7. und 8. November 2002

Großes Walsertal in Vorarlberg gewinnt Europäischen Dorferneuerungspreis 2002 – 700 Dorferneuerungsakteure aus 40 europäischen Regionen wohnen festlicher Preisverleihung in Verden, Niedersachsen, bei

„Der Europäische Dorferneuerungspreis 2002 geht an das Große Walsertal in Vorarlberg und damit an eine Modellregion für nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweise, die ein Musterbeispiel für integrierte, Gemeinde übergreifende ländliche Entwicklung auf Basis ausgeprägter Bürgerbeteiligung darstellt und dem Motto „Grenzen überschreiten“ auf überzeugende Weise gerecht wird“, betonte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin  P r ö l l , aus Anlass der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2002 am 7. November 2002 in der niedersächsischen Kleinstadt und Pferdehochburg Verden. Dem Festakt wohnten neben zahlreichen hochrangigen Persönlichkeiten und mehr als 700 Dorferneuerungsaktivisten aus 15 europäischen Staaten auch Niedersachsens Landwirtschaftsminister Uwe Bartels und der Landwirtschaftsminister der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Hans Niessen, bei.

Großes Walsertal – Regionalentwicklung, die mitreißt!

„Das Große Walsertal, bestehend aus sechs Gemeinden mit knapp 3.500 Einwohnern, die seit Mitte der 90er Jahre unter Federführung einer Regionalplanungsgemeinschaft an der Umsetzung eines gemeinsamen regionalen Leitbildes arbeiten, zeichnet sich vor allem durch ein hoch entwickeltes Bewusstsein und Engagement für den Erhalt der natürlichen Ressourcen, die gelebte Überzeugung, dass die sorgsame Bewahrung einer Naturregion kein Widerspruch, sondern geradezu ein Impuls auch für wirtschaftliche Nutzung ist, eine nachhaltige Waldbewirtschaftung durch den vielfältigen Einsatz des Werkstoffes Holz im Projekt ‚zertifiziertes Bergholz’, die Stärkung und Sicherung der kleinstrukturierten Land(wirt)schaft durch Veredelung der Produkte und Direktvermarktung in Gastronomie und Tourismus, den breiten Einsatz alternativer Energien, das Bekenntnis zu einer zeitgemäßen und von hoher Detailqualität geprägten Architektur sowie die Stärkung der eigenen Identität durch ein umfassendes Bildungs- und Kulturangebot aus“, erklärte der Vorsitzende der 17-köpfigen, internationalen Wettbewerbsjury, Univ.-Prof. Matthias Reichenbach-Klinke, Technische Universität München.

Wettbewerb der Superlative

Der 7. Europäische Dorferneuerungspreis, ein Wettbewerb, der 1990 von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung ins Leben gerufen wurde und im 2-Jahresrhythmus veranstaltet wird, hat mit 33 Teilnehmern aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen von Sardinien bis an die weißrussische Grenze und von Belgien bis nach Rumänien alle bisherigen quantitativen und qualitativen Rekorde gebrochen. Das bemerkenswert hohe Niveau wird nicht nur durch das Siegerprojekt deutlich, sondern dokumentiert sich auch darin, dass neun Wettbewerbsteilnehmern ein „Europäischer Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ sowie 17 weiteren Gemeinden ein „Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in Teilbereichen“ zuerkannt wurde.

Ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung gefordert

Bewertet wurden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer. Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung spielten dabei ebenso eine Rolle wie soziale Einrichtungen, kulturelle Initiativen und Bemühungen um eine regionsangepasste wirtschaftliche Entwicklung. Wesentlich dabei waren ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiaive und Kooperationsbereitschaft geprägte Methodik der Umsetzung. Nicht zuletzt ging es auch darum, dem Motto „Grenzen überschreiten“ gerecht zu werden.

