KURZPORTRAIT

Intention

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung versteht sich als ein BürgerInnen- und MultiplikatorInnen-Netzwerk, dessen Ziel es ist,

  • Wissen, Fertigkeiten und besondere Leistungen im Bereich einer nachhaltigen dörflichen und regionalen Entwicklung zu sammeln, sichtbar zu machen und zu bewerten,
  • den Erfahrungsaustausch und die Begegnung auf vertikaler Ebene zwischen Entschei­dungs­trägerInnen, MultiplikatorInnen und BürgerInnen sowie auf horizontaler Ebene zwischen europäischen Staaten, Ländern, Regionen, Gemeinden und Dörfern zu fördern,
  • eine Regionen und Staaten übergreifende Bürgerbewegung für die Hebung der Lebens­qualität im ländlichen Raum zu entwickeln,
  • die Motivation der LandbewohnerInnen zur Beteiligung an Entscheidungs­prozessen und ihr Engagement für eine eigeninitiative Mitgestaltung des eigenen Lebensraumes zu heben,
  • das Selbstwertgefühl der ländlichen Bevölkerung und ihre Identität als lokal verwurzelte EuropäerInnen mit gemeinsamen Werten und Geschichte zu stärken,
  • die Wahrnehmung der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung des ländlichen Raumes und der Anliegen seiner BewohnerInnen durch Öffentlichkeit, Medien und Politik zu forcieren und somit
  • die ländlichen Räume in Europa als zukunftsfähige Lebens-, Erholungs- und Wirtschafts­räume zu stärken.


Aktivitäten

Davon ausgehend wurde mittlerweile eine Fülle von Aktivitäten in verschiedenen europäischen Regionen gesetzt, die sich auf ökologische, ökonomische, soziologische und kulturelle Fragen des Dorflebens konzentriert haben. Neben internationalen Kongressen, Seminaren, Netzwerktreffen und Diskussions­veranstaltungen, zahlreichen Publikationen, regelmäßigen Studienfahrten, Wettbewerben und Ausstellungen sind hier vor allem die Wettbewerbe um einen Europäischen Dorferneuerungspreis, die seit 1990 im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführt werden, zu nennen.


Nutzen für die Allgemeinheit:

Gemäß den Intentionen und den konkreten Aktivitäten lässt sich der Nutzen der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung für die Allgemeinheit folgendermaßen zusam­men­fassen:

  • Bessere Bewältigung der Herausforderungen von Zeit und Raum: Sie fördert Wissen, Kenntnisse und Fertigkeiten der LandbewohnerInnen im Hinblick auf eine zukunftsfähige Entwicklung ihres Lebensraumes. Sie stärkt das Selbstbewusstsein, die Eigeninitiative und das ehrenamtliche Engagement der BürgerInnen und unterstützt sie dabei, die großen Her­ausforderungen der Zeit und ihres Lebensumfeldes zu erkennen, zu werten und zu bewäl­tigen.
  • Erhöhung der Lebensqualität und der Verbleibebereitschaft: Sie erfüllt einen Bildungs­auftrag, hat maßgeblichen Anteil an der Steigerung der Lebensqualität in den ruralen Regionen, erhöht die Verbleibebereitschaft sowie die Verbleibemöglichkeiten der Land­be­wohnerInnen in ihren Dörfern und wirkt damit der Abwanderung und der Entleerung peripherer Lebensräume entgegen.
  • Stärkung der europäischen Identität und des friedlichen Miteinanders: Die durch die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung angeregten und initiierten grenzüberschreitenden Begegnungen tragen darüber hinaus dazu bei, die europäische Identität und das europäische Wir-Gefühl zu stärken, das Verständnis für einander und den toleranten Umgang miteinander zu verbessern und damit das friedliche Zusammenleben und Zusammenwirken in Europa positiv zu beeinflussen
  • Verbesserung der Stadt-Land-Beziehungen: Von der Tätigkeit der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung profitieren in erster Linie die Menschen in den ländlichen Regionen. Auf Grund der Tatsache, dass ländliche und städtische Räume in mehrfacher Hinsicht miteinander verflochten und von einander abhängig sind und sich daher wie kommunizierende Gefäße verhalten, zieht indirekt auch die städtische Bevölkerung einen Nutzen daraus.


