidečko | Zlínský kraj | Česká republika
Lidečko obdrželo Evropskou cenu obnovy vesnice za mimořádné výkony ve více oblastech rozvoje vesnice.
Obec Lidečko pracuje již mnoho let s velkou energií soustředěně a úspěšně na tom, aby podporovala kulturní a sociální aktivity společného života svého vesnického obyvatelstva, nově, s cílem trvalé udržitelnosti, smysluplně propojovala přírodu, krajinu, osídlení a zemědělství a vylepšovala stavební a sociální infrastrukturu v obci. Zvláště vynikající je přitom angažovanost obce ve stavebních úlohách k posílení jádra sídla, jako místa setkávání, komunikace a identifikace.

Lommersweiler, Deutschsprachige Gemeinschaft, Belgien

Lommersweiler  zeichnet sich vor allem durch einen bemerkenswerten Aktionsplan, in dessen Erarbeitung und Umsetzung auch Experten eingebunden wurden, großes soziales Engagement und eine umfassende Bürgerbeteiligung aus. Mit dieser Beteiligung und dem vorbildlichen Bürgerengagement ist es gelungen, wichtige Vorhaben umzusetzen und für die Ortschaft bedeutsame Weichenstellungen vorzunehmen. Die umgesetzten Projekte tragen wesentlich zur Stärkung der Identität und zur Verbesserung der Lebensqualität in der Ortschaft bei. Die geplante Stärkung eines nachhaltigen Tourismus wird sich positiv auf die Zukunft auswirken.

Mertzig, Luxemburg

Mertzig weiß mit einem hervorragenden, mit den BürgerInnen erarbeiteten und durch Fachkräfte unterstützen Gemeindeentwicklungskonzept aufzuwarten, das als Garant für eine gedeihliche Entwicklung der Gemeinde anzusehen ist. Bemerkenswert sind die zahlreichen und vielfältigen regionalen Kooperationen sowie die umfassende Bedachtnahme auf ökologische Anliegen, die in naturnahen Gestaltungsmaßnahmen Ausdruck findet. Hervorragende Projekte im kulturellen Bereich und das Engagement im sozialen Segment decken weitere Themen der umfassenden Dorferneuerung ab und sind als vorbildlich einzuschätzen.

Schenefeld, Schleswig-Holstein, Deutschland

Die Gemeinde Schenefeld zeichnet sich durch eine umfassende, langfristige Entwicklungsplanung und eine beeindruckende Dynamik bei der Umsetzung der Vorhaben aus. Ein sehr gutes Beispiel für eine gelungene Sanierung historischer Bausubstanz ist die Bonifaziuskirche, auch auf die Erhaltung der kleinteiligen Knicklandschaft und auf das Setzen von Maßnahmen im ökologischen Bereich – im Gegenzug zu Erschließungsmaßnahmen – wird großer Wert gelegt. Entsprechend dem Motto “unsere Kinder sind unsere Zukunft” findet man in Schenefeld zahlreiche hervorragende Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, worunter neben dem Kindergarten die offene Ganztagesschule, die durch ihr Bildungsangebot zu einer frühen Vernetzung der Jugendlichen mit ihrer Gemeinde führt, herausragt. Bemerkenswert ist auch die vielfältige Vereinsstruktur, die alle BürgerInnen einbindet und ihnen die Möglichkeit bietet, sich aktiv am Gemeindealltag zu beteiligen.

St. Koloman, Salzburg, Österreich

St. Koloman überzeugt in besonderer Weise durch den Aufbau eines multifunktionalen Gemeindezentrums als dörflicher Begegnungsraum und eine stetige Verbesserung der Lebensqualität.  Großer Wert wird dabei auf die Bewahrung und Stärkung des ausgeprägten sozialen Zusammenhalts sowie der hohen Identifikation gelegt. Höchste Beachtung verdienen weiters die Bemühungen im Rahmen der Teilnahme am e5 Programm, der kluge und vorausschauende Umgang mit dem Bauland sowie die Weiterentwicklung der Angebote für einen sanften Tourismus.

St-Martin, Wallis, Schweiz

Hervorzuheben sind der exemplarische Umgang mit dem Kulturerbe – insbesondere mit den typischen Alpenbauten – und den natürlichen Ressourcen, was insbesondere durch die Wiederherstellung der Bewässerungsgräben (Bisses) in den alpinen Aussenbereichen der Gemeinde und die Beteiligung am grenzüberschreitenden Naturpark deutlich wird. Neben dem Erhalt der traditionellen Land- und Forstwirtschaft sind der sanfte ländliche Tourismus mit den ausgeschilderten didaktischen Wanderwegen von Maurice Zermatten und der Agrotourismus mit seiner spezifischen Ausrichtung in Ossana zu erwähnen. Das Wir-Gefühl der Bürger/innen wird bei den zahlreichen sozio-kulturellen und sportlichen Vereinigungen und über das rege Vereinsleben gestärkt und besonders mit dem Projekt des Generationen¬hauses herausgestrichen.

St: Martin recoit le „Prix Européen pour des réalisations remarquables dans plusieurs domaines de développement des villages“.
Le respect exemplaire du patrimoine hérité et le traitement des valeurs naturelles sont a relever. Dans ce contexte sont a citer particulièrement les constructions architecturales typiques de la region alpine de même que la conservation et la propagation de la biodiversité moyennant le rétablissement des canaux d’irrigation, appelés „bisses“, dans la zone verte de la commune. Une attention particulière revient également dans la participation de la commune au parc naturel transfrontalier avec l’Italie du Nord en vue de l’obtention du label „biosphérique“.
A citer sont encore à coté du maintien de l’agriculture et sylviculture traditionelles, le développement du tourisme doux avec les sentiers didactiques fléchés de Maurice Zermatten et spécialement le lancement du projet agritouristique avec son orientation spécifique à Ossana. Le sentiment de la cohésion sociale des citoyen(ne)s est démontré de facon vivante dans les nombreuses associations socio-culturelles et sportives et trouve son apogée dans le projet de la maison des générations.

Wijk aan Zee, Nordholland, Niederlande

Wijk aan Zee hat sich als Initiator der Kulturdörfer Europas mit seinen länderübergreifenden Initiativen und Bemühungen um internationalen Kulturaustausch und Kommunikation einen herausragenden Namen gemacht. Gelebte Gastfreundschaft, europaweite, humanitäre Kontakte und eine weltoffene Lebenshaltung spiegeln sich im Ortsbild und bei den AkteurInnen in den zahlreichen Vereinen und Arbeitsgruppen wider. Besonders bemerkenswert ist die konstruktive Auseinandersetzung mit dem Arbeit gebenden Stahlgiganten, die letztlich zu einer eigenständigen, kreativen Entwicklung des Dorfes und seiner aktiven BewohnerInnen führte und heute Wijk aan Zee seine Identität als Kulturdorf Europas verleiht.

Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung

Blankensee, Brandenburg, Deutschland

Blankensee beeindruckt auf mehrfache Weise: mit seiner Entschlossenheit zur Integration von Naturschutz und Seen- und Flussbewirtschaftung, mit einer beispielhaften Stärke, aus einer schwierigen Vergangenheit neue Möglichkeiten für das Leben und die Arbeit der DorfbewohnerInnen zu schaffen, sowie mit der erfolgreichen Bewahrung seines reichen kulturellen Erbes. Auch der Erhalt und Betrieb der Johanneischen Kirche als Kultur- und Veranstaltungszentrum für die Region ist hervorzuheben.

Gingst, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Gingst überzeugt mit großartigen Leistungen im Bereich einer umfassenden, qualitätvollen und sensibelen  Revitalisierung alter Gebäudestrukturen Dabei wurde nicht nur auf die fachgerechte Erneuerung der Gebäude geachtet, sondern auch ihrer Vitalität im Hinblick auf die künftige Nutzung besondere Beachtung geschenkt. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist das Freilichtmuseum, das durch die wöchentliche Abhaltung des “Grünen Marktes” eine gelungene Brücke zur Landwirtschaft und somit zur Vermarktung regionaler Produkte schlägt. Besonders bemerkenswert ist auch das Ganztagesschulmodell, das durch verschiedene Module (Partnerschaften/Kooperationen mit Gemeinde, Vereinen, Altenheim, Betrieben aus der Region) zu einer intensiven Auseinandersetzung der jungen BürgerInnen mit ihrer Gemeinde und ihrer Heimat führt und identitätsstifetend wirkt. Die Nutzung und Stärkung des sanften Tourismus durch verschiedene Maßnahmen hilft der lokalen Wirtschaft und unterstützt die Gemeinde in ihrem Bemühen, als zentraler Ort in Westrügen zu bestehen.

Gleinstätten, Steiermark, Österreich

Gleinstätten zeichnet sich durch eine beispielgebende kulturelle Belebung von Schloss und umgebendem LandArt Park als Beispiel für ein höchst harmonisches und sinnmachendes Verschmelzen von Kultur und Natur aus. Bestechend ist allem voran die mutige und ungewöhnliche Umgestaltung einer lebensfeindlichen und trennenden Durchzugsstraße in einen „Shared-Space“ mit ineinanderfließenden Straßenraumfunktionen.

Zdzieszowice, Opole, Polen

Zdzieszowice hat durch großes Engagement eine bemerkenswerte  wirtschaftliche Entwicklung genommen, wobei der Hauptort sich auch erfolgreich für die Entwicklung der umliegenden Dörfer einsetzt. Diese konnten in den vergangenen Jahren spürbar und erfolgreich die Instrumentarien der Ländlichen Entwicklung nutzen und damit deutlich spürbar an Zukunftsfähigkeit gewinnen.

Lobende Anerkennung

Kein Teilnehmer

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung vergibt heuer zum 11. Mal
den Europäischen Dorferneuerungspreis – 30 Länder bzw. Regionen waren mit jeweils
einem Projekt vertreten und schickten ihre besten Dörfer und Gemeinden ins Rennen:
Sieger : die Gemeinde Langenegg, Vorarlberg, Österreich

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2010 ist entschieden: Eine
hochrangige, internationale und interdisziplinär zusammengestellte Jury hat dieser Tage
nach einer umfassenden Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung
im tschechischen Boretice die Gemeinde Langenegg, Vorarlberg, Österreich,
zum Sieger gekürt. „Damit wird ein Projekt ausgezeichnet, dass dem Wettbewerbsmotto
,Neue Energie für ein starkes Miteinander’ auf überzeugende und mehrfache Weise
gerecht wird und mit einer ganzheitlichen, nachhaltigen Entwicklung von herausragender
Qualität besticht“, freute sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE
Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Erwin Pröll, Niederösterreich,
in einer ersten Reaktion.

Langenegg – eine Gemeinde mit Energie
Die Bregenzerwäldergemeinde Langenegg mit ihren 1062 EinwohnerInnen startete ihren
beispielhaften Entwicklungsprozess Mitte der 1990er Jahre zunächst mit dem Ziel, die
Lebensqualität in der eigenen Gemeinde deutlich zu verbessern, um der drohenden
Abwanderung und dem Verlust von Dienstleistungseinrichtungen und Arbeitsplätzen
entgegenzuwirken. Mit dem Beitritt zum Klimabündnis Österreich nur wenige Jahre
später wurden auch der Klimaschutz und das Energiesparen wichtige Bestandteile der
Aktivitäten von Gemeinde und BürgerInnenn und ziehen sich bis heute wie ein roter
Faden durch die vielfältigen Projekte. Der hohe Grad der Vernetzung der einzelnen
Maßnahmen, die unter der Prämisse stehen, einen möglichst hohen Nutzen für möglichst
viele Langenegger BürgerInnen zu generieren, führte zu einem die Wettbewerbskommission
im höchsten Maße beeindruckenden Ergebnis.

Unter Einbindung der Bevölkerung erarbeitet die Gemeinde zusammen mit der
Universität Innsbruck und der FH Liechtenstein ein umfassendes Entwicklungskonzept.
Initialprojekt war der gemeinsame Entschluss zur Sanierung eines geschichtsträchtigen,
leer stehenden Gebäudes mitten im Ortszentrum. Parallel dazu gelang es der neu
gegründeten Wirtschaftsgemeinschaft, im nunmehr vorbildlich sanierten Objekt wichtige
Dienstleistungsfunktionen wie Arzt, Apotheke und Friseur sowie drei Wohneinheiten zu
etablieren – ein wichtiger erster Schritt zu mehr Lebensqualität und Identität im Ort.

Daneben wurden zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht, um eine effiziente
Nutzung von Energie unter Einsatz erneuerbarer Energieträger zu etablieren. Die Nutzung
der heimischen Weißtanne als Baumaterial für zahlreiche private und kommunale
Bauprojekte trägt nicht nur zur Stärkung kleinräumiger Wirtschaftskreisläufe bei, sondern
leistet auch einen wertvollen Beitrag zum ökologischen Bauen. Die hohe Qualität der
Architektur wird niemals allein zum Selbstzweck, sondern beinhaltet in Langenegg immer
auch die soziale und wirtschaftliche Komponente.

Biogasanlagen, Hackschnitzelheizanlagen und eine Vielzahl an Photovoltaik- und Solaranlagen,
deren Errichtung von der Gemeinde gefördert wurde, machen Langenegg zu
einem Vorreiter in Sachen Energieautarkie. Die Energie aller Bevölkerungsgruppen –
auch der Menschen mit besonderen Bedürfnissen –, die sich in zahlreichen Aktivitäten
manifestiert, leistet einen großartigen und unverzichtbaren Beitrag zur Ideenfindung und
zur Umsetzung einer Fülle an Projekten aus unterschiedlichsten Bereichen wie etwa:
Einbindung der „Langenegger Lebenshilfe Werkstätte“ in das Wirtschaftsleben, die im
„Postlädle“ die Postdienste übernimmt und kunsthandwerkliche Produkte aus der
Werkstätte verkauft; die Vorderwälder Mitfahrbörse; die „Langenegger Talente“ – eine
Ersatzwährung, die dazu beiträgt, das Geld in der Gemeinde zu halten; ein gemeindeeigenes
Carsharing-Auto; ausleihbare Jahreskarten für den Verkehrsverbund Vorarlberg
sowie ein umfassendes Sozialkonzept für junge, alte und bedürftige MitbürgerInnen, um
nur einige zu nennen.

Wettbewerbsprojekte von höchster Qualität
„Neue Energie für ein starkes Miteinander“, so das Motto des Wettbewerbs um den
Europäischen Dorferneuerungspreis 2010, haben neben Langenegg auch alle anderen
der insgesamt 30 Teilnehmer aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen
bewiesen. Unter vielen guten Projekten wurden die zwölf Besten, die mit zu den
Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche,
nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender
Qualität“ ausgezeichnet. 13 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis
für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“
freuen. Mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in
einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung“ wurden vier Teilnehmer bedacht. Aufgrund
der hohen Qualität der Wettbewerbsprojekte wurde diesmal keine „Lobende
Anerkennung besonderer Leistungen“ vergeben.

Die Preisverleihung erfolgt am 24. September 2010 in Sand in Taufers, Südtirol, Italien,
dem Gewinner des Europäischen Dorferneuerungspreises 2008.

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung wird heuer erstmals mit einer Veranstaltung auf der euregia in Leipzig, Sachsen, Deutschland, die vom 25. bis 27. Oktober stattfindet, vertreten sein.

Gemeinsam mit dem Europäischen Bildungsforum für ländliche Entwicklung (EBFLE) ladet sie am 27.10. 2010 von 10.00 Uhr – 12.00 Uhr zu einem transnationalen Forum unter dem Titel “Europäische Gemeinden im Umbruch – Bewusstseinsbildung als Schlüssel zum Erfolg” ein.

Intention: Die Bewältigung von Umbrüchen fordert – neben angepassten politischen Rahmenbedingungen – umfassende, kreative und innovative Handlungsstrategien und Lösungsansätze. Der Schlüssel für jede positive Entwicklung liegt in den betroffenen Menschen selbst, in deren Wissen, Können und Bereitschaft zu Mitverantwortung und Teilhabe. Dieses Forum begibt sich auf die Suche nach Antworten auf die Fragen: Wie können BürgerInnen zur Gestaltung ihres Lebensraumes motiviert und befähigt werden? Wie sind Bewusstseinbildungs- und Qualifizierungsstrategien anzulegen? Welche Rahmenbedingungen sind zu schaffen?

Das gesamte Kongressprogramm der euregia 2010 finden Sie unter www.euregia-leipzig.de.

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2010 gelangt in eine entscheidende Phase: Die Bereisungen der Wettbewerbsteilnehmer sind abgeschlossen und haben reiche Eindrücke gebracht. Bei der finalen Jurysitzung, die ab Sonntag, dem 4. Juli 2010, im tschechischen Ort Boretice, erfolgreicher Teilnehmer am Wettbewerb 2006, abgehalten wird, wird es nun darum gehen, die gewonnenen Erkenntnisse zu präsentieren und Teilnehmer für Teilnehmer miteinander zu vergleichen – das alles unter Berücksichtigung des ökonomischen, sozialen und kulturellen Kontextes.

Erfahrungsgemäß wird es mehrere Tage dauern, bis “weißer Rauch” aufsteigt und Gewinner und Preisträger feststehen. Spätestens am Mittwoch, dem 7. Juli 2010, jedoch muss die Entscheidung gefallen sein. Denn an diesem Tag ist die Veröffentlichtung der Wettbewerbsergebnisse vorgesehen.

Preisverleihung vom 23. bis 25. September 2010 in Sand in Taufers/Südtirol/Italien

Die Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2010 erfolgt am 24. September des Jahres im Rahmen eines Festaktes, der Teil eines dreitägigen Veranstaltungsreigens ist, für den die Gemeinde Sand in Taufers als Gastgeberin, das Land Südtirol und die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung gemeinsam verantwortlich zeichnen.

Die Details sind zwar noch nicht fixiert (wird Mitte/Ende Juli nach Vorliegen der Wettbewerbsergebnisse der Fall sein), bereits jetzt steht aber folgendes Grobkonzept fest:

  • Donnerstag, 23.9.: nachmittags Eintreffen der Gäste – Registrierung, Straßenfest, Festumzug, offizielle Begrüßung und Eröffnung der Verleihungsveranstaltung
  • Freitag, 24.9.: vormittags Exkursionen & Informationen; 15.00 bis 18.00 Uhr Festakt mit Preisverleihung; anschließend Fest der Begegnung mit Kultur und Kulinarik
  • Samstag, 25.9.: Frühschoppen mit Musik und lokalen Produkten, Bergsteigerimpressionen, Offener Markt mit lokalen und regionalen Erzeugnissen; etwa 14.00 Uhr: offizielle Verabschiedung der Gäste

In Abstimmung mit der Gastgeber-Gemeinde Sand in Taufers kümmert sich der Tourismusverein Sand in Taufers um die Quartiere für die Gäste. Bitte wenden Sie sich also zum Zwecke der Hotelreservierung direkt an den Tourismusverein:

Tourismusverein Sand in Taufers
Josef-Jungmann-Straße 8
I-39032 Sand in Taufers
Tel. +39 0474 678076 · Fax +39 0474 678922
info@taufers.com
www.taufers.com <http://www.taufers.com>

„Die Menschen in Europas ländlichen Räumen stehen heute gewaltigen Heraus¬forderungen gegenüber, die nach raschen, zugleich aber nachhaltigen und zukunftsfähigen Entscheidungen verlangen. Das ,Leitbild der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden’ kann dabei als wertvolle Orientierungshilfe dienen”, erklärte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorf¬erneuerung, Niederösterreichs Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll bei der Präsentation des Leitbildes im Rahmen einer Pressekonferenz in St. Pölten, Österreich.

Das Leitbild basiert auf der Überzeugung, dass die ländlichen Gebiete einen besonderen Reichtum Europas darstellen und sich eine Politik zu ihren Gunsten zum Wohle der gesamten Gesellschaft erweist. Diese muss, wie auch im Leitbild festgeschrieben, darauf ausgerichtet sein, die ökonomische Potenz und die Beschäftigung in den ländlichen Kommunen zu fördern, die natürlichen Ressourcen zu schützen sowie die Lebensqualität ihrer BewohnerInnen maßgeblich zu heben.

Sie soll darüber hinaus zu einer Ausgestaltung der ländlichen Gebiete als eigenständige, unverwechselbare und überschaubare Natur-, Kultur- und Siedlungsräume beitragen, in denen Tradition und Innovation als gleichberechtigte Partner auftreten. Ländliche Entwicklung ist weiters den Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Subsidiarität verpflichtet und muss einer aktiven Bürger¬gesellschaft Raum geben.

Dazu bedarf es einer Bevölkerung, die befähigt und motiviert ist, Visionen und konkretes Engagement für die engere Heimat, aber auch für regionale, nationale, europäische und globale Anliegen zu entwickeln. Besonderes Augenmerk ist nicht zuletzt darauf zu legen, dass ländliche Räume ohne hierarchische Abstufung ihren Platz neben Metropolregionen und Verdichtungsräumen ausfüllen können. ´

Das “Leitbild der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden” wurde in einem dreijährigen Prozess unter Einbindung von Fachleuten und PraktikerInnen aus weiten Teilen Europas konzipiert und als inhaltlich und gestalterisch überzeugendes Druckwerk veröffentlicht.

Das Leitbild kann unter info@landentwicklung.org gegen Erstattung der Versandkosten bestellt werden.
Eine pdf-Version steht gratis zum Download (1,7 MB) bereit.

Visionär. Kreativ. Innovativ – lautet das Motto des „Europäischen Jahres der Kreativität und Innovation 2009“. Im Rahmen der 14. Dorferneuerungsstudienfahrt der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung wurde deutlich, dass dieser Slogan in zahlreichen europäischen Landgemeinden seit Jahren beherzigt und in zukunftweisenden Projekten realisiert wird.

36 SpezialistInnen und AktivistInnen der Dorf-, Gemeinde- und Regionalentwicklung aus Belgien, fünf deutschen Ländern, Luxemburg, Österreich, Polen, der Slowakei und Tschechien befanden sich dieser Tage auf Einladung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung auf einer Studienreise, die zu Best-practice-Beispielen in Südtirol (Italien), Tirol und Vorarlberg (Österreich) sowie im Kanton Appenzell-Ausserrhoden (Schweiz) führte.

„Ziel dieser Exkursion, die wir seit den frühen 90er Jahren heuer bereits zum 14. Mal organisiert haben, war es, das gute Beispiel als Orientierungshilfe in die ‚Auslage‘ zu stellen, den Erfahrungsaustausch in Schlüsselfragen der ländlichen Entwicklung zu fördern und die TeilnehmerInnen zur aktiven Beteiligung an örtlichen und regionalen Entwicklungsprozessen zu motivieren. Ganz besonders ging es uns dabei aber auch darum, die europäische Gesinnung und die gemeinsame europäische Identität, basierend auf einer Einheit in Vielfalt, zu stärken“, erklärte dazu der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, der niederösterreichische Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll.

Die Südtiroler Gemeinde Sand in Taufers, Gewinnerin des Europäischen Dorferneuerungspreises 2008, wusste auf vielfache Weise, zu beeindrucken. Sie präsentierte sich mit einer bürgerfreundlichen, atmosphärisch äußerst ansprechenden Bibliothek, einem pädagogisch und optisch höchst anspruchsvollen Naturparkhaus und mit einem bunten Mix an alternativen Energieversorgungsquellen, allem voran ein allen ökologischen Erfordernissen gerecht werdendes Wasserkraftwerk, als zeitgemäße, umweltbewusste und energieautarke „Bildungsgemeinde“ mit hoher Lebensqualität.

Erneuerbare Energie – ein Themenbereich, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Exkursionsprogramm zog und in dem alle besichtigten Gemeinden Highlights vorzuweisen hatten, wie etwa die Gemeinde Gaschurn im Vorarlberger Montafon, die über ein Biomasseheizwerk mit Pufferspeicher verfügt, das mit heimischem Holz versorgt wird und damit einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, die Umweltqualität, die Kulturlandschaft und die Wirtschaftskraft in einer sensiblen Berg- und Tourismusregion zu erhalten. Ähnliche Ziele, wenn auch mit anderen Mitteln, verfolgt die Initiative „bewusstmontafon“, wo Landwirte, Gastwirte, Tourismusvertreter und andere Wirtschaftstreibende an einem Strang ziehen, um die Vermarktung regionaler Erzeugnisse und die Kreation neuer Leitprodukte zu forcieren.

Steigerung des kulturhistorischen Bewusstseins und der touristischen Attraktivität – darauf zielen zahlreiche Maßnahmen in der Tiroler Gemeinde Umhausen im Ötztal ab. Neben dem qualitätvoll restaurierten Ortskern und dem erlebnisgerechten Klettergarten beim Stuibenfall, dem höchsten Wasserfall Tirols, versteht man es, mit einem touristischen Alleinstellungsmerkmal zu punkten, dem archäologischen Freilichtpark Ötzidorf“, wo auf einem Areal von 12.000 m2 das Zeitalter des Neolithikums in all seinen Facetten erlebbar und begreifbar wird.

Als ein beeindruckendes Beispiel für eine höchst erfolgreiche Trendumkehr vom Abwanderungsraum zum Innovationsstandort erwies sich die Gemeinde Urnäsch im Schweizerischen Appenzell. Herzstück dabei ist ein Feriendorf, das als Referenzprojekt für nachhaltige und moderne Architektur im ländlichen Raum angesehen werden darf und das sich durch eine nachahmenswerte Vernetzung von natürlichen, landwirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ressourcen mit neuen Wertschöpfungsketten auszeichnet.

Der Umgang mit qualitätvoller zeitgemäßer Architektur bei gleichzeitiger Pflege des historischen Bauerbes genießt auch in Zwischenwasser, einer Gemeinde im Vorarlberger Rheintal, einen besonderen, ortsbildprägenden Stellenwert. Neben den „Formen“ sind es aber ganz besonders die Funktionen, die als vorbildhaft angesehen werden müssen. Hier gehen BürgerInnen, Kommunalpolitik, Verwaltung und ExpertInnen Schulter an Schulter mit neuen Energien – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – ans Werk und finden kreative Lösungen für die aktuellen Herausforderungen, insbesondere auch im Sozialbereich, wie unter anderem die Projekte „Betreubares Wohnen“ im Mitdafinerhus und das Mehrzweckhaus „Sennerei Dafins“, wo Kindergarten und Seniorenheim unter einem Dach vereint sind und die Begegnung der Generationen auf vielfache Weise fördern.

Informations- und Diskussionsrunden mit RepräsentantInnen nationaler, regionaler und kommunaler Behörden, Begegnungen mit VertreterInnen lokaler Institutionen, Verbände und Vereine und ständiger Erfahrungs- und Gedankenaustausch zwischen den TeilnehmerInnen rundeten das Programm der Studienfahrt ab, die von ARGE-Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer geleitet und im Rahmen des Programmes „Aktive Zivilgesellschaft in Europa“ von der Europäischen Union, GD Bildung und Kultur, gefördert wurde.

Seit 1990 ruft die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung alle zwei Jahre zum Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis auf. Heuer ging diese begehrte Auszeichnung erstmals nach Italien, und zwar an die 5.200 EinwohnerInnen zählende Gemeinde Sand in Taufers in Südtirol. “Sie stellt mit mutigen gesellschaftlichen Innovationen im Rahmen einer nachhaltigen und ganzheitlichen Gemeindeentwicklung eindrucksvoll unter Beweis, dass sie willens ist, ihre Zukunft selbst zu gestalten“, betonte die Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Theres Friewald-Hofbauer, Wien, bei der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2008 im friesländischen Ort Koudum, Niederlande, dem Gewinner des Wettbewerbes 2006.