Österreichische Teilnehmer absolut „top“ im europäischen Vergleich

Besonders erfreulich aus österreichischer Sicht ist, dass sich neben dem Großen Walsertal auch die Teilnehmer aus den anderen österreichischen Bundesländern hervorragend platzieren konnten – allen voran Werfenweng, Salzburg, das es bis ins Finale geschafft hat und mit der Silbermedaille ausgezeichnet wurde, aber auch Großschönau in Niederösterreich, St. Lambrecht in der Steiermark und Kötschach-Mauthen in Kärnten, die sich ebenfalls preisverdächtig zeigten und im Spitzenfeld rangieren, sowie Thiersee in Tirol, das mit einem ‚Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in Teilbereichen‘ ausgezeichnet und Ottenschlag im Mühlkreis in Oberösterreich, dem eine lobende Anerkennung ausgesprochen wurde.

„Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis  2002 hat ganz deutlich gezeigt: Viele Bewohnerinnen und VerantwortungsträgerInnen der ländlichen Räume Europas haben den Auftrag zur eigeninitiativen Zukunftsgestaltung angenommen und bewiesen, dass sie über genug Kraft, Knowhow und Courage verfügen, ihre Geschichte selbst zu schreiben“, so Erwin Pröll abschließend.

23. bis 26. September 2002

9. Dorferneuerungsexkursion der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung führte durch Österreich und nach Slowenien – erstmals auch TeilnehmerInnen aus Litauen, Kroatien und der spanischen Provinz Galicien vertreten

50 SpezialistInnen und AktivistInnen aus 19 europäischen Regionen aus elf Staaten – von Finnland über Litauen, Polen, Deutschland, Tschechien, Slowakei, Bulgarien, Kroatien, Slowenien und Spanien bis Luxemburg – befanden sich dieser Tage auf Einladung der Europäischen ARGE Landentwick­lung und Dorferneuerung auf einer Studienfahrt durch das Burgenland (Buchschachen), die Steiermark (Markt Hartmannsdorf), Kärnten (Moosburg) und Slowenien, um besonders herausragende Projekte nachhaltiger länd­licher Entwick­lung zu besichtigen. „Ziel dieser Exkursion, die wir seit den frühen 90er Jahren heuer bereits zum 9. Mal durchführen, ist es, das gute Beispiel als Orientierungshilfe in die ‚Auslage‘ zu stellen und den Erfahrungsaustausch zwischen Dorferneuerern in Ost und West und Süd und Nord zu verstärken“, erklärte dazu der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll,  Wien.

Auch die Dorferneuerungsstudienfahrt 2002 war ein Spiegelbild der reichen Vielfalt und der hohen Qualität der Landentwicklungsmaßnahmen in Europa: Der Bogen spannte sich von ökologisch orientierten und ökonomisch effizienten Projekten über kulturell gewichtete Aktivitäten bis hin zu diversen Kooperationsprojekten. Aber, ob Direktvermarktung im Bauernladen, Jugendgästehof in einem adaptierten ehemaligen Bauernhof, ob Hackschnitzelheizanlage, Wertstoffsammelzentrum, Leaderprojekt, Gratis-Internetzugang für jede(n) GemeindebürgerIn, Nationalpark oder Kunst im öffentlichen Raum, allen Exkursionszielen ist Eines gemeinsam: Sie basieren auf kommunalen Eigeninitiativen und bürgerschaftlichem Engagement im Sinne einer auf Zukunftsfähigkeit und Ganzheitlichkeit ausgerichteten Entwicklung.

Ein besonderer Höhepunkt der Exkursion war der Besuch eines grenzüberschreitenden Symposiums zum Thema „Ländliche Entwicklung. Erfolg durch Kooperation“ – veranstaltet vom Slowenischen Ministerium für Land und Forstwirtschaft und Ernährung, dem Gemeinde-, Landwirtschafts- und Planungsreferat der Kärntner Landesregierung und der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung – in Ferlach und Kranjska Gora, bei dem der slowenische Landwirtschaftsminister Franc But, sein österreichischer Kollege Wilhelm Molterer  und der Kärntner Agrar-Landesrat Georg Wurmitzer den Teilnehmern an der Studienfahrt als Gesprächspartner zur Verfügung standen.

