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Raumverschiebungen. Regionale Räume im Zeitalter der „Globalisierung“
22. bis 25. Mai 2007
6. Europäischer Dorferneuerungskongress „Geeintes Europa – Reich an Vielfalt und Herausforderungen“ in Kamíen Slaski, Polen
Vortrag von Univ. Prof. Wolfgang Müller-Funk in Stichworten
– naturnaher Raum (Erholung, spezifische Erfahrungsmodi)
– höhere Lebensqualität, geringere Fremdbestimmung im Hinblick auf Zeit, Raum und Lebensstil.
– relativ preiswerter Lebensraum.
– markierter Raum mit oftmals historischen Architekturelementen (kein „Nicht-„Ort“, kein passagerer Raum).
– Funktion verhältnismäßig leerer Räume für Kultur.
– Verstärkung der negativen Tendenzen im Sinne von (7)
– Verstärkung der positiven Möglichkeiten im Sinne von (8)
Noch einmal die drei zentralen Prämissen des „spatial turn“ (vgl. 2 und 3).
1. Raum ist eine von Menschen geschaffene und produzierte soziokulturelle Entität
2. Der natürliche Raum determiniert nicht den sozio-ökonomischen Raum.
3. Bestimme Raumaspekte sind unter den Bedingungen moderner kapitalistischer Gesellschaften nicht deckungsgleich.
Daraus ergibt sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Eine Auswahl:
– Vernetzung mit anderen Räumen im Rahmen einer globalisierten Ökonomie
– Nutzung moderner digitaler Medien (Verringerung räumlicher Abstände, und zwar real wie symbolisch)
– Nischenprodukte und – dienstleistungen, die anderswo nicht bzw. nicht zum entsprechenden Preis angeboten werden können.
– Ökologisierung der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion.
– Verlagerung von Produktionsformen, die nicht unbedingt in urbanen Zentren angesiedelt sein müssen.
– Nutzung von Grenzen für Grenznahe Räume als Schwellenräume mit Brückenfunktion (im Kontext der europäischen Integration)
– Nutzung bestimmter Segmente des Tourismus (Kultur, Gesundheit, Sport etc.)
Ob die Möglichkeiten genutzt werden, hängt also nicht von den sog. natürlichen Gegebenheiten, sondern davon ab, wer diese regionalen Räume nutzt, gestaltet und kulturelle ausgestaltet. Solche kulturellen Faktoren sind beispielsweise:
– Überwindung traditioneller konservativer, rückwärtsgewandter und gegenweltlicher Leitbilder („Heimat“)
– Zuzug von Menschen aus anderen Bereichen (Nachbarländer, städtischer Raum und Umraum). Beispiel: österreichisches Umland von Bratislava. (Heterogenisierung des ländlichen Raumes)
– Integration ortsfremder Bevölkerung seitens der traditionellen Bevölkerung
– Ausbau bestimmter Infrastrukturen (Politik): Verkehr, Information, Bildung
– Nutzung der Ressourcen, über die temporäre Bewohner potentiell verfügen.(kultureller Transfer: Touristen, Aussteiger, Zweitwohnsitzer, Pensionisten).
– Entwicklung von zeitgemäßen kulturellen Ausdrucksformen.
– Selbstbewusste Kommunikation mit urbanen Zentren und deren Kultur.
BewohnerIn einer hochgradig strukturierten und differenzierten globalen Welt sein.
Wolfgang Müller-Funk (im Bild von links nach rechts mit Maria Forstner, Landesobfrau der Niederösterreichischen Dorf- und Stadterneuerung, Theres Friewald-Hofbauer, Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, und Mariola Szachowicz, Marschallamt Opole) nach seinem beeindruckenden Vortrag, der für etliche Diskussionen sorgte.
Herausforderungen, vor denen das Dorf der Zukunft in Polen steht
22. bis 25. Mai 2007
6. Europäischer Dorferneuerungskongress „Geeintes Europa – Reich an Vielfalt und Herausforderungen“
Statement von Marschall Ryszard Wilczynski, Opole, Polen
Auf das polnische Dorf haben besonderen Einfluss:
Der Eintritt in die EU hat die Auflösung landwirtschaftlich genutzter Flächen beschleunigt (in der Woiwodschaft Oppeln geht der Prozess zu Ende). Durch die Aufgabe der Landwirtschaft stellen sich in Polen für die Bevölkerung im Vergleich zum Westen die Lebensbedingungen schlechter dar (diese Veränderungen verzogen sich in West-Europa vor etwa 30 Jahren). Das Potential der polnischen Dörfer ist geringer, die Infrastruktur ist unvollkommener und ist weniger effektiv, die bereitstehenden Mittel zur Entwicklung und Revitalisierung sind unvergleichbar kleiner, und die Herausforderungen unvergleichbar größer.