Dem Festakt wohnten neben einer Reihe hochrangiger Persönlichkeiten und rund 850 Dorferneuerungsaktivisten aus zahlreichen europäischen Staaten auch der Beauftragte der Königin der Provinz Friesland, Johannes Arnoldus Jorritsma, und der 2. Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Wojewode Riszard Wilczynski, Opole, Polen, bei. Workshops, Exkursionen und ein grandioses Fest der Begegnung, das sich über den ganzen Ort erstreckte und drei Tage andauerte, rundeten das Programm der Veranstaltung ab, die von der Europäischen Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung, gefördert und von der ARGE in Kooperation mit Koudum, der Gemeinde Nijefurd und dem Club Niederösterreich durchgeführt wurde.

Sand in Taufers – eine basisdemokratische Bildungsgemeinde

Die Erneuerungsbewegung von Sand in Taufers basiert auf der Erkenntnis, dass Bildung und Weiterbildung der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung sind und dass der Ideenreichtum der BürgerInnen – neben der naturräumlichen und wirtschaftlichen Gunstlage – die wertvollste Ressource der Kommune darstellt. Gemäß diesem innovativen Ansatz und dem Anspruch auf Ganzheitlichkeit besticht Sand in Taufers durch eine Vielzahl an Projekten, die miteinander vernetzt, aufeinander abgestimmt und in kommunale und regionale Konzepte eingebunden sind. Sie präsentieren sich als markante Stationen auf dem Weg zu einer basisdemokratischen Bildungsgemeinde mit hoher Lebensqualität. Soziale, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Aspekte werden dabei als gleichwertig behandelt.

Die gesetzten und projektierten Maßnahmen sind von einer klaren Innovationsorientierung und einem sehr hohen Problembewusstsein, insbesondere für Anliegen des Klimaschutzes und für neue Anforderungen infolge eines permanenten gesellschaftlichen Wandels, gekennzeichnet.

Wettbewerbsprojekte von Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit geprägt

Der 10. Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis stand unter dem Motto „Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen“ und zeichnete sich durch eine große Teilnehmerzahl (29 Orte bzw. Gemeinden bzw. Mikroregionen aus ebenso vielen europäischen Regionen) sowie ein außerordentlich hohes Niveau aus. Unter vielen guten Projekten wurden die zehn besten, die mit zu den Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 18 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ freuen.

Ziel des Wettbewerbes war es, besonders herausragende und beispielhafte Aktivitäten und Initiativen der Dorf- und Gemeindeentwicklung „vor den Vorhang“ zu bitten und unter Berücksichtigung des ökonomischen und kulturellen Kontextes zu prämieren. Vorrangiges Kriterium war, dass die gesetzten Maßnahmen gemäß dem „Leitbild für Landentwicklung und Dorferneuerung in Europa“ und im Sinne der Lokalen Agenda 21 darauf abzielen, zu einer nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume beizutragen. Das Motto des Wettbewerbes 2008 – „Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen“ – war als Signal dafür gedacht, einen besonderen Fokus auf die soziale Dimension der Lebensqualität zu legen. Es sollte dazu anregen, sich sehr bewusst mit den vielfältigen Veränderungen der Sozial-gemeinschaft Dorf auseinander zu setzen und Antworten auf den demografischen Wandel, auf neue Rollenbilder und neue Familienstrukturen zu suchen.

Bewertet wurden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer. Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung spielten dabei ebenso eine Rolle wie soziale Einrichtungen, kulturelle Initiativen und Bemühungen um eine wirtschaftliche Entwicklung. Wesentlich dabei waren ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperations-bereitschaft geprägte Methodik.

Europäischer Dorferneuerungspreis – Lobbying für den Ländlichen Raum

„Ich bin sehr froh, dass die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung den Europäischen Dorferneuerungspreis kontinuierlich seit 1990 vergibt. Denn dieser Wettbewerb fördert die Europäische Integration und trägt wesentlich dazu bei, dass die ländlichen Räume Europas auf der politischen Tagesordnung bleiben“, so ein Kommentar des „Gastgebers“ und Königlichen Kommissars J.A. Jorritsma.

Was hat die Jury im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2008 in den einzelnen Gemeinden und Dörfern  besonders angesprochen? Welche Leistungen hält sie für herausrgend und beispielhaft? Anworten darauf gibt der nachfolgende Text.

Der Europäische Dorferneuerungspreis 2008 geht an:

Sand in Taufers, Südtirol, Italien

Sand in Taufers zählt 5100 EinwohnerInnen und startete seine Erneuerungsbewegung im Jahr 2000. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass Bildung und Weiterbildung der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung sind und dass der Ideenreichtum der BürgerInnen neben der naturräumlichen und wirtschaftlichen Gunstlage die wertvollste Ressource der Gemeinde darstellen. Dieser Ansatz hat die JurorInnen ebenso beeindruckt wie der Anspruch auf Ganzheitlichkeit und der hohe Grad an thematischen, räumlichen und interkommunalen Vernetzungen gepaart mit Beispiel gebenden gesellschaftlichen Innovationen.

Folgerichtig ziehen sich Bildungsinitiativen – jährlich rund 80 Weiterbildungsveranstaltungen mit etwa 900 TeilnehmerInnen, eine „Genossenschaft für Weiterbildung“, die pro Jahr zwei Bildungsprogramme erstellt, mehrere Bildungszentren mit modern ausgestatteten Schulungsräumen, die Vergabe von Bildungschecks durch die Gemeinde an die BürgerInnen, eine multifunktionale Bibliothek, die auch mit neue Medien aufwartet – wie ein roter Faden quer durch alle Handlungsfelder.

Sehr viel Wert wird dabei auch auf die Qualifizierung der MitarbeiterInnen der Gemeindeverwaltung gelegt, um ihren Aufgaben in einer von einem hohen Grad an Bürgerbeteiligung geprägten Gemeinschaft gerecht werden zu können. Engagement und Eigeninitiative der Bevölkerung werden in Sand nämlich nicht nur zugelassen, sondern als das wichtigste Steuerungselement des  Entwicklungsprozesses angesehen, das es von Seiten der Gemeinde zu fördern gilt – mittels Infrastrukturen,  mittels Schulungen zur Befähigung zur Beteiligung, mittels Vorträgen von Experten und Impulsveranstaltungen, die Entscheidungshilfen bieten und zur Auseinandersetzung mit neuen Themen anregen.

Weitere Entwicklungsschwerpunkte sind:

∑ Bewusstseinsbildung, Information und Aktion zum Thema erneuerbare Energie und Energiesparen: Energiekonzept; Niedrigenergiehäuser, Einsatz von Windenergie, Wasser, Erdwärme und Photovoltaik,  bäuerliche Biogasanlage zur Stromerzeugung mit Vorbildwirkung über Norditalien hinaus, Realisierung eines Hauses der Energie;
∑ Highlights im Bereich von Wirtschaft und Landwirtschaft: Käsefestival, das rund 10.000 Besucher anzieht;  die Ahrntaler Aktivbauernhöfe, die auf  attraktive Angebote und professionelles Marketing setzen; Tourismusleitbild, das Wirtschaft und Natur einerseits und Gäste und Einheimische andererseits als gleichberechtigte Partner sieht;
∑ im Naturschutzbereich: neu angelegter Naturlehrpfad; zahlreiche Naturschutzgebiete u. Biotope; Umgestaltung des Freibades zu einem See; „Naturparkhaus“ im Dorfzentrum von Sand in Taufers, das dem Besucher die Einzigartigkeit dieser Bergwelt in all ihren Facetten näher bringt;  Bewusstseinsbildung für die Naturschätze bereits in Kindergarten und Schule;
∑ Mobilität und Siedlungsgestaltung: qualitätvolle Sanierung ortsbildprägender Gebäude und Schaffung eines attraktiven Zentrums, das vielfältigen Funktionen gerecht wird; kluges Verkehrskonzept, das motorisierten Verkehr einschränkt und Fahrrad und Fußgänger fördert; Eigeninitiativen von Unternehmern, die Verkehr vermeidende Aktivitäten ihrer Mitarbeiter unterstützen und belohnen; ein mit erneuerbarer Energie betriebener Citybus verbindet ab November 2008 das Dorfzentrum von Sand in Taufers mit den umliegenden Siedlungen;
∑ Kultur und Identität: Projekt “Kulturmeile” – 31 Stätten mit kulturhistorischer, siedlungsgeschichtlicher, wirtschaftsgeschichtlicher oder kunstgeschichtlicher Bedeutung wurden als Taschenbuch aufbereitet; Sicherung von altem Wissen und alten Kulturtechniken, was nicht nur Identität stiftet, sondern auch  touristisch in Wert gesetzt wird;
∑ Zeitgemäße soziale Einrichtungen: Altenbetreuung, Sommerkindergarten, gemeindeeigene Altenwohnungen, „Essen auf Rädern“, Sozialsprengel mit einer Vielzahl von Leistungen, „stille“ Nachbarschaftshilfe,  vielfältiges, beeindruckendes Projekt “Offene Jugendarbeit”, Frauenkreise (Diskussion, Motivation, Weiterbildung – beispielsweise für JungunternehmerInnen), “Haus für Brasilien” und andere Spendenaktionen mit starker Beteiligung der Bevölkerung;

Sand in Taufers besticht durch eine Vielzahl an miteinander vernetzten, aufeinander abgestimmten und in kommunale, regionale und in internationale Konzepte eingebundenen Projekten, die als markante Stationen auf dem Weg zu einer zukunftsorientierten und basisdemokratischen Bildungsgemeinde mit hoher Lebensqualität anzusehen sind. Soziale, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Aspekte werden dabei als gleichwertig behandelt, was in Kombination mit einem sehr ausgeprägten Problembewusstsein, insbesondere für Anliegen des Klimaschutzes und für neue Anforderungen infolge eines permanenten gesellschaftlichen Wandels, und einer klaren Innovationsorientierung die Überzeugung stärkt, dass in Sand in Taufers ein nachhaltiger Entwicklungsprozess in Gang gesetzt wurde, der noch viele Erfolge zeitigen wird.

Sieganwärter und ausgezeichnet mit:

Europäischer Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität

Ascha, Bayern, Deutschland
Besondere Leistungen gibt es in allen Teilbereichen der Dorfentwicklung, beginnend bei einer zukunftsorientierten, gentechnikfreien und selbstversorgenden Landwirtschaft, dem Erhalt und dem Aufbau standortgemäßer Erwerbsmöglichkeiten in Handel, Handwerk und Dienstleistungssektor, der qualitativ ausgerichteten Bausubstanz und Siedlungsstruktur, dem Wir-Gefühl der BürgerInnen, bis hin zu den zahlreichen sozialen und soziokulturellen Einrichtungen und Angeboten, die von einem sehr regen Vereinsleben begleitet werden. Absolutes Highlight ist aber sicher der verantwortungsvolle und zukunftsweisende Umgang mit den Ressourcen und erneuerbaren Rohstoffen, der Ascha zu einer nahezu energieautarken  Gemeinde werden ließ.

Liptovská Teplicka, Slowakei
Liptovská Teplicka besticht durch eine ganzheitliche Entwicklung, die landschaftlichen, bauräumlichen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Anliegen gerecht zu werden versucht.  Exemplarisch sei auf die radikale Umstellung auf biologisch-ökologische Grünland- und Weidewirtschaft mit ersten Ansätzen zur Veredelung verwiesen, die für die Erhaltung einer europaweit einzigartigen Kuturlandschaft verantwortlich zeichnet. Auch der bewusste Verzicht auf weitere oberflächenversiegelte Fahrbahnen, die erfolgreichen touristischen Initiativen, das durchgängige Kreislaufdenken, die engagierte Pflege der Taditionen, die höchst innovative Schule, die ausgeprägte Öffnung für moderen Informations- und Kommunikationsmedien durch einen eigenen Ortsfunk und wöchentliche, regionale Fernsehprogramme und nicht zuletzt
der beispielhafte Umgang mit den Romas, die 25 %  der Dorfbevölkerung ausmachen, die integriert werden, ohne sie assimilieren zu wollen, beeindrucken in hohem Maße.

Erlebnisland Maikammer, Rheinland-Pfalz, Deutschland
Das Erlebnisland Maikammer besteht aus den Ortsgemeinden Maikammer, Kirrweiler und St. Martin und zeichnet sich auf vielfache Weise aus. Als besondere Highlights sind zu nennen:
ÿ eine erfolgreiche Weinbergsneuordnung mit der klaren Zielsetzung, die Zukunftsfähigkeit der Weinbaubetriebe und die typische Weinbaulandschaft unter besonderer Beachtung des Naturschutzes  zu sichern;
ÿ eine vorbildliche Innenentwicklung mit Revitalisierung und Inwertsetzung alter qualitätvoller Bausubstanz, insbesondere für die Direktvermarktung des Naturproduktes Wein und für touristische Zwecke;
ÿ verkehrsberuhigende Maßnahmen und die gelungene Gestaltung der öffentlichen Straßen- und Platzräume inklusive Anlage von Themengärten;
ÿ ein hohes Maß an Bürgerbeteiligung und gesellschaftlichem Zusammenhalt gepaart mit zeitgemäßen Infrastrukturen für Kinder, Jugendliche und für die ältere Bevölkerung.

Seeham, Salzburg, Österreich
Seehams herausragende Leistungen sind vielfältig und reichen vom wirtschaftlichen über den sozialen bis hin zum kulturellen Bereich. Trotz des Siedlungsdrucks aus der nahen Landeshauptstadt Salzburg, dem offensiv begegnet wird, gelang es, dörfliche Struktur und Eigenart zu wahren und sich durch bemerkenswerte gesellschaftliche Innovationen erfolgreich auf den Weg in eine nachhaltige Entwicklung zu begeben. Herzstücke sind die denkmalgerechte Sanierung und Umnutzung des Schmidbauernhofes, die Ausrichtung der Landwirtschaft auf biologische Produktionsweisen, das Forcieren regionaler Kreislaufwirtschaft,  die Nutzung alternativer Energien, ein Mehrgenerationenhaus, eine gemeindeeigene Sozialarbeiterin,  eine motivierte Bevölkerung, deren Beteiligung gefördert und unterstützt wird, sowie zahlreiche Beispiele für praktizierte Kooperationsbereitschaft und gelebte Netzwerkorientierung.

Urnäsch, Appenzell Ausserrhoden, Schweiz
Urnäsch ist ein beeindruckendes Beispiel für eine höchst erfolgreiche Trendumkehr vom Abwanderungsraum zum vorbildhaften Innovationsstandort. Herzstück der Entwicklungsmaßnahmen ist die Errichtung eines REKA-Feriendorfes, das schlichtweg als Referenzprojekt für nachhaltige, qualitätvolle Architektur und Bautechnik im ländlichen Raum anzusehen ist. Höchste Anerkennung verdienen dabei auch die Finanzierung und die Realisierung des Projektes, die auf einem optimalen  Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik unter starker Einbindung der Bevölkerung, die 11 Millionen SF in Form von Spenden aufzubringen vermochte,  basieren. Darüber hinaus wird am Feriendorf deutlich, was Urnäsch insgesamt auszeichnet: Es steht für eine Beispiel gebende Vernetzung von natürlichen, landwirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ressourcen mit neuen Wertschöpfungsketten, die die Einkommenschancen und die Lebensqualität aller EinwohnerInnen zu verbessern imstande ist.

Ebenfalls ausgezeichnet mit:

Europäischer Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität

Gaschurn, Vorarlberg, Österreich
Gaschurn beeindruckt durch bemerkenswerte Aktivitäten und Projekte in allen maßgeblichen Bereichen der Dorfentwicklung, die auf einem ganzheitlichen Leitbild basiert und von aktivierenden Prozessen zur Bürgerbeteiligung und professioneller Prozessbegleitung gekennzeichnet ist. Vorbildlichen Maßnahmen stellen neben anderen die Errichtung eines Biomasseheizwerkes, die 25%-ige Solarförderung durch die Gemeinde, die Sanierung alter Bausubstanz und gleichzeitige Forcierung zeitgemäßer Gestaltungsformen, eine interkommunale Plattform zur Vermarktung landwirtschaftlichern Produkte und eine Wirtschaftsgemeinschaft dar. Höchst bemerkenswert sind auch die Initiativen zur Verschränkung von Tourismus und Genussregion Montafon, das Anlegen eines Landschaftspfades und eines naturnahen, erlebnisorientierten Wasserparks, die Verlegung des Kindergartens, die Initiierung einer Sommerbetreuung für Kinder und die Schaffung eines Jugendraumes, der von den Jugendlichen selbst verwaltet wird.

Mompach, Luxemburg
Mompach überzeugt in allen wesentlichen Bereichen der Dorfentwicklung, allem voran mit nachhaltiger, umweltschonender Land- und Waldwirtschaft, vorbildlichen Naturschutzprojekten, einem sorgsamen Umgang mit dem baukulturellen Erbe sowie mit beispielhaften Energiekonzepten. Das vielfältige bürgerschaftliche Engagement wird von der Gemeinde durch die Schaffung zeitgemäßer sozialer Infrastruktur für alle Alters- und Interessengruppen gefördert. Hervorzuheben sind auch mehrere grenzüberschreitende Kooperationsprojekte mit der deutschen Nachbarkommune, die Ressourcen schonen und Menschen zusammenführen.

Nebelschütz, Sachsen, Deutschland
Die Leistungen sind in vielen Teilbereichen der Dorfentwicklung herausragend: Erhalt und Aufbau von Erwerbsmöglichkeiten in Handel, Handwerk und Dienstleistungssektor, verantwortungsvoller und zukunftsweisender Umgang mit den Ressourcen und erneuerbaren Rohstoffen, Nutzung alter schützenswerter Bausubstanz, Schaffung von Stoff- und Energiekreisläufen sowie Weiterentwicklung von innovativen technologischen Synergien legen eine tragfähige wirtschaftliche Basis. In soziokultureller Hinsicht beeindrucken die Inwertsetzung der sorbischen Tradition als touristisches Alleinstellungsmerkmal, das rege Vereinsleben und der Zusammenhalt in der dörflichen Gemeinschaft und in der Region. Partnerschaften mit Freunden in aller Welt machen Nebelschütz zu einem weltoffenen Dorf mit Zukunft.

Rohrlack, Brandenburg, Deutschland
Rohrlack zeigt eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität, wobei die behutsame Entwicklung des Dorfes, gelegen in einem typischen Ungunstraum, im Zusammenspiel von DorfeinwohnerInnen, Zugezogenen und Auswärtigen hervorstechen. Aus diesem Zusammenspiel erwuchs die sensible und vorbildliche Integration von Menschen mit Behinderung in das Dorf, das zudem in deutlichem Maße auf Vernetzung setzt. All das wird durch das hohe Engagement der DorfeinwohnerInnen für ihr Belange möglich, die durch ihren ganzheitlichen Ansatz eindrucksvoll Zukunft schaffen.

Schönbach, Niederösterreich, Österreich
Schönbach ist durch ein außerordentlich  hohes Maß an bürgerschaftlichem Engagement und die Bereitschaft zur Umsetzung innovativer Ideen, insbesondere im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich, gekennzeichnet. Herausragend präsentieren sich dabei insbesonders die Sanierung  und Revitalisierung des Klosterkomplexes, die Einrichtung einer Erlebniswerkstatt mit überregionalen Ausbildungslehrgängen für traditionelle Handwerkstechniken, die Schaffung von (europäischen) Bauernmärkten und einer Bauernholzbörse, die Bereitschaft zur Nutzung alternativer Energien, wie Sonnenkellektoren und  Biomasse in Form von Hackschnitzel und Sonnenblumenkernen, eine auf höchst innovative und bemerkenswerte Methoden und Ideen setzende Schule sowie Initiativen zur flächendeckenden Breitbandversorgung.

Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung

Brontallo, Tessin, Schweiz
Brontallo ist es auf bemerkenswerte Weise gelungen, seinem scheinbar vorgezeichneten Schicksal  als auslaufender Wohnstandort inmitten einer verfallenden Kulturlandschaft Paroli zu bieten und einen zukunftsfähigen Agrotourismus zu entwickeln, der sich als Ersatz- und Begleitökonomie zur traditionellen Landwirtschaft versteht. Wesentliche Maßnahmen stellten dabei die Rodung der zuwachsenden Selven, die Instandsetzung der Trockensteinterrassen und diverser Kleinbauten sowie der Ausbau der traditionellen Turmhäuser zu vermietbaren Ferienwohnungen dar.

Dechow, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Dechow setzt erfolgreich auf das Konzept eines „lebendigen Dorfes“, das trotz ungünstigster Voraussetzungen im vergangenen Jahrzehnt zielstrebig, ganzheitlich, nachhaltig und kreativ angedacht und schrittweise umgesetzt wurde. Die junge, aber sehr heterogene Bevölkerung hat zusammen gefunden und arbeitet engagiert, insbesondere in soziokulturellen, gestalterischen und umweltrelevanten Bereichen sowie im Sinne des Aufbaus eines sanften Tourismus, für ihr „junges“ Dorf.

Dolenja vas, Slowenien
Dolenja vas beeindruckt durch herausragende gemeinschaftliche Leistungen im sozialen und kulturellen Bereich, wobei der Transfer von Wissen und traditionellen Fertigkeiten eine große Rolle spielt.  Besondere Anerkennung verdient das Engagement der Dorfgemeinschaft beim Bau des neuen, multifunktionalen Kulturzentrums, das in beispielhafter Weise  ausschließlich durch Eigenarbeit und mit Eigenmitteln der Dorfgemeinschaft errichtet wird und maßgeblich zur Festigung des dörflichen Gemeinwesens und zur Bereicherung der infrastrukturell bedingten Lebensqualität  beitragen kann.

Eckstedt, Thüringen, Deutschland
Eckstedt zeichnet sich allem voran durch die Sanierung und Umnutzung traditionsreicher Gebäude unter tatkräftiger Mitwirkung der Bevölkerung aus, wobei die Restaurierung der beeindruckenden Barockkirche, die heute auch für Konzertaufführungen genutzt wird, besonders zu erwähnen ist. Zahlreiche Initiativen und Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität der Gemeinde sowie das reichhaltige Vereinsleben mit vielen gesellschaftlichen Aktivitäten, an denen alle Generationen beteiligt sind, sind ebenfalls als beispielhafte Leistungen einzuschätzen und wirken sich sehr positiv auf die Lebensqualität der BewohnerInnen aus.

Elsendorp, Niederlande
Elsendorp zeichnet sich allem voran durch ein vorbildliches Engagement in den Bereichen gesellschaftlicher Zusammenhalt, BürgerInnenengagement und soziale Einrichtungen aus. Zu erwähnen sind unter anderem die Schaffung eines Seniorenzentrums, das Möglichkeiten zur Kommunikation, aber auch medizinische Betreuung bietet, die Einrichtung eines wöchentlichen Mittagstisches, der die Generationen zusammen führt,  und eine Schule, die nicht nach den Schwächen, sondern den Stärken der SchülerInnen sucht. Besondere Leistungen sind auch hinsichtlich der Erhaltung landwirtschaftlicher Betriebe, des Natur- und Umweltschutzes und der Siedlungsentwicklung zu nennen.

Havlovice, Böhmen, Tschechien
Havlovice überzeugt insbesondere durch die Errichtung eines vorbildlichen Sportareals für die gesamte Region, den Ausbau des Wander- und Radwegenetzes und die Realisierung weiterer touristischer Maßnahmen, die auch den Einheimischen zugute kommen, sowie durch die bauliche Aufwertung des Kulturhauses. Diese Initiativen haben in Verbindung mit einem reichhaltigen Vereinsleben mit vielen gesellschaftlichen Aktivitäten aller Generationen wesentlichen Anteil daran, dass es gelungen ist, die  Attraktivität der Gemeinde und die Lebensqualität der Bevölkerung spürbar zu verbessern.

Hügelland östlich von Graz, Steiermark, Österreich
Das Hügelland östlich von Graz umfasst einen regionalen Verbund von 24 Gemeinden und besticht allem voran durch  beispielhafte und herausragende Leistungen im wirtschaftlichen Bereich. Besondere Anerkennung verdienen die erfolgreichen Bemühungen, im Sog der Landeshauptstadt Graz Maßnahmen zur Stärkung der regionalen Identität sowie zu neuer Wertschöpfung in den Bereichen Selbstvermarktung sowie Freizeit und Erholung zu realisieren. Kreative „Mittel zum Zweck“ sind dabei regionale Marktplätze, die auch anspruchsvolle neue Ortszentren darstellen und strategisch darauf abzielen, nicht nur Produkte an den Konsumenten zu verkaufen, sondern dabei auch die hohe Wertigkeit von Lebensmitteln besonders zu betonen und Bewusstseinsbildung zu erzielen.

Incourt, Wallonie, Belgien
Incourt ist durch pilothafte Projekte hinsichtlich einer Stärkung der sozialen Bindungen der BewohnerInnen, des Erhalts qualitätvoller Lebensbedingungen sowie der ökologischen und wirtschaftliche Entwicklung gekennzeichnet. Im Zentrum steht dabei die Nutzbarmachung des ehemaligen Steinbruchgeländes mit vielen ruinösen Baukörpern zu einem neuen Ortszentrum mit verschiedenen Funktionen: einem See mit reicher Flora und Fauna, einem Haus der Natur als Beratungs- und Fortbildungsstelle für alle Energiefragen und einer Wohnanlage für alle Generationen. Gestützte Gemeinde-Mietwohnungen für junge Familien, die Bewahrung des kulturellen Erbes, das Engagement für Natur und Umweltschutz, die Bemühungen um neue Beschäftigungsmöglichkeiten und die ausgeprägte Bürgerbeteiligung verdienen ebenfalls besondere Anerkennung.

Kazár, Ungarn
Der Gemeinde Kazár sind seit Beginn des Dorferneuerungsprozesses wesentliche Entwicklungen gelungen. Vor allen Dingen die Beiträge zur kulturellen Identifikation der Dorfgemeinschaft, zahlreiche Restaurierungen und Revitalisierungen, die Bereitschaft zu überörtlichen Kooperationen und die Schaffung von zeitgemäßen Einrichtungen zur Erhöhung der Lebensqualität sind hervorzuheben. Auch die Maßnahmen zur wirtschaftlichen Neuorientierung und Neupositionierung des Ortes lassen richtige Tendenzen erkennen und beginnen zu greifen.

Kuniów, Opole, Polen
Kuniów fasziniert mit realistischen und zugleich visionären Ideen und bereits gegenständlichen vernetzten Projekten sowie mit dem persönlichen Einsatz und dem engagierten, mitreißenden Schwung seiner BürgerInnen. Besondere Erwähnung verdienen dabei die Herausarbeitung der eigenen Werte und Ziele sowie die Wahrung und Pflege traditioneller Handwerke in Kombination mit erlebnis- und bildungstouristischer Ausrichtung. Ein Musterprojekt ist das „Kulturhaus“ – eine Schule, die Raum bietet für Kindergarten, Jugend- und Bürgerarbeit,  und als Generationen übergreifendes Zentrum für Bildung, Begegnung und Betreuung sowie auch als Plattform der Ideenentwicklung fungiert.

Liptál, Mähren, Tschechien
Liptál zeichnet sich durch eine ausgeprägte Traditionspflege sowie Initiativen zur Stärkung der Dorfgemeinschaft und der Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen am dörflichen Leben, insbesondere durch die bauliche Kombination von Schule und altengerechtem Wohnen, aus. Auch im ökonomischen Bereich sind Erfolge zu verzeichnen, die sich in neu entstanden kleingewerblichen Betrieben und ersten touristischen Infrastrukturen manifestieren.