21. und 22. Juni 2002

Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung vergibt zum siebenten Mal den Europäischen Dorferneuerungspreis – 33 Länder bzw. Regionen mit einem Projekt vertreten – Sieger: Großes Walsertal in Vorarlberg – im Finale der drei Besten auch Auerbergland in Bayern und Werfenweng in Salzburg

Die Entscheidung im Wettbewerb um den 7. Europäischen Dorferneuerungspreis ist gefallen: Eine interdisziplinär zusammengestellte Jury von 17 hochrangigen internationalen Experten hat sich nach einer intensiven Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung letztes Wochenende in München für das Große Walsertal in Vorarlberg, Österreich, entschieden. „Damit wurde ein Projekt ausgezeichnet, das das Wettbewerbsmotto „Grenzen überschreiten“ auf überzeugende und mehrfache Weise umgesetzt hat und dem Anspruch auf ganzheitliche, nachhaltige Entwicklung in herausragender Manier gerecht wird“, freut sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Wien, in einer ersten Reaktion.

Das Große Walsertal, bestehend aus sechs Gemeinden mit knapp 3.500 Einwohnern, die seit Mitte der 90er Jahre unter Federführung einer Regionalplanungsgemeinschaft an der Umsetzung eines gemeinsamen regionalen Leitbildes arbeiten, ist eine Modellregion für nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweise und  ein Musterbeispiel für integrierte, gemeindeübergreifende ländliche Entwicklung auf Basis ausgeprägter Bürgerbeteiligung. Besonders hervorzuheben sind:

  • das hoch entwickelte Bewusstsein und Engagement für den Erhalt der natürlichen Ressourcen, was sich in der UNESCO-Zertifizierung des großen Walsertales als „Biosphärenpark“ niedergeschlagen hat;
  • die gelebte Überzeugung, dass die sorgsame Bewahrung einer Naturregion kein Widerspruch, sondern geradezu ein Impuls auch für wirtschaftliche Nutzung ist;
  • die nachhaltige Waldbewirtschaftung durch den vielfältigen Einsatz des Werkstoffes Holz im Projekt „zertifiziertes Bergholz“. Die Veredelung reicht vom konstruktivem Holzbau bis zum Möbelbau unter partnerschaftlichem Zusammenschluss der Betriebe vor Ort;
  • die Stärkung und Sicherung der kleinstrukturierten Land(wirt)schaft durch Veredelung der Produkte und Direktvermarktung in Gastronomie und Tourismus;
  • der sorgsame Umgang mit Ressourcen: aktive sowie passive Nutzung der Sonnenenergie, Niedrigenergiehäuser, Versorgung von 50% der öffentlichen Bauten mit erneuerbarer Energie, Nutzung der Wasserkraft durch Kleinkraftwerke und des anfallenden Schadholzes als Brennmaterial;
  •  das Bekenntnis zu einer zeitgemäßen und von hoher Detailqualität geprägten Architektur;
  •  die Stärkung der eigenen Identität durch ein umfassendes Bildungs- und Kulturangebot
  •  die große Leistung im Prozess der Bürgerbeteiligung. Im Großen Walsertal ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, Menschen, die aus ihrer Geschichte heraus immer Einzelkämpfer waren, von gemeinsamen Zielen zu überzeugen, sie zum „grenzüberschreitenden“ Tun zu bewegen und in ihnen eine allerorts spürbare Begeisterung zu wecken.

„Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2002 hat selbst ‚Grenzen überschritten? und mit 33 Teilnehmern aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen von Sardinien bis an die weißrussische Grenze und von Belgien bis nach Rumänien alle bisherigen quantitativen und qualitativen Rekorde gebrochen. Umso mehr freut es mich, dass es das Auerbergland, eine ländliche Entwicklungskooperation von 11 bayerischen Gemeinden, als Repräsentant des Freistaates Bayern bis ins Finale der drei besten Projekte geschafft hat“, erklärte der Gastgeber der Jurysitzung und 2. Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Staatsminister Josef Miller,  Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten, in einer ersten Stellungnahme.

