Die Mitglieder der Vollversammlung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung haben in ihrer letzten Sitzung im September 2025 einstimmig der Aufnahme Ungarns, beginnend mit dem Jahr 2026, als Mitglied in die Europäischen ARGE zugestimmt. Die schon in der Vergangenheit enge und freundschaftliche Zusammenarbeit mit Ungarn – beispielsweise im Rahmen des alle zwei Jahre durchgeführten European Village Renewal Award (EV!RA) – wird damit auf eine neue Stufe gehoben.

Vertreten wird Ungarn in der ARGE durch Dr. Miklós Dukai und Eszter Laib. Dukai ist Staatssekretär für kommunale Angelegenheiten im Ministerium für öffentliche Verwaltung und Raumentwicklung. Als Staatssekretär ist er für die Vorbereitung fachpolitischer Entscheidungen verantwortlich, die das Funktionieren des kommunalen Systems betreffen, sowie für die Koordinierung staatlicher Maßnahmen zur Unterstützung der Aufgabenerfüllung der Gemeinden und Städte.

In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf die finanzielle und operative Stabilität der Kommunen, auf die Abstimmung des rechtlichen Rahmens sowie auf die Koordinierung jener Maßnahmen, die die kommunale Aufgabenerfüllung unterstützen. Seine Führungserfahrung trägt zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen dem Staat und den Gemeinden bei und unterstützt die Umsetzung einer effizienten, dienstleistungsorientierten öffentlichen Verwaltung sowie einer Entscheidungsfindung, die die Interessen der Kommunen in den Mittelpunkt stellt.

Ein zentraler Bestandteil seiner Tätigkeit ist der kontinuierliche fachliche Dialog und die enge Zusammenarbeit mit den kommunalen Interessenvertretungen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wirkt er aktiv an der Abstimmung von kommunal relevanten Stadtentwicklungs-, Betriebs- und Gesetzgebungsprozessen mit. Sein Ziel ist es, auf der Grundlage fachlicher Erfahrungen und von Rückmeldungen auf kommunaler Ebene Lösungen zu entwickeln, die die Funktionsfähigkeit lokaler Gemeinschaften sowie deren Entwicklungsmöglichkeiten stärken. Die mehr als zehnjährige Erfahrung von Miklós Dukai in der öffentlichen Verwaltung und in Führungspositionen bildet eine solide Grundlage für eine konstruktive Partnerschaft und fördert eine wirksame Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Regierung zur Umsetzung gemeinsamer fachpolitischer Ziele.

Eszter Laib ist derzeit Leiterin der Hauptabteilung für Kommunale Projektkoordination im Ministerium für Öffentliche Verwaltung und Raumentwicklung. Die Hauptabteilung nimmt innerhalb der zentralen öffentlichen Verwaltung eine einzigartige Rolle ein, da sie sich mit der Vorbereitung und Umsetzung nationaler und internationaler Entwicklungsprojekte befasst, die unmittelbar mit dem täglichen Betrieb der Kommunen sowie mit deren langfristiger Anpassungsfähigkeit verbunden sind.

Im Mittelpunkt der Projektaktivitäten stehen strategisch bedeutende Themen wie die lokale Klimaanpassung, die Stärkung der lokalen Resilienz, kommunale Instrumente zur Bewältigung von Dürre und Wasserknappheit sowie integrierte Lösungen zur Förderung des Aufholprozesses benachteiligter Regionen. Die von der Hauptabteilung koordinierten Projekte setzen nicht nur praktische Maßnahmen um, sondern tragen durch ihre Erfahrungen auch unmittelbar zur Fundierung und Weiterentwicklung der nationalen Fachpolitiken bei.

Im Rahmen ihrer Hochschulausbildung erwarb Eszter Laib Abschlüsse als Stadtplanungsingenieurin sowie als Agraringenieurin für Umweltmanagement, die ihr eine solide fachliche Grundlage für nachhaltige Stadt- und Regionalentwicklung sowie für die Anwendung eines integrierten räumlichen Ansatzes bieten.

Ihre berufliche Laufbahn begann sie im Jahr 2002 bei der Ungarischen Gesellschaft für Städtebau, wo sie mehrere Jahre tätig war und später als Geschäftsführerin wirkte. Anschließend setzte sie ihre Karriere in der zentralen öffentlichen Verwaltung fort, wo sie im Bereich der kommunalen Angelegenheiten zunächst Positionen als stellvertretende Abteilungsleiterin und später als Abteilungsleiterin innehatte.

Der Wettbewerb um den 19. European Village Renewal Award (EV!RA) ist geleitet von der Intention, besonders herausragende und beispielhafte Entwicklungs- und Erneuerungsprozesse in ländlichen Gemeinwesen – der Begriff „Gemeinwesen“ steht dabei gleichermaßen für Dörfer, Ortsteile bzw. Katastralen, Gemeinden, Ortsgemeinden, Selbstverwaltungen, Samtgemeinden, interkommunale Verbunde etc. – vor den Vorhang zu bitten und anhand ausgewählter Leitprojekte zu prämieren. Dabei finden die jeweiligen Ausgangsbedingungen, der ökonomische und sozio-kulturelle Kontext sowie länderspezifische Standards und Besonderheiten Berücksichtigung.