Das polnisch Dorf der Zukunft wird von Landflucht gekennzeichnet, verursacht durch den Wegzug insbesondere junger Menschen auf der Suche nach Arbeit und verbesserten Lebensbedingungen in die größere Städte und nach Westeuropa. Dieser Prozess ist, da der Anreiz Fähigkeiten herauszufordern und sein Können unter Beweis zu stellen, nicht aufzuhalten ist. Unter diesen Voraussetzungen wird sich das polnische Dorf nicht entwickeln können oder gar aufgegeben werden.
Wird das Dorf überleben können? Die Antwort ist ja, unter der Voraussetzung, dass man dem derzeitigen Prozess gesteuert und die Bedingungen zur Rückkehr fördert. Das Dorf kann ein Ort sein, in dem sich die Menschen, die durch das jahrelange Pendler Dasein erschöpft haben, durch strukturelle Veränderungen adäquate Lebensbedingungen schaffen können. Durch die weltweite Vernetzung durch das Internet wäre das Dorf der ideale Lebensraum für Freiberufler, beispielsweise Architekten, Designer, Finanzberater. Die Dörfer bieten die Möglichkeit Zivilisationsmüden, alternative Lebensformen Bevorzugenden, sowie demjenigen, die ihren Lebensabend in vertrauter Umgebung verbringen möchten, ideale Lebensbedingungen. Eine verlässliche Schätzung der Einwohnerzahl und Zahl der Berufstätigen lässt sich auf Grund von Landflucht und temporärer Fluktuation nicht ermitteln. Durch die og. Entwicklungen werden die Einwohner gezwungen neue Organisationsformen zu entwickeln. Das Dorfgemeinschaftshaus in seiner ursprünglichen Bedeutung wird ersetzt durch ein multifunktionales Aktionszentrum und Schulen auf computergestützten Unterricht ausgerichtet.
Wodurch lässt sich ein positives Szenario schaffen? Wodurch kann sich das Dorf gegenüber der Stadt profilieren?
Ich sehe keine grundlegende Veränderung der Infrastruktur als erforderlich an, sondern vielen reicht ein Minimum an Standards aus. In den nächsten Jahren stehen keine Mittel zur Verfügung um die Standards der Dörfer dem westlichen Niveau anzugleichen, in diesem Wettbewerb steht das polnische Dorf auf verlorenem Posten. Auch der Arbeitsmarkt kann dieses Problem nicht relativieren, da die Bedingungen hier zunehmend schwieriger werden. Eine Chance im Wettbewerb zwischen Stadt und Dorf besteht für Letzteres nicht in den materiellen Faktoren, sondern in dem Gemeinschaftsgefühl und der Identifikation.
Dazu 3 Faktoren:
Zum Schluss meiner Ausführungen lassen Sie mich noch ein Wort bezüglich Dorferneuerung in der gegenwärtigen Situation anmerken. Es gibt keine Zweifel, dass im Zuge der Globalisierung nach derzeitigen Erkenntnisstand die Attraktivität und Bedeutung des Dorfes und des ländlichen Raumes allgemein Zustimmung findet, aber es gibt auch keine Zweifel, dass die technische Entwicklung und die gesellschaftlichen Veränderungen auch zukünftig außerhalb des ländlichen Raumes stattfinden. Folgender Schluss ist zu ziehen -Stadt und Dorf müssen nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern im Rahmen der Globalisierung gleichberechtigt Dorf-Stadt-Welt. Das Dorf mit seinen unverzichtbaren Reservoire an Werten und Gütern kann als Rückzugsort angesehen werden. Das Dorf der Zukunft wird also ein Dorf der Ergänzung. Das Finden und Nutzen der Bereiche dieser Ergänzung kann eine Perspektive für die Dorferneuerung sein und als Instrument, das die Zukunft des Dorfes gestaltet gelten und der Erhalt und die Kultivierung des polnischen Dorfes stellt bei der kulturellen Verschiedenheit Europas ein wichtiges Erbe dar.
Planungsansätze zur Dorferneuerung im Westen
22. bis 25. Mai 2007
6. Europäischer Dorferneuerungskongress „Geeintes Europa – Reich an Vielfalt und Herausforderungen“ in Kamíen Slaski, Polen
Statement von Univ. Prof. Alfons Dworsky
Planung ist vorausschauende Gestaltung von Lebensräumen. So verstanden reicht Dorfplanung bis in die historische Tiefe der Frühgeschichte zurück, und umfasst die Breite aller Kulturlandschaften.
Dorferneuerung ist eine Parallelkonstruktion zur Stadterneuerung und damit eine kommunalpolitische Erscheinung der 70er und 80er Jahre in Europa. Die sehr unterschiedliche Ausformung von Zielen, Methoden und Instrumenten legt es nahe, die nationalen Voraussetzungen genauer zu betrachten:
Schon im deutschsprachigen Raum: Schweiz, Österreich und Deutschland sind entscheidende Unterschiede zu erklären:
Da in der Schweiz keine Kriegs- und Nachkriegsverwüstungen stattfanden, da Rustikalität, Selbst- und Mitbestimmung geradezu Kernstücke schweizerischer Identität waren und sind, gab es dort keinerlei Veranlassung „Dorferneuerung“ einzuführen.
