Was hat die Jury im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2008 in den einzelnen Gemeinden und Dörfern  besonders angesprochen? Welche Leistungen hält sie für herausrgend und beispielhaft? Anworten darauf gibt der nachfolgende Text.

Der Europäische Dorferneuerungspreis 2008

Sand in Taufers, Südtirol, Italien

Sand in Taufers zählt 5100 EinwohnerInnen und startete seine Erneuerungsbewegung im Jahr 2000. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass Bildung und Weiterbildung der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung sind und dass der Ideenreichtum der BürgerInnen neben der naturräumlichen und wirtschaftlichen Gunstlage die wertvollste Ressource der Gemeinde darstellen. Dieser Ansatz hat die JurorInnen ebenso beeindruckt wie der Anspruch auf Ganzheitlichkeit und der hohe Grad an thematischen, räumlichen und interkommunalen Vernetzungen gepaart mit Beispiel gebenden gesellschaftlichen Innovationen.

Folgerichtig ziehen sich Bildungsinitiativen – jährlich rund 80 Weiterbildungsveranstaltungen mit etwa 900 TeilnehmerInnen, eine „Genossenschaft für Weiterbildung“, die pro Jahr zwei Bildungsprogramme erstellt, mehrere Bildungszentren mit modern ausgestatteten Schulungsräumen, die Vergabe von Bildungschecks durch die Gemeinde an die BürgerInnen, eine multifunktionale Bibliothek, die auch mit neue Medien aufwartet – wie ein roter Faden quer durch alle Handlungsfelder.

Sehr viel Wert wird dabei auch auf die Qualifizierung der MitarbeiterInnen der Gemeindeverwaltung gelegt, um ihren Aufgaben in einer von einem hohen Grad an Bürgerbeteiligung geprägten Gemeinschaft gerecht werden zu können. Engagement und Eigeninitiative der Bevölkerung werden in Sand nämlich nicht nur zugelassen, sondern als das wichtigste Steuerungselement des  Entwicklungsprozesses angesehen, das es von Seiten der Gemeinde zu fördern gilt – mittels Infrastrukturen,  mittels Schulungen zur Befähigung zur Beteiligung, mittels Vorträgen von Experten und Impulsveranstaltungen, die Entscheidungshilfen bieten und zur Auseinandersetzung mit neuen Themen anregen.

Weitere Entwicklungsschwerpunkte sind:

  • Bewusstseinsbildung, Information und Aktion zum Thema erneuerbare Energie und Energiesparen: Energiekonzept; Niedrigenergiehäuser, Einsatz von Windenergie, Wasser, Erdwärme und Photovoltaik,  bäuerliche Biogasanlage zur Stromerzeugung mit Vorbildwirkung über Norditalien hinaus, Realisierung eines Hauses der Energie;
  • Highlights im Bereich von Wirtschaft und Landwirtschaft: Käsefestival, das rund 10.000 Besucher anzieht;  die Ahrntaler Aktivbauernhöfe, die auf  attraktive Angebote und professionelles Marketing setzen; Tourismusleitbild, das Wirtschaft und Natur einerseits und Gäste und Einheimische andererseits als gleichberechtigte Partner sieht;
  • im Naturschutzbereich: neu angelegter Naturlehrpfad; zahlreiche Naturschutzgebiete u. Biotope; Umgestaltung des Freibades zu einem See; „Naturparkhaus“ im Dorfzentrum von Sand in Taufers, das dem Besucher die Einzigartigkeit dieser Bergwelt in all ihren Facetten näher bringt;  Bewusstseinsbildung für die Naturschätze bereits in Kindergarten und Schule;
  • Mobilität und Siedlungsgestaltung: qualitätvolle Sanierung ortsbildprägender Gebäude und Schaffung eines attraktiven Zentrums, das vielfältigen Funktionen gerecht wird; kluges Verkehrskonzept, das motorisierten Verkehr einschränkt und Fahrrad und Fußgänger fördert; Eigeninitiativen von Unternehmern, die Verkehr vermeidende Aktivitäten ihrer Mitarbeiter unterstützen und belohnen; ein mit erneuerbarer Energie betriebener Citybus verbindet ab November 2008 das Dorfzentrum von Sand in Taufers mit den umliegenden Siedlungen;
  • Kultur und Identität: Projekt „Kulturmeile“ – 31 Stätten mit kulturhistorischer, siedlungsgeschichtlicher, wirtschaftsgeschichtlicher oder kunstgeschichtlicher Bedeutung wurden als Taschenbuch aufbereitet; Sicherung von altem Wissen und alten Kulturtechniken, was nicht nur Identität stiftet, sondern auch  touristisch in Wert gesetzt wird;
  • Zeitgemäße soziale Einrichtungen: Altenbetreuung, Sommerkindergarten, gemeindeeigene Altenwohnungen, „Essen auf Rädern“, Sozialsprengel mit einer Vielzahl von Leistungen, „stille“ Nachbarschaftshilfe,  vielfältiges, beeindruckendes Projekt „Offene Jugendarbeit“, Frauenkreise (Diskussion, Motivation, Weiterbildung – beispielsweise für JungunternehmerInnen), „Haus für Brasilien“ und andere Spendenaktionen mit starker Beteiligung der Bevölkerung;

Sand in Taufers besticht durch eine Vielzahl an miteinander vernetzten, aufeinander abgestimmten und in kommunale, regionale und in internationale Konzepte eingebundenen Projekten, die als markante Stationen auf dem Weg zu einer zukunftsorientierten und basisdemokratischen Bildungsgemeinde mit hoher Lebensqualität anzusehen sind. Soziale, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Aspekte werden dabei als gleichwertig behandelt, was in Kombination mit einem sehr ausgeprägten Problembewusstsein, insbesondere für Anliegen des Klimaschutzes und für neue Anforderungen infolge eines permanenten gesellschaftlichen Wandels, und einer klaren Innovationsorientierung die Überzeugung stärkt, dass in Sand in Taufers ein nachhaltiger Entwicklungsprozess in Gang gesetzt wurde, der noch viele Erfolge zeitigen wird.

Sieganwärter und ausgezeichnet mit:
Europäischer Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität

Ascha, Bayern, Deutschland
Besondere Leistungen gibt es in allen Teilbereichen der Dorfentwicklung, beginnend bei einer zukunftsorientierten, gentechnikfreien und selbstversorgenden Landwirtschaft, dem Erhalt und dem Aufbau standortgemäßer Erwerbsmöglichkeiten in Handel, Handwerk und Dienstleistungssektor, der qualitativ ausgerichteten Bausubstanz und Siedlungsstruktur, dem Wir-Gefühl der BürgerInnen, bis hin zu den zahlreichen sozialen und soziokulturellen Einrichtungen und Angeboten, die von einem sehr regen Vereinsleben begleitet werden. Absolutes Highlight ist aber sicher der verantwortungsvolle und zukunftsweisende Umgang mit den Ressourcen und erneuerbaren Rohstoffen, der Ascha zu einer nahezu energieautarken  Gemeinde werden ließ.