Organisation und Mitgliedschaft

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung wurde 1989 als eine Plattform des Ökosozialen Forums Österreich gegründet. Seit Februar 2007 ist sie ein eigenständiger, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Pixendorf im Tullnerfeld, Niederösterreich, (vormals Wien und St. Pölten) zu dessen Mitgliedern vorrangig europäische Regionen, Länder und Staaten, aber auch Gemeinden und  regionale bzw. nationale Vereine/Institutionen mit vergleichbaren Intentionen zählen. Die Mitglieder sind durch jeweils zwei wahl- und stimmberechtigte physische Personen, meist ein/e PolitikerIn und eine/en MitarbeiterIn der Verwaltung, in der Vollversammlung /Generalversammlung repräsentiert.

Den Vorstand der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung bilden der/die Vorsitzende und deren StellvertreterInnen. Der/die Vorsitzende wird alle vier Jahre, die stellvertretenden Vorsitzenden werden alle zwei Jahre aus dem Kreis der Vollversammlung gewählt. Die Geschäftsführung liegt in den Händen von Theres Friewald-Hofbauer.

Weitere Gremien der ARGE sind ein ständiger ExpertInnenbeirat, der auch als Jury bei den Europäischen Dorf­erneuerungs­wettbewerben fungiert, sowie ein sogenanntes Preisträgernetz­werk, zu dem sich erfolgreiche Dorf­erneuerungs­gemeinden und -dörfer zusammen­geschlossen haben.

Die Mitgliedschaft bei der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung kann jederzeit formlos beantragt werden. Sie setzt die Aufnahme durch die Vollversammlung sowie die Zahlung eines Mitgliedsbeitrages voraus, dessen Höhe sich an der wirtschaftlichen Leistungs­fähigkeit sowie an der Einwohnerzahl des betreffenden Landes orientiert und formal vom Vorstand in Abstimmung mit dem Beitrittswerber beschlossen wird.


Finanzierung/Förderungen

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung finanziert sich weit überwiegend durch Mitgliedsbeiträge. Dazu kommen Erlöse aus dem Verkauf von Publikationen, diverse Teilnahmegebühren, insbesondere bei den Wettbewerben um den Europäischen Dorfer­neuerungs­preis. Wiederholte Male ist es auch gelungen, Projektförderungen (Programm „Informationsmaßnahmen“ Generaldirektion Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung der Europäischen Kommission) bzw. strukturelle Unterstützungen (Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“, Aktion „Aktive Zivilgesellschaft“) seitens der Europäischen Union zu lukrieren.


Abschließendes Statement

Im Verlaufe ihres langjährigen Bestehens konnte die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung zahlreiche Veranstaltungen durchführen und Aktivitäten setzen, die wertvolle Beiträge zur Erhaltung der ländlichen Räume Europas und zur Erhöhung der Lebensqualität ihrer BewohnerInnen geleistet haben. Natürlich vermögen die Zahlen und Daten der Aktivitätenberichte zwar vieles auszusagen, aber der wahre Wert einer Einrichtung, wie sie die ARGE darstellt, ist letztlich nur schwer beziffer- und beschreibbar.

Die ständig wachsende Bedeutung eines breiten Erfahrungsaustausches, eines wechselseitigen Know-How-Transfers sowie von Grenzen überschreitenden Kooperationen und Allianzen, insbesondere wenn es um die Entwicklung ländlicher Lebensräume geht, stehen außer Zweifel und werden allerorts – auf administrativer, politischer, wissenschaftlicher und persönlicher Ebene – eingefordert. Und das ist auch die besondere Leistung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung: Sie bringt die Menschen des ländlichen Raumes, Bürgerinnen und Bürger, kommunale EntscheidungsträgerInnen, MeinungsbildnerInnen und BehördenvertreterInnen einander näher, lässt sie „BotschafterInnen“ ihres Dorfes und ihres Landes sein und gleichzeitig vom Wissen, Können und der Motivation anderer profitieren.

26 Teilnehmer aus ebenso vielen Regionen aus zwölf verschiedenen Staaten matchen sich um den begehrten Europäischen Dorferneuerungspreis 2020, der unter dem Motto „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“ steht. Die international und interdisziplinär besetzte Jury hat – COVID-bedingt mit einer mehrmonatigen Verspätung –  Anfang September im Rahmen eines Meetings in Prag mit dem mehrstufigen Bewertungs-Vorgang begonnen, der in den kommenden Wochen mit Vor-Ort-Besichtigungen der Wettbewerbs­orte seine Fortsetzung findet. Die Entscheidung fällt voraussichtlich im Frühsommer 2021, wann und in welchem Rahmen die Preisverleihung im Siegerort von 2018, der oberösterreichischen Gemeinde Hinterstoder, stattfindet, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab. Den erfolgreichsten Teilnehmern winkt ein Eintrag auf einer Online-Roadmap der besten Dorf- und Gemeindeentwicklungsprojekte Europas.