In Österreich entwickelte sich die Dorferneuerung im Zusammenfluss zweier Strömungen: Von „Unten“ als konfliktorientierte Gemeinwesenarbeit etwa parallel zu den emanzipatorischen Forderungen der erhaltungsorientierten, sanften, von Partizipation getragenen Stadterneuerungen, und von „Oben“ als umfassendes Förderungsinstrument zur Revitalisierung bedrohter Orte und Regionen.
Dorferneuerungspläne der frühen Phase der 80er Jahre waren schwerpunktmässig erhaltungsorientierte städtebauliche und architektonische Ziele bzw. Entwürfe. Später traten ökologische und regionale Leitbilder hinzu, die zur Selbstbindung der Beteiligten und als Grundlage von individuellen, lokalen und regionalen Förderungsansuchen dienlich und nötig sind.
Die professionelle Moderation von umfassender Bürgerbeteiligung ist üblich, ebenso die Ausfertigung der Ergebnisse. In manchen Fällen ist die Anpassung der kommunalen Bauleitplanung (Flächenwidmungs- und Bebauungsplanung) nötig und vorgeschrieben. In dieser Hinsicht kann der Dorferneuerungsplan – in Kernbereichen – auch Zielvorgabe für raumplanerische Verordnungen sein.
In Deutschland wurde die Dorferneuerung auf das vorhandene Instrument der Flurneuordnung bzw. Flurbereinigung aufgesattelt, zunächst als innerörtliches agrarstrukturelles Begleitmassnahmenpaket, dann als umfassendere, partizipatorisch erarbeitete Konzeption von Bürgerinnen und Bürgern. Der Dorferneuerungsplan deckt zwar mit sektoralen bzw. thematischen Arbeitsgruppen alle Belange der Kommunalentwicklung innerhalb und ausserhalb der Ortslage ab, bleibt aber im Kern ein Grundlagenwerk der agrarstrukturellen Förderung. Da Erstellung und Verordnung von Bauleitplänen nicht dem Agrarressort obliegt, ist im Dorferneuerungsverfahren eine obligate Bindung an die Bauleitplanung nicht vorgesehen.
Obwohl von unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehend, vereinheitlicht sich die Praxis aktueller Dorferneuerungsplanungen im „Westen“ zusehends. Parallel zur Ausformung von EU-Förderungsinstrumenten, die für die Entwicklung ländlicher Räume geschaffen wurden verändern sich auch die Horizonte der Dorferneuerungsprojekte: In vermehrtem Mass moderieren professionelle Regionalentwicklungsagenturen, die mit Fachleuten aus den Bereichen Ökologie, Regionalplanung, Kommunalplanung, Architektur, Sozialmanagement u.s.w. ausgestattet sind Leitbildprozesse, die primär auf EU Förderbarkeit zugeschnitten sind.
Ob Horizontausweitung, Professionalisierung und Effizienzsteigerung den wohl unvermeidlich damit verbundenen Verlust von Bürgernähe und Spontaneität rechtfertigen, wird die Zukunft weisen.
Ummendorf sagt „Auf Wiedersehen“!
Als Sieger des 8. Europäischen Dorferneuerungspreises 2004 hatte die Gemeinde Ummendorf die ehrenvolle Aufgabe, für die Preisträger des Jahres 2006 die angemessene Plattform der Auszeichnungsveranstaltung zu organisieren und auszugestalten.
Mein besonderer Dank gilt der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, dass sie nun bereits zum neunten Mal den ländlichen Räumen Europas Gelegenheit gegeben hat, sich in Fragen der Dorferneuerung zu messen und dem jeweiligen Motto gerecht zu werden. Für mich ist dies der anspruchvollste Wettbewerb zu dieser Thematik.
Ummendorf vertrat als Gastgeber den Bördekreis und das Bundesland Sachsen-Anhalt und damit die gesamte Bundesrepublik Deutschland. Wir wollten gute Gastgeber sein. Deshalb begannen wir unsere Arbeit am Festprogramm bereits im Oktober 2004. Eine Vielzahl von Akteuren und viele fleißige Helfer waren daran beteiligt. Ja, man kann sagen, unsere ganze Gemeinde hatte Anteil an der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung dieser Veranstaltung. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bei allen Ummendorferinnen und Ummendorfern und selbstverständlich auch bei den Helferinnen und Helfern außerhalb für diese tatkräftige Unterstützung sehr herzlich bedanken.