Liptovská Teplicka, Slowakei
Liptovská Teplicka besticht durch eine ganzheitliche Entwicklung, die landschaftlichen, bauräumlichen, sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Anliegen gerecht zu werden versucht.  Exemplarisch sei auf die radikale Umstellung auf biologisch-ökologische Grünland- und Weidewirtschaft mit ersten Ansätzen zur Veredelung verwiesen, die für die Erhaltung einer europaweit einzigartigen Kuturlandschaft verantwortlich zeichnet. Auch der bewusste Verzicht auf weitere oberflächenversiegelte Fahrbahnen, die erfolgreichen touristischen Initiativen, das durchgängige Kreislaufdenken, die engagierte Pflege der Taditionen, die höchst innovative Schule, die ausgeprägte Öffnung für moderen Informations- und Kommunikationsmedien durch einen eigenen Ortsfunk und wöchentliche, regionale Fernsehprogramme und nicht zuletzt
der beispielhafte Umgang mit den Romas, die 25 %  der Dorfbevölkerung ausmachen, die integriert werden, ohne sie assimilieren zu wollen, beeindrucken in hohem Maße.

Erlebnisland Maikammer, Rheinland-Pfalz, Deutschland
Das Erlebnisland Maikammer besteht aus den Ortsgemeinden Maikammer, Kirrweiler und St. Martin und zeichnet sich auf vielfache Weise aus. Als besondere Highlights sind zu nennen:

  • eine erfolgreiche Weinbergsneuordnung mit der klaren Zielsetzung, die Zukunftsfähigkeit der Weinbaubetriebe und die typische Weinbaulandschaft unter besonderer Beachtung des Naturschutzes  zu sichern;
  • eine vorbildliche Innenentwicklung mit Revitalisierung und Inwertsetzung alter qualitätvoller Bausubstanz, insbesondere für die Direktvermarktung des Naturproduktes Wein und für touristische Zwecke;
  • verkehrsberuhigende Maßnahmen und die gelungene Gestaltung der öffentlichen Straßen- und Platzräume inklusive Anlage von Themengärten;
  • ein hohes Maß an Bürgerbeteiligung und gesellschaftlichem Zusammenhalt gepaart mit zeitgemäßen Infrastrukturen für Kinder, Jugendliche und für die ältere Bevölkerung.

Seeham, Salzburg, Österreich
Seehams herausragende Leistungen sind vielfältig und reichen vom wirtschaftlichen über den sozialen bis hin zum kulturellen Bereich. Trotz des Siedlungsdrucks aus der nahen Landeshauptstadt Salzburg, dem offensiv begegnet wird, gelang es, dörfliche Struktur und Eigenart zu wahren und sich durch bemerkenswerte gesellschaftliche Innovationen erfolgreich auf den Weg in eine nachhaltige Entwicklung zu begeben. Herzstücke sind die denkmalgerechte Sanierung und Umnutzung des Schmidbauernhofes, die Ausrichtung der Landwirtschaft auf biologische Produktionsweisen, das Forcieren regionaler Kreislaufwirtschaft,  die Nutzung alternativer Energien, ein Mehrgenerationenhaus, eine gemeindeeigene Sozialarbeiterin,  eine motivierte Bevölkerung, deren Beteiligung gefördert und unterstützt wird, sowie zahlreiche Beispiele für praktizierte Kooperationsbereitschaft und gelebte Netzwerkorientierung.

Urnäsch, Appenzell Ausserrhoden, Schweiz
Urnäsch ist ein beeindruckendes Beispiel für eine höchst erfolgreiche Trendumkehr vom Abwanderungsraum zum vorbildhaften Innovationsstandort. Herzstück der Entwicklungsmaßnahmen ist die Errichtung eines REKA-Feriendorfes, das schlichtweg als Referenzprojekt für nachhaltige, qualitätvolle Architektur und Bautechnik im ländlichen Raum anzusehen ist. Höchste Anerkennung verdienen dabei auch die Finanzierung und die Realisierung des Projektes, die auf einem optimalen  Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik unter starker Einbindung der Bevölkerung, die 11 Millionen SF in Form von Spenden aufzubringen vermochte,  basieren. Darüber hinaus wird am Feriendorf deutlich, was Urnäsch insgesamt auszeichnet: Es steht für eine Beispiel gebende Vernetzung von natürlichen, landwirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Ressourcen mit neuen Wertschöpfungsketten, die die Einkommenschancen und die Lebensqualität aller EinwohnerInnen zu verbessern imstande ist.

Europäischer Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität

Gaschurn, Vorarlberg, Österreich
Gaschurn beeindruckt durch bemerkenswerte Aktivitäten und Projekte in allen maßgeblichen Bereichen der Dorfentwicklung, die auf einem ganzheitlichen Leitbild basiert und von aktivierenden Prozessen zur Bürgerbeteiligung und professioneller Prozessbegleitung gekennzeichnet ist. Vorbildlichen Maßnahmen stellen neben anderen die Errichtung eines Biomasseheizwerkes, die 25%-ige Solarförderung durch die Gemeinde, die Sanierung alter Bausubstanz und gleichzeitige Forcierung zeitgemäßer Gestaltungsformen, eine interkommunale Plattform zur Vermarktung landwirtschaftlichern Produkte und eine Wirtschaftsgemeinschaft dar. Höchst bemerkenswert sind auch die Initiativen zur Verschränkung von Tourismus und Genussregion Montafon, das Anlegen eines Landschaftspfades und eines naturnahen, erlebnisorientierten Wasserparks, die Verlegung des Kindergartens, die Initiierung einer Sommerbetreuung für Kinder und die Schaffung eines Jugendraumes, der von den Jugendlichen selbst verwaltet wird.

Mompach, Luxemburg
Mompach überzeugt in allen wesentlichen Bereichen der Dorfentwicklung, allem voran mit nachhaltiger, umweltschonender Land- und Waldwirtschaft, vorbildlichen Naturschutzprojekten, einem sorgsamen Umgang mit dem baukulturellen Erbe sowie mit beispielhaften Energiekonzepten. Das vielfältige bürgerschaftliche Engagement wird von der Gemeinde durch die Schaffung zeitgemäßer sozialer Infrastruktur für alle Alters- und Interessengruppen gefördert. Hervorzuheben sind auch mehrere grenzüberschreitende Kooperationsprojekte mit der deutschen Nachbarkommune, die Ressourcen schonen und Menschen zusammenführen.

Nebelschütz, Sachsen, Deutschland
Die Leistungen sind in vielen Teilbereichen der Dorfentwicklung herausragend: Erhalt und Aufbau von Erwerbsmöglichkeiten in Handel, Handwerk und Dienstleistungssektor, verantwortungsvoller und zukunftsweisender Umgang mit den Ressourcen und erneuerbaren Rohstoffen, Nutzung alter schützenswerter Bausubstanz, Schaffung von Stoff- und Energiekreisläufen sowie Weiterentwicklung von innovativen technologischen Synergien legen eine tragfähige wirtschaftliche Basis. In soziokultureller Hinsicht beeindrucken die Inwertsetzung der sorbischen Tradition als touristisches Alleinstellungsmerkmal, das rege Vereinsleben und der Zusammenhalt in der dörflichen Gemeinschaft und in der Region. Partnerschaften mit Freunden in aller Welt machen Nebelschütz zu einem weltoffenen Dorf mit Zukunft.

Rohrlack, Brandenburg, Deutschland
Rohrlack zeigt eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität, wobei die behutsame Entwicklung des Dorfes, gelegen in einem typischen Ungunstraum, im Zusammenspiel von DorfeinwohnerInnen, Zugezogenen und Auswärtigen hervorstechen. Aus diesem Zusammenspiel erwuchs die sensible und vorbildliche Integration von Menschen mit Behinderung in das Dorf, das zudem in deutlichem Maße auf Vernetzung setzt. All das wird durch das hohe Engagement der DorfeinwohnerInnen für ihr Belange möglich, die durch ihren ganzheitlichen Ansatz eindrucksvoll Zukunft schaffen.

