Building Climate Resilient Communities – unter diesem Thema stand das zweite online Dorferneuerungsfrühstück der ARGE im Dezember 2025. Dabei präsentierten VerantwortungsträgerInnen aus Feldbach (Steiermark, AT), Kostelní Lhota (Mittelböhmen, CZ), Wahrenholz (Niedersachsen, D) und Lanzenkirchen (Niederösterreich, AT) wichtige Basisinformationen und interessante Projektbeispiele für mehr Widerstandsfähigkeit gegenüber Extremwetterereignissen und bessere Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderungen.

Die Stadt Feldbach, die auch regionales Zentrum der „Erlebnisregion Thermen- & Vulkanland Steiermark“ ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf verschiedensten Ebenen zur resilienten und robusten Gemeinde zu werden – von Gesundheit über Wirtschaft bis zu Infrastruktur und Energieversorgung. Sonja Skalnik, 1. Vizebürgermeisterin von Feldbach und Vorsitzende des Tourismusverbandes Thermen- & Vulkanland Steiermark, präsentierte Resilienz-Initiativen der Stadtgemeinde, die zu den 13 diesbezüglichen Pionierstädten Österreichs zählt. Sie erläuterte umfassende Maßnahmen, die in Feldbach in den Bereichen Klimaneutralität, Klimavorsorge, Energiewende, nachhaltige Mobilität und Krisenvorsorge gesetzt werden. Als absolutes Vorzeigeprojekt weit über die Region hinaus darf das Blackout-Vorsorgekonzept angesehen werden, das die Gemeinde in Kooperation mit Wissenschaft, Stakeholdern und Bevölkerung entwickelt hat. Skalnik betonte auch die regionale Zusammenarbeit im Tourismus – in der Region gibt es jährlich rund zwei Millionen Gästenächtigungen – und die Bedeutung des gemeinsamen Engagements aller BürgerInnen für eine resiliente Gemeinde.

Tomáš Drobný, Bürgermeister der Gemeinde Kostelní Lhota, die den Europäischen Dorferneuerungspreis 2024 erringen konnte, stellte mehrere Umweltinitiativen seiner Gemeinde vor und erläuterte die Schwerpunkte der kommunalen Flur- und Kulturlandschaftsgestaltung. Exemplarisch nannte er die Grünraumgestaltung mit endemischen Gräsern und Pflanzen an, bei der man sich fachliche Unterstützung seitens des Botanischen Gartens in Prag holte. Schwerpunkte im Landschaftsplanungskonzept, das in Kooperation mit der Technischen Universität Prag erstellt und Schritt für Schritt umgesetzt wird, sind Renaturierungen, Wassermanagement, konsensorientierter Hochwasserschutz, Waldbarrieren zur Autobahn, Maßnahmen gegen Bodenerosion sowie ein umfassendes Landkonsolidierungsprojekt. Drobný erwähnte auch Energieeinsparmaßnahmen, etwa die Umrüstung der öffentlichen Beleuchtung auf LED-Leuchten, den Bau von Photovoltaik-Anlagen und die Anschaffung eines Elektrofahrzeugs. Zu den Maßnahmen, die gesetzt werden, zählen außerdem verschiedene Umwelt- und Renovierungsprojekte die Revitalisierung von Teichen, ein Re-Use-Center für gebrauchte Gegenstände, eine Radwegstrecke, die ohne Asphalt auskommt, und einen Schullandheim-Park.

Die Gemeinde Wahrenholz setzt auf dem Weg zur Klimaresilienz auf verschieden Strategien, wie Herbert Pieper, Bürgermeister der Gemeinde Wahrenholz, erklärte. Schwerpunkte liegen unter anderem auf Landwirtschaft, klimaresistenter Grünraumgestaltung im und außerhalb des Ortes sowie auf der Energieversorgung, die mit kommunaler Wärmeplanung und Windenergie neue Wege geht. Bemerkenswert sind die Einbindung der Bevölkerung, interkommunale Kooperationen sowie der höchst innovative Charakter von Projekten. Pieper erklärte, wie die Gemeinde durch das niedersächsische Beteiligungsgesetz an Windenergieprojekten teilhaben kann, wobei BürgerInnen eine finanzielle Beteiligung von 0,2 Cent pro Kilowattstunde erhalten. Das Projekt zielt darauf ab, ein Nahwärmenetz mit Wärmepumpen und Direktstrom aus einem Windpark zu knüpfen, um eine kostengünstige und treibhausgasneutrale Wärmeversorgung bis 2040 zu gewährleisten.

Über Maßnahmen in der Gemeinde Lanzenkirchen berichtete Bernhard Jeitler-Haindl, Amtsleiter der Marktgemeinde. Der Neugestaltung des Ortszentrums von Lanzenkirchen erfolgte auf Basis eines örtlichen Klima- und Umweltschutzmanifests, das Schritt für Schritt umgesetzt wird. Schwerpunkte darin sind insbesondere Entsiegelung, Fassaden- und Dachbegrünungen sowie eine klimaresistente Platzgestaltung mittels einer pflegearmen, trockenheitsresistenten und hitzereduzierenden Bepflanzung. Ein Schwerpunkt war auch die Implementierung des „Schwammstadtprinzips“ zur Speicherung von Regenwasser in Grund und Boden, um Klimaresilienz zu fördern und die Lebensqualität zu verbessern. Neben dem „klimafitten Ortszentrum“ werden auch Schwerpunkte bei der nachhaltigen Energieversorgung gesetzt, z. B. durch den Einsatz erneuerbarer Energien, insbesondere durch eine Hackschnitzel-Nahwärmeanlage.

Die Präsentationen der Referentinnen und Referenten können Sie hier downloaden:

Weiterführende Informationen zum Thema
Zum Thema „Orte zukunftsfit entwickeln“ hat außerdem die Abteilung Raumordnung des Landes Oberösterreich zwei neue Publikationen herausgebracht.

In der Broschüre „Fokus Innenentwicklung“ sind Wissen, Handlungsansätze und Good-practice-Beispiele für lebendige Gemeinden zusammengefasst. Orientiert an der oberösterreichischen Raumordnungsstrategie #upperREGION 2030 werden darin Wege aufgezeigt, wie die Gemeinden ihre Zentren wieder stärker beleben und sie vor Leerstand bewahren können.
Die zweite Broschüre beschäftigt sich mit dem Thema „Grünräume sichern und Siedlungsräume klimafit gestalten“. Sie soll Entscheidungsträger*innen in Städten und Gemeinden auf dem Weg zu einer qualitätsvollen Grünraumentwicklung unterstützen. Die Vielzahl an praktischen Beispielen liefert Ideen, die auch in der eigenen Gemeinde umgesetzt werden können.

Die beiden Broschüren findet man zur Ansicht und zum Download im Bereich Publikationen auf der Website: https://www.rmooe.at/publikationen/
Außerdem sind sie auf der Website des Landes OÖ unter https://www.land-oberoesterreich.gv.at/25701.htm abrufbar.