3. Mai 2002

7. Europäischer Dorferneuerungspreis erzielt Rekordbeteiligung – erstmals auch eine Gemeinde aus Sardinien und ein Dorf an der polnisch-weißrussischen Grenze unter den Preisanwärtern – Siegeschancen auch für Niederösterreichs Vertreter Großschönau

”In der Waldviertler Gemeinde Großschönau ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, aus Betroffenen Beteiligte zu machen und darauf aufbauend Dorferneuerungsaktivitäten zu setzen, die die wirtschaftlichen, ökologischen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebensbedingungen der Bevölkerung entscheidend verbessert haben”, erklärte der Präsident der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, bei einem Pressegespräch anlässlich der Präsentation von Großschönau als niederösterreichische Teilnehmerin am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2002.

33 europäische Länder und Regionen aus 11 Nationen haben die Einladung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung angenommen und jeweils ein Dorf bzw. eine Gemeinde bzw. einen Gemeindeverbund zur Teilnahme am Wettbewerb um den 7. Europäischen Dorferneuerungspreis, der 1990 ins Leben gerufen wurde und im 2-Jahresrhythmus veranstaltet wird, gemeldet. Sensationell ist aber nicht nur die Rekordbeteiligung, sondern auch die geografische Dimension, die von Ostpolen bis Belgien und von Sardinien bis Rumänien reicht. ”Nicht zuletzt dürften die diesjährigen Wettbewerbsprojekte auch in qualitativer Hinsicht auf höchstem Niveau stehen, wie mir der Vorsitzende der 16-köpfigen internationalen Jury, Univ.-Prof. Matthias Reichenbach-Klinke von der TU München, versichert hat”, erklärte Erwin Pröll.

Bewertet werden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden. Aktivitäten im Sinne einer regionsangepassten wirtschaftlichen Entwicklung, kulturelle Initiativen und die Schaffung sozialer Einrichtungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Auseinandersetzung mit Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung. Wesentlich sind ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine Methodik, die von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperationsbereitschaft geprägt ist. Schlussendlich geht es auch darum, dem Motto ”Grenzen überschreiten” Rechnung zu tragen und deutliche Signale wider die fetten Linien auf den Landkarten, die Parteibücher, das Standesdenken und die Stacheldrähte in den Köpfen der Menschen zu setzen.

”Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2002 ist ein deutlicher Beweis dafür, dass viele Bewohner und Verantwortungsträger der ländlichen Räume Europas den Auftrag zur eigeninitiativen Zukunftsgestaltung anzunehmen bereit sind und über genug Kraft, Know-how und Courage verfügen, ihre Geschichte selbst zu schreiben, was in besonderer Weise auch für die Gemeinde Großschönau gilt”, schloss Dr. Pröll.

14. bis 15. März 2002

„Die Informationstechnologie hat sich im ländlichen Raum trotz vielversprechender Prognosen noch immer nicht etablieren können. Mitschuld daran tragen die Entscheidungsträger, die sich dieser Schlüsseltechnologie viel zu wenig annehmen“, kritisierte Sixtus  Lanner, Vorsitzender des Instituts ländlicher Raum, Wien, bei dem zweitägigen Symposion der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, veranstaltet in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft und EuroTIRA (European Telematics in Rural Areas) vor rund 120 Telematikexperten und -interessenten aus 30 europäischen ländlichen Regionen in Dresden, Sachsen.

Referenten und Symposionsteilnehmer kamen zu dem einhelligen Schluss, dass die Entwicklung in Richtung Informationsgesellschaft den ländlichen Räumen in die Hand spielen könnte. Denn Telekommunikation lässt die Bedeutung räumlicher Distanzen in den Hintergrund treten. So könnten Dörfer in Zukunft den Städten als Arbeitsstätten und Orte der Wissensvermittlung Paroli bieten und wären auch ländliche Gebiete im Besitz der Trumpfkarte, global agieren und weltweit kaufen wie auch verkaufen zu können.

Damit aus den vielfältigen Chancen auch Erfolge werden, bedarf es:

  • leistungsfähiger Datenhighways (die im Übrigen etwa gleich viel kosten wie das Markierungs- und Leitsystem einer Autobahn);
  • gut ausgebildeter und weiterbildungswilliger „User“;
  • geistig beweglicher Dorfbewohner mit Offenheit für das Neue.