Vorrangiges Kriterium ist, dass die Projekte und Prozesse gemäß dem „Leitbild der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden“ (s. dazu auch: https://www.landentwicklung.org/rural-roadmap-deutsch) zu einer Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume und zu einer Hebung der Lebensqualität beitragen.

Der Wettbewerb richtet den Fokus daher auf jene ländlichen Gemeinwesen, die sich den aktuellen Herausforderungen ihres Lebensraumes mit nachhaltigen, innovativen und zeitgemäßen Projekten stellen und ganzheitliche Entwicklungsprozesse in Gang gebracht haben sowie eine Einbindung aller Bevölkerungsgruppen in das örtliche Geschehen verfolgen und auf diese Weise unterschiedliche Perspektiven, weitere Horizonte und vielfältigere Ideen gewinnen.

Das Motto des Wettbewerbs 2026 „All different. All together.“ trägt der Tatsache Rechnung, dass die BewohnerInnen der ländlichen Gemeinwesen vielfältige Lebensentwürfe und unterschiedliche, manchmal auch widersprüchliche Ansprüche an ihren Lebensraum haben. Es zählt daher zu den großen Herausforderungen, diese Verschiedenartigkeit anzunehmen, sie als Chance für unkonventionelle Ideen zu begreifen und dennoch zu gemeinsamen, zukunftsfähigen Lösungen zu kommen. Gleichzeitig will das Motto dazu aufrufen, nicht nur das Miteinander im eigenen Gemeinwesen, sondern auch die Kooperation mit Nachbargemeinden und über die eigene Region hinaus zu forcieren, um für die Bewältigung der gewaltigen Aufgaben weit reichender Transformationsprozesse gerüstet zu sein.

Die zentrale Frage der Bewertung durch die Jury zum European Village Renewal Award (EV!RA) ist, wie das teilnehmende Gemeinwesen auf die am Beginn und im Verlauf der Erneuerungsaktivitäten festgestellten Stärken und Schwächen sowie internen und externen Gefahren und Chancen reagiert hat. Dabei geht es in gleicher Weise um die Qualität und inhaltliche Ausrichtung der Projekte wie um die angewendeten Methoden.

Pro Land bzw. Region kann ein Dorf oder eine Landgemeinde (bestehend aus einer oder mehreren ländlich geprägten Siedlungen, Dörfern, Fraktionen, Katastralgemeinden) oder ein interkommunaler Verbund (bestehend aus zwei oder mehreren ländlich geprägten Gemeinden) teilnehmen, wobei eine Einwohnerzahl von 20.000 nicht überschritten werden sollte, als Wettbewerbsteilnehmer genannt werden. Nennungsberechtigt sind erstrangig die für die Dorferneuerung und Landentwicklung der jeweiligen Staaten, Länder und Regionen zuständigen Behörden. Sofern keine Einreichung von offizieller behördlicher Stelle vorliegt, können auch Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) oder andere Behörden Teilnehmer nennen.

Eine Nachnennungen von Teilnehmern ist noch bis zum 31. Jänner 2026 möglich. Einreichschluss für die Bewerbungsunterlagen ist der 15. Februar 2026.

„Building Climate Resilient Communities“ ist das Thema des 2. online Dorferneuerungsfrühstücks am 4. Dezember 2025.

Resilienz ist facettenreich und sollte im Idealfall alle grundlegenden kommunalen Funktionen kennzeichnen. Im Rahmen des 2. Breakfasts for Village Renewers konzentrieren wir uns auf den Aspekt der Klimaresilienz und präsentieren Basisinformationen und Projektbeispiele für mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetterereignissen und bessere Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderungen.

Input und Best Practise-Beispiele
Sonja Skalnik, 1. Vizebürgermeisterin von Feldbach und Vorsitzende des Tourismusverbandes Thermen- & Vulkanland Steiermark (Steiermark, A)
Tomáš Drobný, Bürgermeister der Gemeinde Kostelní Lhota (Mittelböhmen, CZ)
Herbert Pieper, Bürgermeister der Gemeinde Wahrenholz (Niedersachsen, DE)
Bernhard Karnthaler, Bürgermeister der Marktgemeinde Lanzenkirchen, und Bernhard Jeitler-Haindl, Amtsleiter der Marktgemeinde Lanzenkirchen (Niederösterreich, A)

Mit dem Dorferneuerungsfrühstück bietet die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung ein Online-Format für all jene, die in Theorie und Praxis mit der Weiterentwicklung von Dörfern und Gemeinden befasst sind. Dabei werden Themenfelder der kommunalen Entwicklung aufgegriffen, Lösungen und Ideen präsentiert und mit allen Teilnehmenden diskutiert. Das Breakfast for Village Renewers dient dabei als Plattform, um Ideen und Inspirationen auszutauschen, wie man Herausforderungen und Probleme lösen könnte. Neben der Präsentation von Best-Practice-Beispielen aus verschiedenen Regionen Europas bietet es vor allem die Möglichkeit, sich mit Akteur:innen europaweit auszutauschen, von einander zu lernen und sich zu vernetzen.

Die Zahl der möglichen Teilnehmer:innen ist begrenzt. Es gilt das Prinzip „first come – first served“. Wir empfehlen daher, sich bei Interesse so rasch wie möglich per E-Mail an: info@landentwicklung.org zu melden.