Radenthein, Kärnten, Österreich
Radenthein überzeugt mit hervorragenden Projekten in verschiedenen Teilgebieten der Gemeindeentwicklung. Besondere Anerkennung verdienen die Bemühungen im Sozialbereich, die der negativen Grundstimmung nach dem Niedergang der örtlichen Industrie entgegenwirken. Durch das Engagement von Schlüsselpersonen konnte eine Umkehr erreicht werden, die BürgerInnen Halt und neue Zukunftsperspektiven gibt. Auch die Initiativen der Gemeinde zusammen mit örtlichen Betrieben – Erlebniswelten Granatium und Sagamundo – sind sehr bemerkenswert. Dadurch erhält der Ort ein neues, modernes Image, entsteht Anziehungskraft für Urlauber in der Region und wird nicht zuletzt ein Beitrag zur wirtschaftlichen Belebung geleistet.

Ramsdorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Ramsdorf beeindruckt mit  besonderen Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung. Die soziale Nähe und das intakte gesellschaftliche Netzwerk, die hohe Bereitschaft zur Eigenleistung und die zukunftsgerichteten Initiativen zur Stärkung des sozialen Zusammenhaltes stechen dabei hervor. Große Anerkennung verdient darüber hinaus die ausgeprägte Sensibilität für ein intaktes, dem kulturellen Erbe angepasstes Dorfbild, dem durch qualitätvolle Sanierungen und ein einfühlsames Bauen Rechnung getragen wird.

Romrod, Hessen, Deutschland
Romrod zeichnet sich durch mehrere qualitätvolle Leistungen aus. Alles aber wird überstrahlt von der ausgeprägten Mottogerechtigkeit der Entwicklungsorientierung. Basierend auf einer hohen Sensibilität für die mannigfaltigen Auswirkungen des  demografischen Wandels und der Veränderungen der dörflichen Gesellschaft wird den Problemen der Landflucht und der Überalterung aktiv mit engagiertem Nachdenken und innovativen Projekte begegnet. Zahlreiche Aktivitäten und Maßnahmen in verschiedenen Bereichen der Dorfentwicklung wurden erfolgreich umgesetzt und zeitigen dank einer guten Vernetzung Synergieeffekte und Breitenwirkung.

Roßbach, Sachsen-Anhalt, Deutschland
Roßbach überzeugt mehrfach, insbesondere mit der sehr vorausblickende Leistung der Schaffung und Erhaltung von standortgemäßen Arbeitsplätzen mit Gewerbe- und Handwerksbetrieben, denen ein professioneller Unternehmergeist zu Grunde liegt, der sich auch in der stilgerechten Revitalisierung des Ortskernes unter Berücksichtigung der zeitgemäßen Bedürfnisse widerspiegelt. Im Selbstverständnis um die eigenen Stärken entstand unter Mithilfe der BürgerInnen und Vereine eine solide Basis für einen zu erwartenden Qualitätstourismus, zu dem sowohl die Aktivitäten der beiden Glaubensgemeinschaften wie auch die innovativen Winzer beitrugen. Das
Weindorf Roßbach hat damit für seine Zukunft als lebenswerte Gemeinde bestens vorgesorgt.

Steffeshausen, Deutschsprachige Gemeinschaft, Belgien
Steffeshausen in der belgischen Eifel kann mit dem Pfund einer herrlichen Landschaft im Dreiländereck Belgien-Luxemburg-Deutschland wuchern. Vom Ausgangspunkt eines traditionsgeleiteten Dorfes arbeitet eine selbstorganisierte, intakte Gemeinschaft an der Zukunftsfähigkeit ihres Dorfes. Die gemeinsame Umsetzung zahlreicher Kleinprojekte unter Einbeziehung aller Generationen sichert die starke Bindung der BewohnerInnen an ihren  Lebensraum. Die Ansätze zur Entwicklung des sanften Tourismus werden als Chance gewertet.

Umhausen, Tirol, Österreich
Umhausen fand auf der Suche nach Steigerung seiner touristischen Attraktivität und im Bewusstsein um seine Lage an einer historischen Passstraße eine besondere Nische: Schaffung eines Archäologieparkes unter der Patronanz des populären Ötzis. Der archäologische Freilichtpark, der immer mehr BesucherInnen anzieht, die qualitätvolle agrotouristische Weiterentwicklung und die Restrukturierung der traditionellen Kulturlandschaft stärkten das Selbstbewusstsein und den Zukunftsglauben  der Umhausener BürgerInnen und stellen preiswürdige Leistungen dar.

Wienhausen und Eicklingen, Niedersachsen, Deutschland
Die Gemeinden Eicklingen und Wienhausen weisen in ihren Dörfern sehr intakte Dorfgemeinschaften auf, die in qualitativ sehr guten Einzelprojekten, gepaart mit einer hohen Arbeitsbereitschaft der DorfeinwohnerInnen, Zukunft geschaffen haben. Das Projekt der dezentralen Abwasserklärung sticht dabei als besonders innovativer Beitrag neben vielen sehr gelungenen Sanierungen und Umnutzungen von Altbausubstanz besonders hervor.

Lobende Anerkennung für besondere Leistungen

Kein Teilnehmer

er Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2008 ist entschieden: Eine interdisziplinär zusammengestellte Jury von 18 hochrangigen internationalen ExpertInnen hat nach einer intensiven Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung dieser Tage in München nach eingehender Beratung die Gemeinde Sand in Taufers, Südtirol, Italien, zum Sieger gekürt. „Damit wird ein Projekt ausgezeichnet, das dem Wettbewerbsmotto ,Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen’ auf überzeugende und mehrfache Weise gerecht wird und mit einer ganzheitlichem, nachhaltigen Entwicklung von herausragender Qualität besticht“, freute sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin  P r ö l l, Niederösterreich, in einer ersten Reaktion.

Bildung und Bürgerbeteiligung als Erfolgsgaranten

Sand in Taufers zählt 5100 EinwohnerInnen und startete seine Erneuerungsbewegung im Jahr 2000. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass Bildung und Weiterbildung der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung sind und dass der Ideenreichtum der BürgerInnen neben der naturräumlichen und wirtschaftlichen Gunstlage die wertvollste Ressource der Gemeinde darstellen. Dieser Ansatz hat die JurorInnen ebenso beeindruckt wie der Anspruch auf Ganzheitlichkeit und der hohe Grad an thematischen, räumlichen und interkommunalen Vernetzungen gepaart mit Beispiel gebenden gesellschaftlichen Innovationen.

Der Teilnehmer besticht durch eine Vielzahl an Projekten, die sich als markante Stationen auf dem Weg zu einer zukunftsorientierten und basisdemokratischen Bildungsgemeinde mit hoher Lebensqualität präsentieren. Soziale, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Aspekte werden dabei als gleichwertig behandelt, was in Kombination mit einem sehr ausgeprägten Problembewusstsein, insbesondere für Anliegen des Klimaschutzes und für neue Anforderungen infolge eines permanenten gesellschaftlichen Wandels, und einer klaren Innovationsorientierung die Überzeugung stärkt, dass in Sand in Taufers ein nachhaltiger Entwicklungsprozess in Gang gesetzt wurde, der noch viele Erfolge zeitigen wird.

Sensationell hohes Niveau der Wettbewerbsprojekte

Grund zum Feiern haben aber nicht nur die Sander, sondern auch alle anderen der insgesamt 29 Teilnehmer aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen. Unter den vielen guten und sehr guten Projekten wurden die zehn Besten, die mit zu den Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganz-heitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 18 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ freuen. Die hohe Qualität der Wettbewerbsprojekte hatte zur Folge, dass sich 2008 kein Teilnehmer in der Kategorie „Lobende Anerkennung besonderer Leistungen“ findet (siehe Anlage).

Vom 25. bis 27. September 2008 wird es soweit sein: Die Auszeichnungen werden verliehen – im Rahmen eines Festaktes, eingebettet in Workshops, Exkursionen, einen Abend der Begegnung mit Dorfgemeinschaften aus mehr als 30 europäischen Regionen, eine Ausstellung der Wettbewerbsprojekte und ein dreitägiges Dorffest mit. Austragungsort ist der Gewinner des Europäischen Dorferneuerungspreises 2006, der Ort

Die Preisverleihung erfolgt am 26. September 2008 in Koudum (Sieger 2006), Gemeinde Nijefurd, Niederlande, im Rahmen eines Festaktes, der in einen dreitägigen  Veranstaltungsreigen mit Workshops, Exkursionen und unzähligen kulturellen und kulinarischen Highlights eingebunden ist.

Der Wettbewerb um den 11. Europäischen Dorferneuerungspreis wirft seinen Schatten voraus: Anfang März ist das neu formierte JurorInnengremium im luxemburgischen Beckerich, der Siegergemeinde von 1996, zu einer ersten Sitzung zusammengetroffen. Auf der Agenda standen die Evaluierung und Nachbesprechung des Dorferneuerungswettbewerbes 2008 sowie die Überarbeitung der Kriterien und die Fixierung eines Mottos, das “Neue Energie für ein starkes Miteinander” lautet.

Die Auslobung des Wettbewerbes mit Bekanntgabe der Kriterien, Termine und des Mottos wird im Mai 2009 erfolgen. Die Preisverleihung ist für Herbst 2010 in Sand in Taufers, Südtirol, Italien, geplant.

Bewertet werden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden, also Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, die Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, die Auseinandersetzung mit Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung sowie kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen. Von gleicher Bedeutung wie die inhaltlichen Kriterien sind die strategischen und methodischen Vorgehensweisen. Preiswürdig sind demnach Projekte, die sich durch nachhaltige, vernetzte und ganzheitliche Konzepte auszeichnen, die von der Bevölkerung getragen werden, in regionale Kooperationen eingebunden sind und dem Wettbewerbsmotto deutlich Rechnung tragen.

Das Umweltzentrum in Oberlauterbach, Ortsteil der Stadt Falkenstein in Sachsen, war Gastgeber des 1. Dorferneuerungs-Stammtisches, der Ende April 2008 von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft veranstaltet wurde. Ein Austragungsort, der dem Thema des Stammtisches “Neues Leben in alten Mauern” mehr als gerecht wurde, gibt er doch als ehemaliges Rittergut ein großartiges Beispiel dafür ab, wie es gelingen kann, eine wertvolle historische Bausubstanz nicht nur fachgerecht zu restaurieren, sondern auch sinnvoll zu revitalisieren.

Im Zentrum des Workshops stand die Auseinandersetzung mit Vor- und Nachteilen von Umnutzung und Neubau in ländlichen Siedlungen und damit ein Teilbereich des wichtigen und umfassenden Themenkomplexes „Siedeln, Bauen und Wohnen“, der in jeder ganzheitlichen Gemeindeentwicklung besondere Aufmerksamkeit genießen sollte, wie ARGE-Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer in ihrem Eröffnungsstatement betonte. Denn jeder Lebensraum, ob Haus, Dorf oder Landschaft, gibt Zeugnis von den Erfahrungen, Wagnissen und Sehnsüchten seiner BewohnerInnen und deren Vorfahren, spiegelt deren Lebensalltag und Lebensträume wider und ist damit wesentlicher Kristallisationspunkt für Identität und Identifikation.

Henning Kuschnig, Referent für Dorfentwicklung im Referat für Ländliche Entwicklung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, erklärte, dass man in Sachsen vorrangig auf Umnutzungen, die eine Baulandeinsparung im Ausmaß von 3,4 Millionen m2 zu bringen vermögen, setze. „Neubauten werden bei uns daher nicht mehr gefördert“, so Kuschnig, der im Hinblick auf die Landflucht auch dafür plädierte, Dörfer attraktiver für Frauen zu  machen.

Mit interessanten Ergebnissen einer Studie, die darauf ausgerichtet war, Neubauten und Umnutzungsobjekte hinsichtlich ihrer Stoff-, Energie-, Emissions- und Kostenbilanzen miteinander zu vergleichen, wusste Wolfram Worm von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft aufzuwarten. Er verwies darauf, dass es dabei zahlreiche Faktoren wie den baulichen Zustand, Abweichung der Zielnutzung von der ursprünglichen Verwendung, Baukörpergröße etc. zu berücksichtigen gebe, die großen Einfluss auf endgültige Bilanzen hätten, dass aber summa summarum ein bemerkenswert großen Plus für Umnutzungen zu verzeichnen sei.

Peter Schawerda, Konsulent der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, warf einen Blick auf Projekte, die er im Rahmen seiner Jurorentätigkeit im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis kennen gelernt hatte. Etwa auf die Region Artland in Niedersachsen, wo es mit viel Engagement gelungen ist, leer fallende bzw. leer gefallene, Jahrhunderte alte und einzigartige Bauernhöfe unter Wahrung der baukulturellen Substanz und der umgebenden idealtypischen Parklandschaft erfolgreich umzunutzen und zusätzlich durch eine sinnvolle Vernetzung der einzelnen Nutzungsformen zu einer Erhöhung der Wertschöpfung beizutragen. Bemerkenswert auch das niederländische Bredevoort, ein 1600 EinwohnerInnen zählender Ort mit einem denkmalgeschützten, mittelalterlichen Stadtkern, wo es innerhalb von nur fünf Jahren gelang, sich als grenzüberschreitende Bücherstadt zu etablieren und rund 40 leerstehende Gebäude zu mehr als 20 Antiquariaten, einem Buchbinde- und ein Dokumentationszentrum für Regionalgeschichte sowie mehreren Kunstgalerien umzufunktionieren. Ein blühender Kulturtourismus mit höchst positiven Auswirkungen auf Wirtschaft und Landwirtschaft war nur eine der Konsequenzen dieser kreativen Idee.

Über seine reichen Erfahrungen mit dem Landeswettbewerb „Ländliches Bauen“ berichtete dessen Juryvorsitzender, Architekt Dietmar Schröder. Der Wettbewerb wird seit 1993 vom Freistaat Sachsen – seit dem Jahr 2003 gemeinsam mit dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz e. V. – ausgerichtet, um vorbildliche Ergebnisse der Sanierung, der Umnutzung sowie des Neubaus ländlicher und landwirtschaftlicher Wohn- und Wirtschaftsgebäude und anderer landschaftstypischer baulicher Anlagen zu würdigen. Dahinter steht die Intention, künftige Bauherren dazu anzuregen, sich die gelungenen Beispiele als Vorbild zu nehmen. Näheres dazu unter:  http://www.smul.sachsen.de/laendlicher_raum/331.htm

Sozialwissenschafterin Ute Roericht von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft schließlich gewährte Einblicke in die Ergebnisse einer Befragung von Familien hinsichtlich ihrer Vorstellungen von Wohnqualität und an ihre Ansprüche und Erwartungen an das Wohnen. Ihr Resumée mit den Worten einer Befragten: Junge Leute und alte Häuser – das passt zusammen!

Neben den oben genannten Fachleuten waren auch die Teilnehmer – VertreterInnen von Behörden, Vereinen und vor allem Gemeinden und Dörfern, die an einem der Wettbewerbe um den Europäischen Dorferneuerungspreis teilgenommen haben – eingeladen, über einzelne Projekte und ihre Erfahrungen mit Renovierung, Umnutzung und Revitalisierung von alten Bausubstanzen zu berichten. Bürgermeister Willibald Kessler aus Lupburg Bayern), Architekt Norbert Seitz vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz (Bayern), Bürgermeister Reinhard Falke aus Ummendorf (Sachsen-Anhalt), Bürgermeisterin Gisela Schöley aus Neustadt im Vogtland (Sachsen), die Vereinsobleute Walter Hammerl und Franz Höfer aus Schönbach (Niederösterreich) und Rainer Jessen von der Gesellschaft zur Förderung musischer Erziehung e.V. (Brandenburg) machten davon Gebrauch und spannten dabei einen weiten thematischen Bogen von denkmalgeschützten Einzelobjekten für private Wohnzwecke zu umfassenden kommunalen und lokalen Revitalisierungsprojekten für  kulturelle, soziale, wirtschaftliche oder wohnliche Nutzung.

Angeregte Diskussionen und vielfältiger Erfahrungsaustausch der TeilnehmerInnen rundeten den Dorferneuerungs-Stammtisch ab und mündeten in der Erkenntnis, dass die Planung des zweiten Stammtisches bald in Angriff genommen werden sollte

Um aus Fehlern zu lernen, um Ideen und Anregungen für neue Aktivitäten zu finden und um die Eindrücke der Teilnehmer festzuhalten, unternahm die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung den Versuch einer Evaluierung des Wettbewerbes um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006.

Neben Fragebögen, die an alle Teilnehmer an den von der Europäischen Union, GD Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, geförderten Veranstaltungen in Ummendorf (im Rahmen der Preisverleihung) ausgegeben wurden, stand dabei eine Befragung der Repräsentanten der teilnehmenden Orte mehrere Monate nach Abschluss der Aktion im Vordergrund. Dieser späte Zeitpunkt sollte verhindern, dass nur emotional geantwortet wird. Er sollte aber auch Zeit dafür geben, längerfristige Auswirkungen zu erkennen und eventuell gewonnene Projektideen zu realisieren.

Inhaltlich ging es darum zu eruieren,  inwieweit die Maßnahme auf das qualitative Niveau und die Zahl der Entwicklungsmaßnahmen Einfluss genommen hat und inwieweit durch Workshops, Referate, Erfahrungsaustausch, Exkursionen, Ausstellung, Dokumentationsband und das Kennenlernen anderer Projekte ländlicher Entwicklung ein Mehr an Wissen, Sensibilisierung und Motivation betreffend Bedeutung und Intentionen der Gemeinsamen Agrarpolitik gewonnen werden konnte. Außerdem wurde nachgefragt, ob es Bestrebungen und Aktivitäten zu einem längerfristigen Erfahrungsaustausch bzw. zu Kooperationen mit einzelnen oder mehreren im Rahmen der Maßnahme präsentierten Gemeinden gibt.

Folgende Fragen wurden gestellt:

1. Nahm die Maßnahme Einfluss auf das Geschehen in Ihrem Dorf/ Ihrer Gemeinde/ Ihrer Region? Falls ja, in welcher Form (Qualität,  Inhalte, Methoden …)?

2. Wurden Sie zu neuen Projekten angeregt? Falls ja, welcher Art?

3. Gibt es in Ihrem Dorf/ Ihrer Gemeinde/ Ihrer Region Bestrebungen zu einem längerfristigen Erfahrungsaustausch bzw. zu Kooperationen mit einzelnen oder mehreren im Rahmen der Maßnahme präsentierten Gemeinden?

4. Trug die Maßnahme dazu bei, Ihr Verständnis für die ländliche Entwicklung als wesentlicher Bestandteil der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union zu vertiefen?

5. Welche Veranstaltungen sollte die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung in nächster Zeit durchführen, um die im Rahmen der Maßnahme gewonnenen Eindrücke, Informationen und Erfahrungen zu vertiefen und zu verbreitern?

Die Rücklaufquote (14 von 30) wird als durchaus zufrieden stellend eingeschätzt, auch die geografische Streuung – Niederlande, Slowakei, Italien, Luxemburg, Slowenien, Ungarn, Belgien, mehrere deutsche Länder und mehrere österreichische Bundesländer – ist positiv zu sehen.
Besonders beeindruckt und gestärkt sind wir aber von der Qualität und der Substanz der Antworten, die dem Wettbewerb inklusive begleitender Veranstaltungen in vielfacher Hinsicht ein äußerst positives Zeugnis ausstellen. Dies umso mehr, da wir wissen, dass viele Fragebögen nicht von einer Person ausgefüllt wurden, sondern mehrfach das Ergebnis vorausgegangener Besprechungen, Diskussionen und Meinungsbildungsprozesse sind.

Die Ergebnisse im Detail:

Fragen 1 und 2:

  • Man fühlt sich bestärkt und auf dem richtigen Weg,
  • ermutigt, da Beispiele zeigen, dass auch Kleine Großes zu bewegen vermögen
  • gewinnt neue Sicht der EU als „Regionalisiererin“, der die Vielfalt etwas wert ist,
  • wird zu mehr Bürgerbeteiligung, Innenentwicklung, Stärkung des sozialen Gefüges,
  • zur Erstellung eines Gemeindegrenzen überschreitenden ILE-Projektes, zu neuen Leader-Projekten,angeregt,
  • übernimmt Führungsrolle und Vorbildfunktion für die Umgebung,
  • wird von den Medien und der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen,
  • schenkt der regionalen Wertschöpfung mittels regionaler Produkte und Tourismus mehr Aufmerksamkeit,
  • beschäftigt sich verstärkt mit alternativen Energien (Biogas, Fernwärme),  mit Wirtschaft, Umwelt und Verkehr,
  • ist bereits dabei, das kulturelle Erbe zu bewahren und
  • meint einander innerhalb der eigenen Region durch die gemeinsame Zeit in Ummendorf näher gekommen zu sein.

Frage 3:

  • Man wird verstärkt von anderen Kommunen (auch weiter entfernten, in Nachbarländern) kontaktiert,
  • geht neue, längerfristige Partnerschaften mit Gemeinden in verschiedenen Ländern ein,
  • wendet sich den umliegenden Gemeinden zu
  • oder konzentriert sich auf bestehende Partnerschaften,
  • will sich Anregungen und Unterstützung bei besonders erfolgreichen Wettbewerbsteilnehmern holen,
  • möchte verstärkt im Leader-Netzwerk präsent und aktiv sein,
  • fühlt sich aber mancherorts von den eigenen Aufgaben mehr als ausgelastet und tendiert daher zu Erfahrungsaustausch statt Kooperation.

Insgesamt scheinen die Kommunen und Regionen dem europaweiten Erfahrungsaustausch, allem voran durch das Kennenlernen von Best-Practice-Beispielen und deren Trägern, große Bedeutung hinsichtlich ihrer Information, Animation und Motivation beizumessen. Tatsächliche Kooperationen geht man aber im Hinblick auf Effizienz, Bedarfslage und nicht zuletzt auch (Zeit-)Ökonomie eher in der näheren Umgebung, mit Nachbargemeinden, in einer LAG ein.

Frage 4:

  • Man hat erkannt, dass man mit seiner umfassenden Erneuerung ganz  im Sinne der  GAP handelt,
  • fühlt sich bestärkt, dass im Sinne der GAP nicht nur die Produktion, sondern auch soziokulturelle, ökologische, volkswirtschaftliche Leistungen Unterstützung erfahren,
  • bildet einen Arbeitskreis, um entsprechende Informationen weiter zu transportieren,
  • will noch mehr darüber erfahren,
  • antwortet einfach mit ja,
  • empfindet sein bereits ausgeprägtes Wissen über die GAP als gestärkt und geschärft,
  • wird wesentliche Elemente der ländlichen Entwicklung in Regionalentwicklungspläne einfließen lassen und
  • meint auch, dass die Information noch nicht ausreicht.

Frage 5:

  • Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung sollte noch mehr in dieser Richtung arbeiten, Überzeugungsarbeit auch auf Ebenen leisten, die noch nicht von der gesamthaften Entwicklung des ländlichen Raumes berührt sind (nationale Stellen)
  • müsste die Kontakte mit den teilnehmenden Gemeinden langfristig aufrecht erhalten,
  • sollte Veranstaltungen zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch auch mit anderen Dörfern, früheren Teilnehmern, in unterschiedlichen Ländern anbieten,
  • sollte die nationalen Regierungen dazu ermuntern, sich ihrer auch finanziellen Verantwortung für die ländlichen Räume, für die Dörfer verstärkt zu stellen
  • Durchführung von zeitökonomischen und preisgünstigen Exkursionen zu Erfolgsprojekten,
  • Abhaltung von Fachkongressen zu aktuellen, im Rahmen derartiger Befragungen eruierter Themenschwerpunkte mit Darstellung unterschiedlicher Lösungsansätze in naturräumlich und ökonomisch unterschiedlichen Regionen; dabei wird als Zeichen der Wertschätzung die Präsenz höchster EU-Funktionäre/Beamter (KommissarIn) erwartet,
  • Aufzeigen von erfolgreichen Beispielen und Darstellung ihrer Realisierung durch und mit Hilfe der Politik der Europäischen Union,
  • Sollte sich dem Thema „Globalisierung versus ländlicher Raum“ in Zusammenhang mit der EU-Agrarpolitik widmen
  • Sollte gute Beispiele „vor den Vorhang“ bitten und
  • Sich bemühen, verstärkt auch Gemeinden, die nicht in den Wettbewerb involviert sind, nicht an der Maßnahme direkt beteiligt sind, den Zugang zu den gebotenen und erworbenen Informationen zu ermöglichen
  • Setzen von Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung kommunaler Entscheidungsträger.

Abschließend wurden die Gemeinden gebeten, gegebenenfalls ein generelles Resumée zu geben, was einige auch getan haben. Sie werden nachfolgend im Originalwortlaut wiedergegeben:

“Beim Wettbewerb zum Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 war Schwarzach „Sieganwärter“ und erhielt das Prädikat „Europäischer Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“. Diese Auszeichnung hat für Schwarzach sehr große Bedeutung, weil damit viele Jahre Entwicklungsarbeit und ein jahrzehntelanges Bemühen um ein attraktives Dorf, in dem man gerne wohnt und arbeitet, gewürdigt wurden.
Die Erarbeitung der Bewerbungsunterlagen führte uns in der Gemeinde nochmals in diese Bemühungen der Vergangenheit und zeigte uns aus heutiger Sicht, dass die beschrittenen Wege die richtigen waren. Viele kleine Projekte erhielten in der Gesamtüberschau einen neuen Stellenwert und zeigten, wie aus Mosaiksteinen ein durchaus bedeutungsvolles Bild werden kann, das auch gut ist für eine europaweite Auszeichnung.
Die Teilnahme unseres Gemeindevorstandes an der Verleihungszeremonie in Ummendorf/Sachsen-Anhalt, die damit verbundene Projektausstellung, die Workshops, Informationen und Exkursionen haben uns Wissen um die vielen Möglichkeiten anderer zukunftsorientierter Gemeinden vermittelt. Vor allem profitierten wir von Beispielen des Sozialwesens und der Förderung von Dorfgemeinschaften, wofür die Gastlichkeit und das Engagement der Ummendorfer selbst das schönste Beispiel war.”

“Die Beteiligung am Wettbewerb zum Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 hat uns viele neue Perspektiven eröffnet. Die Besinnung der Orte auf die je eigenen Kräfte und Ausgangsvoraussetzungen können dargestellt, gebündelt und präsentiert werden. Besonders wichtig ist die länderübergreifende gemeinsame Vertretung der Interessen des ländlichen Raums gegenüber den politischen Entscheidungsträgern in den Hauptstädten, die sehr häufig eine größere Affinität zu den Metropolen darstellen.”

„Mit der Teilnahme am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 hatten die Bürgerinnen und Bürgern des Bohnentales die Möglichkeit ihre bisherige Arbeit der internationalen Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Teilnahme an der Preisverleihung in Ummendorf war für unsere Delegation eine tolle Erfahrung, die uns ermutigt auf dem eingeschlagenen Weg weiter zu machen.“

„,Wandel als Chance’ ist ein hervorragender Impulsgeber und Leitfaden für unsere Gemeindeentwicklung.“

Ergänzend bzw. alternativ zu den Fragebögen haben einige Gemeinden und Teilnehmer ihre Eindrücke „formlos“ in Briefen und Mails zum Ausdruck gebracht. Sie bestärken uns in reichem Maße darin, den Weg der Informationsverbreitung und Bewusstseinsbildung über Best-Practice-Beispiele und Erfahrungsaustausch gepaart mit einem hohen Maß an Emotionen fortzusetzen.