Mit Unterstützung des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt und vieler Sponsoren ist es uns gelungen, ein ansprechendes 3-Tages-Programm zu organisieren und durchzuführen. Ich wünsche mir, dass alle Gäste mit guten Eindrücken aus Ummendorf in ihre Heimatregionen zurückgekehrt sind und dass sie sich von unserer Gastfreundschaft, Lebensfreude und von dem „Wir-Gefühl“ der UmmendorferInnen, die eine große Familie von 1.100 EinwohnerInnen verkörpern, überzeugen konnten.
Den Preisträgern des Wettbewerbes 2006 spreche ich, auch im Namen aller BürgerInnen der Gemeinde, meine herzlichsten Glückwünsche aus. Allen Teilnehmern am 9. Europäischen Dorferneurungswettbewerb wünsche ich viel Kraft, Mut und Glück bei der weiteren Entwicklung ihrer Gemeinden und Regionen.
Europäischer Dorferneuerungspreis 2006: Ergebnisse
23. September 2006
Europäischer Dorferneuerungspreis 2006
Koudum, Friesland, Niederlande
Das etwa 2750 EinwohnerInnen zählende Koudum ist Teil der Gemeinde Nijefurd und liegt im Südwesten der Provinz Friesland in unmittelbarer Nähe des Ijsselmeeres. Das einstmals agrarisch geprägte Dorf entwickelte sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Gartenbaudorf mit überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung und zu einem kommunalen behördlichen Zentrum. Eine Entwicklung, die 1984 mit der Gemeindegebietsreform ein jähes Ende nahm und Koudum nicht nur den Verlust seiner Funktion als Amtszentrum bescherte, sondern das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben äußerst negativ beeinträchtigte – dramatischer Rückgang der Arbeitsplätze, Wegbrechen von Dienstleistungs-einrichtungen, Betriebsaufgaben, Abwanderung der Bevölkerung, leer stehende und verfallende Häuser und Geschäftslokale, keine Nachfrage nach Bauland …
Doch die Opferhaltung währte nur kurz. Bald regten sich da und dort kleine Initiativen, schlossen sich BürgerInnen zu Gruppen zusammen, wuchs ein immer dichteres Netzwerk, das ein Ziel verband: Koudum zu einem attraktiven Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum mit polyfunktionalen Zentrumseinrichtungen für die gesamte Südwestregion Frieslands zu entwickeln. Eines der Schlüsselprojekte auf diesem erfolgreichen Weg war der Kauf von Land zur Errichtung des Neubaugebietes „Morraplan“, bestehend aus 130 Wohnungen, Ferienhäusern und permanent bewohnten Häusern, durch die Stiftung „Trochgean“ – auf eigenes finanzielles Risiko der Unternehmer und BürgerInnen. Der Mut wurde belohnt und induzierte einen Wohnimpuls, der die Bevölkerungszahlen steigen und die Wirtschaftskraft wachsen ließ.
Aus einer Vielzahl an aufeinander abgestimmten Maßnahmen und Projekten – aufbauend auf einem fundierten Zukunftskonzept und hohem Planungsniveau, getragen von einem effizienten Netzwerk aus BürgerInnen (Interessenverband „Dorpsbelangen“, Unternehmerverein, Stiftung „Trochgean“), PolitikerInnen und ExpertInnen und geprägt von Eigeninitiative, BürgerInnenengagement, Risiko-bereitschaft und nachhaltiger Orientierung – seien exemplarisch angeführt:
Sieganwärter und ausgezeichnet mit:
Europäischer Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität
Betzdorf, Luxemburg
Die Dorfentwicklungsmaßnahmen in Betzdorf zeigen eine große Vielfalt und spiegeln einerseits eine mutige eigenständige Gemeindeentwicklung, andererseits aber auch eine vielseitige interkommunale Zusammenarbeit wider. Allen Aktivitäten ist gemeinsam, dass sie auf eine nachhaltige Entwicklung ausgerichtet, von einer Bündelung der Kräfte und Ressourcen geprägt, von Visionen und Courage gekennzeichnet und von einer breiten Bürgerbeteiligung getragen sind. Die modellhaften und nachahmenswerten Projekte weisen eine hohe Planungsqualität auf und spannen einen weiten Bogen von Landschafts- und Naturschutz über Raumordnung, erneuerbare Energie und Soziales bis hin zu Bildung und Kultur.
Gurk, Kärnten, Österreich
Gurk darf sich zweifellos einer ganzheitlichen, nachhaltigen und mottogerechten Dorfentwicklung auf höchstem Niveau rühmen. So ist es gelungen, neben dem Kloster zu einer partnerschaftlichen, aber eigenständigen Entwicklung zu finden, die auf vorhandenen Stärken aufbaut. Das soziale Zusammenleben wird beispielhaft gestärkt. Das ökologische Bewusstsein mündet in mutige Pionierprojekte, die zudem zur Schaffung neuer Arbeitsplätze führen. Darüber hinaus hat man es verstanden, Dorf- und Regionalentwicklung beispielhaft zu vernetzen und daraus großen Nutzen zu ziehen.