„Gerade in Zeiten, in denen das Wort Krise viele zu lähmen, zu verunsichern oder zu deprimieren scheint, ist es von unschätzbarem Wert, wenn Menschen die Initiative ergreifen und aktiv die Zukunftsfähigkeit ihres unmittelbaren Lebens­raumes stärken. Genau das geschieht in den Dörfern, die sich um den
16. Europäischen Dorfer­neuerungspreis beworben haben“, zeigte sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll , anlässlich der ersten Bewertungssitzung Anfang September in Prag, Tschechien, überzeugt. Es sei beeindruckend, mit wie viel Mut, Kreativität, Beharrlichkeit, Weitblick und Offenheit Projekte umgesetzt werden, die nachhaltig die ökonomische Potenz, die ökologische Qualität, den sozialen Zusammenhalt und den kulturellen Reichtum der jeweiligen Dörfer festigen.

Eintrag in virtuelle „Roadmap“ winkt

Veranstalterin des Wettbewerbes, der seit 1990 im Zweijahresrhythmus ausgelobt wird, ist die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung. Neben dem „Europäischen Dorferneue­rungs­preis 2020“ werden auch Europäische Dorferneuerungspreise in Gold, Silber und Bronze sowie „Lobende Anerkennungen“ vergeben. Neben Trophäe und Plakette winkt den erfolgreichsten Teilnehmern ein Eintrag in eine elektronische „Roadmap“, auf der die europaweit besten Dorferneuerungsorte auf einer virtuellen Landkarte per Mausklick auffind- und abrufbar sind.

Die Mitglieder der Wettbewerbsjury werden in den nächsten Wochen sowie gegebenenfalls auch im ersten Jahresdrittel 2021 alle teilnehmenden Orte zu besichtigen versuchen, ehe im Zuge einer weiteren Bewertungssitzung im Frühsommer 2021 die Entscheidung fällt. In welcher Form und zu welchem Zeitpunkt die Preis­verleihung in Hinterstoder, Oberösterreich, Österreich, der Siegergemeinde des Wett­bewerbes 2018, stattfinden wird, bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt bedingt durch die Ungewissheiten im Zusammenhang mit der COVID-Entwicklung noch offen. Bewertet wird, wie das teilnehmende Gemeinwesen auf die festgestellten Stärken und Schwächen sowie internen und externen Gefahren und Chancen reagiert hat. Dabei geht es um konkrete Maßnahmen im Sinne einer wirtschaftlichen Entwicklung, der Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, der Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung, Umgang mit der Digitalisierung sowie um kulturelle und Bildungsaktivitäten. In gleicher Weise von Bedeutung sind die gewählten Methoden und verfolgten Strategien, die von einem ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz sowie von Partizipation und Kooperation gekennzeichnet sein sollen.

Das Wettbewerbsmotto „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“ trägt der Tatsache Rechnung, dass jeder Ort, auch die kleinste Siedlung, mit überregionalen, kontinentalen und vielfach auch weltweiten Entwicklungen, seien es nun Gefahren oder Chancen, konfrontiert ist – Corona hat übrigens, auch wenn es diesen absolut nicht gebraucht hätte, einen weiteren Beweis dafür geliefert. Das Motto soll ein Signal dafür sein, diese Herausforderungen zu erkennen und sich ihnen zu stellen. Es wirft demgemäß einen besonderen Fokus auf jene Gemeinwesen, die sich ihrer Verantwortung über den eigenen Tellerrand hinaus bewusst sind und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Antworten auf die großen Fragen des 21. Jahrhunderts finden, die dazu beitragen, das Leben auf unserem Planeten zu einem besseren zu machen.

„Ziel des Wettbewerbes ist es, Landgemeinden in ihrem Engagement zu bestätigen, zu weiteren Aktivitäten zu motivieren und den Erfahrungsaustausch mit anderen ländlichen Gemein­wesen in Europa zu fördern. Darüber hinaus wollen wir Dörfer und Regionen zur Nachahmung anregen, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst machen und nicht zuletzt auch Europas Zusammenwachsen stärken“, erläutert die Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Theres Friewald-Hofbauer.

 

Presseaussendung

Press release

Eine nette Überschrift