Nicht nur die Chancenreservoire, auch die Gefahrenpotenziale der „schönen neuen virtuellen Welten“ kamen im Rahmen des Symposions zur Sprache: Beispielsweise Kommunikationsverluste und Vereinsamung am Bildschirm durch Telearbeit – Probleme, denen Peter Schawerda, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, durch Telehäuser statt Heimarbeit begegnen möchte. Eine weitere Schattenseite, die thematisiert wurde, ist die Situation älterer bzw. weniger gebildeter Menschen, die in einer technikorientierten und besonders schnelllebigen Zeit leicht zu den großen Verlierern zählen könnten, wird nicht durch umfassende Schulungsmaßnahmen und Motivierungskampagnen gegengesteuert.

Conclusio: Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien können die ländliche Gesellschaft im positiven Sinn revolutionieren, wenn es gelingt, eine Balance zwischen Mensch und Technik, zwischen Standorten und Standpunkten, zwischen Hightech und Hightouch zu finden.

Auf das polnische Dorf haben besonderen Einfluss:

  • europäische Integration,
  • Globalisierung,
  • Angleichung (in allen Bereichen) – Verlust an Verschiedenheit, Popularisierung der städtischen Muster und der Geschmacklosigkeit,
  • chaotische Entwicklung der Orte und Vororte, ungeeignete und falsche Raumplanung,
  • Wirtschaftsflucht -hauptsächlich junger Menschen,
  • Industrialisierung der Landwirtschaft, Verlust dörflicher Strukturen,
  • Dominanz durch dir politische Gemeindeebene, Verlust der Selbstbestimmung und verwaltung, Identitätsverlust,
  • Schwächung der bürgerlichen Gesellschaft, das Verlorengehen des dörflichen Lebens in historischer Bedeutung,
  • fehlende staatliche Steuerungsmechanismen zur Dorfentwicklungspolitik und fehlende Instrumente zur Ergänzung der verschiedenen Teilbereichsprogramme,
  • mangelndes Interesse der Selbstverwaltung der Woiwodschaft an der Erhaltung und Förderung ländlicher Bereiche und die Vernachlässigung regionalbezogener Politik.

Der Eintritt in die EU hat die Auflösung landwirtschaftlich genutzter Flächen beschleunigt (in der Woiwodschaft Oppeln geht der Prozess zu Ende). Durch die Aufgabe der Landwirtschaft stellen sich in Polen für die Bevölkerung im Vergleich zum Westen die Lebensbedingungen schlechter dar (diese Veränderungen verzogen sich in West-Europa vor etwa 30 Jahren). Das Potential der polnischen Dörfer ist geringer, die Infrastruktur ist unvollkommener und ist weniger effektiv, die bereitstehenden Mittel zur Entwicklung und Revitalisierung sind unvergleichbar kleiner, und die Herausforderungen unvergleichbar größer.

Das polnische Dorf der Zukunft wird von Landflucht gekennzeichnet, verursacht durch den Wegzug insbesondere junger Menschen auf der Suche nach Arbeit und verbesserten Lebensbedingungen in die größere Städte und nach Westeuropa. Dieser Prozess ist, da der Anreiz Fähigkeiten herauszufordern und sein Können unter Beweis zu stellen, nicht aufzuhalten ist. Unter diesen Voraussetzungen wird sich das polnische Dorf nicht entwickeln können oder gar aufgegeben werden.