Impulsregion 21, Salzburg, Österreich
Die „Impulsregion 21“, ein Netzwerk der Gemeinden Schleedorf, Mattsee und Neumarkt innerhalb des Salzburger Seenlandes, baut auf den bisherigen, durchaus beeindruckenden Dorferneuerungsaktivitäten der drei Gemeinden auf und überzeugt mit ihrer Fokussierung auf Stärken und Synergien mit deutlicher regionaler Ausstrahlung wie auch mit der Konzentration auf behutsame Aneignung und wirtschaftliche Nutzung der Landschaft im Bereich Erholung, Bio-Vermarktung und Gesundheitsvorsorge.
Lana, Südtirol, Italien
Die Dorferneuerung in Lana, basierend sowohl auf intensiver Bürgerbeteiligung als auch auf Expertenstudien, ist auf das Aufrechterhalten menschlicher Nähe in einem wachsenden Ort ausgerichtet. Der Wandel wird nicht als Gefahr gesehen, sondern als Chance, mit neuen Möglichkeiten auf heutige Bedürfnisse der Menschen zu reagieren. So werden zeitgemäße soziale Infrastrukturen für alle Alterskategorien bereitgestellt, Aktivitäten zur Ausländer- und Behindertenintegration gesetzt und „Kinderfreundliche Betriebe“ ausgezeichnet. Der Bau einer modernen öffentlichen Bibliothek mit angeschlossenen kulturellen Aktivitäten ist bezeichnend für den Stellenwert der Kultur und mit einer qualitätvollen zeitgemäßen Architektur bei öffentlichen Bauten beweist man Mut zu Neuem.
Latrop, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Latrop ist es auf herausragende Weise gelungen, aus einer peripheren Lage in einem Talschluss und aus einer niedergehenden ökonomischen Situation heraus den Wandel in eine neue Funktion als Chance zu sehen, sich neu zu positionieren und zu entwickeln. Die Anbindung der alten Landschafts- und Waldnutzung an heutige Wirtschafts- Lebensraum- und Erholungsfunktionen konnte erhalten bleiben und durch breite touristische Nutzung als neue, vorrangige Funktion ergänzt werden, wodurch die ökonomische Basis nachhaltig gesichert und die Lebensqualität deutlich erhöht wird.
Launsbach, Hessen, Deutschland
Aufbauend auf einem bemerkenswerten bürgerschaftlichen Engagement, konzentrieren sich die einzelnen Projekte auf das Ziel, allen BürgerInnen ein Höchstmaß an Lebensqualität zu gewährleisten. Die beispielhafte Vernetzung der sozialen und soziokulturellen Aktivitäten mit Generationen übergreifenden Patenschaften erweist sich als faszinierende Stärke und stellt im Standortwettbewerb um junge Familien ein gewichtiges Argument dar. Der bewusste Umgang mit einer Kulturlandschaft, in der die Land- und Forstwirtschaft keine Rolle mehr spielt, zeigt eine zukunftsfähige Alternative auf.
Pinnow, Brandenburg, Deutschland
Die Dorferneuerung in Pinnow, basierend auf einem Gemeindeentwicklungsplan, präsentiert sich insgesamt als nachhaltig und alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche umfassend. Besonders hervorzuheben sind das gelungene Ankämpfen gegen eine drohende Depression, der vernetzte Projektsansatz zu einem harmonischen und stimmigen Ganzen, der Aufbau standortgemäßer Erwerbsmöglichkeiten, die Revitalisierung alter Bausubstanzen, der Umgang mit benachteiligten Menschen und die vielfältigen touristischen Aktivitäten.
Posterstein, Thüringen, Deutschland
Posterstein weiß in allen relevanten Bereichen einer nachhaltigen Dorfentwicklung mit Musterprojekten und Erfolgsmeldungen aufzuwarten – mit einer zukunftsorientierten Landwirtschaft mit Zielrichtung erneuerbare Energie und Produktionsnischen, vielseitigen Handwerks- und Gewerbebetrieben, reichhaltigen Kulturangeboten bis hin zu einem regen Vereinsleben in einem qualitativ hochwertigen Wohnstandort. Besonders hervorzuheben ist die Bereitschaft der BürgerInnen, bei der Neugestaltung von Gemeinschaftsanlagen unentgeltlich mitzuarbeiten und mit Kopf und Händen den Wandel als Chance zu nutzen.