Die Graubündner Gemeinde Vals, Schweiz, gewinnt den Europäischen Dorferneuerungspreis 2012. Mehr als 1.000 DorferneuerungsakteurInnen aus ganz Europa wohnten vom 20. bis 22. September der stimmungsvollen Preisverleihung im Cubus Wolfurt, Vorarlberg, bei und erlebten auf dem „Marktplatz Europa“ in Langenegg, einer Art Zeltdorf, in dem sich die 29 teilnehmenden Gemeinden aus zwölf Staaten sowie einige Leader-Regionen aus Österreich und Deutschland präsentierten, die Vielfalt der ländlichen Räume Europas und deren Menschen.

Das diesjährige Motto des Europäischen Dorferneuerungspreises, der alle zwei Jahre von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung durchgeführt wird, lautete „Der Zukunft auf der Spur“ und sprach damit besonders jene Kommunen an, die auf ganzheitliche, ökonomische, ökologische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte einschließende Weise Maßnahmen gesetzt haben, die ihre Zukunftsfähigkeit entscheidend verbessern. Der österreichische Bundesminister für Landwirtschaft und Umwelt, Niki Berlakovich, betonte in seiner Rede beim Festakt zur Preisverleihung die Wichtigkeit vitaler ländlicher Regionen, die nur durch aktive Menschen zu verwirklichen seien. Die Möglichkeit zu Mitbestimmung und Mitentscheiden bei Entwicklungsprozessen sei dabei eine zentrale Voraussetzung. Der Europäische Dorferneuerungswettbewerb zeige darüber hinaus deutlich auf, wie wichtig Pioniergeist sei und dass aus Visionen handfeste Projekte entwickelt und verwirklicht werden können.

Dem Festakt wohnte neben einer Reihe anderer hochrangiger Persönlichkeiten und rund 1.000 DorferneuerungsaktivistInnenen aus über 30 europäischen Staaten auch der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner bei, der in seinen Grußworten, dass Kommunen und Regionen wichtige Stützen der europäischen Integration seien und dass von der Begegnung und dem Dialog vor Ort auf der einen Seite und der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit andererseits alle Beteiligten profitieren würden. “Es geht darum, gemeinsam tragfähige und effiziente Antworten auf gegenwärtige und künftige Herausforderungen zu formulieren”, betonte Wallner. Konferenzen, Workshops, Open Space, Exkursionen, eine Ausstellung der Wettbewerbsprojekte auf dem „Marktplatz Europa“ ergänzten das Programm und ließen Langenegg zum Schauplatz für ein grandioses dreitägiges Fest der Begegnung werden.

Erstmals Schweizer Gewinner

Die rund 1.000 BewohnerInnen des Siegerdorfes Vals verstehen es hervorragend, dafür Sorge zu tragen, dass die sie umgebende Natur als Basis für ökonomisches Handeln geschützt und auch für künftige Generationen erhalten bleibt. Im vormals reinen Bauerndorf Vals spielen die Land- und die Forstwirtschaft nach wie vor eine bedeutende Rolle. Man hat sich der biologischen, auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Bewirtschaftung und Vermarktung verschrieben. Die Stromversorgung stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen, nicht zuletzt deshalb, weil man sich früh für die Errichtung eines Wasserkraftwerkes entschieden hat. Mit dem Tourismus sowie einem breit aufgestellten wirtschaftlichen Leben, das besondere Impulse durch die Nutzung der Valser Mineralwasserquellen und den Abbau des Valser Quarzit erfährt, mit zahlreichen kleinen und mittleren Gewerbe-, Dienstleistungs- und Handwerksbetrieben haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zusätzliche Erwerbsquellen für die ansässigen EinwohnerInnen erschlossen und das Dorf für ZuzüglerInnen attraktiver gemacht. Besondere Wege ist man im Tourismus gegangen, in dem man bewusst der Qualität Vorrang vor der Quantität gegeben hat. Mit dem Bau der mittlerweile weltberühmten Therme des Architekten Peter Zumthor wurde Mut zu zeitgenössischer Architektur unter Verwendung des lokal vorhandenen Baumaterials Stein bewiesen, weitere Beispiele moderner Architektur folgten und sind Teil der Valser Identität geworden. Gleichzeitig werden traditionelle Bauformen nicht nur bewahrt, sondern dienen auch als Inspiration für das zeitgemäße Bauen, wodurch ein einheitliches Erscheinungsbild gegeben ist.

Vals ist durch eine ausgesprochen offene, pluralistische Gesellschaft geprägt und zeichnet sich einerseits durch ein reges Vereinsleben und andererseits auch durch zahlreiche Maßnahmen zur Einbindung aller Bevölkerungsteile, Generationen sowie beider Geschlechter aus besonderes Augenmerk wird einerseits Kindern, andererseits älteren Menschen geschenkt. Eine gute Infrastruktur in den Bereichen Nahversorgung und medizinische Dienstleistungen ist vorhanden, umfassende Barrierefreiheit sowie ein reiches kulturelles und künstlerisches Angebot erhöhen die Lebensqualität in bedeutendem Umfang.

Enorm hohe Qualität aller teilnehmenden Dörfer

Neben der Siegergemeinde Vals haben es noch weitere elf Gemeinden oder Orte in die höchste Kategorie geschafft, die jene Teilnehmer umfasst, die sich durch eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität auszeichnen. An weitere elf Teilnehmer wurde der Preis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung verliehen. Sechs Gemeinden oder Orte durften sich über den Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung freuen.

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis wurde 1990 von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung mit dem Ziel, den Erfahrungsaustausch zu fördern, Europas Zusammenwachsen zu begünstigen und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst zu machen, ins Leben gerufen. Er wird seit 1990 im 2-Jahresrhythmus veranstaltet und bewertet neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden, also Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, die Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, die Auseinandersetzung mit Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung sowie kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen. Wesentlich dabei sind ferner ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperationsbereitschaft geprägte Methodik der Umsetzung.

Presseaussendung International
Presseaussendung Österreich
Presseaussendung Englisch

Die Durchführung des Europäischen Dorferneuerungspreises 2012 wurde unter anderen durch Raiffeisen, Novomatic, Siemens und die Wirtschaftskammer Österreich unterstützt.

Rückfragehinweis:
Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung
Bartensteingasse 4/16, 1010 Wien
Tel: 0043/(0)1/533 84 01, E-Mail: friewald@landentwicklung.org

Im Mittelpunkt der im Sommer 2007 erschienenen „Dorferneuerung international – good practice meets best practice“ Nummer 17 stehen die Teilnehmer am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006, wodurch sich diese Publikation als eine Sammlung besonders beispielhafter und herausragender Projekte ländlicher Entwicklung in verschiedenen europäischen Regionen präsentiert.

Darüber hinaus nehmen die mit Unterstützung der Europäischen Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, im September 2006 in Ummendorf, Sachsen-Anhalt, anlässlich der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise durchgeführten Veranstaltungen sowie Informationen über die Europäische Union und die Gemeinsame Agrarpolitik eine zentrale Rolle ein.

In Ergänzung dazu werden auch Blitzlichter auf den 6. Europäischen Dorferneuerungskongress in Kamien Slaski sowie auf den Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2008, der Mitte 2007 ausgelobt wurde, geworfen.

Bestellungen richten Sie bitte an info@clubnoe.at

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung rief heuer zum zehnten Mal zur Teilnahme am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis auf. Der Wettbewerb  ist geleitet von der Intention, besonders herausragende und beispielhafte Aktivitäten und Initiativen im Bereich einer ganzheitlichen Landentwicklung und Dorferneuerung „vor den Vorhang“ zu bitten und – unter Berücksichtigung des ökonomischen und kulturellen Kontextes – zu prämieren.

Vorrangiges Kriterium ist, dass die gesetzten Maßnahmen gemäß dem „Leitbild für Landentwicklung und Dorferneuerung in Europa“  und im Sinne der Lokalen Agenda 21 darauf abzielen, zu einer nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume beizutragen. Das Motto des Wettbewerbes „Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen“  forciert jene Dörfer und ländlichen Kommunen in Europa, die den vielfältigen Veränderungen der Sozialgemeinschaft Dorf durch zeitgemäße, menschengerechte und finanziell leistbare Projekte Rechnung tragen.

Teilnahmebedingungen

Pro Land bzw. Region war nur eine Nennung – eines Dorfes oder einer (Verbands-) Gemeinde oder einer Kleinregion – möglich. Nennungsberechtigt waren die für die Dorferneuerung und Landentwicklung der jeweiligen Staaten, Länder und Regionen zuständigen PolitikerInnen bzw. ReferentInnen, aber auch Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs), sofern keine Einreichungen von offizieller, behördlicher Stelle vorlagen.

Termine

1. Februar 2008:                   Einsendeschluss für Bewerbungsunterlagen
März 2008:                            1. Bewertungssitzung der Jury
Mai/Juni 2008:                      Bereisung aller Teilnehmerorte durch Jurygruppen
Juni 2008:                              2. Bewertungssitzung der Jury, Beschlussfassung
26. September 2008:          Preisverleihung in Koudum, Niederlande

Preise

1. An den Sieger wird der „Europäische Dorferneuerungspreis 2008“  vergeben.
2. Die zweithöchste Auszeichnung, die mehreren Teilnehmern zuerkannt werden kann, ist ein „Europäischer Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“.
3. Weiters werden Preise für „Besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ vergeben.
4. Alle Teilnehmer werden mit einer Anerkennung bedacht.

Es werden keine Geldpreise, sondern Preisobjekte wie Plaketten und Urkunden vergeben.

Beurteilungskriterien

A. ORIENTIERUNG und STRATEGIEN

1. Nachhaltigkeit
2. Ganzheitlichkeit
3. Visionäre und innovative Ausrichtung

B. METHODEN

1. Eigeninitiative und Bürgerbeteiligung
2. Aktive und permanente Kommunikation der Akteure (PolitikerInnen, Behörden, BürgerInnen)
3. Prozessbegleitung und/oder -betreuung durch ExpertInnen
4. Kooperationen in lokalen, regionalen und gegebenenfalls auch Staatsgrenzen überschreitenden Netzwerken und Partnerschaften

C. INHALTE

1. Stärkung einer umweltgerechten Land- und Forstwirtschaft unter Berücksichtigung der Kulturlandschaft
2. Erhaltung und Aufbau standortgemäßer Erwerbsmöglichkeiten, auch mit Blick auf regionale Wertschöpfungsketten
3. Verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen und Nutzung erneuerbarer Rohstoffe
4. Symbiose von schützenswerter alter und qualitätvoller neuer Bausubstanz sowie Ressourcen sparende und Verkehr vermeidende Siedlungsentwicklung
5. Stärkung der Identität und des Selbstbewusstseins der DorfbewohnerInnen
6. Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen und soziokultureller Qualitäten
7. Förderung der Teilhabe aller Generationen, Nationalitäten und Minderheiten sowie beider Geschlechter am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben

D. MOTTOGERECHTIGKEIT

Information

Theres Friewald-Hofbauer, Projektleitung
Tel.: +43/1/533 84 01-14; Fax: +43/1/533 84 01-20.;
E-Mail: friewald@clubnoe.at

Gabriele Gober, Sekretariat
Tel.: +43/1/533 84 01-10; Fax: +43/1/533 84 01-20;
E-Mail: info@clubnoe.at

Auf das polnische Dorf haben besonderen Einfluss:

  • europäische Integration,
  • Globalisierung,
  • Angleichung (in allen Bereichen) – Verlust an Verschiedenheit, Popularisierung der städtischen Muster und der Geschmacklosigkeit,
  • chaotische Entwicklung der Orte und Vororte, ungeeignete und falsche Raumplanung,
  • Wirtschaftsflucht -hauptsächlich junger Menschen,
  • Industrialisierung der Landwirtschaft, Verlust dörflicher Strukturen,
  • Dominanz durch dir politische Gemeindeebene, Verlust der Selbstbestimmung und verwaltung, Identitätsverlust,
  • Schwächung der bürgerlichen Gesellschaft, das Verlorengehen des dörflichen Lebens in historischer Bedeutung,
  • fehlende staatliche Steuerungsmechanismen zur Dorfentwicklungspolitik und fehlende Instrumente zur Ergänzung der verschiedenen Teilbereichsprogramme,
  • mangelndes Interesse der Selbstverwaltung der Woiwodschaft an der Erhaltung und Förderung ländlicher Bereiche und die Vernachlässigung regionalbezogener Politik.

Der Eintritt in die EU hat die Auflösung landwirtschaftlich genutzter Flächen beschleunigt (in der Woiwodschaft Oppeln geht der Prozess zu Ende). Durch die Aufgabe der Landwirtschaft stellen sich in Polen für die Bevölkerung im Vergleich zum Westen die Lebensbedingungen schlechter dar (diese Veränderungen verzogen sich in West-Europa vor etwa 30 Jahren). Das Potential der polnischen Dörfer ist geringer, die Infrastruktur ist unvollkommener und ist weniger effektiv, die bereitstehenden Mittel zur Entwicklung und Revitalisierung sind unvergleichbar kleiner, und die Herausforderungen unvergleichbar größer.

Das polnisch Dorf der Zukunft wird von Landflucht gekennzeichnet, verursacht durch den Wegzug insbesondere junger Menschen auf der Suche nach Arbeit und verbesserten Lebensbedingungen in die größere Städte und nach Westeuropa. Dieser Prozess ist, da der Anreiz Fähigkeiten herauszufordern und sein Können unter Beweis zu stellen, nicht aufzuhalten ist. Unter diesen Voraussetzungen wird sich das polnische Dorf nicht entwickeln können oder gar aufgegeben werden.

Wird das Dorf überleben können? Die Antwort ist ja, unter der Voraussetzung, dass man dem derzeitigen Prozess gesteuert und die Bedingungen zur Rückkehr fördert. Das Dorf kann ein Ort sein, in dem sich die Menschen, die durch das jahrelange Pendler Dasein erschöpft haben, durch strukturelle Veränderungen adäquate Lebensbedingungen schaffen können. Durch die weltweite Vernetzung durch das Internet wäre das Dorf der ideale Lebensraum für Freiberufler, beispielsweise Architekten, Designer, Finanzberater. Die Dörfer bieten die Möglichkeit Zivilisationsmüden, alternative Lebensformen Bevorzugenden, sowie demjenigen, die ihren Lebensabend in vertrauter Umgebung verbringen möchten, ideale Lebensbedingungen. Eine verlässliche Schätzung der Einwohnerzahl und Zahl der Berufstätigen lässt sich auf Grund von Landflucht und temporärer Fluktuation nicht ermitteln. Durch die og. Entwicklungen werden die Einwohner gezwungen neue Organisationsformen zu entwickeln. Das Dorfgemeinschaftshaus in seiner ursprünglichen Bedeutung wird ersetzt durch ein multifunktionales Aktionszentrum und Schulen auf computergestützten Unterricht ausgerichtet.

Wodurch lässt sich ein positives Szenario schaffen? Wodurch kann sich das Dorf gegenüber der Stadt profilieren?
Ich sehe keine grundlegende Veränderung der Infrastruktur als erforderlich an, sondern vielen reicht ein Minimum an Standards aus. In den nächsten Jahren stehen keine Mittel zur Verfügung um die Standards der Dörfer dem westlichen Niveau anzugleichen, in diesem Wettbewerb steht das polnische Dorf auf verlorenem Posten. Auch der Arbeitsmarkt kann dieses Problem nicht relativieren, da die Bedingungen hier zunehmend schwieriger werden. Eine Chance im Wettbewerb zwischen Stadt und Dorf besteht für Letzteres nicht in den materiellen Faktoren, sondern in dem Gemeinschaftsgefühl und der Identifikation.

Dazu 3 Faktoren:

  • Gemeinschaftsgefühl,
  • Verbundenheit mit der natur und dem kulturellen Erbe,
  • Heimatverbundenheit.
Die Gestaltung eines individuellen Umfeldes ist in der Stadt schwieriger zu erreichen. Durch die beiden erstgenannten Faktoren erhöht der Dorfbewohner die Möglichkeit einen Bezug zu gewachsenen Strukturen herzustellen wie: Naturverbundenheit und sozio-kulturelle Identität. Der reiz der Sache liegt in der Einfachheit, damit können ungenutzte Potentiale freigesetzt werden. Diese Potentiale kämen der Entwicklung zu einem lebendigen Dorf zugute, entsprechend des Konzepts eines thematisierten oder eines kooperativen Dorfes wie von mir in einem Artikel „10 Jahre Dorferneuerung – der Weg zum Ziel“ dargestellt wurde. Die Zukunft des Dorfes ist nur zu sichern durch Wahrung zwischenmenschlicher Kontakte. Grundlage für den Erhalt dörflicher Gemeinschaft ist der mentale Aspekt.

Zum Schluss meiner Ausführungen lassen Sie mich noch ein Wort bezüglich Dorferneuerung in der gegenwärtigen Situation anmerken. Es gibt keine Zweifel, dass im Zuge der Globalisierung nach derzeitigen Erkenntnisstand die Attraktivität und Bedeutung des Dorfes und des ländlichen Raumes allgemein Zustimmung findet, aber es gibt auch keine Zweifel, dass die technische Entwicklung und die gesellschaftlichen Veränderungen auch zukünftig außerhalb des ländlichen Raumes stattfinden. Folgender Schluss ist zu ziehen -Stadt und Dorf müssen nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern im Rahmen der Globalisierung gleichberechtigt Dorf-Stadt-Welt. Das Dorf mit seinen unverzichtbaren Reservoire an Werten und Gütern kann als Rückzugsort angesehen werden. Das Dorf der Zukunft wird also ein Dorf der Ergänzung. Das Finden und Nutzen der Bereiche dieser Ergänzung kann eine Perspektive für die Dorferneuerung sein und als Instrument, das die Zukunft des Dorfes gestaltet gelten und der Erhalt und die Kultivierung des polnischen Dorfes stellt bei der kulturellen Verschiedenheit Europas ein wichtiges Erbe dar.

Vier Tage lang avancierte das idyllische schlesische Dorf Kamien Slaski, Preisträgerin im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2000,  als Gastgeberin des 6. Europäischen Dorferneuerungskongresses zum „Mekka“ der europäischen und insbesondere der polnischen Dorferneuerungsszene.

Charles Konnen, stellvertretender Vorsitzender der Europäischen ARGE  Landentwicklung und Dorferneuerung, Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer und Vize-Marschall Ryszard Wilczynski, Opole, informieren die Medienvertreter über die wesentlichen Inhalte des 6. Europäischen Dorferneuerungskongresses

250 TeilnehmerInnen am europäischen Teil und 900 TeilnehmerInnen am polnischen Tag stimmten angesichts der Referate, Diskussionen, Exkursionen und Ausstellungen darin überein, dass das Motto des Kongresses „Geeintes Europa – Reich an Vielfalt und Herausforderungen“ nicht treffender hätte sein können. Die Vielfalt an naturräümlichen, kulturellen, historischen, strukturellen und ökonomischen Bedingungen und Prägungen ist enorm, auch innerhalb von Ländern, oft auch von Regionen, und beileibe kein reines West-Ost-Phänomen. So gesehen kann es kein Patentrezept für eine erfolgreiche Entwicklung der so unterschiedlichen ländlichen Räume geben, muss Dorferneuerung etwas sehr Spezielles, ganz im Sinne von „Jedem Dorf seinen Maßanzug“, sein.

Und doch gibt es Allgemeingültiges, an dem weder da noch dort ein Weg vorbei führt, das auch mehrfach angesprochen wurde. Etwa das endogene Potenzial, die Besonderheiten, die es zu erkennen, schätzen zu lernen und zu nutzen gilt. Und, dass Dorferneuerung häufig einer Gratwanderung, nicht selten zwischen (scheinbaren) Gegensatzpaaren, gleichkommt. Zwischen kreativer Spontanität und visionärer Planung, zwischen Tradition und Innovation, zwischen Form und Funktion, zwischen dörflicher Eigenständigkeit und regionalen Allianzen, um nur einige zu nennen.

Herausforderungen von heute als Chancen von morgen

Wesentliche Leitlinien jedes Entwicklungsprozesses, so das unisono Credo, müssen Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit sein, also ökologische, ökonomische, kulturelle und soziale Maßnahmen. Nicht nebeneinander, nicht nacheinander, sondern aufeinander abgestimmt und miteinander verwoben. Menschen bleiben oder kommen nur, wenn sie Arbeit, wenn sie ihr finanzielles Auskommen finden, gleichzeitig aber auch auf einen ländlichen Raum stoßen, der seine ursprünglichen Qualitäten ausspielen kann, Qualitäten, die allem voran Naturnähe sowie soziokulturelle und soziale Kompetenz heißen.

Im ökologischen Bereich wird deutlich, dass die Herausforderungen von heute sich als die Chancen von morgen erweisen könnten. Auf die brennende Frage der  Energieversorgung der Zukunft hat das Land mit nachwachsenden Rohstoffen die richtige Antwort parat. Und im sozialen Sektor könnte der demografische Wandel den Dörfern sogar in die Hand spielen, wenn es ihnen gelingt, sich als Lebensraum zu präsentieren, der prädestiniert dafür ist, die Bedürfnisse älterer Menschen zu befriedigen. Sie sind neben Familien mit Kindern genau jene Bevölkerungsgruppe, die die Vorteile des Landlebens  besonders zu würdigen wissen könnte. Voraussetzung dafür ist freilich, dass geänderte Realitäten akzeptiert werden, dass zeitgemäße Strukturen geschaffen werden, die Frauenbeschäftigung ermöglichen und Kinder- sowie Seniorenbetreuung gewährleisten, was neue Berufsfelder und Einkommensquellen induziert.

Noch eine wichtige Erkenntnis: Das Dorf darf nicht zum Lebensraum der Zukurzgekommenen werden, soll attraktiv auch für Neubürger sein, verträgt Zugezogene und auch ein gewisses Maß an Heterogenität.

 

Zukunftsgewinn ist möglich

„Top down“ und „Bottom up“ sind bei der Dorferneuerung keine Alternativen. Sie braucht beides, politische Rahmenbedingungen und Bürgerpartizipation. Eine Beteiligung, die freilich auch zugelassen werden muss, idealerweise in kreativen Milieus. Eine Beteiligung, zu  der die BürgerInnen aber auch befähigt sein müssen, was Investitionen in deren Bildung voraussetzt. Eine Geldanlage, die jedenfalls reiche Zinsen trägt, Zinsen die dringend benötigt werden, denn, um es mit Worten des Vorsitzenden der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Erwin Pröll, auszudrücken: Die Zukunft ist kein Geschenk! Insbesondere nicht für die ländlichen Räume angesichts von Globalisierung, Europäischer Einigung und noch längst nicht abgeschlossener Transformationsprozesse im Osten.

Aber: Der Zukunftsgewinn bleibt eine reale Option mit Aussicht auf Erfolg, wenn es gelingt,

  • immer wieder geographische, räumliche, mentale und ideologische Grenzen zu überschreiten ,
  • flexibel genug für eine Erneuerung der Erneuerung zu sein,
  • Synergien zwischen Stadt und Land zu nutzen,
  • den Blick über den Zaun zu wagen, Erfahrungen auszutauschen, Netzwerke zu knüpfen und
  • den Mut zum Träumen mit der Kraft zum Handeln zu paaren.

NEU: Eine Video-Dokumentation des 6. Europäischen Dorferneuerungskongresses in Kamien Slaski, Polen, finden Sie im Internet unter folgender Adresse: www.raumordnung-noe.at , bitte Gemeinde / Landesaktionen / NÖ Dorferneuerung/Dorferneuerung international/Videobeiträge auswählen.

Ziel des 6. Europäischen Dorferneuerungskongresses unter dem Motto „ Geeintes Europa – Reich an Vielfalt und Herausforderungen“ war es, die mannigfaltigen Zukunftsfragen, die die ländlichen Regionen in einem erweiterten Europa bewegen, zur Sprache zu bringen und zu diskutieren. Auf der Suche nach den richtigen Antworten wurde den Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West in besonderer Weise Rechung getragen.

Darüber hinaus gab der Kongresses aber auch Anlass, zwei Jubiläen zu begehen: Vor 10 Jahren wurde in der Gastgeber-Region, der Wojewodschaft Opole, die Dorferneuerung in Polen gestartet und vor genau 20 Jahren fand in Krems, Niederösterreich, der 1. Europäische Dorferneuerungskongress statt, der zur Gründung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung anregte.

Die Einladung zur Teilnahme richtete sich an alle EuropäerInnen, denen der ländliche Raum, seine Entwicklung und seine Zukunftsfähigkeit ein Anliegen sind. 250 Frauen und Männer aus weiten Teilen Europas, eine Zahl die am polnischen Tag auf 900! anwuchs, nahmen die Einladung an und konnten dabei nicht nur reiche Erkenntnisse gewinnen, sondern auch wertvolle Kontakte knüpfen.

Tirol, Wien/Niederösterreich, Salzburg, Wroclaw/Polen, Tschechien, Slowenien
und nochmals Polen – der Kongress brachte zahlreiche europäische Regionen
zusammen und einander näher.

Koudum in Holland gewinnt Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 – Rund 900 Dorferneuerungsakteure aus zahlreichen europäischen Regionen wohnen der stimmungsvollen Preisverleihung in Sachsen-Anhalt bei.

„Seit 1990 ruft die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung alle zwei Jahre zum Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis auf. Heuer geht diese begehrte Auszeichnung erstmals nach Holland, und zwar an den 2.750 Ein¬wohnerInnen zählenden Ort Koudum, wo es auf Basis ausgeprägter Eigeninitiative, Bürgerengagement und unternehmerischem Risiko auf überzeugende Weise gelungen ist, das Wettbewerbsmotto ‚Wandel als Chance’ in die Tat umzusetzen und eine nachhaltige Dorfentwicklung auf den Weg zu bringen“, betonte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, aus Anlass der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2006 in Ummendorf, Sachsen-Anhalt, Deutschland, der Siegergemeinde des Jahres 2004. Dem Festakt wohnten neben einer Reihe hochrangiger Persönlichkeiten und rund 900 Dorferneuerungsaktivisten aus zahlreichen europäischen Staaten auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer und Landwirtschafts¬ministerin Petra Wernicke, beide Magdeburg, bei. Workshops, Exkursionen und ein Fest der Begegnung, das sich über den ganzen Ort erstreckte und drei Tage andauerte, rundeten das Programm der von der Europäischen Union geförderten und von der ARGE in Kooperation mit der Gemeinde Ummendorf und dem Land Sachsen-Anhalt durchgeführten Veranstaltung ab.

Koudum: mutige und zukunftsorientierte Entwicklung
Das zur Gemeinde Nijefurd gehörende Koudum, jahrzehntelang  ein Zentrumsort  mit überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung, verlor 1984 durch eine Gemeinde¬gebietsreform schlagartig seine Funktion als Amtszentrum, was binnen Kurzem das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben lahm legte. Doch die Opferhaltung währte nicht lange und bald regten sich vielfältige Bürgerinitiativen,  die darauf abzielten, Koudum zu einem attraktiven Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum mit polyfunktionalen Zentrumseinrichtungen für die gesamte Südwestregion Frieslands zu entwickeln. „Eines der Schlüsselprojekte auf diesem erfolgreichen Weg war der Kauf von Land zur Errichtung eines Neubaugebietes, bestehend aus 130 Wohnungen, Ferienhäusern und permanent bewohnten Häusern, durch eine Stiftung – auf eigenes finanzielles Risiko der Unternehmer und BürgerInnen. Der dadurch induzierte Wohnimpuls bewirkte einen deutlichen Anstieg der Bevölkerungszahlen und der Wirtschaftskraft“, erklärte der Vorsitzende der 17-köpfigen, internationalen Wettbewerbsjury, Univ.-Prof. Matthias Reichenbach-Klinke, Technische Universität München.