Wird das Dorf überleben können? Die Antwort ist ja, unter der Voraussetzung, dass man dem derzeitigen Prozess gesteuert und die Bedingungen zur Rückkehr fördert. Das Dorf kann ein Ort sein, in dem sich die Menschen, die durch das jahrelange Pendler Dasein erschöpft haben, durch strukturelle Veränderungen adäquate Lebensbedingungen schaffen können. Durch die weltweite Vernetzung durch das Internet wäre das Dorf der ideale Lebensraum für Freiberufler, beispielsweise Architekten, Designer, Finanzberater. Die Dörfer bieten die Möglichkeit Zivilisationsmüden, alternative Lebensformen Bevorzugenden, sowie demjenigen, die ihren Lebensabend in vertrauter Umgebung verbringen möchten, ideale Lebensbedingungen. Eine verlässliche Schätzung der Einwohnerzahl und Zahl der Berufstätigen lässt sich auf Grund von Landflucht und temporärer Fluktuation nicht ermitteln. Durch die og. Entwicklungen werden die Einwohner gezwungen neue Organisationsformen zu entwickeln. Das Dorfgemeinschaftshaus in seiner ursprünglichen Bedeutung wird ersetzt durch ein multifunktionales Aktionszentrum und Schulen auf computergestützten Unterricht ausgerichtet.

Wodurch lässt sich ein positives Szenario schaffen? Wodurch kann sich das Dorf gegenüber der Stadt profilieren?
Ich sehe keine grundlegende Veränderung der Infrastruktur als erforderlich an, sondern vielen reicht ein Minimum an Standards aus. In den nächsten Jahren stehen keine Mittel zur Verfügung um die Standards der Dörfer dem westlichen Niveau anzugleichen, in diesem Wettbewerb steht das polnische Dorf auf verlorenem Posten. Auch der Arbeitsmarkt kann dieses Problem nicht relativieren, da die Bedingungen hier zunehmend schwieriger werden. Eine Chance im Wettbewerb zwischen Stadt und Dorf besteht für Letzteres nicht in den materiellen Faktoren, sondern in dem Gemeinschaftsgefühl und der Identifikation.

Dazu 3 Faktoren:

  • Gemeinschaftsgefühl,
  • Verbundenheit mit der natur und dem kulturellen Erbe,
  • Heimatverbundenheit.
Die Gestaltung eines individuellen Umfeldes ist in der Stadt schwieriger zu erreichen. Durch die beiden erstgenannten Faktoren erhöht der Dorfbewohner die Möglichkeit einen Bezug zu gewachsenen Strukturen herzustellen wie: Naturverbundenheit und sozio-kulturelle Identität. Der reiz der Sache liegt in der Einfachheit, damit können ungenutzte Potentiale freigesetzt werden. Diese Potentiale kämen der Entwicklung zu einem lebendigen Dorf zugute, entsprechend des Konzepts eines thematisierten oder eines kooperativen Dorfes wie von mir in einem Artikel „10 Jahre Dorferneuerung – der Weg zum Ziel“ dargestellt wurde. Die Zukunft des Dorfes ist nur zu sichern durch Wahrung zwischenmenschlicher Kontakte. Grundlage für den Erhalt dörflicher Gemeinschaft ist der mentale Aspekt.

Zum Schluss meiner Ausführungen lassen Sie mich noch ein Wort bezüglich Dorferneuerung in der gegenwärtigen Situation anmerken. Es gibt keine Zweifel, dass im Zuge der Globalisierung nach derzeitigen Erkenntnisstand die Attraktivität und Bedeutung des Dorfes und des ländlichen Raumes allgemein Zustimmung findet, aber es gibt auch keine Zweifel, dass die technische Entwicklung und die gesellschaftlichen Veränderungen auch zukünftig außerhalb des ländlichen Raumes stattfinden. Folgender Schluss ist zu ziehen: Stadt und Dorf müssen nicht in Konkurrenz zueinander stehen, sondern im Rahmen der Globalisierung gleichberechtigt Dorf-Stadt-Welt. Das Dorf mit seinen unverzichtbaren Reservoire an Werten und Gütern kann als Rückzugsort angesehen werden. Das Dorf der Zukunft wird also ein Dorf der Ergänzung. Das Finden und Nutzen der Bereiche dieser Ergänzung kann eine Perspektive für die Dorferneuerung sein und als Instrument, das die Zukunft des Dorfes gestaltet gelten und der Erhalt und die Kultivierung des polnischen Dorfes stellt bei der kulturellen Verschiedenheit Europas ein wichtiges Erbe dar.