Schwarzach, Vorarlberg, Österreich
Schwarzach besticht in mehrfacher Hinsicht, allem voran aber mit herausragender Qualität im Bereich der Raumentwicklung. Potenziale und Probleme des urbanistischen Wandels werden nicht nur gesehen, sondern als Chance genutzt. Gedankliches Modell ist ein polyfunktionaler, polyzentrischer, eng mit der offenen Kulturlandschaft verflochtener Lebensentfaltungsraum. Ein sorgsamer Umgang mit der Umwelt und den Ressourcen limitiert Verdichtung und Intensivierung der baulichen Entwicklung. Eine architektonisch sehr anspruchsvolle Gestaltung, die konsequente Unterstützung und Förderung der Nutzung von Alternativenergien und positive Perspektiven für die lokale Wirtschaft durch ein landesweit bedeutsames und international prämiiertes Medienzentrum und das Halten ansässiger Qualitätsbetriebe in der Gemeinde sind weitere Glanzlichter.
Tápiógyörgye, Ungarn
In Tapiogyörgy ist es auf herausragende Weise gelungen, die eigenen Stärken zu erkennen, daraus ein schlüssiges Konzept für eine nachhaltige Entwicklung zu entwerfen, die vorhandenen Mittel zielgerichtet und höchst effektiv einzusetzen, die Eigeninitiativen auffallend zu stärken, einen wichtigen Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit zu setzen und nicht zuletzt auch ökologischen Ansprüchen in einem überdurchschnittlichen Maße gerecht zu werden.
Ybbsitz, Niederösterreich, Österreich
Die Gemeinde Ybbsitz versteht es in beeindruckender Manier, rund um das Leitbild der Schmiedekunst – aufbauend auf den energetischen Voraussetzungen der Wasserkraft und in intensiver Auseinandersetzung mit Geschichte, Siedlungsstruktur und kulturell-ökonomischen Grundlagen – eine ganzheitliche und umfassende Dorferneuerung zu realisieren. In Ergänzung dazu konzentrieren sich Engagement und zahlreiche Aktivitäten darauf, die Schmiedekunst über das Haus Ferrum erlebnistouristisch aufzubereiten und mit den restaurierten Schmiedehämmern in das Gesamtkonzept der Eisenstraße einzubinden.
Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung
Almenland, Steiermark, Österreich
Mit einem der besten Leader-Projekte Österreichs setzt das Almenland auf den Aufbau von regionalen Qualitätsmarken. Von dieser Strategie profitieren Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Gastronomie durch zusätzliche Wertschöpfung und stabilere Arbeitsplätze sowie eine intakte Umwelt.
Artland, Niedersachsen, Deutschland
Die herausragende Leistung besteht allem voran darin, leer fallende bzw. leer gefallene, jahrhunderte alte und einzigartige Bauernhöfe unter Wahrung der baukulturellen Substanz und der umgebenden idealtypischen Parklandschaft erfolgreich umzunutzen und über neue Wertschöpfungen lebensfähig zu halten.
Baltów, Swietokrzyskie, Polen
Baltów zeichnet sich vorrangig dadurch aus, dass es gelungen ist, durch unternehmerisches Handeln und Eigeninitiative die wirtschaftliche Situation der Gemeinde in einer sehr peripheren Lage spürbar zu verbessern. Es ist ein nachahmenswertes Beispiel insbesondere für Gemeinden, die in einer resignativen Grundstimmung verharren.
Bröbberow, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Der Gemeinde ist es auf beeindruckende Weise gelungen, eine neue dörfliche Gemeinschaft aufzubauen und mit umfassenden ökonomischen, sozialen und ökologischen Qualitäten auszustatten sowie ihre landschaftlichen Potenziale zur Nutzung als Erholungsraum und zur Entwicklung eines Naturerlebnistourismus umzugestalten.
Falkenstein, Gemeinden Neustadt im Vogtland und Oberlauterbach, Sachsen, Deutschland
Falkenstein überzeugt mit umfassenden Infrastrukturmaßnahmen, der Revitalisierung des Ritterguts „Adlershof“ mit dem integrierten Natur- und Umweltzentrum Vogtland, der Wiederbelebung von verschiedensten Festen, dem hohen Eigenleistungsanteil bei Projektsumsetzungen und der Schaffung von Gemeinschaftseinrichtungen zur Verbesserung der soziokulturellen und sozialen Qualitäten.
Fraczków, Opole, Polen
Fraczków zeichnet sich durch große Leistungen in der Umnutzung und Weiterentwicklung ererbter Strukturen aus. Der Wandel wird als Chance begriffen, verloren gegangene kulturelle Qualitäten durch ein Dorfzentrum neu zu schaffen bzw. wiederzugewinnen. Dass dabei aus dem Bestand der baulichen Strukturen der sozialistischen Zeit heraus- und weiterentwickelt wird, ist besonders positiv zu bewerten.
Hünningen, Deutschsprachige Gemeinschaft, Belgien
Auf Basis einer intakten Dorfgemeinschaft und aufbauend auf der Kenntnis der eigenen, durchaus schwierigen Vergangenheit, wurden vielfältige Ideen eigenständig entwickelt und unter Mitwirkung zahlreicher engagierter DorfbewohnerInnen schrittweise umgesetzt. Beispiele dafür sind die Schaffung von Vereinslokalitäten und die Errichtung von Kulturrouten.