Schönbach, Niederösterreich, Österreich
Schönbach ist durch ein außerordentlich  hohes Maß an bürgerschaftlichem Engagement und die Bereitschaft zur Umsetzung innovativer Ideen, insbesondere im wirtschaftlichen und kulturellen Bereich, gekennzeichnet. Herausragend präsentieren sich dabei insbesonders die Sanierung  und Revitalisierung des Klosterkomplexes, die Einrichtung einer Erlebniswerkstatt mit überregionalen Ausbildungslehrgängen für traditionelle Handwerkstechniken, die Schaffung von (europäischen) Bauernmärkten und einer Bauernholzbörse, die Bereitschaft zur Nutzung alternativer Energien, wie Sonnenkellektoren und  Biomasse in Form von Hackschnitzel und Sonnenblumenkernen, eine auf höchst innovative und bemerkenswerte Methoden und Ideen setzende Schule sowie Initiativen zur flächendeckenden Breitbandversorgung.

Europäischer Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung

Brontallo, Tessin, Schweiz
Brontallo ist es auf bemerkenswerte Weise gelungen, seinem scheinbar vorgezeichneten Schicksal  als auslaufender Wohnstandort inmitten einer verfallenden Kulturlandschaft Paroli zu bieten und einen zukunftsfähigen Agrotourismus zu entwickeln, der sich als Ersatz- und Begleitökonomie zur traditionellen Landwirtschaft versteht. Wesentliche Maßnahmen stellten dabei die Rodung der zuwachsenden Selven, die Instandsetzung der Trockensteinterrassen und diverser Kleinbauten sowie der Ausbau der traditionellen Turmhäuser zu vermietbaren Ferienwohnungen dar.

Dechow, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland
Dechow setzt erfolgreich auf das Konzept eines „lebendigen Dorfes“, das trotz ungünstigster Voraussetzungen im vergangenen Jahrzehnt zielstrebig, ganzheitlich, nachhaltig und kreativ angedacht und schrittweise umgesetzt wurde. Die junge, aber sehr heterogene Bevölkerung hat zusammen gefunden und arbeitet engagiert, insbesondere in soziokulturellen, gestalterischen und umweltrelevanten Bereichen sowie im Sinne des Aufbaus eines sanften Tourismus, für ihr „junges“ Dorf.

Dolenja vas, Slowenien
Dolenja vas beeindruckt durch herausragende gemeinschaftliche Leistungen im sozialen und kulturellen Bereich, wobei der Transfer von Wissen und traditionellen Fertigkeiten eine große Rolle spielt.  Besondere Anerkennung verdient das Engagement der Dorfgemeinschaft beim Bau des neuen, multifunktionalen Kulturzentrums, das in beispielhafter Weise  ausschließlich durch Eigenarbeit und mit Eigenmitteln der Dorfgemeinschaft errichtet wird und maßgeblich zur Festigung des dörflichen Gemeinwesens und zur Bereicherung der infrastrukturell bedingten Lebensqualität  beitragen kann.

Eckstedt, Thüringen, Deutschland
Eckstedt zeichnet sich allem voran durch die Sanierung und Umnutzung traditionsreicher Gebäude unter tatkräftiger Mitwirkung der Bevölkerung aus, wobei die Restaurierung der beeindruckenden Barockkirche, die heute auch für Konzertaufführungen genutzt wird, besonders zu erwähnen ist. Zahlreiche Initiativen und Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität der Gemeinde sowie das reichhaltige Vereinsleben mit vielen gesellschaftlichen Aktivitäten, an denen alle Generationen beteiligt sind, sind ebenfalls als beispielhafte Leistungen einzuschätzen und wirken sich sehr positiv auf die Lebensqualität der BewohnerInnen aus.

Elsendorp, Niederlande
Elsendorp zeichnet sich allem voran durch ein vorbildliches Engagement in den Bereichen gesellschaftlicher Zusammenhalt, BürgerInnenengagement und soziale Einrichtungen aus. Zu erwähnen sind unter anderem die Schaffung eines Seniorenzentrums, das Möglichkeiten zur Kommunikation, aber auch medizinische Betreuung bietet, die Einrichtung eines wöchentlichen Mittagstisches, der die Generationen zusammen führt,  und eine Schule, die nicht nach den Schwächen, sondern den Stärken der SchülerInnen sucht. Besondere Leistungen sind auch hinsichtlich der Erhaltung landwirtschaftlicher Betriebe, des Natur- und Umweltschutzes und der Siedlungsentwicklung zu nennen.

Havlovice, Böhmen, Tschechische Republik
Havlovice überzeugt insbesondere durch die Errichtung eines vorbildlichen Sportareals für die gesamte Region, den Ausbau des Wander- und Radwegenetzes und die Realisierung weiterer touristischer Maßnahmen, die auch den Einheimischen zugute kommen, sowie durch die bauliche Aufwertung des Kulturhauses. Diese Initiativen haben in Verbindung mit einem reichhaltigen Vereinsleben mit vielen gesellschaftlichen Aktivitäten aller Generationen wesentlichen Anteil daran, dass es gelungen ist, die  Attraktivität der Gemeinde und die Lebensqualität der Bevölkerung spürbar zu verbessern.

Hügelland östlich von Graz, Steiermark, Österreich
Das Hügelland östlich von Graz umfasst einen regionalen Verbund von 24 Gemeinden und besticht allem voran durch  beispielhafte und herausragende Leistungen im wirtschaftlichen Bereich. Besondere Anerkennung verdienen die erfolgreichen Bemühungen, im Sog der Landeshauptstadt Graz Maßnahmen zur Stärkung der regionalen Identität sowie zu neuer Wertschöpfung in den Bereichen Selbstvermarktung sowie Freizeit und Erholung zu realisieren. Kreative „Mittel zum Zweck“ sind dabei regionale Marktplätze, die auch anspruchsvolle neue Ortszentren darstellen und strategisch darauf abzielen, nicht nur Produkte an den Konsumenten zu verkaufen, sondern dabei auch die hohe Wertigkeit von Lebensmitteln besonders zu betonen und Bewusstseinsbildung zu erzielen.

Incourt, Wallonie, Belgien
Incourt ist durch pilothafte Projekte hinsichtlich einer Stärkung der sozialen Bindungen der BewohnerInnen, des Erhalts qualitätvoller Lebensbedingungen sowie der ökologischen und wirtschaftliche Entwicklung gekennzeichnet. Im Zentrum steht dabei die Nutzbarmachung des ehemaligen Steinbruchgeländes mit vielen ruinösen Baukörpern zu einem neuen Ortszentrum mit verschiedenen Funktionen: einem See mit reicher Flora und Fauna, einem Haus der Natur als Beratungs- und Fortbildungsstelle für alle Energiefragen und einer Wohnanlage für alle Generationen. Gestützte Gemeinde-Mietwohnungen für junge Familien, die Bewahrung des kulturellen Erbes, das Engagement für Natur und Umweltschutz, die Bemühungen um neue Beschäftigungsmöglichkeiten und die ausgeprägte Bürgerbeteiligung verdienen ebenfalls besondere Anerkennung.

