LH Mikl-Leitner: Eine niederösterreichische Vorzeigegemeinde und aussichtsreiche Kandidatin für einen europäischen Spitzenplatz

Der Vertreter Niederösterreichs beim 16. Europäischen Dorferneuerungspreis ist die Waldviertler Landgemeinde Großschönau. Das gaben Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann a. D. Erwin Pröll, und Bürgermeister Martin Bruckner in einem Pressegespräch im Landhaus in St. Pölten bekannt.

„Die niederösterreichische Dorferneuerung ist eine Erfolgsgeschichte, in der das letzte Kapitel noch lange nicht geschrieben ist. Verantwortlich dafür zeichnen eine engagierte Bürgerschaft in den Dörfern und eine umsichtige Kommunalpolitik, die von Innovationsbereitschaft und Lösungsorientierung gekennzeichnet ist“, erklärte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Aufgabe des Landes sei es, diesen dynamischen Gestaltungswillen in den Regionen zu unterstützen, zu begleiten und in übergeordneten Fragen auch richtungsweisend zu steuern. An konkreten Maßnahmen nannte sie regionale Beschäftigungs-Initiativen, die gerade in turbulenten Zeiten wichtig sind, laufende Verbesserungen in der Verkehrs-Infrastruktur auf Straße und Schiene, den Ausbau der Kinderbetreuung in den Regionen – besonders für unsere Kleinsten – oder auch die NÖ Dezentralisierungs-Offensive mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen in die Regionen. Und auch bei der Neuausrichtung der Landesstrategie 2030 würde die Entwicklung der Regionen in Niederösterreich einen großen Stellenwert einnehmen.

Die Landeshauptfrau erinnerte, dass der Sieger in der Kategorie „Ganzheitlichkeit“ des Projektwettbewerbes der Niederösterreichischen Dorf- und Stadterneuerung stets ein Aushängeschild in Sachen Dorferneuerung sei. Daher komme diesem die Ehre zu, Niederösterreich beim Europäischen Dorferneuerungswettbewerb zu vertreten. In Summe werden sich 26 Teilnehmer unter dem Motto „Lokale Antworten auf globale Herausforderungen“ um die renommierte Auszeichnung matchen und dabei auch ihre Erfahrungen austauschen. „Das macht den Europäischen Dorferneuerungspreis so wertvoll, denn von den Besten kann man am meisten lernen“, so Mikl-Leitner, die sich auch davon überzeugt zeigte, dass die internationale Jury bei ihrer Sitzung Anfang Oktober in München Großschönau ein sehr gutes Zeugnis ausstellen werde.

ARGE-Präsident Erwin Pröll erklärte, dass der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis seit dem Jahr 1990 ausgelobt werde und 2020 zum 16. Mal hätte vergeben werden sollen. „Die Pandemie hat uns aber nicht nur zu einigen Verschiebungen gezwungen, sondern auch vielen die Augen dafür geöffnet, dass die ländlichen Räume unverzichtbar sind, weil sie wichtige Funktionen für die Gesellschaft erfüllen.“ Das beginne bei der Versorgung, beträfe die Bereitstellung von Ausgleichsräumen und nicht zuletzt auch den achtsamen Umgang miteinander. 

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, so Pröll weiter, wirke seit mehr als 30 Jahren als „PR-Agentur“ für Europas Dörfer, fördere mit ihren Aktivitäten den Blick über den Tellerrand und sei eine wichtige Orientierungshilfe für die Landgemeinden bei der Bewältigung lokaler und globaler Herausforderungen. „Es braucht sicher Vieles, um unsere Dörfer zukunftsfit zu gestalten. Aber der wichtigste Schlüssel für eine erfolgreiche Entwicklung ist ihr menschliches Potenzial als Orte, in denen das Ehrenamt gepflegt und das soziale Miteinander über gesellschaftliche Gruppen hinweg gelebt wird.“

Bürgermeister Martin Bruckner betonte, dass die Wettbewerbsteilnahme für Großschönau eine besondere Auszeichnung sei. Die Suche nach lokalen Antworten auf globale Herausforderungen habe in seiner Gemeinde bereits vor Jahrzehnten begonnen und in vielen Bereichen zu beachtlichen Erfolgen geführt. Allem voran sind es Maßnahmen im Bereich Energiewende und Klimawandel, wie die Etablierung der Umweltmesse BIOEM oder die Errichtung des Kompetenz- und Forschungszentrums „Sonnenplatz“, die Schaffung sozialer Infrastrukturen sowie die Bereitschaft zu Kooperationen und internationalem Wissenstransfer, die Großschönau auszeichnen.

NLK Pfeiffer
NLK Pfeiffer

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis stellt zweifelsfrei das Herzstück der Tätigkeiten der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung dar.

Er wird seit 1990 im Zweijahresrhythmus ausgetragen und zielt darauf ab, beispielhafte Aktivitäten und herausragende Initiativen im Sinne einer nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Gemeinwesen „vor den Vorhang“ zu bitten und – unter Berück­sichtigung der jeweiligen Ausgangsbedingungen, des ökonomischen und sozio-kulturellen Kontextes sowie der länderspezifischen Standards, Besonderheiten und Möglichkeiten – zu prämieren.

Im Laufe der Geschichte des Wettbewerbes wurden die Beurteilungskriterien mehrmals grundsätzlich überarbeitet und regelmäßig an sich verändernde Herausforderungen angepasst.  Von Anfang an ging es aber darum, neben der äußeren Erscheinung auch die „inneren Qualitäten“ der Dörfer und Gemeinden im Fokus zu haben und eine ganzheitliche Entwicklung zu verfolgen. Demgemäß spielen Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung, die Gewährleistung der Nahversorgung, die Schaffung zeitgemäßer sozialer und pädagogischer Einrichtungen sowie technischer Infra­strukturen, die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung, kulturelle Initiativen und Weiterbildungs­maßnahmen sowie eine von Bürgerbeteiligung und Kooperationsbereitschaft geprägte Methodik der Umsetzung eine zentrale Rolle.

Die Bewertung erfolgt durch eine internationale Jury, die ihre Entscheidung auf Basis umfassender Einreichunterlagen und einer Vorort-Besichtigung aller Teilnehmerorte (seit 1992) trifft. Der Sieger gewinnt den Europäischen Dorferneuerungspreis, Auszeichnungen gibt es auch für Teilnehmer mit herausragender, sehr guter oder guter Leistung.

Zur Teilnahme am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis ist pro Land/Region nur ein ländliches Gemeinwesen (Dorf, Gemeinde, Kleinregion) zugelassen. Diese werden häufig durch vorgelagerte Wettbewerbe auf nationaler oder regionaler Ebene ermittelt.

Jeder Wettbewerb wird unter ein bestimmtes Motto gestellt, was eine besondere Schwerpunktsetzung ermöglicht.

Die Preisverleihung erfolgt seit 1996 im Rahmen einer mehrtägigen Veranstaltung mit Festakt, Projektpräsentationen und Exkursionen, bei der die Begegnung der Dorfgemeinschaften und der europäische Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt stehen.

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis erweist sich nicht nur als ein höchst effizientes Instrument, um die Menschen in den ländlichen Räumen Europas in ihrem Engagement für ihren Lebensraum zu bestätigen und  zur eigeninitiativen Zukunftsgestaltung zu motivieren. Er vermag auch wesentlich dazu beizutragen, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen und das europäische Miteinander zu stärken.