Aus einer Vielzahl an aufeinander abgestimmten Projekten – getragen von einem effizienten Netzwerk aus BürgerInnen, PolitikerInnen und ExpertInnen und geprägt von nachhaltiger Orientierung – seien exemplarisch angeführt:

  • Unterstützung für Existenzgründer, der örtlichen Mühle  und der Gartenbaubetriebe
  • Erhalt der Schule durch räumliche und inhaltliche Verschränkung mit lokaler Radio- und Fernsehstation, Bibliothek, Jugendtreff und Musikschule
  • Neuansiedlung wichtiger Dienstleistungseinrichtungen im sozialen,  kulturellen und touristischen Bereich
  • Verbesserung der Siedlungsentwicklung und des Ortsbilds sowie Umnutzung zahlreicher leer gefallener Gebäude, etwa zu einem Bildhauerzentrum und einer Pflegediensteinrichtung
  • Bedürfnis gerechtes Wohnen und Arbeiten für Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps sowie qualitätvolle Infrastrukturen für Senioren- und Kinderbetreuung
  • Abgeschlossene Planung zur Errichtung einer Biogasanlage durch eine Bauerngemeinschaft
  • Nutzung von Naturschutzprogrammen als Entwicklungspotenzial
  • Entwicklungshilfepartnerschaft mit Tansania zum Know-how-Transfer und zur Errichtung einer Molkerei.

Wettbewerbsprojekte von Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit geprägt
Der 9. Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis stand unter dem Motto „Wandel als Chance“ und  zeichnete sich durch eine große Teilnehmerzahl (30 Orte bzw. Gemeinden bzw. Mikroregionen aus ebenso vielen europäischen Regionen) sowie ein außerordentlich hohes Niveau aus. Unter vielen guten Projekten wurden die elf Besten, die mit zu den Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganz¬heitliche, nachhaltige und motto¬gerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 14 Teil¬nehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“, vier über eine „Lobende Anerkennung besonderer Leistungen“ freuen.

Bewertet wurden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer. Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung spielten dabei ebenso eine Rolle wie soziale Einrichtungen, kulturelle Initiativen und Bemühungen um eine wirtschaftliche Entwicklung. Wesentlich dabei waren ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperations¬bereitschaft geprägte Methodik.

„Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 hat deutlich gezeigt: Die Menschen wollen daran teilhaben, ihre Heimat zu gestalten. Dabei beweisen sie, wie mit Selbstbewusstsein und mit Kompetenz die Attraktivität des ländlichen Raumes erhöht werden kann“, so der abschließende Kommentar des „Gastgebers“, Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer.
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Weitere Informationen: Theres Friewald-Hofbauer, Projektleiterin, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Tel.: ++43/1/533 84 01, Fax: ++43/1/533 84 01-20; E-Mail:  friewald@clubnoe.at Internet: www.landentwicklung.org

Das etwa 2750 EinwohnerInnen zählende Koudum ist Teil der Gemeinde Nijefurd und liegt im Südwesten der Provinz Friesland in unmittelbarer Nähe des Ijsselmeeres. Das einstmals agrarisch geprägte Dorf entwickelte sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Gartenbaudorf mit überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung und zu einem kommunalen behördlichen Zentrum. Eine Entwicklung, die 1984 mit der Gemeindegebietsreform ein jähes Ende nahm und Koudum nicht nur den Verlust seiner Funktion als Amtszentrum bescherte, sondern das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben äußerst negativ beeinträchtigte – dramatischer Rückgang der Arbeitsplätze, Wegbrechen von Dienstleistungs-einrichtungen, Betriebsaufgaben, Abwanderung der Bevölkerung, leer stehende und verfallende Häuser und Geschäftslokale, keine Nachfrage nach Bauland …

 

Doch die Opferhaltung währte nur kurz. Bald regten sich da und dort kleine Initiativen,  schlossen sich BürgerInnen zu Gruppen zusammen, wuchs ein immer dichteres Netzwerk, das ein Ziel verband: Koudum zu einem attraktiven Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum mit polyfunktionalen Zentrumseinrichtungen für die gesamte Südwestregion Frieslands zu entwickeln. Eines der Schlüsselprojekte auf diesem erfolgreichen Weg war der Kauf von Land zur Errichtung des Neubaugebietes „Morraplan“, bestehend aus 130 Wohnungen, Ferienhäusern und permanent bewohnten Häusern, durch die Stiftung „Trochgean“ – auf eigenes finanzielles Risiko der Unternehmer und BürgerInnen. Der Mut wurde belohnt und induzierte einen Wohnimpuls, der die Bevölkerungszahlen steigen und die Wirtschaftskraft wachsen ließ.

 

Aus einer Vielzahl an aufeinander abgestimmten Maßnahmen und Projekten – aufbauend auf einem fundierten Zukunftskonzept und hohem Planungsniveau, getragen von einem effizienten Netzwerk aus BürgerInnen (Interessenverband „Dorpsbelangen“, Unternehmerverein, Stiftung „Trochgean“), PolitikerInnen und ExpertInnen und geprägt von Eigeninitiative, BürgerInnenengagement, Risiko-bereitschaft und nachhaltiger Orientierung – seien exemplarisch angeführt:

 

o        Unterstützung für Existenzgründer durch eine Stiftung, der örtlichen Mühle  und der Gartenbaubetriebe – auch im Hinblick auf ihre Identität stiftende Bedeutung

o        Erhalt der weiterführenden Schule durch räumliche und inhaltliche Verschränkung mit lokaler Radio- und Fernsehstation, Bibliothek, Jugendtreff und Musikschule

o        Erfolgreiches, kreatives Bemühen um Verbleib und Neuansiedlung wichtiger Dienstleistungseinrichtungen im sozialen,  kulturellen und touristischen Bereich

o        Verbesserung der Siedlungsentwicklung und des Ortsbilds sowie Umnutzung zahlreicher leer gefallener Gebäude, etwa zu einem Bildhauerzentrum und einer Pflegediensteinrichtung

o        Bedürfnis gerechtes Wohnen und Arbeiten für Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps sowie umfassende, qualitätvolle und menschen-gerechte Infrastrukturen für Senioren- und Kinderbetreuung

o        Abgeschlossene Planung zur Errichtung einer Biogasanlage durch eine Bauerngemeinschaft zur Energieversorgung eines neuen Wohngebietes und bewusste Nutzung von Naturschutzprogrammen als Entwicklungspotenzial

o        Entwicklungshilfepartnerschaft mit Tansania zum Know-how-Transfer und zur Errichtung einer Molkerei.

 

 

Sieganwärter und ausgezeichnet mit:

 

Europäischer Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität

Betzdorf, Luxemburg

Die Dorfentwicklungsmaßnahmen in Betzdorf zeigen eine große Vielfalt und spiegeln einerseits eine mutige eigenständige Gemeindeentwicklung, andererseits aber auch eine vielseitige interkommunale Zusammenarbeit wider. Allen Aktivitäten ist gemeinsam, dass sie auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichtet, von einer Bündelung der Kräfte und Ressourcen geprägt, von Visionen und Courage gekennzeichnet und von einer breiten Bürgerbeteiligung getragen sind. Die modellhaften und nachahmenswerten Projekte weisen eine hohe Planungsqualität auf und spannen einen weiten Bogen von Landschafts- und Naturschutz über Raumordnung, erneuerbare Energie und Soziales bis hin zu Bildung und Kultur.

 

Gurk, Kärnten, Österreich

Gurk darf sich zweifellos einer ganzheitlichen, nachhaltigen und mottogerechten Dorfentwicklung auf höchstem Niveau rühmen. So ist es  gelungen, neben dem Kloster zu einer partnerschaftlichen, aber eigenständigen Entwicklung zu finden, die auf vorhandenen Stärken aufbaut. Das soziale Zusammenleben wird beispielhaft gestärkt. Das ökologische Bewusstsein mündet in mutige Pionierprojekte, die zudem zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führen. Darüber hinaus hat man es verstanden, Dorf- und Regionalentwicklung beispielhaft zu vernetzen und daraus großen Nutzen zu ziehen.

 

Impulsregion 21, Salzburg, Österreich

Die „Impulsregion 21“, ein Netzwerk der Gemeinden Schleedorf, Mattsee und Neumarkt innerhalb des Salzburger Seenlandes, baut auf den bisherigen, durchaus beeindruckenden Dorferneuerungsaktivitäten der drei Gemeinden auf und überzeugt mit ihrer Fokussierung auf Stärken und Synergien mit deutlicher regionaler Ausstrahlung wie auch mit der Konzentration auf behutsame Aneignung und wirtschaftliche Nutzung der Landschaft im Bereich Erholung, Bio-Vermarktung und Gesundheitsvorsorge.

 

Lana, Südtirol, Italien

Die Dorferneuerung in Lana, basierend sowohl auf intensiver Bürgerbeteiligung als auch auf Expertenstudien, ist auf das Aufrechterhalten menschlicher Nähe in einem wachsenden Ort ausgerichtet. Der Wandel wird nicht als Gefahr gesehen, sondern als Chance, mit neuen Möglichkeiten auf heutige Bedürfnisse der Menschen zu reagieren. So werden  zeitgemäße soziale Infrastrukturen für alle Alterskategorien bereitgestellt, Aktivitäten zur Ausländer- und Behindertenintegration gesetzt und „Kinderfreundliche Betriebe“ ausgezeichnet. Der Bau einer modernen öffentlichen Bibliothek mit angeschlossenen kulturellen Aktivitäten ist bezeichnend für den Stellenwert der Kultur und mit einer qualitätvollen zeitgemäßen Architektur bei öffentlichen Bauten beweist man Mut zu Neuem.

 

Latrop, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Latrop ist es auf herausragende Weise gelungen, aus einer peripheren Lage in einem Talschluss und aus einer niedergehenden ökonomischen Situation heraus den Wandel in eine neue Funktion als Chance zu sehen, sich neu zu positionieren und zu entwickeln. Die Anbindung der alten Landschafts- und Waldnutzung an heutige Wirtschafts- Lebensraum- und Erholungsfunktionen konnte erhalten bleiben und durch breite touristische Nutzung als neue, vorrangige Funktion ergänzt werden, wodurch die ökonomische Basis nachhaltig gesichert und die Lebensqualität deutlich erhöht wird.

 

Launsbach, Hessen, Deutschland

Aufbauend auf einem bemerkenswerten bürgerschaftlichen Engagement, konzentrieren sich die einzelnen Projekte auf das Ziel, allen BürgerInnen ein Höchstmaß an Lebensqualität zu gewährleisten. Die beispielhafte Vernetzung der sozialen und soziokulturellen Aktivitäten mit Generationen übergreifenden Patenschaften erweist sich als faszinierende Stärke und stellt im Standortwettbewerb um junge Familien ein gewichtiges Argument dar. Der bewusste Umgang mit einer Kulturlandschaft, in der die Land- und Forstwirtschaft keine Rolle mehr spielt, zeigt eine zukunftsfähige Alternative auf.

 

Pinnow, Brandenburg, Deutschland

Die Dorferneuerung in Pinnow, basierend auf einem Gemeindeentwicklungsplan, präsentiert sich insgesamt als nachhaltig und alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche umfassend. Besonders hervorzuheben sind das gelungene Ankämpfen gegen eine drohende Depression, der vernetzte Projektsansatz zu einem harmonischen und stimmigen Ganzen, der Aufbau standortgemäßer Erwerbsmöglichkeiten, die Revitalisierung alter Bausubstanzen, der Umgang mit benachteiligten Menschen und die vielfältigen touristischen Aktivitäten.

 

Posterstein, Thüringen, Deutschland

Posterstein weiß in allen relevanten Bereichen einer nachhaltigen Dorfentwicklung mit Musterprojekten und Erfolgsmeldungen aufzuwarten – mit einer zukunftsorientierten Landwirtschaft mit Zielrichtung  erneuerbare Energie und Produktionsnischen, vielseitigen Handwerks- und Gewerbebetrieben, reichhaltigen Kulturangeboten bis hin zu einem regen Vereinsleben in einem qualitativ hochwertigen Wohnstandort. Besonders hervorzuheben ist die Bereitschaft der BürgerInnen, bei der Neugestaltung von Gemeinschaftsanlagen unentgeltlich mitzuarbeiten und mit Kopf und Händen den Wandel als Chance zu nutzen.

 

Schwarzach, Vorarlberg, Österreich

Schwarzach besticht in mehrfacher Hinsicht, allem voran aber mit herausragender Qualität im Bereich der Raumentwicklung. Potenziale und Probleme des urbanistischen Wandels werden nicht nur gesehen, sondern als Chance genutzt. Gedankliches Modell ist ein polyfunktionaler, polyzentrischer, eng mit der offenen Kulturlandschaft verflochtener Lebensentfaltungsraum. Ein sorgsamer Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen limitiert Verdichtung und Intensivierung der baulichen Entwicklung. Eine architektonisch sehr anspruchsvolle Gestaltung, die konsequente Unterstützung und Förderung der Nutzung von  Alternativenergien und positive Perspektiven für die lokale Wirtschaft durch ein landesweit bedeutsames und international prämiiertes Medienzentrum und das Halten ansässiger Qualitätsbetriebe in der Gemeinde sind weitere Glanzlichter.

 

Tápiógyörgye, Ungarn

In Tapiogyörgy ist es auf herausragende Weise gelungen, die eigenen Stärken zu erkennen, daraus ein schlüssiges Konzept für eine nachhaltige Entwicklung zu entwerfen, die vorhandenen Mittel zielgerichtet und höchst effektiv einzusetzen, die Eigeninitiativen auffallend zu stärken, einen wichtigen Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit zu setzen und nicht zuletzt auch ökologischen Ansprüchen in einem überdurchschnittlichen Maße gerecht zu werden.

 

Ybbsitz, Niederösterreich, Österreich

Die Gemeinde Ybbsitz versteht es in beeindruckender Manier, rund um das Leitbild der Schmiedekunst – aufbauend auf den energetischen Voraussetzungen der Wasserkraft und in intensiver Auseinandersetzung mit Geschichte, Siedlungsstruktur und kulturell-ökonomischen Grundlagen – eine ganzheitliche und umfassende Dorferneuerung zu realisieren. In Ergänzung dazu konzentrieren sich Engagement und zahlreiche Aktivitäten darauf, die Schmiedekunst über das Haus Ferrum erlebnistouristisch aufzubereiten und mit den restaurierten Schmiedehämmern in das Gesamtkonzept der Eisenstraße einzubinden.

 

 

 

Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung

 

Almenland, Steiermark, Österreich

Mit einem der besten Leader-Projekte Österreichs setzt das Almenland auf den Aufbau von regionalen Qualitätsmarken. Von dieser Strategie profitieren Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Gastronomie durch zusätzliche Wertschöpfung und stabilere Arbeitsplätze sowie eine intakte Umwelt.

 

Artland, Niedersachsen, Deutschland

Die herausragende Leistung besteht allem voran darin, leer fallende bzw. leer gefallene, jahrhunderte alte und einzigartige Bauernhöfe unter Wahrung der baukulturellen Substanz und der umgebenden idealtypischen Parklandschaft erfolgreich umzunutzen und über neue Wertschöpfungen lebensfähig zu halten.

 

Baltów, Swietokrzyskie, Polen

Baltów zeichnet sich vorrangig dadurch aus, dass es gelungen ist, durch unternehmerisches Handeln und Eigeninitiative die wirtschaftliche Situation der Gemeinde in einer sehr peripheren Lage spürbar zu verbessern. Es ist ein nachahmenswertes Beispiel insbesondere für Gemeinden, die in einer resignativen Grundstimmung verharren.

 

Bröbberow, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Der Gemeinde ist es auf beeindruckende Weise gelungen, eine neue dörfliche Gemeinschaft aufzubauen und mit umfassenden ökonomischen, sozialen und ökologischen Qualitäten auszustatten sowie ihre landschaftlichen Potenziale zur Nutzung als Erholungsraum und zur Entwicklung eines Naturerlebnistourismus umzugestalten.

 

Falkenstein, Gemeinden Neustadt im Vogtland und Oberlauterbach, Sachsen, Deutschland

Falkenstein überzeugt mit umfassenden Infrastrukturmaßnahmen, der Revitalisierung des Ritterguts „Adlershof“ mit dem integrierten Natur- und  Umweltzentrum Vogtland, der Wiederbelebung von verschiedensten Festen, dem hohen Eigenleistungsanteil bei Projektsumsetzungen und der Schaffung von Gemeinschaftseinrichtungen zur Verbesserung der soziokulturellen und sozialen Qualitäten.

 

Fraczków, Opole, Polen

Fraczków zeichnet sich durch große Leistungen in der Umnutzung und Weiterentwicklung ererbter Strukturen aus. Der Wandel wird als Chance begriffen, verloren gegangene kulturelle Qualitäten durch ein Dorfzentrum neu zu schaffen bzw. wiederzugewinnen. Dass dabei aus dem Bestand der baulichen Strukturen der sozialistischen Zeit heraus- und weiterentwickelt wird, ist besonders positiv zu bewerten.

 

Hünningen, Deutschsprachige Gemeinschaft, Belgien

Auf Basis einer intakten Dorfgemeinschaft und aufbauend auf der Kenntnis der eigenen, durchaus schwierigen Vergangenheit, wurden vielfältige Ideen eigenständig entwickelt und unter Mitwirkung zahlreicher engagierter DorfbewohnerInnen schrittweise umgesetzt. Beispiele dafür sind die Schaffung von Vereinslokalitäten und die Errichtung von Kulturrouten.

 

Konken, Rheinland-Pfalz, Deutschland

Konken beeindruckt vor allem mit dem „Haus der kulinarischen Landstraße“ als Zentrum der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte und sichtbarem Zeichen der Dorferneuerung, der Umnutzung landwirtschaftlicher Anwesen in der Ortsmitte für Wohnzwecke, mit einem Jugendtreff, der auf Eigeninitiative der Dorfjugend entstand, sowie einem aktiven Vereinsleben.

 

Kovárov, Pisek, Tschechien

Kovárov darf als besonders beispielhaft für eine erfolgreiche ländliche Erneuerung auf Basis der Pflege und Entwicklung kultureller Werte angesehen werden. Höchste Anerkennung verdienen auch die vielfältigen Aktivitäten im sozialen Bereich, insbesondere für Kinder, Jugendliche und ältere DorfbewohnerInnen, die wesentlich zur Erhöhung der Lebensqualität beitragen.

 

Langenstein, Sachsen-Anhalt, Deutschland

Langenstein beeindruckt mit dem Aufbau einer „neuen Landwirtschaft“, geprägt von den Schwerpunkten Naturschutz und Landschaftspflege, dem Erhalt von Traditionsbetrieben, der Errichtung eines neuen Gewerbegebiets, der Schaffung von sozialen Einrichtungen für benachteiligte Menschen, einem reichhaltigen Vereinsleben in einem hochwertigen Wohnstandort sowie mit seinem respektvollen Umgang mit der eigenen Geschichte, wie Burg, Schloss, Wohnhöhlen und die Gedenkstätte „Zweibergen“ beweisen.

 

Les Bons Villers, Wallonie, Belgien

Das Wettbewerbsmotto „Wandel als Chance“ wird in Les Bons Villers bereits vielfältig und kreativ gelebt. Die hervorragenden Leistungen im sozialen  und kulturellen Bereich, die nur auf der Basis von großem bürgerschaftlichen Engagement entstehen konnten, sowie die Bemühungen um eine nachhaltige Weiterentwicklung der Landwirtschaft und Kulturlandschaft sind Impulsgeber über das Gemeindegebiet hinaus.

 

Lupburg, Bayern, Deutschland

Lupburg besticht durch seine mediterran anmutende Lage auf der Jura-Hochebene und zeichnet sich mottogerecht durch besondere Leistungen in den Bereichen der Bewusstseinsbildung mit den Instrumenten „Bürgerwerkstatt“ und „Dorfinszenierung“, der baulichen Erneuerung der Ortsmitte um den dominanten Burgberg, des behutsamen Umgangs mit Natur und Landschaft und durch ein aktives Vereinsleben aus.

 

Neutal, Burgenland, Österreich

Die besondere Leistung in Neutal besteht in der Entwicklung von einem Kleinbauern- über ein Ofenmaurerdorf zu einem bedeutenden Betriebsstandort mit qualitätvollen Arbeitsplätzen, insbesondere im Bereich  moderner Technologien. Damit wird nicht nur die Wirtschaftskraft gestärkt, sondern auch die Lebensqualität verbessert, zumal ganz im Sinne der Nachhaltigkeit Pendlerbewegungen deutlich reduziert wurden.

 

Podsreda, Slowenien

Podsreda ist es im Schatten der bekannten Burg gelungen, den Ortskern zu einem attraktiven Lebensraum umzugestalten, der durch die Ansiedelung kleiner Betriebe auch wirtschaftliche Effekte zeitigt und touristische Nutzungsmöglichkeiten für die Zukunft bietet.

 

 

Lobende Anerkennung besonderer Leistungen:

 

Bohnental, Gemeinden Tholey und Schmelz, Saarland, Deutschland

Besonders anzuerkennen sind die breite Bürgerbeteiligung und das Engagement, mit dem das Projekt Bohnenetal gestartet wurde. Diverse Pilotprojekte zeigen das hohe Niveau des Prozesses und lassen einen erfolgreichen Verlauf erwarten. Interessant und gelungen sind die mit viel Eigeninitiative entstanden Gemeinschaftshäuser und Schutzhütten.

 

Boretice, Südmähren, Tschechien

Boretice zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Aufbruchstimmung aus, die sich in vielen Projekten, die miteinander in Verbindung stehen, manifestiert – allem voran die Entwicklung des Weintourismus in der Kellergasse, der gepaart ist mit der Revitalisierung des Kulturhauses, der Umnutzung der ehemaligen LPG, Landschaftssanierungen und einem geplanten Flugplatz.

 

Schwendau, Tirol, Österreich

Schwendau hat sich dem Leitbild eines traditionsgeleiteten und zugleich zukunftsorientierten alpinen Dorfes verschrieben. Zahlreiche Kleinprojekte, die von aktiven GemeindebürgerInnen, darunter auch ein bemerkenswerter Anteil an Kindern und Jugendlichen, initiiert und umgesetzt wurden, zeugen davon, dass Schwendau seine Potenziale bewahren und entwickeln wird.

 

Vlachovo,  Slowakei

Vlachovo stellt sich auf bemerkenswerte Weise der großen Herausforderung, seine baukulturellen und landschaftlichen Qualitäten in Verbindung mit sanftem Tourismus weiter zu entwickeln. Vielen Einzelprojekte wie Schlosssanierung und Teichrenaturierung lassen bereits Erfolg versprechende Ansätze erkennen, fachliche Betreuung und ausgeprägtes bürgerschaftliches Engagement sind weitere große Pluspunkte.

Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung vergibt zum 9. Mal den Europäischen Dorferneuerungspreis – 30 Länder bzw. Regionen mit einem Projekt vertreten – Sieger: der niederländische Teilnehmer Koudum – zwölf weitere  Projekte mit Siegerqualitäten

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 ist entschieden: Eine interdisziplinär zusammengestellte Jury von 16 hochrangigen internationalen ExpertInnen hat nach einer intensiven Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung Anfang der Woche in München nach eingehender Beratung die Ortsgemeinde Koudum in den Niederlanden zum Sieger gekürt. „Damit wird ein Projekt ausgezeichnet, das das Wettbewerbsmotto „Wandel als Chance“ auf überzeugende und mehrfache Weise umgesetzt hat und dem Anspruch auf ganzheitliche, nachhaltige Entwicklung in herausragender Manier gerecht wird“, freut sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin  P r ö l l, Wien, in einer ersten Reaktion.

 

Das etwa 2750 EinwohnerInnen zählende Koudum ist Teil der Gemeinde Nijefurd und liegt im Südwesten der Provinz Friesland in unmittelbarer Nähe des Ijsselmeeres. Das einstmals agrarisch geprägte Dorf entwickelte sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Gartenbaudorf mit überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung und zu einem kommunalen behördlichen Zentrum. Eine Entwicklung, die 1984 mit der Gemeindegebietsreform ein jähes Ende nahm und Koudum nicht nur den Verlust seiner Funktion als Amtszentrum bescherte, sondern das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben äußerst negativ beeinträchtigte – dramatischer Rückgang der Arbeitsplätze, Wegbrechen von Dienstleistungseinrichtungen, Betriebsaufgaben, Abwanderung der Bevölkerung, leer stehende und verfallende Häuser und Geschäftslokale, keine Nachfrage nach Bauland …

 

Doch die Opferhaltung währte nur kurz. Bald regten sich da und dort kleine Initiativen,  schlossen sich BürgerInnen zu Gruppen zusammen, wuchs ein immer dichteres Netzwerk, das ein Ziel verband: Koudum zu einem attraktiven Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum mit polyfunktionalen Zentrumseinrichtungen für die gesamte Südwestregion Frieslands zu entwickeln. Eines der Schlüsselprojekte auf diesem erfolgreichen Weg war der Kauf von Land zur Errichtung des Neubaugebietes „Morraplan“, bestehend aus 130 Wohnungen, Ferienhäusern und permanent bewohnten Häusern, durch die Stiftung „Trochgean“ – auf eigenes finanzielles Risiko der Unternehmer und BürgerInnen. Der Mut wurde belohnt und induzierte einen Wohnimpuls, der die Bevölkerungszahlen steigen und die Wirtschaftskraft wachsen ließ.

 

Aus einer Vielzahl an aufeinander abgestimmten Maßnahmen und Projekten – aufbauend auf einem fundierten Zukunftskonzept und hohem Planungsniveau, getragen von einem effizienten Netzwerk aus BürgerInnen (Interessenverband  „Dorpsbelangen“, Unternehmerverein, Stiftung „Trochgean“), PolitikerInnen und ExpertInnen und geprägt von Eigeninitiative, BürgerInnenengagement, Risiko-bereitschaft und nachhaltiger Orientierung – seien exemplarisch angeführt:

o        Unterstützung für Existenzgründer durch eine Stiftung, der örtlichen Mühle  und der Gartenbaubetriebe – auch im Hinblick auf ihre Identität stiftende Bedeutung

o        Erhalt der weiterführenden Schule durch räumliche und inhaltliche Verschränkung mit lokaler Radio- und Fernsehstation, Bibliothek, Jugendtreff und Musikschule

o        Erfolgreiches, kreatives Bemühen um Verbleib und Neuansiedlung wichtiger Dienstleistungseinrichtungen im sozialen,  kulturellen und touristischen Bereich

o        Verbesserung der Siedlungsentwicklung und des Ortsbilds sowie Umnutzung zahlreicher leer gefallener Gebäude, etwa zu einem Bildhauerzentrum und einer Pflegediensteinrichtung

o        Bedürfnis gerechtes Wohnen und Arbeiten für Menschen mit geistigen oder körperlichen Handicaps sowie umfassende, qualitätvolle und menschengerechte Infrastrukturen für Senioren- und Kinderbetreuung

o        Abgeschlossene Planung zur Errichtung einer Biogasanlage durch eine Bauerngemeinschaft zur Energieversorgung eines neuen Wohngebietes und bewusste Nutzung von Naturschutzprogrammen als Entwicklungspotenzial

o        Entwicklungshilfepartnerschaft mit Tansania zum Know-how-Transfer und zur Errichtung einer Molkerei.

 

 

 

Den „Wandel als Chance“, so das Motto des Wettbewerbs um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006, haben neben Koudum auch alle anderen der insgesamt 30 Teilnehmer aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen begriffen und genutzt. Unter vielen guten Projekten wurden die elf Besten, die mit zu den Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganz­heitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 14 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“, vier über eine „Lobende Anerkennung besonderer Leistungen“ freuen.

Die Preisverleihung erfolgt am 22. September 2006 in Ummendorf, Sachsen-Anhalt

„Der Wettbewerb um den 9. Europäischen Dorferneuerungspreis ist geleitet von der Intention, beispielhafte Aktivitäten und Initiativen im Sinne einer nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume vor den Vorhang zu bitten und zu prämieren“, erklärte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Wien. Das Motto des Wettbewerbes „Wandel als Chance“, so Pröll weiter, forciere vor allem jene ländlichen Gemeinden und Regionen in Europa, die in den vielfältigen Veränderungen und Umbrüchen am Beginn des dritten Jahrtausends chancenreiche Herausforderung sehen, denen es sich mit zukunftsmutigen Projekten sowie Netzwerkorientierung und Kooperationsbereitschaft zu stellen gelte.

 

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung wird seit 1990 im Zweijahresrhythmus durchgeführt. Neben dem „Europäischen Dorferneuerungspreis“ werden auch Auszeichnungen für „Herausragende ganzheitliche Dorfentwicklungsprojekte“ und für „Besondere Leistungen in Teilbereichen der Dorferneuerung“ vergeben. Nach der 1. Bewertungssitzung der internationalen Wettbewerbsjury am 4. und 5. April in Steinbach an der Steyr, Oberösterreich, waren in den letzten Wochen sechs Jurykommissionen unterwegs, um sich in Vorortbesichtigungen mit allen Details der 30 Wettbewerbsprojekte aus ebenso vielen europäischen Regionen aus elf Ländern vertraut zu machen. Die Entscheidung wird im Juli 2006 in München fallen, die Preisverleihung erfolgt am 22. und 23. September 2006 in der Siegergemeinde des Wettbewerbes 2004, in Ummendorf, Sachsen-Anhalt, Deutschland.

 

Bewertet werden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden, also Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, die Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung sowie auch kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen. „Für den Sieg werden nur jene Teilnehmer in Frage kommen, die sich durch nachhaltige, vernetzte und ganzheitliche Konzepte auszeichnen, die von der Bevölkerung initiiert und getragen werden, in regionale Kooperationen eingebunden sind und dem Motto ,Wandel als Chance’ deutlich Rechnung tragen “, ist Projektleiterin Theres Friewald-Hofbauer überzeugt.

Theres Friewald-Hofbauer (Kongressorganisatorin und –moderatorin), Wien; LH Erwin Pröll (Vorsitzender der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung), St. Pölten; Marija Markes, Slowenien; Landesrätin Doraja Eberle, Salzburg; Holger Magel, München

Holger Magel

Präsident des UN-Habitat Professionals Forum

 

Ressourcenreich(er) ländlicher raum.

plädoyer für ein nachhaltiges Landmanagement und eine aktive Bürgergesellschaft

 

Zukunftsraum oder unerfüllter Zukunftstraum?

 

Blaise Pascal hat einmal gesagt: „Nur weil wir die Gegenwart nicht recht zu erklären und zu erforschen verstehen, bemühen wir uns geistreich um die Einsicht in die Zukunft.“ Das ist es wohl nicht, warum wir Landentwickler, Dorferneuerer oder neuerdings auch Experten der Ländlichen Entwicklung so viel und so gerne von der Zukunft, vom Zukunftsraum oder gar Zukunftstraum ländlicher Raum reden.

 

Natürlich wissen wir, wie es aussieht um die ländlichen Räume in Europa und auf der Welt, selbstverständlich wissen wir von ihren gegenwärtigen großen Gefährdungen und ihren gewandelten und unveränderten Realitäten. Es muss also etwas anderes sein, warum und was uns seit Jahrzehnten immer wieder über die und von der Zukunft der ländlichen Räume sprechen und schreiben lässt. Ist es ein sich und andere befeuernder Optimismus gemäß dem Motto „Wer nicht den Mut hat zu träumen, der hat nicht die Kraft zu handeln?“ oder ist es ein bewusstes Dagegenhalten, weil man sieht, dass global und kontinental Vieles in Richtung Urbanisierung, Metropolisierung und Bildung von europäischen Städtenetzen läuft, was aus politischer, ökonomischer und auch wissenschaftlicher Sicht vielfach als unaufhaltsam angesehen und zumindest innerlich längst akzeptiert wird.

 

Seit Jahrzehnten nun hören wir also die Botschaften vom ländlichen Raum als „Lebensraum der Zukunft“, vom „Zukunftsraum ländlicher Raum“, wie gerade eben wieder von Markus Holzer oder, so ein Buchtitel von Alois Glück und mir, vom „Das Land hat Zukunft“… All das hören wir fast wie seinerzeit das biblische Volk vom gelobten Land und fragen uns, wann wird das Realität nicht nur für einige eher wohlhabende oder kinderreiche Stadtflüchtlinge, sondern für möglichst viele? Wenn man die gewandelten Realitäten betrachtet, scheint es, dass wir weiter denn je davon entfernt sind. Immer öfter wird nämlich darüber gesprochen, ob und wie lange noch wir es uns z.B. in Deutschland leisten können, überall im Lande, also auch im Oderbruch oder in der Uckermarck für gleichwertige Lebensbedingungen sorgen zu wollen, immer deutlicher wird, dass mit dem Wegbrechen hoher Agrarquoten in Osteuropa leider auch Arbeitsplätze, Lebensstandard und die Jugend für den ländlichen Raum verloren gehen, von den Problemen in Afrika oder Asien, mit denen ich ständig im Rahmen des Habitat Professionals Forum oder auch im Rahmen meines internationalen Master Studiengangs Land Management and Land Tenure an der TU München konfrontiert bin, gar nicht zu reden.

 

Und natürlich stellt sich dabei auch mir sehr oft die Frage, ob das ein aussichtsloses Rudern gegen den Trend, gar ein Kampf gegen Windmühlen ist, natürlich erfassen einen immer wieder Zweifel, ob dieser Einsatz  für die ländlichen Räume, für die Erhaltung und Wertschöpfung ihrer Ressourcen und Potenziale, für ihre Menschen und ihre natürlichen Schätze nicht aussichtslos ist – überdies wenn einem mehrfach widerfährt, dass die sog. „große Welt“ sich nun vor allem auf die Städte stürzt und gestürzt hat. Erinnern Sie sich noch an die Botschaft des Weltstädtekongresses Urban 21 in Berlin? An das was Bundeskanzler Schröder formuliert hat: Die Zukunft gehört den Städtern! Hätte es im Rahmen des diesjährigen Weltarchitekturkongresses in Istanbul nicht wenigstens den kleinen weitgehend unbeachteten Vortrag über „The proto sustainable Chinese village as Generator of the future Chinese city“ gegeben, wäre ich ziemlich verzweifelt heimgefahren, enttäuscht über das Nicht-Interesse eines wichtigen Berufsstandes an der zumindest zu diskutierenden Unverzichtbarkeit einer Balance zwischen Stadt und Land. Sixtus Lanner, der bereits in den 70er Jahren das Land-Thema popularisierte, hat immer wieder den ehemaligen französischen Premierminister Edgar Faure zitiert: „Wenn das Land nicht mehr atmet, ersticken die Städte.“ Und ich habe dieses Zitat längst auch chinesischen Politikern und Kollegen vorgehalten, die nun – endlich – sich um die gefährdeten ländlichen Regionen im Westen des „Reiches der Mitte“ kümmern wollen. Dieses „Reich der Mitte“ ist nämlich in großer Gefahr, aus der Balance zu geraten. Dieselben chinesischen Kollegen hören mir nun selbst leidgeplagt aufmerksamer als früher zu, wenn ich aus Hans Sedlmayrs unvergessenem Meisterwerk „Verlust der Mitte“ (Sie merken die Parallelität) die tausend- und millionenfach erwiesene Wahrzeit zitiere:

 

„Die Erde, von der er lebt, zwingt den Menschen einzusehen, dass gewisse Formen seines Denkens und Handelns zerstörerisch sind und zur ´Verwüstung´ im buchstäblichen Sinne führen. Das anorganische, mechanische Denken wird durch die Erde selbst widerlegt…“

 

Vielleicht müsste ich aber nicht nur chinesischen oder UN-Spitzenvertretern z.B. in Nairobi, sondern auch deutschen und europäischen Meinungsführern aus den Ballungszentren, aus Wirtschaft und Wissenschaft einen weiteren, ebenfalls überaus seherisch begabten österreichischen Wissenschaftler vorhalten, nämlich Prof. Johann Millendorfer: Er hat nicht nur die berühmten LILA-Prinzipien geprägt, sondern vor allem von der „Nachfrage nach Bäuerlichkeit“ gesprochen, wobei er Bäuerlichkeit als eine Grundhaltung „bewahrender Progressivität“ bezeichnet hat und in der einerseits bewahrende Werte wie Glaube, Familie, positive Einstellung zu allem Lebendigem, „Kinder und Rinder“, schonende Behandlung des Bodens, Beständigkeit, Bejahung des Heimatortes etc. ebenso Platz haben wie andererseits progressive Lerneffizienz aufgrund ständigen Umgangs mit land-typischen komplexen lebenden Organismen und Strukturen.

 

Millendorfer sprach vor rd. 20 Jahren von der Nachfrage nach Bäuerlichkeit (die in Österreich ungleich „gesellschaftsfähiger“ ist als anderswo) und wurde vielfach missverstanden angesichts doch so offensichtlich unverminderten Bauernsterbens oder rückläufiger Bedeutung von allem Agrarischen. Er hatte aber im Kern recht wie im Übrigen auch mit seinem frühen Verweis auf das Aufkommen des 6. Kondratieff-Zyklusses mit dem sowohl innovativen wie auch ökonomisch bedeutsamen Streben nach Sinn, nach seelischer und körperlicher Gesundheit. Vielleicht würde Millendorfer angesichts unserer heutigen Krisen im Gesundheitswesen und ihrer völlig unzureichenden Bewältigungsstrategien darauf hinweisen, was das einzig Richtige wäre: Nämlich in die Gesunderhaltung zu investieren.

 

20 Jahre nach Millendorfers Nachfrage nach Bäuerlichkeit sollten wir heute besser von der Notwendigkeit des Ländlichen  sprechen und hierbei an all die reichlich gegebenen physischen und immateriellen Ressourcen und Potenziale denken, die die ländlichen Räume und ihre Menschen auch unter gewandelten Agrarverhältnissen und -strukturen nach wie vor prägen, beeinflussen und leiten. Wenn die Notwendigkeit des Ländlichen – in englisch wohl von countryside – und dessen Ressourcen begriffen sind, kommt die Nachfrage von selbst, wie sie z.B. auf dem Tourismus- , hier im speziellen auf dem Gesundheitstourismussektor längst eingesetzt hat.

 

Nicht nur die „ökologischen Fußabdrücke“ städtischer Zentren, aber diese ganz besonders ,zeigen, dass die Stadt das Land braucht, oft ver- und aufbraucht, zuweilen sogar aus- und leersaugt. Das Ergebnis in vielen Ländern unserer Erde ist desaströs: Die Städte selbst werden größer und größer, immer unregierbarer und chaotischer; Slums, Armut, Kriminalität, Krankheiten und himmelschreiende Ungerechtigkeiten prägen die großen Städte dieser Welt wie umgekehrt in den ländlichen Räumen leere und überalterte Dörfer zurückbleiben und in ihrer Trostlosigkeit und fehlenden Kraft für endogene Entwicklungen den Auftakt für einen weiteren „Circulus vitiosus“ bilden.

 

Faire Partnerschaft zwischen Stadt und Land

 

Was wir dringend brauchen, ist gegenseitige Achtung und Anerkennung im Geiste einer fairen Partnerschaft von Stadt und Land. Es darf hierbei kein oben und unten, kein hierarchisches Gefälle geben. Natürlich braucht das Land die Dynamik und Kraft der Städte, in „fachchinesischer“ Sprache  den ökonomischen und kulturellen Bedeutungsüberschuss der Städte, vor allem deren Märkte, Infrastrukturen und Arbeitsplätze, aber das darf nicht zu einer Attitüde von einseitigen Abhängigkeiten und Überlegenheiten führen. Auch nicht zu der Geisteshaltung: Der einzig sinnvolle Zukunfts-, Innovations- und deshalb auch Investitionsraum sind die Städte!

 

Vieles würde das schlechte Verhältnis zwischen den städtischen und ländlichen Kommunalen Spitzenverbänden verbessern, wenn auch endlich anerkannt würde, wie notwendig der ländliche Raum, wie notwendig ländliches Denken, kurzum das Ländliche gerade auch für die Städte(r) und für die Gesamtgesellschaft sind. Ländliche Räume, ländliches Denken oder das Ländliche basieren im Sinne von Johann Millendorfer (dessen Nachfolger im Auftrag des Bayer. Landwirtschaftsministeriums die Werte und Ressourcen der ländlichen Räume ökonomisch erfasst und kapitalisiert haben) auf spezifischen, vielfach unser Überleben sichernden und viele städtische Probleme lösenden Ressourcen, die das Wort vom „Ressourcenreich ländlicher Raum“ bzw. vom ressourcenreichen Land mehr als rechtfertigen. Diese Ressourcen, Schätze, Werte, Potenziale oder Charakteristika sind im Verlaufe der geistig sehr stürmischen Dorferneuerungsbewegung in den 80er und 90er Jahren vielfach beschrieben worden; selbst die eher nüchtern formulierenden Europäische Kommission und der Europarat haben nach ihrem Eintritt in die Ländliche Raum- sowie Dorferneuerungsbewegung Anfang der 90er Jahre immer wieder diese Ressourcen, diese unverwechselbaren ländlichen Charakteristika beschrieben. Und sie sind „geerdet“, operationabel ,praktikabel gemacht worden.

 

Es war ein kolossaler Fortschritt, der Franz Fischler zu verdanken ist, dass sich die europäische Sicht der ländlichen Entwicklung – soweit es finanzpolitisch überhaupt möglich war – vom anfangs zu agrarischen weiterbewegt hat zur allseits und allzeit existierenden kommunalen Ebene und Sicht. Das ist wichtig und richtig, denn hier auf lokaler Ebene spielen sich anschaulich und konkret Leben, Wohnen, Arbeiten, Bilden und Erholen ab, hier werden die Ressourcen benutzt, gepflegt, verbraucht und geschaffen! Auf diese Gesamtheit von für ihren Lebensraum gesamtverantwortlichen Kommunen und Bürgern müssen wir uns stützen, wenn es um Maßnahmen zur Behebung von Schwächen und um die Begegnung von Gefährdungen geht.

 

Im Dorf bin ich universal

 

Am schönsten und komplettesten hat wohl Leopold Kohr das „Ressourcenreich ländlicher Raum“ beschrieben. Ich möchte ihn zitieren, um der Gefahr einer oberlehrerhaften  (im Übrigen x-fach wiedergegebenen )und dann trotzdem lückenhaften Aufzählung einzelner Ressourcen zu entkommen. Der Salzburger Philosoph der kleinen Einheit und große Freund der Dorferneuerung hat gesagt:

 

„Im Dorf höre ich auf Provinzler zu sein. Im Dorf bin ich Universalist.“

 

Universalist –so verstehe ich ihn- in einem komplexen Kosmos, in einer ganzheitlichen Lebenswelt von Menschen, Tieren, Pflanzen mit allen damit verbundenen konkret spür- und formbaren Lebensformen, Lebensqualitäten und natürlichen Kreisläufen.

 

Dieser „Kosmos des Ländlichen“ bietet aber nicht nur den im ländlichen Raum lebenden Menschen ein hohes Maß an Ressourcen und Be-Reich-erung, sondern auch – und das war ja gerade die Botschaft Millendorfers und das muss neuerlich die Botschaft dieser Europäischen  Arge und dieses Kongresses sein – den Städten. All dies ist gefährdet, weil es  weniger denn je einen autonomen ländlichen Raum gibt, weil vor allem die Balance nicht mehr stimmt. Dann auch helfen die schönsten Lobpreisungen und Schwärmereien über das Leben auf dem Lande, über Eigenhilfe, Naturnähe, Überschaubarkeit, Nachbarschaft ,Kreislaufdenken  etc. nicht weiter. Gefragt sind die grundlegenden ökonomischen Strukturen und Rahmenbedingungen! Immerhin hat die  bayerische Regierungspartei bei ihrem jüngsten Kongress zum ländlichen Räum trotz bedrohlicher demographischer Daten und alarmierender Abwanderungstrends in einigen nord- und ostbayerischen Regionen erklärt, dass sie an der Entwicklung aller ländlichen Räume festhalten wolle. Abwanderung –so der einflussreiche Klubobmann der CSU Joachim Herrmann – dürfe nicht als „unabänderliches Schicksal“ hingenommen werden. Herrmann verweist dabei auf die 70er Jahre, als man schon einmal von (damals noch) Bonner Seite angesichts erdrückender negativer Trends ganze Landstriche wie z.B. den Bayerischen Wald „passiv sanieren“ wollte und als die Bayerische Staatsregierung mächtig und letztlich erfolgreich dagegen hielt.

 

Der Geist (und die Mentalität) verändert die Welt

 

Hier galt, was wohl überall gilt: „Der Geist, die Einstellung verändert die Welt.“

 

Wenn wir, angesichts natürlich unübersehbarer demographischer, finanzieller, struktureller und sonstiger Probleme, die wir mit dem flotten Slogan „ärmer, älter, weniger und bunter“ zu umschreiben versuchen, anfangen, zu resignieren und uns auf die sog. nicht beeinflussbaren Sachzwänge wie auf die heutzutage allzugern benutzte Globalisierung zurückzuziehen, dann haben wir schon verloren. Es ist eben ein großer Unterschied , sich infolge demographischer Entwicklung bewusst und pro-aktiv auf vernünftige Maßnahmen z.B. des Stadt- oder Dorfumbaus oder auf die Anpassung bzw. Neukonzeptionierung von Wohn- und Infrastrukturen zu konzentrieren oder sich resignativ und seufzend mit der Ausblutung und Ausdünnung ganzer Regionen zufrieden ,d.h. geschlagen zu geben und dies dann wie folgt zu umschreiben: „Die… Mittel können dann teilweise dazu verwendet werden, in Regionen ohne erkennbare Entwicklungschancen die Mindestversorgung aufrecht zu erhalten…“

 

Darüber und auch über die konkreten fachlichen Herausforderungen wird bei diesem Kongress  intensiv zu reden sein. Dieses angesprochene notwendige sowohl realistische wie auch optimistisch-aktive Eingreifen gehört für mich zum Bestandteil jedes Guten Regierens. Zum „Guten Regieren“ gehört für mich auch das Herbeiführen eines gedeihlichen Miteinanders von Stadt und Land im Sinne des weltberühmten Freskos von Ambrogio Lorenzetti im Rathaus von Siena anstelle einer Tolerierung von Darwinismus und Verdrängungswettbewerb. Es wäre schön, wenn diesbezüglich seitens der EU sehr genau oder noch strikter auf diesbezügliche programmatische Schritte und Weiterentwicklungen in den Länder- und Regionalprogrammen geachtet würde.

Zu „Good Governance“ gehören schließlich – und dies besonders im Hinblick auf die gebotene Stärkung der ländlichen Räume und zur bewussten Wahrnehmung und Nutzung ihrer reichlichen Ressourcen – einerseits die noch viel stärkere Mobilisierung ihrer bürgerschaftlichen Potenziale – denn mit Staat und Wirtschaft alleine bewältigen wir die Zukunft immer weniger – und andererseits das bewusste Vorhalten und zur Verfügung stellen von Landmanagementkompetenzen und -strukturen im Sinne der „Quadrophonie von aktivierendem Beraten, Planen, Ordnen und Bauen“.

 

Wir alle wissen und sind auch stolz darauf, dass gerade die Land –typischen Maßnahmen der Dorferneuerung und Landentwicklung besonders leuchtende Beispiele von Bürgerbeteiligung, Bürgerengagement und Bürgergesellschaft sind und sogar Maßstab waren für Agenda 21 Prozesse und Stadterneuerung.

So sehr ich einerseits ein weiterhin notwendiges Erstarken einer Aktiven Bürgergesellschaft propagiere, so sehr bin ich zugleich ein Verfechter kompetenter staatlicher Institutionen mit dem Auftrag zur Wahrnehmung eines nachhaltigen Landmanagements, das natürlich weit mehr ist als nur innerhalb vorgegebener mehr oder weniger agrargeprägter Förderschienen und Programme zu handeln. Landmanagement ist letztlich die bewusste Sorge um Lebensqualität und Lebensstrukturen im ländlichen Raum basierend auf allen Tätigkeiten im Sinne der vorerwähnten Quadrophonie auf und rund um unsere begrenzte Ressource Grund und Boden. Dazu brauchen wir Institutionen, die im Auftrag von uns allen und als Partner der Bürger und Wirtschaft handeln. Prof. Michael Steiner vom Joanneum-Research-Center in Graz hat dazu unmissverständlich gesagt:

 

„Staatliches Eingriffen legitimiert sich an der Notwendigkeit, einen Wandel zu unterstützen, der aus sich heraus nicht oder nicht schnell genug stattfinden würde.“

 

Diese Notwendigkeit sehe ich ohne Zweifel trotz oder neben Potenzialen zur Eigenentwicklung, trotz Bürgergesellschaft und der angestrebten „neuen Verantwortungsgemeinschaft von Staat und Bürgern“ im ländlichen Raum klar gegeben. Der Staat (und dazu zähle ich auch die EU) ist weiterhin gefordert; er muss von sich aus den Wandel pro-aktiv unterstützen.

 

Steiner fordert aber noch etwas sehr Wichtiges, was bei den hinter uns liegenden oder gegenwärtigen Verwaltungsreformen m.E. leider viel zu wenig bedacht worden ist:

 

„Eine Stufenordnung der Politik bedeutet eine Zuordnung von Aufgaben an diejenigen Institutionen, die die Macht haben, diese auch durchzusetzen sowie eine entsprechende Assignation von Zielen und Instrumenten.“

Die Ergebnisse im Wettbewerb um die European Kids’ Trophy 2005 stehen fest. 34 Projekte aus 19 europäischen Ländern bzw. Regionen wurden eingereicht, vorgeprüft und schließlich einer interdisziplinären, internationalen Jury zur Bewertung vorgelegt. Orientiert an den Kriterien

  • nachhaltige Erhöhung der Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen in ihrem Freizeitbereich, als Rahmen zur Persönlichkeitsentwicklung sowie zur Stärkung der Identifikation mit ihrer unmittelbaren Heimat;
  • gesamtheitliche Verbesserung des ökonomischen und kulturellen Dorf- bzw. Gemeindelebens;
  • Eigeninitiative und Beteiligung der betroffenen Jugendlichen, Kinder und deren Eltern bzw. anderer Bezugspersonen (Pädagogen, Meinungsbildner, Funktionäre örtlicher Vereine etc.) an den Entscheidungs- und Umsetzungsprozessen sowie
  • Ausrichtung auf die Interessen beider Geschlechter

 

entschied diese nach eingehenden Beratungen, die

 

European Kids’ Trophy 2005

an das Projekt

„Verkehrsgarten im Technisch-Ökologischen Projektzentrum Rabutz, Kartbahn mit Solarmobilen“

 

zu vergeben.

 

12 weitere Einreichungen wurden mit einer „European Kids’ Trophy für herausragende Leistungen“ und

14 mit einer „European Kids’ Trophy für vorbildliche Leistungen“ ausgezeichnet.

7 Projekte wurden mit einer „Lobenden Anerkennung“ bedacht.

 

Die Preisverleihung wird im November des laufenden Jahres in Rheinland-Pfalz, Deutschland, stattfinden.

Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung und Rheinland-Pfalz vergeben erstmals eine European Kids’ Trophy für die europaweit besten Projekten im Sinne einer kinder- und jugendfreundlichen Dorferneuerung – 34 Projekte aus 19 europäischen Ländern bzw. Regionen vertreten – Sieger: „Verkehrsgarten im Technisch-Ökologischen Projektzentrum Rabutz, Kartbahn mit Solarmobilen“, Rabutz, Gemeinde Wiedemar, Freistaat Sachsen, Deutschland

 

„Das Thema ,Kinder- und jugendfreundliche Dorferneuerung’ ist für die ländlichen Räume in Europa von zentraler und wachsender Bedeutung. Denn sie werden nur dann zukunftsfähig sein, wenn es gelingt, den Bedürfnissen und Interessen der jungen und jüngsten DorfbewohnerInnen gerecht zu werden und sie für eine aktive Beteiligung an der Gestaltung und Entwicklung ihres dörflichen Lebensraumes zu gewinnen. Umso mehr freut es mich, dass wir mit 34 Projekten aus 19 europäischen Regionen eine imposante Teilnehmerzahl und mit dem Beispiel aus Rabutz einen würdigen, höchst innovativen Gewinner vorzuweisen haben“, betonte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll,Wien, in einer ersten Stellungnahme.

 

Das Siegerprojekt der European Kids’ Trophy 2005, „Verkehrsgarten im Technisch-Ökologischen Projektzentrum Rabutz, Kartbahn mit Solarmobilen“, Rabutz, Gemeinde Wiedemar, Freistaat Sachsen, Deutschland, ist über neun Jahre zu einem sehr komplexen und vielschichtigen Projekt herangewachsen, das mit hohen pädagogischen Ansprüchen die Themen Technik und Ökologie für junge Menschen erlebbar macht und dabei auch immer mehr Erwachsene in seinen Bann zieht. Was mit einem von fünf Buben unter Anleitung eines ortsansässigen Spezialisten gebauten Elektro-Kleinrennwagen seinen Anfang nahm, präsentiert sich heute als

  • eine Schülerfirma, die einen Formel E-Rennstall leitet, Solarmobile konstruiert, Rennen organisiert, die Finanzen verwaltet, mit Wirtschaftsunternehmen kooperiert, internationale Kontakte pflegt und für die Öffentlichkeitsarbeit sorgt;
  • ein Technisch-Ökologisches Projektzentrum mit einem breit gefächerten Bildungsangebot, das neben Fahrzeugbau, Physik und Mathematik die Umwelt zum Schwerpunkt hat und sich auf sehr anschauliche Weise dem Thema alternative Energien widmet;
  • eine Kart-Renn- und Trainingsstrecke mit dazu gehörender Infrastruktur, deren Energie versorgung ausschließlich auf einer Photovoltaik- und einer Windkraftanlage basiert und deren Abwässer in einem geschlossenen System über eine Pflanzenkläranlage gereinigt und als Brauchwasser wieder verwendet werden;
  • ein Verkehrsgarten, in dem praxisnah nachhaltige Verkehrserziehung geboten wird.

 

In Rabutz ist es damit auf herausragende Weise gelungen, ein höchst innovatives Projekt auf die Beine zu stellen, das

  • sich jugendgerecht und lustvoll der Themen Umwelt und Technik annimmt,  sie auf einen Nenner und der Jugend näher bringt,
  • als Musterbeispiel für Projekt orientierte Freizeitbildung Eigeninitiative, Eigenverantwortung und selbständiges Handeln der Kinder und Jugendlichen fördert und ihnen zusätzliche Zukunftsperspektiven eröffnet sowie
  • die Wirtschaft, die Industrie, die Gemeinde und die Wissenschaft zu Partnern  der engagierten Kinder und Jugendlichen macht, wodurch wertvolle Synergieeffekte ausgelöst werden, und
  • damit bestens geeignet erscheint, die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen zu verbessern und der Gemeinde neue Entwicklungsoptionen zu bieten.

 

Ebenfalls am Siegerpodest – und nur knapp „unterlegen“ – findet sich das Projekt „Der etwas andere Festakt“, eingereicht von Spirkelbach, Rheinland-Pfalz, das die interdisziplinäre, internationale Jury gemeinsam mit elf weiteren Einreichungen mit einer „European Kids’ Trophy für herausragende Leistungen“ auszeichnete. 14 Projekten wurde eine „European Kids’ Trophy für vorbildliche Leistungen“ zuerkannt, sieben Teilnehmer wurden mit einer „Lobenden Anerkennung“ bedacht. Die Preisverleihung wird im Oktober 2005 in Rheinland-Pfalz erfolgen.

 

„Der Wettbewerb um die European Kids’ Trophy 2005 ist ein deutlicher Beweis dafür,  dass die Jungen zum Mitentscheiden und Mittun zu gewinnen sind und dass auch viele der Verantwortlichen in den Dörfern und Gemeinden längst erkannt haben, dass es sich lohnt, die Interessen und das Engagement von Kindern und Jugendlichen in eine ganzheitliche Entwicklung einzubinden“, erklärte Karl Peter Bruch, Minister des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz, Mainz, Deutschland.

 

Nähere Informationen: Theres Friewald-Hofbauer, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, friewald@clubnoe.at , und Franz Kattler, Ministerium des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz, franz.kattler@ism.rlp.de

Landeshauptmann Erwin Pröll

Vorsitzender der Europäischen ARGE

Landentwicklung und Dorferneuerung

 

„Die ländlichen Räume Europas am Beginn des 21. Jahrhunderts sind geprägt von einem raschen Wandel und weit reichenden politischen, ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Umbrüchen. Globale Trends wirken bis in das kleinste Dorf hinein und verlangen nach raschen und klaren Entscheidungen – von den politisch Verantwortlichen ebenso wie von den Betroffenen selbst“, erklärte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, bei der Eröffnung des 5. Europäischen Dorferneuerungskongresses zum Thema „Ländlicher Raum 2005. Gewandelte Realitäten – neue Herausforderungen“ im Niederösterreichischen Landhaus in St. Pölten.

 

Die Zukunft ist kein Geschenk, vor allem nicht für das Dorf und seine BewohnerInnen, die sicher nicht zu den GewinnerInnen der Globalisierungswelle zählen. Realitätsverweigerung und Scheuklappenritte sind aber sicher nicht die geeigneten Antworten darauf. Viel mehr gilt es, die gewandelten Realitäten zu akzeptieren, Fehlentwicklungen und Gefahrenpotenzialen entschieden entgegen zu treten sowie neue Chancen und Entwicklungsoptionen aufzuspüren und mit ganzem Engagement zu nutzen.

 

Tradition & Innovation

 

Die ländlichen Räume bedürfen daher einer modernen Standortpolitik, die sich in besonderer Weise der Themenbereiche

 

  • Erscheinungsbild, Siedeln, Bauen und Wohnen,
  • Arbeit und Wirtschaft,
  • Soziale Aufgaben sowie
  • Bildung und Kommunikation

 

annehmen muss. Dabei sei so manche Gratwanderung zwischen Tradition und Innovation, zwischen Bewahren und Erneuern zu absolvieren. Man müsse, „Offen sein für die Chancen im Wandel der Zeit, aber selbstbewusst genug, um nicht jedem Trend nach zu laufen“, wie Pröll betonte.

 

Konkurrenzfähigkeit ist aber nicht nur eine Frage des Standortes, sondern auch der Standpunkte. Ohne Standpunkte wie

 

  • Harmonie mit der Natur und verantwortungsbewusster Umgang mit der Schöpfung;
  • Ausgleich zwischen sozialer Sicherheit des Einzelnen und sozialem Frieden der Gesellschaft;
  • Miteinander und Kooperation statt Entsolidarisierung, Intoleranz und Egoismus sowie
  • Balance zwischen Mensch und Technik

 

droht die Gefahr, in die Standortfalle zu tappen und die spezifische Lebens- und Umweltqualität des ländlichen Raumes einem neoliberalistischen Gewinnstreben zu opfern.

 

In diesem Zusammenhang verwies Pröll auf die so genannte „Mastensteuer“, die Handybetreiber in Niederösterreich vor die Alternative stellt, entweder eine Landesabgabe zu entrichten oder bestehende Sendemasten gemeinsam mit anderen Mobilfunkanbietern zu nutzen. „4000 weitere Masten in den kommenden Jahren sind eine zu große Belastung für die Landschaft und erst recht für die Gesundheit der Menschen. Ich bekenne mich dazu, dass nicht alles, was technisch machbar ist, auch gegenüber unseren nächsten Generationen verantwortbar ist“, stellte Erwin Pröll klar.

 

Ohne Bürgerbeteiligung keine Zukunftsfähigkeit!

 

Die Politik für den ländlichen Raum und seine BewohnerInnen steht vor großen Aufgaben und vielfältigen Herausforderungen. Denn Zukunft haben nur

 

  • lernende Regionen,
  • Dörfer, die den Bauern ebenso wie den Angehörigen verschiedenster Berufsgruppen, aller Generationen und beider Geschlechter als Lebens- und/oder Wirtschaftsraum dienen,
  • ein unverwechselbares eigenständiges Profil entwickeln,
  • in Kooperationen und Netzwerke investieren und
  • den Menschen in den Mittelpunkt aller Entwicklungsüberlegungen stellen.

 

„Aber selbst die beste Politik, ob europäisch, national, regional oder kommunal, wird nur wenig erreichen können, wenn nicht die Betroffenen selbst zu Beteiligten werden. Denn Eigeninitiative und Bürgerengagement sind das UM und Auf, das wertvollste Kapital jeder erfolgreichen Entwicklung“, schloss Pröll.

Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Vorsitzender Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung:

 

Europas Dörfer unterwegs zur Einzigartigkeit!

 

„Der Europäische Dorferneuerungspreis 2004 geht an Ummendorf in Sachsen-Anhalt, das dem Wettbewerbsmotto ‚Aufbruch zur Einzigartigkeit’ durch eine vorbildhafte Bürgerbeteiligung und einen intelligenten Umgang mit den eigenen Stärken auf überzeugende Weise gerecht geworden ist und aus einer fast aussichtslosen Ausgangsposition heraus eine unglaubliche Eigenkraft mit bemerkenswerten Auswirkungen auf die Lebensqualität der DorfbewohnerInnen entwickelt hat. Es vermag damit allen Dörfern und ländlichen Gemeinschaften Europas Mut zum Engagement und Hoffnung auf den Erfolg zu geben“, betonte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Wien, bei der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2004 in Raggal, Großes Walsertal, Vorarlberg, Österreich. Dem Festakt wohnten neben zahlreichen hochrangigen Persönlichkeiten und rund 800 Dorferneuerungsakteuren aus 15 europäischen Staaten auch der Vorarlberger Landesrat Manfred Rein bei.

 

“Das knapp über 1000 EinwohnerInnen zählende Ummendorf liegt im nordwestlichen Teil der Magdeburger Börde rund zehn Kilometer von der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfernt. Es startete unmittelbar nach der Grenzöffnung ein Dorferneuerungsprogramm, das über eine Vielzahl an aufeinander abgestimmten Maßnahmen, die alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche umfassen, zu sozio-ökonomischer Stabilität und kultureller Aufbruchstimmung geführt hat. Ebenfalls am Siegerpodest finden sich das Steirische Vulkanland, Steiermark, das für eine einzigartige, kreative und zeitgemäße Entwicklung im regionalen Verbund steht, und die Gemeinde Heinerscheid, Luxemburg, als ein herausragendes Beispiel für nachhaltige, innovative kommunale Wertschöpfung“, erklärte der Vorsitzende der 17-köpfigen, internationalen Wettbewerbsjury, Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Matthias Reichenbach–Klinke, Technische Universität München.

 

Die Courage zum „Aufbruch zur Einzigartigkeit haben neben den drei Finalisten auch alle anderen der insgesamt 32 Teilnehmer aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen bewiesen. Unter vielen guten Projekten wurden die elf Besten mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 13 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“, sieben über eine „Besondere Anerkennung“ freuen.

 

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis wurde 1990 von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung mit dem Ziel, den Erfahrungsaustausch zu fördern und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst zu machen, ins Leben gerufen. Er wird im 2-Jahresrhythmus veranstaltet und wurde heuer zum achten Mal vergeben. Bewertet wurden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer. Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung spielten dabei ebenso eine Rolle wie soziale Einrichtungen, kulturelle Initiativen und Bemühungen um eine regionsangepasste wirtschaftliche Entwicklung. Wesentlich dabei waren ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiaive und Kooperationsbereitschaft geprägte Methodik der Umsetzung. Nicht zuletzt ging es auch darum, dem Motto gerecht zu werden.

 

„Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis  2004 hat ganz deutlich gezeigt: Viele Bewohnerinnen und VerantwortungsträgerInnen der ländlichen Räume Europas haben den Auftrag zur eigeninitiativen Zukunftsgestaltung angenommen und bewiesen, dass sie über genug Kraft, Know-how und Courage verfügen, ihre Geschichte selbst zu schreiben“, schloss Erwin Pröll.

 

 

 

Landeshauptmann Dr. Herbert Sausgruber, Amt der Vorarlberger Landesregierung:

 

Hohe Lebensqualität in allen Regionen

 

Das Land Vorarlberg freut sich, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 8. Europäischen Dorferneuerungspreis im Großen Walsertal begrüßen zu dürfen, betont Landeshauptmann Dr. Herbert Sausgruber. Mit diesem Preis werden besonders herausragende und beispielhafte Aktivitäten und Initiativen, die die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume nachhaltig stärken, vor den Vorhang gebeten und ausgezeichnet. Gemeinsam mit den Gemeinden ist das Land bemüht, für eine möglichst hohe Lebensqualität in allen Regionen des Landes zu sorgen. Dies geschieht durch die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, aber auch durch ideelle Unterstützungsmaßnahmen, so Landeshauptmann Sausgruber.

 

Im Jahr 2002 wurde dem Großen Walsertal mit dem Projekt “Biosphärenpark” der Dorferneuerungspreis zuerkannt – ein klassisches Beispiel für gelebte Zusammenarbeit aller Beteiligten, nachhaltige Nutzung der Ressourcen und die Stärkung der eigenen Identität. Das diesjährige Motto des Wettbewerbes “Aufbruch zur Einzigartigkeit” will jene ländlichen Gemeinden und Regionen stärken, die – vor dem Hintergrund der Globalisierung und der internationalen Vereinheitlichung – ihre Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit in äußerer Erscheinung und innerer Qualität sichern wollen.

 

Durch die europäische Ausrichtung des Wettbewerbes werden auch grenzüberschreitende Kontakte im “Europa der Regionen” gefördert. Die Auseinandersetzung mit den Lösungsansätzen Anderer erleichtert auch die Beurteilung, was im Spannungsfeld von Kontinuität und Veränderung für den eigenen Lebensraum „sinnvoll“ ist. Denn der Blick über die Grenze dient nicht nur dazu, Neues zu finden, sondern auch um zu erkennen, was der Wert des Eigenen ist.

 

Maßnahmen des Landes

 

Das Land ist seit jeher ein Partner der Gemeinden: Auf Basis verschiedener Richtlinien fördert das Land die Gemeinden entweder über echte Landesbeiträge oder aus Bedarfszuweisungen gemäß Finanzausgleich. Kleinere strukturschwache Gemeinden werden zudem aus dem Strukturfonds unterstützt. Insgesamt kommen so unsere Gemeinden jährlich auf Zuschüsse vom Land von mittlerweile gut 100 Millionen Euro.

 

Neben der Bereitstellung finanzieller Mittel leistet das Land aber auch mittels zahlreicher Projekte und Initiativen wertvolle Hilfestellung bei der Gemeinde- und Regionalentwicklung:

 

„Lebenswert leben“

 

Das Projekt „Lebenswert leben“, das in der Bevölkerung ein Bewusstsein für Lebensqualität durch Nahversorgung schaffen soll, läuft schon seit Jahren sehr erfolgreich. Seit den Anfängen im Jahr 1997 haben sich inzwischen 25 Gemeinden aus ganz Vorarlberg den Leitsätzen der Nahversorgung verschrieben.

 

Besonders wird in letzter Zeit auch auf die soziale Nahversorgung (Solidarität, Identität, Nachbarschaftshilfe) geachtet. Die Erhaltung dieses Sozialkapitals unterstützt wesentlich den langfristigen Erfolg einer Region. Besonderes Augenmerk wurde in den letzten Jahren auch auf die Einbindung von Jugendlichen durch Bewusstseinsbildung für einen nachhaltigen Lebensstil und Hervorhebung von jugendlichem Engagement gelegt.

 

Lebenswert leben hat aber auch mit der aktiven Beteiligung der BürgerInnen zu tun, denn Nahversorgung kann nicht „verordnet“ oder ausschließlich durch Förderungen aufrechterhalten werden, sondern nur von den Menschen durch aktives Tun (z.B. Änderung des Einkaufsverhaltens) langfristig gesichert werden.

 

Entwicklungskonzept Klostertal

 

Ein klares Bild einer erlebbaren Identität wird derzeit im Klostertal unter Mitwirkung vieler aktiver Menschen geschaffen. Grundlage dafür bietet das Entwicklungskonzept Klostertal, das die Erhaltung bzw. Verbesserung der Lebensqualität zum Ziel hat. Dabei wird die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und den angrenzenden Regionen groß geschrieben. Die Klostertalgemeinden sind an den Talenden mit der Stadt Bludenz und der Tourismusregion Arlberg engstens verflochten und es wird darauf geachtet, bei diesem Veränderungsprozess diese Grenzen bewusst wahrzunehmen.

 

Grundlage für den Entwicklungsprozess war die Bewusstseinsbildung für den Zusammenhang von Lebensqualität, Nähe und soziale Strukturen („Lebenswert leben“). Dadurch wurde ein Klima für die Erarbeitung eines Tal weiten Leitbildes mit intensiver BürgerInnenbeteiligung geschaffen. Angeregt durch eine Jugendstudie wurde mit der gezielten Einbindung von Jugendlichen begonnen, wobei die Hauptschule mit zahlreichen Projekten mitarbeitet.

 

Als erster konkreter Schritt für eine nachhaltige strukturelle Veränderung wird derzeit an einem Regionalmanagement gearbeitet, das den begonnenen Prozess in Gang halten und Maßnahmen zur Stärkung der regionalen Identität und Wertschöpfung koordinieren soll. Eine Wirkungsanalyse der geplanten Maßnahmen (Unternehmen.V) soll zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess führen.

 

„Unternehmen.V“

 

„Unternehmen.V“, ein Modell zur Begleitung von Nachhaltigen Entwicklungsprozessen in Gemeinden und Städten, wurde vom Büro für Zukunftsfragen entwickelt und läuft seit 2002. Damit wurde ein Instrumentarium geschaffen, mit dem die Gemeindeentwicklung fachübergreifend analysiert, dargestellt und vor allem in Richtung Nachhaltigkeit gesteuert werden kann.

 

Der abstrakte Begriff der Nachhaltigkeit füllt sich so mit Leben und Inhalten und dient als Richtschnur für die kommunale Entwicklung. Nach erfolgreichem Start in Vorarlberg stößt es nun auch in anderen Regionen auf großes Interesse. Die Mitgliedsregionen der „Bodensee Agenda“ sind derzeit in einem 3 Jahre laufenden Projekt dabei, Unternehmen.V zu übernehmen. Außerdem laufen konkrete Gespräche mit den Ländern Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg über eine Übernahme und eine gemeinsame Weiterentwicklung.

 

 

LAbg. Josef Türtscher, Obmann der REGIO Großes Walsertal:

 

Gewinner des Europäischen Dorferneuerungspreises 2002

 

 

 

 

 

 

Der Tradition, dass die Verleihungsveranstaltung der Europäischen Dorferneuerungspreise jeweils in der Region des letzten Siegers ausgetragen wird, kommt das Große Walsertal gerne nach und lädt gemeinsam mit dem Land Vorarlberg die VertreterInnen der 32 teilnehmenden Gemeinden, sowie Interessierte vom Land und Tal ein. „Der UNESCO Biosphärenpark Großes Walsertal freut sich, dass er dieses Jahr Gastgeber für die Verleihung des Europäischen Dorferneuerungspreises 2004 sein darf“, so der Obmann der Regionalplanungsgemeinschaft Großes Walsertal anlässlich der Pressekonferenz am 7.10.2004 in Marul.

 

Der Biosphärenpark Großes Walsertal war 2002 Sieger des Europäischen Dorferneuerungspreises, der damals unter dem Motto „Grenzen überschreiten“ stand. Von einer internationalen Jury wurde die Arbeit im Großen Walsertal, die gemeindeübergreifend gemäß dem Biosphärenpark Leitbild umgesetzt wird, mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Eine solch begehrte Auszeichnung spornt an – viele neue Projekte konnten in den letzten beiden Jahren mit neuem Schwung in Angriff genommen werden.

 

In Kooperation mit dem Land Vorarlberg haben die Gemeinden des Tales gemeinsam mit dem Biosphärenparkmanagement alle Hebel in Bewegung gesetzt, um der Verleihung einen würdigen Rahmen zu geben und den 850 Teilnehmern einen unvergesslichen Aufenthalt zu ermöglichen. „Eine solche Großveranstaltung stellt für eine kleine Region wie das Große Walsertal eine große Herausforderung an, die wir aber sehr gerne wahrgenommen haben“, so REGIO Obmann Türtscher.  Umrahmt wird der feierliche Festakt am Donnerstag, den 8.10.2004 mit Alphornklängen und dem  Buchbodner Jugendchor Arc-en-ciel. Verwöhnt werden die Teilnehmer mit einem Buffet aus regionalen Biosphärenpark-Produkten. Am Freitag werden Exkursionen zu den Themen Käse, Architektur, Energie und Wirtschaft, Kultur und Berglandwirtschaft angeboten, damit die Teilnehmer das Große Walsertal besser kennen lernen können und sich über die Projekte im Biosphärenpark informieren können. Am Mittag treffen sich alle zum gemeinsamen Suppenessen, wo es dann auch die Möglichkeit gibt, Walser Produkte als Mitbringsel oder als Proviant für die Heimreise zu kaufen.

Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung vergibt zum achten Mal den Europäischen Dorferneuerungspreis – 32 Länder bzw. Regionen mit einem Projekt vertreten – Sieger: Ummendorf in Sachsen-Anhalt – im Finale der drei Besten: Auersbach/Region Steirisches Vulkanland in der Steiermark und Heinerscheid in Luxemburg

„Die ,Würfel’ im Wettbewerb um den 8. Europäischen Dorferneuerungspreis sind gefallen: Eine interdisziplinär zusammengestellte Jury von 17 hochrangigen internationalen Experten hat sich nach einer intensiven Begutachtung vor Ort vergangenes Wochenende in Innsbruck bei der abschließenden Bewertungssitzung nach langen, intensiven Diskussionen für ein Signal der Ermutigung zur eigenständigen Entwicklung trotz schwierigster Ausgangsbedingungen und damit für Ummendorf in Sachsen-Anhalt als Sieger entschieden“, erklärte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Wien, in einer ersten Stellungnahme.  Ebenfalls am Siegerpodest – und nur in einer denkbar knappen Abstimmung, bei der es vor allem um die diesmalige „Wettbewerbsbotschaft“ ging, „unterlegen“ – finden sich Auersbach/Region Steirisches Vulkanland in der Steiermark, das für eine einzigartige, kreative und zeitgemäße Entwicklung im regionalen Verbund steht, und die Gemeinde Heinerscheid in Luxemburg als ein herausragendes Beispiel für nachhaltige, innovative kommunale Wertschöpfung.

Das knapp über 1000 EinwohnerInnen zählende Ummendorf liegt im nordwestlichen Teil der Magdeburger Börde rund zehn Kilometer von der ehemaligen innerdeutschen Grenze entfernt und war in den Jahrzehnten vor der Wende von jeglichen Entwicklungsimpulsen ausgeschlossen. Aus einer fast aussichtslosen Situation startete die hoch motivierte und eigeninitiative Dorfgemeinschaft, angeregt durch die Patenschaft mit einem niedersächsischen Dorf, unmittelbar nach der Grenzöffnung ein Dorferneuerungsprogramm, das zu sozio-ökonomischer Stabilität und kultureller Aufbruchstimmung geführt hat.

Aus einer Vielzahl an aufeinander abgestimmten Maßnahmen seien exemplarisch angeführt:

  • Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten und Sicherung ökologisch wertvoller Flächen durch eine Naturschutz- und Gehölzschutzsatzung, Forcierung der ökologischen Sensibilität durch Informations- und Aktionstage, Nutzung von Solarenergie und im Planungsstadium befindliche Biogasanlage sowie biologisch wirtschaftender Ziegenhof mit Fleischerei und Produktvermarktung auch via Internet im Sinne einer nachhaltigen regionalen Wertschöpfung;
  • Schaffung standortgerechter Erwerbsmöglichkeiten durch eine Vielfalt an neuen Unternehmen und geschickte ökonomische Nutzung bestehender und geschaffener kultureller Werte wie eines Agrarmuseums und der Freiluftspiele im Schlosshof sowie Gewährleistung wichtiger Nahversorgungsfunktionen durch die Einrichtung eines Lebens- und Futtermittelladens;
  • Behutsame Sanierung bzw. Weiterentwicklung wertvoller Bausubstanz, der prägenden Vierseithöfe und der öffentlichen Räume einschließlich Erarbeitung und Umsetzung sinnvoller Nutzungskonzepte, wie etwa Unterbringung der Grundschule in der ehemaligen Schlossanlage und Ausbau des Heimannshofes zu einem kulturellen Kristallisationspunkt insbesondere für Kinder und Jugendliche sowie Etablierung einer Kindertagesstätte mit innovativem pädagogischen Grundkonzept, das auch in der Grundschule Anwendung findet;
  • Umfassende Bedachtnahme auf die Sozialverträglichkeit des politischen Handelns, das den Interessen der Bürger und der Gemeinschaft in gleicher Weise gerecht zu werden versucht, und couragierte Suche nach eigenständigen, auf Planungsunterlagen von höchster Qualität basierenden Wegen, vor allem hinsichtlich Erschließungsrecht, Wohnungsangebot und Neubauentwicklung, wie etwa die Instandsetzung von rund 50 kommunalen Wohneinheiten als bevorzugte Alternative zum Ressourcen verschwendenden Individualhausbau zeigt.

Über eine vorbildhafte Bürgereinbindung und einen intelligenten Umgang mit den eigenen Stärken ist es Ummendorf gelungen aufzuzeigen, wie man aus einer fast aussichtslosen Ausgangsposition eine unglaubliche Eigenkraft von großer Ausstrahlung entwickeln und den Aufbruch zur Einzigartigkeit schaffen kann. Es vermag damit allen Dörfern und ländlichen Gemeinschaften Europas Mut zum Engagement und Hoffnung auf den Erfolg zu geben.

Die Courage zum „Aufbruch zur Einzigartigkeit“, so das Motto des Wettbewerbs um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2004, haben neben den drei Finalisten auch alle anderen der insgesamt 32 Teilnehmer aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen bewiesen. Unter vielen guten Projekten wurden die elf Besten mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 13 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“, sieben über eine „Lobende Anerkennung“ freuen.

Sollten Sie Fotos mit höherer Auflösung benötigen, wenden Sie sich bitte an Christa Glatz, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, +43/1/533 07 97-11.

Die Preisverleihung erfolgt am 7. und 8. Oktober 2004 im Großen Walsertal, Vorarlberg, Österreich.

Weitere Informationen: Theres Friewald-Hofbauer, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Tel.: ++43/1/533 84 01, Fax: ++43/1/535 49 44; E-Mail:  friewald@clubnoe.at Internet: www.landentwicklung.org

Europäischer Dorferneuerungspreis 2004 geht in die erste Runde – Leistungsschau der besten europäischen Landentwicklungs- und Dorferneuerungsprojekte unter dem Motto ,,Aufbruch zur Einzigartigkeit”

,,Der Wettbewerb um den 8. Europäischen Dorferneuerungspreis ist geleitet von der Intention, beispielhafte Aktivitäten und Initiativen im Sinne einer nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume vor den Vorhang zu bitten und zu prämieren”, erklärte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Wien, im Vorfeld der 1. Bewertungssitzung der internationalen Wettbewerbsjury am 1. und 2. April in Eisenstadt. Das Motto des Wettbewerbes ,,Aufbruch zur Einzigartigkeit”, so Pröll weiter, forciere vor allem jene ländlichen Gemeinden und Regionen in Europa, die ihre Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit in äußerer Erscheinung und innerer Qualität gerade in Zeiten von Globalisierung und internationaler Vereinheitlichung als unverzichtbaren Wert erkannt hätten und in dynamischen Entwicklungsprozessen zu sichern versuchten.

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis der ARGE Landentwick-lung und Dorferneuerung wird seit 1990 im Zweijahresrhythmus durchgeführt. Neben dem Europäischen Dorferneuerungspreis werden auch Auszeichnungen für ,,Herausragende ganzheitliche Dorfentwicklungsprojekte”  und für ,,Besondere Leistungen in Teilbereichen der Dorferneuerung” vergeben. Die Entscheidung wird im Sommer 2004 fallen, die Preisverleihung erfolgt im Oktober 2004 im Großen Walsertal, Vorarlberg. Gefordert sind vor allem:

  • Initiativen zur Stärkung von Land- und Forstwirtschaft sowie der Wirtschaft insgesamt und zur Schaffung standortgerechter Erwerbsmöglichkeiten;
  • Maßnahmen im Bereich der Ökologie und der Entwicklung der Kulturlandschaft;
  • Ressourcen schonende Siedlungsentwicklung und vorbildhafte Gestaltungsqualität;
  • Etablierung zeitgemäßer soziokultureller und sozialer Einrichtungen bzw. Strukturen;
  • Forcierung von Kulturinitiativen und Weiterbildungsaktivitäten im Dorf sowie
  • Einbindung aller Generationen, Geschlechter, Nationalitäten und der Behinderten in das dörfliche Wirtschafts- und Gesellschaftsleben.

,,Letztendlich werden nur Gemeinden für den Sieg in Frage kommen, die sich durch nachhaltige, vernetzte und ganzheitliche Konzepte auszeichnen, die von der Bevölkerung initiiert und getragen werden und auf kommunalen Allianzen und regionalen Partnerschaften aufbauen”, schloss Pröll.

10. Dorferneuerungsexkursion der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung führte vom 15. bis 18. September 2003 zu beispielhaften Projekten ländlicher Entwicklung in  Rheinland-Pfalz und Luxemburg – 40 OsteuropäerInnen nutzten die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.

 

„Kein Standort ist nur benachteiligt, jeder Ort verfügt über ein Chancenpotenzial, das es mit Innovationsgeist, Kreativität und Motivationsarbeit zu nutzen gilt“, erklär­ten die Vertreter der luxemburgischen Gemeinde Heinerscheid, die mit ihrem um­fassenden Programm zu den europaweit besten Dorferneuerungsgemeinden zählt, den TeilnehmerInnen der von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorfer­neuerung, Wien, unter Federführung von Theres Friewald-Hofbauer und Peter Schawerda, Franz Kattler und Team (Rheinland-Pfalz) sowie Charles Konnen und Arno Frising (beide Luxemburg) heuer zum zehnten Mal organisierten Dorferneu­erungsexkursion. Stehen in Heinerscheid eine bäuerliche Produktions-, Verarbeitungs- und Vermarktungseinrichtung sowie eine Frauenbeschäftigungsinitiative und ein Windpark im Vordergrund, so zeichnet sich Munshausen, die zweite luxemburgische Gemeinde, die besichtigt wurde, vor allem durch die Revitalisierung alter Hand­werkstraditionen, die Umnutzung leer stehender Gebäude, touristische Aktivitäten und ein ausgeprägtes soziales Engagement aus.

 

Auch in Rheinland-Pfalz, wo neben anderen die Weinbaugemeinde Maikammer, das Umland von Kaiserslautern sowie die Gemeinden Konken, Fischbach und Ludwigswinkel besucht wurden, wurde den 40 StudienfahrtsteilnehmerInnen, alle­samt Dorferneuerungs-SpezialistInnen und -AktivistInnen aus 17 vorwiegend osteuro­päischen Regionen aus 10 Staaten – von Russland über Litauen bis Rumänien –, Großartiges in Sachen integrierte ländliche Entwicklung geboten: eine revitalisierte Burg, die heute mit mehreren Museen und einer Jugendherberge als Gästemagnet wirkt, ein Biosphärenhaus mit Baumwipfelpfad, wo Natur und ökologische Kreisläufe erfahr- und erlebbar gemacht werden, Aktivitäten im Sinne einer beispielhaften Landschaftspflege und Ortsbildgestaltung sowie erfolgreiche Maßnahmen zur Existenz­sicherung bäuerlicher Betriebe und zur Umnutzung funktionslos gewordener landwirtschaftlicher bzw. militärischer Bausubstanzen für Tourismus, aber auch für Wohnen, Wirtschaften und Freizeit.

 

Informations- und Diskussionsrunden mit hochrangigen Politikern, wie dem Innen­minister von Rheinland-Pfalz, Heinz Zuber, mit Kennern der EU, wie dem Sprecher der GD-Landwirtschaft der Europäischen Kommission, Philippe Tabary, sowie mit Vertre­tern der Dorfgemeinschaften rundeten das Programm ab und trugen dazu bei, dass das vom Vorsitzenden der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorfer­neuerung, Landeshauptmann Erwin Pröll, formulierte Ziel der viertägigen Studien­fahrt „das gute Beispiel als Orientierungshilfe in die ‚Auslage‘ zu stellen und den Erfahrungsaustausch zwischen Dorferneuerern in Ost und West zu verstärken“ erreicht werden konnte.

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Weitere Informationen: Theres Friewald-Hofbauer, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Tel.: +43/(0)1/533 84 01, Fax: 535 49 44; e-mail: friewald@clubnoe.at

Auf die Plätze, fertig, los …

 

Der Countdown für den Europäischen Dorferneuerungspreis 2004 läuft – Internationales Expertengremium fixiert Kriterien – Neues Wettbewerbsmotto „Aufbruch zur Einzigartigkeit“ als Signal gegen Globalisierung und Vereinheitlichung

 

Die Siegerregion des Europäischen Dorferneuerungspreises 2002, das Große Walsertal in Vorarlberg, Österreich, war diese Woche Schauplatz eines zweitägigen Meetings hochkarätiger internationaler Experten, die als JurorInnen über die Vergabe des Europäischen Dorferneuerungspreises 2004 entscheiden werden.  Das Treffen diente vor allem der Erarbeitung der Wettbewerbskriterien und der Fixierung eines Wettbewerbsmottos, das „Aufbruch zur Einzigartigkeit“ lauten wird. Das Motto soll, geht es nach Meinung der JurorInnen und ihres Vorsitzenden, dem Münchner Univ.-Prof. Matthias   R e i c h e n b a c h – K l i n k e ,  die ländlichen Gemeinden und Regionen in Europa darin bestärken, ihre Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit in äußerer Erscheinung und innerer Qualität als Wert zu erkennen und in dynamischen Entwicklungsprozessen zu forcieren.

 

Neben dem Motto wurden auch die Beurteilungskriterien für den
8. Europäischen Dorferneuerungspreis, der im April dieses Jahres ausgelobt und im Oktober 2004 nach zwei Bewertungssitzungen und Vor-Ort-Besichtigungen vergeben werden wird, erarbeitet. Bewertet werden demnach:

 

A. INHALTE

  1. Stärkung und Einbindung der Land- und Forstwirtschaft in regionale Kreisläufe
  2. Erhaltung und Aufbau standortgerechter Erwerbsmöglichkeiten
  3. Verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen, ökologisch verträgliche Ver- und Entsorgung sowie Nutzung erneuerbarer Rohstoffe
  4. Symbiose von alter, schützenswerter und neuer, zeitgemäßer Bausubstanz sowie ressourcensparende und ortstypische Siedlungsentwicklung
  5. Entwicklung und Erhaltung der Kulturlandschaft unter Berücksichtigung der ökologischen Zusammenhänge
  6. Stärkung der Identität und des Selbstbewußtseins der DorfbewohnerInnen insbesondere durch Kulturinitiativen und Weiterbildung im Dorf
  7. Wiederbelebung traditioneller und Schaffung zeitgemäßer soziokultureller und sozialer Einrichtungen
  8. Förderung der Teilhabe aller Generationen, Geschlechter, Nationalitäten sowie der Behinderten am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben.

 

B. ZUSAMMENSCHAU DER MASSNAHMEN

Maßgeblich sind dabei für alle Bereiche

 

vernetzte und ganzheitliche Konzepte, die auf eine

  • nachhaltige Entwicklung ausgerichtet sind,
  • von Vision, Phantasie und Courage gekennzeichnet sind und
  • auf einer Bündelung der Kräfte und eingesetzten Ressourcen basieren.

 

C. METHODEN/STRATEGIEN

 

Darüber hinaus finden die Strategien und Methoden, die zur Erreichung der Ziele verfolgt werden, also

  • ·       Eigeninitiative und Bürgerbeteiligung
  • ·      Dialog der PolitikerInnen, ExpertInnen und Behörden mit den BürgerInnen,
  • ·      Kooperationen in nachbarschaftlichen und kommunalen Allianzen sowie in regionalen Partnerschaften und
  • ·       Nutzung der neuen Kommunikations- und Informationstechnologien

besondere Berücksichtigung.

 

Für den Vorsitzenden der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin  P r ö l l , gewährleisten diese anspruchsvollen Kriterien und das gerade in Zeiten der Globalisierung und internationalen Vereinheitlichung besonders zeitgemäße Motto, dass den Sieg im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2004 nur ein Teilnehmer erringen wird können, der sich durch einen ganzheitlichen, nachhaltigen, innovativen und zukunftsorientierten ländlichen Entwicklungsprozess auszeichnet.

..

50 SpezialistInnen und AktivistInnen aus 19 europäischen Regionen aus elf Staaten – von Finnland über Litauen, Polen, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Bulgarien, Kroatien, Slowenien und Spanien bis Luxemburg – befanden sich dieser Tage auf Einladung der Europäischen ARGE Landentwick­lung und Dorferneuerung auf einer Studienfahrt durch dasBurgenland (Buchschachen), die Steiermark (Markt Hartmannsdorf), Kärnten (Moosburg) und Slowenien, um besonders herausragende Projekte nachhaltiger länd­licher Entwick­lung zu besichtigen. „Ziel dieser Exkursion, die wir seit den frühen 90er Jahren heuer bereits zum 9. Mal durchführen, ist es, das gute Beispiel als Orientierungshilfe in die ‚Auslage‘ zu stellen und den Erfahrungsaustausch zwischen Dorferneuerern in Ost und West und Süd und Nord zu verstärken“, erklärte dazu der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin   P r ö l l ,  Wien.

 

Auch die Dorferneuerungsstudienfahrt 2002 war ein Spiegelbild der reichen Vielfalt und der hohen Qualität der Landentwicklungsmaßnahmen in Europa: Der Bogen spannte sich von ökologisch orientierten und ökonomisch effizienten Projekten über kulturell gewichtete Aktivitäten bis hin zu diversen Kooperationsprojekten. Aber, ob Direktvermarktung im Bauernladen, Jugendgästehof in einem adaptierten ehemaligen Bauernhof, ob Hackschnitzelheizanlage, Wertstoffsammelzentrum, Leaderprojekt, Gratis-Internetzugang für jede(n) GemeindebürgerIn, Nationalpark oder Kunst im öffentlichen Raum, allen Exkursionszielen ist Eines gemeinsam: Sie basieren auf kommunalen Eigeninitiativen und bürgerschaftlichem Engagement im Sinne einer auf Zukunftsfähigkeit und Ganzheitlichkeit ausgerichteten Entwicklung.

 

Ein besonderer Höhepunkt der Exkursion war der Besuch eines grenzüberschreitenden Symposiums zum Thema „Ländliche Entwicklung. Erfolg durch Kooperation“ – veranstaltet vom Slowenischen Ministerium für Land und Forstwirtschaft und Ernährung, dem Gemeinde-, Landwirtschafts- und Planungsreferat der Kärntner Landesregierung und der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung – in Ferlach und Kranjska Gora, bei dem der slowenische Landwirtschaftsminister Franc  B u t , sein österreichischer Kollege Wilhelm   M o l t e r e r  und der Kärntner Agrar-Landesrat Georg  W u r m i t z e r den Teilnehmern an der Studienfahrt als Gesprächspartner zur Verfügung standen.

 

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Weitere Informationen: Theres Friewald-Hofbauer, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Tel.: +43/(0)1/533 84 01, Fax: 535 49 44

Grenzen überschreiten – Zukunft gewinnen!

 

Großes Walsertal in Vorarlberg gewinnt Europäischen Dorferneuerungspreis 2002 – 700 Dorferneuerungsakteure aus 40 europäischen Regionen wohnen festlicher Preisverleihung in Verden, Niedersachsen, bei

 

„Der Europäische Dorferneuerungspreis 2002 geht an das Große Walsertal in Vorarlberg und damit an eine Modellregion für nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweise, die ein Musterbeispiel für integrierte, Gemeinde übergreifende ländliche Entwicklung auf Basis ausgeprägter Bürgerbeteiligung darstellt und dem Motto „Grenzen überschreiten“ auf überzeugende Weise gerecht wird“, betonte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin  P r ö l l , aus Anlass der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2002 am 7. November 2002 in der niedersächsischen Kleinstadt und Pferdehochburg Verden. Dem Festakt wohnten neben zahlreichen hochrangigen Persönlichkeiten und mehr als 700 Dorferneuerungsaktivisten aus 15 europäischen Staaten auch Niedersachsens Landwirtschaftsminister Uwe Bartels und der Landwirtschaftsminister der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Hans Niessen, bei.

Großes Walsertal – Regionalentwicklung, die mitreißt!

„Das Große Walsertal, bestehend aus sechs Gemeinden mit knapp 3.500 Einwohnern, die seit Mitte der 90er Jahre unter Federführung einer Regionalplanungsgemeinschaft an der Umsetzung eines gemeinsamen regionalen Leitbildes arbeiten, zeichnet sich vor allem durch ein hoch entwickeltes Bewusstsein und Engagement für den Erhalt der natürlichen Ressourcen, die gelebte Überzeugung, dass die sorgsame Bewahrung einer Naturregion kein Widerspruch, sondern geradezu ein Impuls auch für wirtschaftliche Nutzung ist, eine nachhaltige Waldbewirtschaftung durch den vielfältigen Einsatz des Werkstoffes Holz im Projekt ‚zertifiziertes Bergholz’, die Stärkung und Sicherung der kleinstrukturierten Land(wirt)schaft durch Veredelung der Produkte und Direktvermarktung in Gastronomie und Tourismus, den breiten Einsatz alternativer Energien, das Bekenntnis zu einer zeitgemäßen und von hoher Detailqualität geprägten Architektur sowie die Stärkung der eigenen Identität durch ein umfassendes Bildungs- und Kulturangebot aus“, erklärte der Vorsitzende der 17-köpfigen, internationalen Wettbewerbsjury, Univ.-Prof. Matthias  R e i c h e n b a c h – K l i n k e , Technische Universität München.

 

Wettbewerb der Superlative

Der 7. Europäische Dorferneuerungspreis, ein Wettbewerb, der 1990 von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung ins Leben gerufen wurde und im 2-Jahresrhythmus veranstaltet wird, hat mit 33 Teilnehmern aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen von Sardinien bis an die weißrussische Grenze und von Belgien bis nach Rumänien alle bisherigen quantitativen und qualitativen Rekorde gebrochen. Das bemerkenswert hohe Niveau wird nicht nur durch das Siegerprojekt deutlich, sondern dokumentiert sich auch darin, dass neun Wettbewerbsteilnehmern ein „Europäischer Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ sowie 17 weiteren Gemeinden ein „Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in Teilbereichen“ zuerkannt wurde.

 

Ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung gefordert

Bewertet wurden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer. Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung spielten dabei ebenso eine Rolle wie soziale Einrichtungen, kulturelle Initiativen und Bemühungen um eine regionsangepasste wirtschaftliche Entwicklung. Wesentlich dabei waren ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiaive und Kooperationsbereitschaft geprägte Methodik der Umsetzung. Nicht zuletzt ging es auch darum, dem Motto „Grenzen überschreiten“ gerecht zu werden.

 

Österreichische Teilnehmer absolut „top“ im europäischen Vergleich

Besonders erfreulich aus österreichischer Sicht ist, dass sich neben dem Großen Walsertal auch die Teilnehmer aus den anderen österreichischen Bundesländern hervorragend platzieren konnten – allen voran Werfenweng, Salzburg, das es bis ins Finale geschafft hat und mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde, aber auch Großschönau in Niederösterreich, St. Lambrecht in der Steiermark und Kötschach-Mauthen in Kärnten, die sich ebenfalls preisverdächtig zeigten und im Spitzenfeld rangieren, sowie Thiersee in Tirol, das mit einem ‚Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in Teilbereichen‘ ausgezeichnet und Ottenschlag im Mühlkreis in Oberösterreich, dem eine lobende Anerkennung ausgesprochen wurde.

„Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis  2002 hat ganz deutlich gezeigt: Viele Bewohnerinnen und VerantwortungsträgerInnen der ländlichen Räume Europas haben den Auftrag zur eigeninitiativen Zukunftsgestaltung angenommen und bewiesen, dass sie über genug Kraft, Knowhow und Courage verfügen, ihre Geschichte selbst zu schreiben“, so Erwin Pröll abschließend.

Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung vergibt zum siebenten Mal den Europäischen Dorferneuerungspreis – 33 Länder bzw. Regionen mit einem Projekt vertreten – Sieger: Großes Walsertal in Vorarlberg – im Finale der drei Besten auch Auerbergland in Bayern und Werfenweng in Salzburg

Die Entscheidung im Wettbewerb um den 7. Europäischen Dorferneuerungspreis ist gefallen: Eine interdisziplinär zusammengestellte Jury von 17 hochrangigen internationalen Experten hat sich nach einer intensiven Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung letztes Wochenende in München für das Große Walsertal in Vorarlberg, Österreich, entschieden. „Damit wurde ein Projekt ausgezeichnet, das das Wettbewerbsmotto „Grenzen überschreiten“ auf überzeugende und mehrfache Weise umgesetzt hat und dem Anspruch auf ganzheitliche, nachhaltige Entwicklung in herausragender Manier gerecht wird“, freut sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin  P r ö l l , Wien, in einer ersten Reaktion.

Das Große Walsertal, bestehend aus sechs Gemeinden mit knapp 3.500 Einwohnern, die seit Mitte der 90er Jahre unter Federführung einer Regionalplanungsgemeinschaft an der Umsetzung eines gemeinsamen regionalen Leitbildes arbeiten, ist eine Modellregion für nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweise und  ein Musterbeispiel für integrierte, gemeindeübergreifende ländliche Entwicklung auf Basis ausgeprägter Bürgerbeteiligung. Besonders hervorzuheben sind:

  • das hoch entwickelte Bewusstsein und Engagement für den Erhalt der natürlichen Ressourcen, was sich in der UNESCO-Zertifizierung des großen Walsertales als „Biosphärenpark“ niedergeschlagen hat;
    • die gelebte Überzeugung, dass die sorgsame Bewahrung einer Naturregion kein Widerspruch, sondern geradezu ein Impuls auch für wirtschaftliche Nutzung ist;
    • die nachhaltige Waldbewirtschaftung durch den vielfältigen Einsatz des Werkstoffes Holz im Projekt „zertifiziertes Bergholz“. Die Veredelung reicht vom konstruktivem Holzbau bis zum Möbelbau unter partnerschaftlichem Zusammenschluss der Betriebe vor Ort;
    • die Stärkung und Sicherung der kleinstrukturierten Land(wirt)schaft durch Veredelung der Produkte und Direktvermarktung in Gastronomie und Tourismus;
    • der sorgsame Umgang mit Ressourcen: aktive sowie passive Nutzung der Sonnenenergie, Niedrigenergiehäuser, Versorgung von 50% der öffentlichen Bauten mit erneuerbarer Energie, Nutzung der Wasserkraft durch Kleinkraftwerke und des anfallenden Schadholzes als Brennmaterial;
    • das Bekenntnis zu einer zeitgemäßen und von hoher Detailqualität geprägten Architektur;
    • die Stärkung der eigenen Identität durch ein umfassendes Bildungs- und Kulturangebot
    • die große Leistung im Prozess der Bürgerbeteiligung. Im Großen Walsertal ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, Menschen, die aus ihrer Geschichte heraus immer Einzelkämpfer waren, von gemeinsamen Zielen zu überzeugen, sie zum „grenzüberschreitenden“ Tun zu bewegen und in ihnen eine allerorts spürbare Begeisterung zu wecken.

„Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2002 hat selbst ‚Grenzen überschritten? und mit 33 Teilnehmern aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen von Sardinien bis an die weißrussische Grenze und von Belgien bis nach Rumänien alle bisherigen quantitativen und qualitativen Rekorde gebrochen. Umso mehr freut es mich, dass es das Auerbergland, eine ländliche Entwicklungskooperation von 11 bayerischen Gemeinden, als Repräsentant des Freistaates Bayern bis ins Finale der drei besten Projekte geschafft hat“, erklärte der Gastgeber der Jurysitzung und 2. Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Staatsminister Josef M i l l e r ,  Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten, in einer ersten Stellungnahme.

Pressegespräch Dr. Erwin Pröll

Ort: Restaurant Leupold, Wien
Termin: 3. Mai 2002
Veranstalter: Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Wien

 

7. Europäischer Dorferneuerungspreis erzielt Rekordbeteiligung – erstmals auch eine Gemeinde aus Sardinien und ein Dorf an der polnisch-weißrussischen Grenze unter den Preisanwärtern – Siegeschancen auch für Niederösterreichs Vertreter Großschönau

”In der Waldviertler Gemeinde Großschönau ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, aus Betroffenen Beteiligte zu machen und darauf aufbauend Dorferneuerungsaktivitäten zu setzen, die die wirtschaftlichen, ökologischen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebensbedingungen der Bevölkerung entscheidend verbessert haben”, erklärte der Präsident der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin P r ö l l, bei einem Pressegespräch anlässlich der Präsentation von Großschönau als niederösterreichische Teilnehmerin am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2002.

33 europäische Länder und Regionen aus 11 Nationen haben die Einladung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung angenommen und jeweils ein Dorf bzw. eine Gemeinde bzw. einen Gemeindeverbund zur Teilnahme am Wettbewerb um den 7. Europäischen Dorferneuerungspreis, der 1990 ins Leben gerufen wurde und im 2-Jahresrhythmus veranstaltet wird, gemeldet. Sensationell ist aber nicht nur die Rekordbeteiligung, sondern auch die geografische Dimension, die von Ostpolen bis Belgien und von Sardinien bis Rumänien reicht. ”Nicht zuletzt dürften die diesjährigen Wettbewerbsprojekte auch in qualitativer Hinsicht auf höchstem Niveau stehen, wie mir der Vorsitzende der 16-köpfigen internationalen Jury, Univ.-Prof. Matthias Reichenbach-Klinke von der TU München, versichert hat”, erklärte Erwin P r ö l l.

Bewertet werden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden. Aktivitäten im Sinne einer regionsangepassten wirtschaftlichen Entwicklung, kulturelle Initiativen und die Schaffung sozialer Einrichtungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung. Wesentlich sind ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine Methodik, die von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperationsbereitschaft geprägt ist. Schlussendlich geht es auch darum, dem Motto ”Grenzen überschreiten” Rechnung zu tragen und deutliche Signale wider die fetten Linien auf den Landkarten, die Parteibücher, das Standesdenken und die Stacheldrähte in den Köpfen der Menschen zu setzen.

”Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2002 ist ein deutlicher Beweis dafür, dass viele Bewohner und Verantwortungsträger der ländlichen Räume Europas den Auftrag zur eigeninitiativen Zukunftsgestaltung anzunehmen bereit sind und über genug Kraft, Know-how und Courage verfügen, ihre Geschichte selbst zu schreiben, was in besonderer Weise auch für die Gemeinde Großschönau gilt”, schloss Dr. Pröll.

Weitere Informationen: Theres Friewald-Hofbauer, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Tel.: ++43/(0)1/533 84 01 -14, Fax: 535 49 44, e-mail: friewald.club.noe@nextra.at oder: www.dorferneuerung.at

“Die Informationstechnologie hat sich im ländlichen Raum trotz vielversprechender Prognosen noch immer nicht etablieren können. Mitschuld daran tragen die Entscheidungsträger, die sich dieser Schlüsseltechnologie viel zu wenig annehmen”, kritisierte Sixtus   L a n n e r , Vorsitzender des Instituts ländlicher Raum, Wien, bei dem zweitägigen Symposion der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, veranstaltet in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft und EuroTIRA (European Telematics in Rural Areas) vor rund 120 Telematikexperten und -interessenten aus 30 europäischen ländlichen Regionen in Dresden, Sachsen.

Referenten und Symposionsteilnehmer kamen zu dem einhelligen Schluss, dass die Entwicklung in Richtung Informationsgesellschaft den ländlichen Räumen in die Hand spielen könnte. Denn Telekommunikation lässt die Bedeutung räumlicher Distanzen in den Hintergrund treten. So könnten Dörfer in Zukunft den Städten als Arbeitsstätten und Orte der Wissensvermittlung Paroli bieten und wären auch ländliche Gebiete im Besitz der Trumpfkarte, global agieren und weltweit kaufen wie auch verkaufen zu können.

Damit aus den vielfältigen Chancen auch Erfolge werden, bedarf es:
·         leistungsfähiger Datenhighways (die im Übrigen etwa gleich viel kosten wie das Markierungs- und Leitsystem einer Autobahn);
·         gut ausgebildeter und weiterbildungswilliger “User”;
·         geistig beweglicher Dorfbewohner mit Offenheit für das Neue.

Nicht nur die Chancenreservoire, auch die Gefahrenpotenziale der “schönen neuen virtuellen Welten” kamen im Rahmen des Symposions zur Sprache: Beispielsweise Kommunikationsverluste und Vereinsamung am Bildschirm durch Telearbeit – Probleme, denen Peter   S c h a w e r d a , Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, durch Telehäuser statt Heimarbeit begegnen möchte. Eine weitere Schattenseite, die thematisiert wurde, ist die Situation älterer bzw. weniger gebildeter Menschen, die in einer technikorientierten und besonders schnelllebigen Zeit leicht zu den großen Verlierern zählen könnten, wird nicht durch umfassende Schulungsmaßnahmen und Motivierungskampagnen gegengesteuert.

Conclusio: Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien können die ländliche Gesellschaft im positiven Sinn revolutionieren, wenn es gelingt, eine Balance zwischen Mensch und Technik, zwischen Standorten und Standpunkten, zwischen Hightech und Hightouch zu finden.

Zahllose europäische Gemeinden und Dörfer sind Vorbilder für die Nutzung ”saube-rer”, erneuerbarer Energien. Das zeigen die zahlreichen Beiträge der neuesten Ausgabe der Zeitschrift ”Dorferneuerung international”, die die aktualisierten Referate des 4. Europäischen Dorferneuerungskongresses in Uherské Hradiste, Tschechien, zum Thema ”Energie im ländlichen Raum” enthält.

”Gerade jetzt, wo die USA der Kyoto-Vereinbarung den Rücken kehren, muss sich Europa verstärkt für den Klimaschutz einsetzen”, konkretisiert der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Dr. Erwin P r ö l l , in seinem Grundsatz-beitrag. Mut dazu machen die zahlreichen Projekte aus Tschechien, Schweden, Dänemark, Luxemburg, Deutschland und Österreich, die in der neuesten Ausgabe der von der ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung herausgegebenen Zeitschrift ”Dorferneuerung in-ternational” beschrieben werden.

  • Über gelungene Vorhaben, die zur Nachahmung motivieren – von Biomasse-Heizungen über Strom und Wärme aus Biogas bis hin zu kommunalen Windkraftanlagen – wird berichtet.

Soziale Komponenten solcher Projekte werden ebenso beleuchtet wie Vorgangsweisen bei der Durchführung.

  • Weiters werden mit Mureck in der Steiermark und Växjö in Schweden zwei Gemeinden vorgestellt,  die eine autarke Energieversorgung anstreben.
  • Grundlegendes über die Energie- und Klimasituation, Berichte über neue Möglichkei-ten der Energiepolitik im ländlichen Raum und über Fördermaßmahmen in den ein-zelnen Ländern wie z. B. Dänemark ergänzen diese hochaktuelle Publikation.

Neben den Energiethemen enthält das Magazin News aus der europäischen Dorferneue-rungsfamilie. So wird über
– die Dorferneuerungsexkursion 2001,
– die Konferenz ”rural 21” in Potsdam,
– über das Dorf im Einflussbereich von Großstädten sowie
– über Neuestes aus der Dorferneuerung in Bayern und Sachsen berichtet.
Außerdem wird bereits der Dorferneuerungspreis 2002 angekündigt und über Kriterien, das Procedere und Termine informiert.

Bestellung der ”Dorferneuerung international” bei:
Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung
Franz-Josefs-Kai 13
1010 Wien
Tel.: ++43-(0)1-5330797
Fax: ++43-(0)1-5330797-90
E-Mail: info@oesfo.at
Preis: 114,– ATS; 8,29 EURO (inkl. 10 % MWSt)

Dorferneuerung in Polen – Stadt-Land – Soziale Dorferneuerung

Die 20. Ausgabe der “Dorferneuerung international” widmet sich den Themen “Soziale Dorferneuerung” und Stadt-Land-Beziehungen. Sie beinhaltet auch einen Sonderteil über 15 Jahre Dorferneuerung in Polen, der auch zahlreiche, höchst interessante Bezüge zu anderen europäischen Regionen enthält.

Auch über Fragen der Raumordnung und aktuelle Entwicklungen und Aktivitäten der europäischen Dorferneuerung gibt es spannende Beiträge nachzulesen.

Die “Dorferneuerung international” kann bei der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Bahnhofsring 48/1/5b, 3441 Pixendorf, Österreich | Austria, info@landentwicklung.org, Telefon: +43 (0)2742/28559 zum Preis von Euro 12,– zuzüglich Versandspesen bestellt werden. Für größere Mengen werden gerne auch Rabatte gewährt.