Kazár, Ungarn
Der Gemeinde Kazár sind seit Beginn des Dorferneuerungsprozesses wesentliche Entwicklungen gelungen. Vor allen Dingen die Beiträge zur kulturellen Identifikation der Dorfgemeinschaft, zahlreiche Restaurierungen und Revitalisierungen, die Bereitschaft zu überörtlichen Kooperationen und die Schaffung von zeitgemäßen Einrichtungen zur Erhöhung der Lebensqualität sind hervorzuheben. Auch die Maßnahmen zur wirtschaftlichen Neuorientierung und Neupositionierung des Ortes lassen richtige Tendenzen erkennen und beginnen zu greifen.

Kuniów, Opole, Polen
Kuniów fasziniert mit realistischen und zugleich visionären Ideen und bereits gegenständlichen vernetzten Projekten sowie mit dem persönlichen Einsatz und dem engagierten, mitreißenden Schwung seiner BürgerInnen. Besondere Erwähnung verdienen dabei die Herausarbeitung der eigenen Werte und Ziele sowie die Wahrung und Pflege traditioneller Handwerke in Kombination mit erlebnis- und bildungstouristischer Ausrichtung. Ein Musterprojekt ist das „Kulturhaus“ – eine Schule, die Raum bietet für Kindergarten, Jugend- und Bürgerarbeit,  und als Generationen übergreifendes Zentrum für Bildung, Begegnung und Betreuung sowie auch als Plattform der Ideenentwicklung fungiert.

Liptál, Mähren, Tschechische Republik
Liptál zeichnet sich durch eine ausgeprägte Traditionspflege sowie Initiativen zur Stärkung der Dorfgemeinschaft und der Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen am dörflichen Leben, insbesondere durch die bauliche Kombination von Schule und altengerechtem Wohnen, aus. Auch im ökonomischen Bereich sind Erfolge zu verzeichnen, die sich in neu entstanden kleingewerblichen Betrieben und ersten touristischen Infrastrukturen manifestieren.

Radenthein, Kärnten, Österreich
Radenthein überzeugt mit hervorragenden Projekten in verschiedenen Teilgebieten der Gemeindeentwicklung. Besondere Anerkennung verdienen die Bemühungen im Sozialbereich, die der negativen Grundstimmung nach dem Niedergang der örtlichen Industrie entgegenwirken. Durch das Engagement von Schlüsselpersonen konnte eine Umkehr erreicht werden, die BürgerInnen Halt und neue Zukunftsperspektiven gibt. Auch die Initiativen der Gemeinde zusammen mit örtlichen Betrieben – Erlebniswelten Granatium und Sagamundo – sind sehr bemerkenswert. Dadurch erhält der Ort ein neues, modernes Image, entsteht Anziehungskraft für Urlauber in der Region und wird nicht zuletzt ein Beitrag zur wirtschaftlichen Belebung geleistet.

Ramsdorf, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Ramsdorf beeindruckt mit  besonderen Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung. Die soziale Nähe und das intakte gesellschaftliche Netzwerk, die hohe Bereitschaft zur Eigenleistung und die zukunftsgerichteten Initiativen zur Stärkung des sozialen Zusammenhaltes stechen dabei hervor. Große Anerkennung verdient darüber hinaus die ausgeprägte Sensibilität für ein intaktes, dem kulturellen Erbe angepasstes Dorfbild, dem durch qualitätvolle Sanierungen und ein einfühlsames Bauen Rechnung getragen wird.

Romrod, Hessen, Deutschland
Romrod zeichnet sich durch mehrere qualitätvolle Leistungen aus. Alles aber wird überstrahlt von der ausgeprägten Mottogerechtigkeit der Entwicklungsorientierung. Basierend auf einer hohen Sensibilität für die mannigfaltigen Auswirkungen des  demografischen Wandels und der Veränderungen der dörflichen Gesellschaft wird den Problemen der Landflucht und der Überalterung aktiv mit engagiertem Nachdenken und innovativen Projekte begegnet. Zahlreiche Aktivitäten und Maßnahmen in verschiedenen Bereichen der Dorfentwicklung wurden erfolgreich umgesetzt und zeitigen dank einer guten Vernetzung Synergieeffekte und Breitenwirkung.

Roßbach, Sachsen-Anhalt, Deutschland
Roßbach überzeugt mehrfach, insbesondere mit der sehr vorausblickende Leistung der Schaffung und Erhaltung von standortgemäßen Arbeitsplätzen mit Gewerbe- und Handwerksbetrieben, denen ein professioneller Unternehmergeist zu Grunde liegt, der sich auch in der stilgerechten Revitalisierung des Ortskernes unter Berücksichtigung der zeitgemäßen Bedürfnisse widerspiegelt. Im Selbstverständnis um die eigenen Stärken entstand unter Mithilfe der BürgerInnen und Vereine eine solide Basis für einen zu erwartenden Qualitätstourismus, zu dem sowohl die Aktivitäten der beiden Glaubensgemeinschaften wie auch die innovativen Winzer beitrugen. Das
Weindorf Roßbach hat damit für seine Zukunft als lebenswerte Gemeinde bestens vorgesorgt.

Steffeshausen, Deutschsprachige Gemeinschaft, Belgien
Steffeshausen in der belgischen Eifel kann mit dem Pfund einer herrlichen Landschaft im Dreiländereck Belgien-Luxemburg-Deutschland wuchern. Vom Ausgangspunkt eines traditionsgeleiteten Dorfes arbeitet eine selbstorganisierte, intakte Gemeinschaft an der Zukunftsfähigkeit ihres Dorfes. Die gemeinsame Umsetzung zahlreicher Kleinprojekte unter Einbeziehung aller Generationen sichert die starke Bindung der BewohnerInnen an ihren  Lebensraum. Die Ansätze zur Entwicklung des sanften Tourismus werden als Chance gewertet.

Umhausen, Tirol, Österreich
Umhausen fand auf der Suche nach Steigerung seiner touristischen Attraktivität und im Bewusstsein um seine Lage an einer historischen Passstraße eine besondere Nische: Schaffung eines Archäologieparkes unter der Patronanz des populären Ötzis. Der archäologische Freilichtpark, der immer mehr BesucherInnen anzieht, die qualitätvolle agrotouristische Weiterentwicklung und die Restrukturierung der traditionellen Kulturlandschaft stärkten das Selbstbewusstsein und den Zukunftsglauben  der Umhausener BürgerInnen und stellen preiswürdige Leistungen dar.

Wienhausen und Eicklingen, Niedersachsen, Deutschland
Die Gemeinden Eicklingen und Wienhausen weisen in ihren Dörfern sehr intakte Dorfgemeinschaften auf, die in qualitativ sehr guten Einzelprojekten, gepaart mit einer hohen Arbeitsbereitschaft der DorfeinwohnerInnen, Zukunft geschaffen haben. Das Projekt der dezentralen Abwasserklärung sticht dabei als besonders innovativer Beitrag neben vielen sehr gelungenen Sanierungen und Umnutzungen von Altbausubstanz besonders hervor.

Lobende Anerkennung für besondere Leistungen

Kein Teilnehmer

25. bis 27. September 2008

Seit 1990 ruft die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung alle zwei Jahre zum Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis auf. Heuer ging diese begehrte Auszeichnung erstmals nach Italien, und zwar an die 5.200 EinwohnerInnen zählende Gemeinde Sand in Taufers in Südtirol. „Sie stellt mit mutigen gesellschaftlichen Innovationen im Rahmen einer nachhaltigen und ganzheitlichen Gemeindeentwicklung eindrucksvoll unter Beweis, dass sie willens ist, ihre Zukunft selbst zu gestalten“, betonte die Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Theres Friewald-Hofbauer, Wien, bei der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2008 im friesländischen Ort Koudum, Niederlande, dem Gewinner des Wettbewerbes 2006.

Dem Festakt wohnten neben einer Reihe hochrangiger Persönlichkeiten und rund 850 Dorferneuerungsaktivisten aus zahlreichen europäischen Staaten auch der Beauftragte der Königin der Provinz Friesland, Johannes Arnoldus Jorritsma, und der 2. Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Wojewode Riszard Wilczynski, Opole, Polen, bei. Workshops, Exkursionen und ein grandioses Fest der Begegnung, das sich über den ganzen Ort erstreckte und drei Tage andauerte, rundeten das Programm der Veranstaltung ab, die von der Europäischen Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung, gefördert und von der ARGE in Kooperation mit Koudum, der Gemeinde Nijefurd und dem Club Niederösterreich durchgeführt wurde.

Sand in Taufers – eine basisdemokratische Bildungsgemeinde

Die Erneuerungsbewegung von Sand in Taufers basiert auf der Erkenntnis, dass Bildung und Weiterbildung der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung sind und dass der Ideenreichtum der BürgerInnen – neben der naturräumlichen und wirtschaftlichen Gunstlage – die wertvollste Ressource der Kommune darstellt. Gemäß diesem innovativen Ansatz und dem Anspruch auf Ganzheitlichkeit besticht Sand in Taufers durch eine Vielzahl an Projekten, die miteinander vernetzt, aufeinander abgestimmt und in kommunale und regionale Konzepte eingebunden sind. Sie präsentieren sich als markante Stationen auf dem Weg zu einer basisdemokratischen Bildungsgemeinde mit hoher Lebensqualität. Soziale, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Aspekte werden dabei als gleichwertig behandelt.

Die gesetzten und projektierten Maßnahmen sind von einer klaren Innovationsorientierung und einem sehr hohen Problembewusstsein, insbesondere für Anliegen des Klimaschutzes und für neue Anforderungen infolge eines permanenten gesellschaftlichen Wandels, gekennzeichnet.

Wettbewerbsprojekte von Nachhaltigkeit und Ganzheitlichkeit geprägt

Der 10. Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis stand unter dem Motto „Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen“ und zeichnete sich durch eine große Teilnehmerzahl (29 Orte bzw. Gemeinden bzw. Mikroregionen aus ebenso vielen europäischen Regionen) sowie ein außerordentlich hohes Niveau aus. Unter vielen guten Projekten wurden die zehn besten, die mit zu den Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 18 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ freuen.

Ziel des Wettbewerbes war es, besonders herausragende und beispielhafte Aktivitäten und Initiativen der Dorf- und Gemeindeentwicklung „vor den Vorhang“ zu bitten und unter Berücksichtigung des ökonomischen und kulturellen Kontextes zu prämieren. Vorrangiges Kriterium war, dass die gesetzten Maßnahmen gemäß dem „Leitbild für Landentwicklung und Dorferneuerung in Europa“ und im Sinne der Lokalen Agenda 21 darauf abzielen, zu einer nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume beizutragen. Das Motto des Wettbewerbes 2008 – „Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen“ – war als Signal dafür gedacht, einen besonderen Fokus auf die soziale Dimension der Lebensqualität zu legen. Es sollte dazu anregen, sich sehr bewusst mit den vielfältigen Veränderungen der Sozial-gemeinschaft Dorf auseinander zu setzen und Antworten auf den demografischen Wandel, auf neue Rollenbilder und neue Familienstrukturen zu suchen.

Bewertet wurden neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer. Fragen der Architektur, der Siedlungsentwicklung, der Ökologie und der Energieversorgung spielten dabei ebenso eine Rolle wie soziale Einrichtungen, kulturelle Initiativen und Bemühungen um eine wirtschaftliche Entwicklung. Wesentlich dabei waren ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperations-bereitschaft geprägte Methodik.

Europäischer Dorferneuerungspreis – Lobbying für den Ländlichen Raum

„Ich bin sehr froh, dass die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung den Europäischen Dorferneuerungspreis kontinuierlich seit 1990 vergibt. Denn dieser Wettbewerb fördert die Europäische Integration und trägt wesentlich dazu bei, dass die ländlichen Räume Europas auf der politischen Tagesordnung bleiben“, so ein Kommentar des „Gastgebers“ und Königlichen Kommissars J.A. Jorritsma.

4. Juli 2008

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2008 ist entschieden: Eine interdisziplinär zusammengestellte Jury von 18 hochrangigen internationalen ExpertInnen hat nach einer intensiven Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung dieser Tage in München nach eingehender Beratung die Gemeinde Sand in Taufers, Südtirol, Italien, zum Sieger gekürt. „Damit wird ein Projekt ausgezeichnet, das dem Wettbewerbsmotto ,Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen’ auf überzeugende und mehrfache Weise gerecht wird und mit einer ganzheitlichem, nachhaltigen Entwicklung von herausragender Qualität besticht“, freute sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Niederösterreich, in einer ersten Reaktion.

Bildung und Bürgerbeteiligung als Erfolgsgaranten

Sand in Taufers zählt 5100 EinwohnerInnen und startete seine Erneuerungsbewegung im Jahr 2000. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass Bildung und Weiterbildung der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gemeindeentwicklung sind und dass der Ideenreichtum der BürgerInnen neben der naturräumlichen und wirtschaftlichen Gunstlage die wertvollste Ressource der Gemeinde darstellen. Dieser Ansatz hat die JurorInnen ebenso beeindruckt wie der Anspruch auf Ganzheitlichkeit und der hohe Grad an thematischen, räumlichen und interkommunalen Vernetzungen gepaart mit Beispiel gebenden gesellschaftlichen Innovationen.

Der Teilnehmer besticht durch eine Vielzahl an Projekten, die sich als markante Stationen auf dem Weg zu einer zukunftsorientierten und basisdemokratischen Bildungsgemeinde mit hoher Lebensqualität präsentieren. Soziale, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Aspekte werden dabei als gleichwertig behandelt, was in Kombination mit einem sehr ausgeprägten Problembewusstsein, insbesondere für Anliegen des Klimaschutzes und für neue Anforderungen infolge eines permanenten gesellschaftlichen Wandels, und einer klaren Innovationsorientierung die Überzeugung stärkt, dass in Sand in Taufers ein nachhaltiger Entwicklungsprozess in Gang gesetzt wurde, der noch viele Erfolge zeitigen wird.

Sensationell hohes Niveau der Wettbewerbsprojekte

Grund zum Feiern haben aber nicht nur die Sander, sondern auch alle anderen der insgesamt 29 Teilnehmer aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen. Unter den vielen guten und sehr guten Projekten wurden die zehn Besten, die mit zu den Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganz-heitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 18 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ freuen. Die hohe Qualität der Wettbewerbsprojekte hatte zur Folge, dass sich 2008 kein Teilnehmer in der Kategorie „Lobende Anerkennung besonderer Leistungen“ findet (siehe Anlage).

Vom 25. bis 27. September 2008 wird es soweit sein: Die Auszeichnungen werden verliehen – im Rahmen eines Festaktes, eingebettet in Workshops, Exkursionen, einen Abend der Begegnung mit Dorfgemeinschaften aus mehr als 30 europäischen Regionen, eine Ausstellung der Wettbewerbsprojekte und ein dreitägiges Dorffest mit. Austragungsort ist der Gewinner des Europäischen Dorferneuerungspreises 2006.

Die Preisverleihung erfolgt am 26. September 2008 in Koudum (Sieger 2006), Gemeinde Nijefurd, Niederlande, im Rahmen eines Festaktes, der in einen dreitägigen  Veranstaltungsreigen mit Workshops, Exkursionen und unzähligen kulturellen und kulinarischen Highlights eingebunden ist.

24. und 25. April 2008

Das Umweltzentrum in Oberlauterbach, Ortsteil der Stadt Falkenstein in Sachsen, war Gastgeber des 1. Dorferneuerungs-Stammtisches, der Ende April 2008 von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung in Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft veranstaltet wurde. Ein Austragungsort, der dem Thema des Stammtisches “Neues Leben in alten Mauern” mehr als gerecht wurde, gibt er doch als ehemaliges Rittergut ein großartiges Beispiel dafür ab, wie es gelingen kann, eine wertvolle historische Bausubstanz nicht nur fachgerecht zu restaurieren, sondern auch sinnvoll zu revitalisieren.

Im Zentrum des Workshops stand die Auseinandersetzung mit Vor- und Nachteilen von Umnutzung und Neubau in ländlichen Siedlungen und damit ein Teilbereich des wichtigen und umfassenden Themenkomplexes „Siedeln, Bauen und Wohnen“, der in jeder ganzheitlichen Gemeindeentwicklung besondere Aufmerksamkeit genießen sollte, wie ARGE-Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer in ihrem Eröffnungsstatement betonte. Denn jeder Lebensraum, ob Haus, Dorf oder Landschaft, gibt Zeugnis von den Erfahrungen, Wagnissen und Sehnsüchten seiner BewohnerInnen und deren Vorfahren, spiegelt deren Lebensalltag und Lebensträume wider und ist damit wesentlicher Kristallisationspunkt für Identität und Identifikation.

Henning Kuschnig, Referent für Dorfentwicklung im Referat für Ländliche Entwicklung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, erklärte, dass man in Sachsen vorrangig auf Umnutzungen, die eine Baulandeinsparung im Ausmaß von 3,4 Millionen m2 zu bringen vermögen, setze. „Neubauten werden bei uns daher nicht mehr gefördert“, so Kuschnig, der im Hinblick auf die Landflucht auch dafür plädierte, Dörfer attraktiver für Frauen zu  machen.

Mit interessanten Ergebnissen einer Studie, die darauf ausgerichtet war, Neubauten und Umnutzungsobjekte hinsichtlich ihrer Stoff-, Energie-, Emissions- und Kostenbilanzen miteinander zu vergleichen, wusste Wolfram Worm von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft aufzuwarten. Er verwies darauf, dass es dabei zahlreiche Faktoren wie den baulichen Zustand, Abweichung der Zielnutzung von der ursprünglichen Verwendung, Baukörpergröße etc. zu berücksichtigen gebe, die großen Einfluss auf endgültige Bilanzen hätten, dass aber summa summarum ein bemerkenswert großen Plus für Umnutzungen zu verzeichnen sei.

Peter Schawerda, Konsulent der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, warf einen Blick auf Projekte, die er im Rahmen seiner Jurorentätigkeit im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis kennen gelernt hatte. Etwa auf die Region Artland in Niedersachsen, wo es mit viel Engagement gelungen ist, leer fallende bzw. leer gefallene, Jahrhunderte alte und einzigartige Bauernhöfe unter Wahrung der baukulturellen Substanz und der umgebenden idealtypischen Parklandschaft erfolgreich umzunutzen und zusätzlich durch eine sinnvolle Vernetzung der einzelnen Nutzungsformen zu einer Erhöhung der Wertschöpfung beizutragen. Bemerkenswert auch das niederländische Bredevoort, ein 1600 EinwohnerInnen zählender Ort mit einem denkmalgeschützten, mittelalterlichen Stadtkern, wo es innerhalb von nur fünf Jahren gelang, sich als grenzüberschreitende Bücherstadt zu etablieren und rund 40 leerstehende Gebäude zu mehr als 20 Antiquariaten, einem Buchbinde- und ein Dokumentationszentrum für Regionalgeschichte sowie mehreren Kunstgalerien umzufunktionieren. Ein blühender Kulturtourismus mit höchst positiven Auswirkungen auf Wirtschaft und Landwirtschaft war nur eine der Konsequenzen dieser kreativen Idee.

Über seine reichen Erfahrungen mit dem Landeswettbewerb „Ländliches Bauen“ berichtete dessen Juryvorsitzender, Architekt Dietmar Schröder. Der Wettbewerb wird seit 1993 vom Freistaat Sachsen – seit dem Jahr 2003 gemeinsam mit dem Landesverein Sächsischer Heimatschutz e. V. – ausgerichtet, um vorbildliche Ergebnisse der Sanierung, der Umnutzung sowie des Neubaus ländlicher und landwirtschaftlicher Wohn- und Wirtschaftsgebäude und anderer landschaftstypischer baulicher Anlagen zu würdigen. Dahinter steht die Intention, künftige Bauherren dazu anzuregen, sich die gelungenen Beispiele als Vorbild zu nehmen. Näheres dazu unter:  http://www.smul.sachsen.de/laendlicher_raum/331.htm

Sozialwissenschafterin Ute Roericht von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft schließlich gewährte Einblicke in die Ergebnisse einer Befragung von Familien hinsichtlich ihrer Vorstellungen von Wohnqualität und an ihre Ansprüche und Erwartungen an das Wohnen. Ihr Resumée mit den Worten einer Befragten: Junge Leute und alte Häuser – das passt zusammen!

Neben den oben genannten Fachleuten waren auch die Teilnehmer – VertreterInnen von Behörden, Vereinen und vor allem Gemeinden und Dörfern, die an einem der Wettbewerbe um den Europäischen Dorferneuerungspreis teilgenommen haben – eingeladen, über einzelne Projekte und ihre Erfahrungen mit Renovierung, Umnutzung und Revitalisierung von alten Bausubstanzen zu berichten. Bürgermeister Willibald Kessler aus Lupburg Bayern), Architekt Norbert Seitz vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz (Bayern), Bürgermeister Reinhard Falke aus Ummendorf (Sachsen-Anhalt), Bürgermeisterin Gisela Schöley aus Neustadt im Vogtland (Sachsen), die Vereinsobleute Walter Hammerl und Franz Höfer aus Schönbach (Niederösterreich) und Rainer Jessen von der Gesellschaft zur Förderung musischer Erziehung e.V. (Brandenburg) machten davon Gebrauch und spannten dabei einen weiten thematischen Bogen von denkmalgeschützten Einzelobjekten für private Wohnzwecke zu umfassenden kommunalen und lokalen Revitalisierungsprojekten für  kulturelle, soziale, wirtschaftliche oder wohnliche Nutzung.

Angeregte Diskussionen und vielfältiger Erfahrungsaustausch der TeilnehmerInnen rundeten den Dorferneuerungs-Stammtisch ab und mündeten in der Erkenntnis, dass die Planung des zweiten Stammtisches bald in Angriff genommen werden sollte

29 ausgewählte Dörfer, Gemeinden bzw. Regionen haben sich dem Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2008 und seinen Kriterien gestellt. Eine große Herausforderung für die Teilnehmer, aber auch für die JurorInnen, vor allem angesichts der Tatsache, dass außergewöhnliche Qualität und Zukunftsfähigkeit oft erst auf den zweiten Blick sichtbar werden, wenn nicht überhaupt nur spürbar sind.

Umso bedeutender ist es, dass dieser Wettbewerb von einer Jury entschieden wurde, die von vielseitiger Sachkompetenz, ausgeprägter Sensibilität und einem Höchstmaß an Verantwortungsbewusstsein gekennzeichnet ist.