Konken, Rheinland-Pfalz, Deutschland
Konken beeindruckt vor allem mit dem „Haus der kulinarischen Landstraße“ als Zentrum der Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte und sichtbarem Zeichen der Dorferneuerung, der Umnutzung landwirtschaftlicher Anwesen in der Ortsmitte für Wohnzwecke, mit einem Jugendtreff, der auf Eigeninitiative der Dorfjugend entstand, sowie einem aktiven Vereinsleben.
Kovárov, Pisek, Tschechien
Kovárov darf als besonders beispielhaft für eine erfolgreiche ländliche Erneuerung auf Basis der Pflege und Entwicklung kultureller Werte angesehen werden. Höchste Anerkennung verdienen auch die vielfältigen Aktivitäten im sozialen Bereich, insbesondere für Kinder, Jugendliche und ältere DorfbewohnerInnen, die wesentlich zur Erhöhung der Lebensqualität beitragen.
Langenstein, Sachsen-Anhalt, Deutschland
Langenstein beeindruckt mit dem Aufbau einer „neuen Landwirtschaft“, geprägt von den Schwerpunkten Naturschutz und Landschaftspflege, dem Erhalt von Traditionsbetrieben, der Errichtung eines neuen Gewerbegebiets, der Schaffung von sozialen Einrichtungen für benachteiligte Menschen, einem reichhaltigen Vereinsleben in einem hochwertigen Wohnstandort sowie mit seinem respektvollen Umgang mit der eigenen Geschichte, wie Burg, Schloss, Wohnhöhlen und die Gedenkstätte „Zweibergen“ beweisen.
Les Bons Villers, Wallonie, Belgien
Das Wettbewerbsmotto „Wandel als Chance“ wird in Les Bons Villers bereits vielfältig und kreativ gelebt. Die hervorragenden Leistungen im sozialen und kulturellen Bereich, die nur auf der Basis von großem bürgerschaftlichen Engagement entstehen konnten, sowie die Bemühungen um eine nachhaltige Weiterentwicklung der Landwirtschaft und Kulturlandschaft sind Impulsgeber über das Gemeindegebiet hinaus.
Lupburg, Bayern, Deutschland
Lupburg besticht durch seine mediterran anmutende Lage auf der Jura-Hochebene und zeichnet sich mottogerecht durch besondere Leistungen in den Bereichen der Bewusstseinsbildung mit den Instrumenten „Bürgerwerkstatt“ und „Dorfinszenierung“, der baulichen Erneuerung der Ortsmitte um den dominanten Burgberg, des behutsamen Umgangs mit Natur und Landschaft und durch ein aktives Vereinsleben aus.
Neutal, Burgenland, Österreich
Die besondere Leistung in Neutal besteht in der Entwicklung von einem Kleinbauern- über ein Ofenmaurerdorf zu einem bedeutenden Betriebsstandort mit qualitätvollen Arbeitsplätzen, insbesondere im Bereich moderner Technologien. Damit wird nicht nur die Wirtschaftskraft gestärkt, sondern auch die Lebensqualität verbessert, zumal ganz im Sinne der Nachhaltigkeit Pendlerbewegungen deutlich reduziert wurden.
Podsreda, Slowenien
Podsreda ist es im Schatten der bekannten Burg gelungen, den Ortskern zu einem attraktiven Lebensraum umzugestalten, der durch die Ansiedelung kleiner Betriebe auch wirtschaftliche Effekte zeitigt und touristische Nutzungsmöglichkeiten für die Zukunft bietet.
Lobende Anerkennung besonderer Leistungen
Bohnental, Gemeinden Tholey und Schmelz, Saarland, Deutschland
Besonders anzuerkennen sind die breite Bürgerbeteiligung und das Engagement, mit dem das Projekt Bohnenetal gestartet wurde. Diverse Pilotprojekte zeigen das hohe Niveau des Prozesses und lassen einen erfolgreichen Verlauf erwarten. Interessant und gelungen sind die mit viel Eigeninitiative entstanden Gemeinschaftshäuser und Schutzhütten.
Boretice, Südmähren, Tschechien
Boretice zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Aufbruchstimmung aus, die sich in vielen Projekten, die miteinander in Verbindung stehen, manifestiert – allem voran die Entwicklung des Weintourismus in der Kellergasse, der gepaart ist mit der Revitalisierung des Kulturhauses, der Umnutzung der ehemaligen LPG, Landschaftssanierungen und einem geplanten Flugplatz.
Schwendau, Tirol, Österreich
Schwendau hat sich dem Leitbild eines traditionsgeleiteten und zugleich zukunftsorientierten alpinen Dorfes verschrieben. Zahlreiche Kleinprojekte, die von aktiven GemeindebürgerInnen, darunter auch ein bemerkenswerter Anteil an Kindern und Jugendlichen, initiiert und umgesetzt wurden, zeugen davon, dass Schwendau seine Potenziale bewahren und entwickeln wird.