Das sind sie, die JurorInnen 2008:

Josef Attenberger                     Johan W. Boekhoven

Ivona Cimermanová                  Hannes Clauß

Angelika Diesenreiter               Beatrix Drago

Alfons Dworsky                           Jan Florian

Camille Gira                                Peter Haider

Klaus Juen                                  Charles Konnen

Carlo Lejeune                             Marija Markes

Karl Mayr                                     Heike Roos

Peter Schawerda                       Hartwig Wetschko

8. bis 11. Oktober 2007

Best Practice in Salzburg und Bayern

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung veranstaltete zusammen mit der „Gemeindeentwicklung Salzburg“ eine Fachexkursion nach Salzburg und Bayern. DorferneuerungsexpertInnen aus Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, der Steiermark und dem Burgenland, der Slowakei und der Wojwodschaften Niederschlesien, Oppeln und Schlesien nahmen daran teil und konnten Zukunft weisende Problemlösungen in den vorgestellten Modellprojekten kennen lernen. Zur Vertiefung der Impulse aus den Besichtigungen wurde ein Workshop abgehalten.

Dort könnte das Motto lauten: Brücken zwischen den von „Verinselung“ bedrohten Generationen im Dorf schlagen. Durch die gesellschaftlichen Veränderungen in unserer Zeit spielt sich das soziale Leben immer mehr in gleichartigen Gruppen ab. Jung und Alt leben vielfach aneinander vorbei. Elixhausen will da gegensteuern und zieht soziale Netzwerke ein. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, ‘junge Alte“ und hoch betagte Menschen sollen voneinander lernen und damit voneinander profitieren.

“Junge Alte“ liefern das Mittagessen in Kindergarten und Schule, die Bücherei veranstaltet Märchenstunden für Kinder und Seniorlnnen, der Hilfsdienst kümmert sich um die ältere Generation, der Ferienpass bietet den Kids ein buntes Programm und vieles mehr wie ein begehbarer Adventkalender, die Schaffung einer „barrierefreien Gemeinde“, eine Ideen- und Kummernummer, Erhalt und Pflege der Trachten, auch jener der nach 1945 eingewanderten Siebenbürger Sachsen, ein Sportfest mit Bewerben quer durch die Generationen, ein Skulpturenpark, ein „Erzählcafe“. In der Gesamtschau eine gezielte Förderung von generationenübergreifenden Begegnungs- Erfahrungs- und Erlebnisräumen in der Gemeinde

Für den Erfolg war offenbar ein Bonussystem für freiwilliges soziales Engagement entscheidend. Diese Initiative bewertet und dokumentiert freiwillige ehrenamtliche Arbeit vor allem von Jugendlichen, Frauen und Arbeitslosen im erwerbsfähigen Alter und wird von zahlreichen Betrieben der Gemeinde unterstützt. Der so genannte „Sozialausweis“ mit dem dazugehörigen „Sozialkonto“, dient neben einigen Vergünstigungen bei Angeboten im Sozialbereich vor allem auch dazu, die ehrenamtlichen Helfer mit ihren Leistungen durch eine neue Kultur von öffentlichkeitswirksamer Anerkennung aufzuwerten und für alle sichtbar werden zu lassen

1800 Einwohner zählt die am Obertrumer See gelegene Gemeinde im Nahbereich der Stadt Salzburg. See und reich strukturierte bäuerliche Kulturlandschaft sind die Basis, um die sich verschiedenste Initiativen entwickelt haben.

„Tür an Tür mit der Natur“ ist die eine Schiene – die Seehamer Landwirte gehen sorgsam mit ihrem natürlichen Lebensraum um. Der hohe Anteil der kontrolliert biologisch arbeitenden Betriebe ist bemerkenswert. Ebenso die Qualität der „Urlaub am Bauernhof“ Anbieter. Mit dem Öko-Kultur-Projekt Teufelsgraben eröffnet sich eine mystisch-mythologische Erlebniswelt. Der Natur-Erlebnis-Weg, der Wildkarwasserfall mit der Kugelmühle und die Röhrmoosmühle sind neben vielen anderen Erlebnisangeboten Zeichen des harmonischen Zusammenspiels von Natur, Kultur, und Wirtschaftlichkeit.

Die kulturelle Verbindung von Tradition und Moderne hat als Kristallisationspunkt die bereits zur Institution gewordene Seebühne Seeham. Ein buntes Programm aus historischer und zeitgenössischer Kunst, mit viel Musik, Humor und kreativem Bühnenbau ist das Erfolgsrezept dieser Bühne, die ins Wasser hineingebaut ist. Ein Dorf spielt hier Theater.

Ein Projekt der besonderen Art ist die fachgerechte Sanierung des Schmiedbauernhofs, eines kulturhistorisch wertvollen Objektes. Durch die Neugestaltung wird sich eine zukünftige Nutzung als Gemeinde-, Kultur-, Veranstaltungs- und Handwerks- und Biobauernzentrum ergeben. Gleichzeitig ist durch den umgebenden großzügigen Freiraum auch optisch eine räumlich klare dörfliche Mitte entstanden.

Die Impulsregion Salzburger Seenland

Zu den großen Herausforderungen aller drei „Impulsregion 21-Gemeinden“ gehört die Nähe zur Stadt  Salzburg, ein wirtschaftlicher Ballungsraum mit enormer Sogwirkung. Es braucht gute Ideen, um sich in diesem Wettbewerb zu behaupten und eine starke „Identität nach innen“, zu entwickeln. So haben sich innerhalb des regionalen Projektes „Salzburger Seenland“ die 3 Gemeinden Mattsee, Neumarkt und Schleedorf 2005 zur Impulsregion 21 zusammengeschlossen. Unter breiter Beteiligung der BürgerInnen wurden „Gemeindeleitbilder zur Nachhaltigkeit“ entwickelt und vorbildhafte Projekte umgesetzt. Das gemeinsame Exkursionsservice bringt viele Interessierte in die Kleinregion. In dem damit verbundenen Austausch mit anderen „Zukunftsdenkern“ können alle voneinander lernen: die BesucherInnen und die Gastgeber. Die enge Zusammenarbeit der 3 Gemeinden hindert diese aber nicht an der Teilnahme am größeren Regionalprojekt. So werden Kräfte sowohl nach innen aber auch nach außen gebündelt und vernetzt.

Die Stadtgemeinde Neumarkt liegt etwa 20 km von der Stadt Salzburg entfernt. Der Ort verfügt über drei große Gewerbegebiete, ein Gesundheitszentrum, einige Interessenvertretungen und Behörden, mehrere Schulen, hat eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur und eine verkehrsgünstige Lage. Laut Regionalprogramm nimmt sie eine Reihe gemeindeübergreifender Aufgaben wahr. Neumarkt ist auch zum Wohnen attraktiv. Die „Wohlfühlqualität“ soll auch in Zukunft ein starkes Kennzeichen von Neumarkt sein.

Umgesetzt wurden vorbildhafte und zukunftweisende Initiativen: Aktivitäten im Energiebereich, die moderne und bürgernahe Gemeindeverwaltung, Modellprojekte im Sozialbereich, Mut zu zeitgemäßer Architektur, Einsatz für einen intakten Naturraum und für eine naturnahe Landwirtschaft, Initiativen zur Vitalität des Ortskerns sowie kreative und vielseitige Projekte im Kulturbereich mit einem engagiertem Impulszentrum, dem Museum Fronfeste und seinem Kunstvermittlungsprogramm.

Die Marktgemeinde Mattsee soll gemäß dem Regionalprogramm als Kernzone für Tourismus und Naherholung sowie als naturlandschaftliche Ruhezone fungieren. Mit den Schwerpunkten „Natur und Kultur“ hat sie bereits jetzt wirtschaftlich und sozio-kulturell viel bewegt.

Die wichtigsten Leitprojekte sind das Schloss Mattsee als regionales Kulturzentrum, die Leonardo Kunstakademie, die Genussakademie, das Schlosscafé, das renovierte Strandbad mit den Außenanlagen, die Weyerbucht als naturaktive Freizeitfläche für Jung und Alt und schließlich der Naturpark Buchberg. Darüber hinaus hat Mattsee Vorbildwirkung als „lebens- und familienfreundliche Gemeinde“ mit zahlreichen soziokulturellen Initiativen.

Die Dorfgemeinde Schleedorf ist heute vielfach ausgezeichnet, obwohl sie noch vor etwa 20 Jahren zu den zwei strukturschwächsten Gemeinden im Land Salzburg zählte. Seit 1997 bezeichnet sie sich als „Schaudorf Schleedorf“ und ist ein beliebtes Exkursionsziel für etwa 40.000 Tagesgäste aus dem In- und Ausland geworden. Neben den Ausflugsgruppen sind es immer mehr MultiplikatorInnen der Nachhaltigkeit, die sich hier Anregungen holen. Die 1. Österreichische Bio-Schaukäserei, das Aktivmuseum AgriCultur, die Schaubäckerei und die Schauschmiede, das Haus der Dorfgemeinschaft, die Zusammenarbeit mit örtlichen Gewerbe- und Gastronomiebetrieben, die Aktivitäten im Energiebereich und die sozialen „Beispielprojekte“ sind nur einige der Besonderheiten, die von den BewohnerInnen und den BesucherInnen geschätzt werden.

Weyarn – Nachhaltige Zukunftsarbeit mit den BürgerInnen

Basis des Weyarner Weges ist die Bürgerbeteiligung! Eigene Identität kann nur durch Viele bewusst gemacht werden und geht nicht von oben nach unten, sondern nur von unten nach oben.

Weyarn ist ein Dorf im Einflussbereich der Landeshauptstadt München mit etwas über 3000 Einwohnerlnnen auf 47 Quadratkilometern in 20 Dörfern und einer ländlichen Struktur mit reicher Geschichte. Durchzogen von großen Verkehrsadern erlitt die Kommune in den 70-iger und 80-iger Jahren den klassischen Infrastrukturverlust vieler ländlicher Gemeinden. Resignation und Gefahr der Verstädterung waren die Folge.
Mit dem Weg der bayerischen Dorferneuerung und deren klassischen Methoden der Partizipation, der professionellen Begleitplanung und einem effizienten Bodenmanagement begann ein spannender Prozess. Mit gelebter Bürger- und Sozialkultur gelang es, die ländliche Struktur nicht nur zu erhalten, sondern zu stärken. Bürgerwerkstätten wurden flächendeckend einberufen. Arbeitskreise entstanden. Sie haben sich Zeit genommen zur Bestandsaufnahme, haben Stärken und Schwächen analysiert, Potenziale gesehen und vernetzt. Leitbilddiskussionen folgten – in den Arbeitskreisen und vernetzt darüber hinaus. Aus den Leitbildern entstanden umfangreiche Maßnahmenkataloge. Für die Maßnahmen wurden Prioritäten erarbeitet und schließlich mündete das in einem Gemeindeentwicklungsprogramm.

Bürgerbeteiligung – das ist das Ergebnis des Weyarner Weges – ist effizient. Dafür gibt es Beispiele, wie ein dezentrales Gewerbekonzept mit einem Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten, eine Schule als Gemeinschaftsprojekt von Kindern, Eltern und Lehrern, die Verabschiedung von Landschaftsplänen in Übereinstimmung mit allen Beteiligten, oder nach breit geführter Diskussion die Resäkularisierung eines Klosters  und vieles andere mehr.

Daraus hat sich eine neue politische Kultur entwickelt. Die Kommune verabschiedet sich aus der Rolle des Vollversorgers für alle Probleme des täglichen Lebens und wird professionelle „Entwicklungsagentur“, die den Menschen jenen Raum geben, in dem sie den Mut zum Träumen haben und die Kraft zum Handeln nutzbar machen können und in dem Vielfalt in Freiheit zugelassen wird.
Abschließender Workshop zur Exkursion

Workshop

Als Abschluss wurde in Weyarn ein Workshop mit den ExkursionsteilnehmerInnenn abgehalten. Ziel war, die gewonnenen Eindrücke zu formulieren und auf deren brauchbare Anwendung für die jeweiligen Aufgabenstellungen der TeilnehmerInnen zu überprüfen. Dazu gab es eine Gruppenarbeit in drei sprachlichen Gruppen: deutschsprachig, tschechisch & slowakisch und polnisch. Die TeilnehmerInnen sollten die einzelnen Exkursionspunkte durchdenken, diskutieren und Antworten erarbeiten. Hier das Ergebnis in Stichworten

„Highlights“ der Exkursion:

  • Bürgerbeteiligung mit detaillierter Methodik (Weyarn); Einbindung von Generationen, Minderheiten (Elixhausen) und Migranten (Neumarkt); Private akzeptieren gemeinschaftliche dörfliche Interessen (Weyarn, Elixhausen, Seeham); Finanzierung auch durch private Investoren (Schleedorf); Projekte sind weniger Fragen des Geldes, sondern oft einfacher Ideen (Schleedorf, Weyarn, Neumarkt); weniger profitorientiert sondern „wohlfühlorientiert“ (Mattsee)
  • authentische/bodenständige Landwirtschaft (Schleedorf); Museum als Plattform mit starken Innen- und Außenaktivitäten  samt ehrenamtlichen Leistungen(Neumarkt)
  • „Modell Weyarn“ – umfassende Lösung für alle Lebensbereiche; Dorfladen (Weyarn); Museum Fronfeste (Neumarkt); professionelle Planungen (Mattsee); Vernetzung zur „Impulsregion“

Deutlich gewordene Gelingensfaktoren:

  • Wandel im Denken – Umdenken; intensive Kommunikation auf allen Ebenen; permanenter Informationsaustausch; Pflege von Feed Backs
  • Hohes Bewusstsein der Bevölkerung, die das eigene Umfeld auch sehr bewusst sieht; (Elixhausen, Seeham, Weyarn) hohes Bewusstsein auch für soziale Fragen (Elixhausen, Neumarkt, Weyarn)
  • Erfolgsfaktor Bürgerbeteiligung mit professioneller Begleitung (Neumarkt, Weyarn); risikobereite Entscheidungsträger (Elixhausen, Mattsee, Weyarn, Seeham); klare Ziele durch Leitbilder (Weyarn)

Konkrete Anregungen:

  • Wichtigkeit der Festlegung detaillierter Abläufe; Kinderparlamente einbeziehen; Generationenübergreifende Einbindungen; Beachtung der Nachhaltigkeit; ständiger Prozess als Träger der Selbstbildung; Projekte möglichst multifunktional anlegen
  • Neben vielen Impulsen vor allem: Multifunktionalität muss durchgängiges Prinzip werden
  • Mehr Beachtung der Daseinsvorsorge/Altersbetreuung; Wichtigkeit einer professionellen Begleitung; Sozialscheck Elixhausen als starke Anregung