Vlachovo, Slowakei
Vlachovo stellt sich auf bemerkenswerte Weise der großen Herausforderung, seine baukulturellen und landschaftlichen Qualitäten in Verbindung mit sanftem Tourismus weiter zu entwickeln. Vielen Einzelprojekte wie Schlosssanierung und Teichrenaturierung lassen bereits Erfolg versprechende Ansätze erkennen, fachliche Betreuung und ausgeprägtes bürgerschaftliches Engagement sind weitere große Pluspunkte.
Gut, besser, am besten
21. biss 23. September 2006
Koudum in Holland gewinnt Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 – Rund 900 Dorferneuerungsakteure aus zahlreichen europäischen Regionen wohnen der stimmungsvollen Preisverleihung in Sachsen-Anhalt bei.
„Seit 1990 ruft die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung alle zwei Jahre zum Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis auf. Heuer geht diese begehrte Auszeichnung erstmals nach Holland, und zwar an den 2.750 Ein¬wohnerInnen zählenden Ort Koudum, wo es auf Basis ausgeprägter Eigeninitiative, Bürgerengagement und unternehmerischem Risiko auf überzeugende Weise gelungen ist, das Wettbewerbsmotto ‚Wandel als Chance’ in die Tat umzusetzen und eine nachhaltige Dorfentwicklung auf den Weg zu bringen“, betonte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, aus Anlass der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2006 in Ummendorf, Sachsen-Anhalt, Deutschland, der Siegergemeinde des Jahres 2004. Dem Festakt wohnten neben einer Reihe hochrangiger Persönlichkeiten und rund 900 Dorferneuerungsaktivisten aus zahlreichen europäischen Staaten auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer und Landwirtschafts¬ministerin Petra Wernicke, beide Magdeburg, bei. Workshops, Exkursionen und ein Fest der Begegnung, das sich über den ganzen Ort erstreckte und drei Tage andauerte, rundeten das Programm der von der Europäischen Union geförderten und von der ARGE in Kooperation mit der Gemeinde Ummendorf und dem Land Sachsen-Anhalt durchgeführten Veranstaltung ab.
Koudum: mutige und zukunftsorientierte Entwicklung
Das zur Gemeinde Nijefurd gehörende Koudum, jahrzehntelang ein Zentrumsort mit überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung, verlor 1984 durch eine Gemeindegebietsreform schlagartig seine Funktion als Amtszentrum, was binnen Kurzem das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben lahm legte. Doch die Opferhaltung währte nicht lange und bald regten sich vielfältige Bürgerinitiativen, die darauf abzielten, Koudum zu einem attraktiven Wohn-, Arbeits- und Freizeitraum mit polyfunktionalen Zentrumseinrichtungen für die gesamte Südwestregion Frieslands zu entwickeln. „Eines der Schlüsselprojekte auf diesem erfolgreichen Weg war der Kauf von Land zur Errichtung eines Neubaugebietes, bestehend aus 130 Wohnungen, Ferienhäusern und permanent bewohnten Häusern, durch eine Stiftung – auf eigenes finanzielles Risiko der Unternehmer und BürgerInnen. Der dadurch induzierte Wohnimpuls bewirkte einen deutlichen Anstieg der Bevölkerungszahlen und der Wirtschaftskraft“, erklärte der Vorsitzende der 17-köpfigen, internationalen Wettbewerbsjury, Univ.-Prof. Matthias Reichenbach-Klinke, Technische Universität München.
Aus einer Vielzahl an aufeinander abgestimmten Projekten – getragen von einem effizienten Netzwerk aus BürgerInnen, PolitikerInnen und ExpertInnen und geprägt von nachhaltiger Orientierung – seien exemplarisch angeführt:
Wettbewerbsprojekte von Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit geprägt
Der 9. Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis stand unter dem Motto „Wandel als Chance“ und zeichnete sich durch eine große Teilnehmerzahl (30 Orte bzw. Gemeinden bzw. Mikroregionen aus ebenso vielen europäischen Regionen) sowie ein außerordentlich hohes Niveau aus. Unter vielen guten Projekten wurden die elf Besten, die mit zu den Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 14 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“, vier über eine „Lobende Anerkennung besonderer Leistungen“ freuen.
Bewertet wurden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer. Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung spielten dabei ebenso eine Rolle wie soziale Einrichtungen, kulturelle Initiativen und Bemühungen um eine wirtschaftliche Entwicklung. Wesentlich dabei waren ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperationsbereitschaft geprägte Methodik.
„Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 hat deutlich gezeigt: Die Menschen wollen daran teilhaben, ihre Heimat zu gestalten. Dabei beweisen sie, wie mit Selbstbewusstsein und mit Kompetenz die Attraktivität des ländlichen Raumes erhöht werden kann“, so der abschließende Kommentar des „Gastgebers“, Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer.