Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung rief zum zehnten Mal zur Teilnahme am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis auf. Der Wettbewerb  ist geleitet von der Intention, besonders herausragende und beispielhafte Aktivitäten und Initiativen im Bereich einer ganzheitlichen Landentwicklung und Dorferneuerung „vor den Vorhang“ zu bitten und – unter Berücksichtigung des ökonomischen und kulturellen Kontextes – zu prämieren.

Vorrangiges Kriterium ist, dass die gesetzten Maßnahmen gemäß dem „Leitbild für Landentwicklung und Dorferneuerung in Europa“  und im Sinne der Lokalen Agenda 21 darauf abzielen, zu einer nachhaltigen Stärkung der Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume beizutragen. Das Motto des Wettbewerbes „Zukunft durch gesellschaftliche Innovationen“  forciert jene Dörfer und ländlichen Kommunen in Europa, die den vielfältigen Veränderungen der Sozialgemeinschaft Dorf durch zeitgemäße, menschengerechte und finanziell leistbare Projekte Rechnung tragen.

Teilnahmebedingungen

Pro Land bzw. Region war nur eine Nennung – eines Dorfes oder einer (Verbands-) Gemeinde oder einer Kleinregion – möglich. Nennungsberechtigt waren die für die Dorferneuerung und Landentwicklung der jeweiligen Staaten, Länder und Regionen zuständigen PolitikerInnen bzw. ReferentInnen, aber auch Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs), sofern keine Einreichungen von offizieller, behördlicher Stelle vorlagen.

Termine

1. Februar 2008:                   Einsendeschluss für Bewerbungsunterlagen
März 2008:                            1. Bewertungssitzung der Jury
Mai/Juni 2008:                      Bereisung aller Teilnehmerorte durch Jurygruppen
Juni 2008:                              2. Bewertungssitzung der Jury, Beschlussfassung
26. September 2008:           Preisverleihung in Koudum, Niederlande

Preise

  1. An den Sieger wird der „Europäische Dorferneuerungspreis 2008“  vergeben.
  2. Die zweithöchste Auszeichnung, die mehreren Teilnehmern zuerkannt werden kann, ist ein „Europäischer Dorferneuerungspreis für eine ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“.
  3. Weiters werden Preise für „Besondere Leistungen in einzelnen oder mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“ vergeben.
  4. Alle Teilnehmer werden mit einer Anerkennung bedacht.

Es werden keine Geldpreise, sondern Preisobjekte wie Plaketten und Urkunden vergeben.

Beurteilungskriterien

A. ORIENTIERUNG und STRATEGIEN

  1. Nachhaltigkeit
  2. Ganzheitlichkeit
  3. Visionäre und innovative Ausrichtung

B. METHODEN

  1. Eigeninitiative und Bürgerbeteiligung
  2. Aktive und permanente Kommunikation der Akteure (PolitikerInnen, Behörden, BürgerInnen
  3. Prozessbegleitung und/oder -betreuung durch ExpertInnen
  4. Kooperationen in lokalen, regionalen und gegebenenfalls auch Staatsgrenzen überschreitenden Netzwerken und Partnerschaften

C. INHALTE

  1. Stärkung einer umweltgerechten Land- und Forstwirtschaft unter Berücksichtigung der Kulturlandschaft
  2. Erhaltung und Aufbau standortgemäßer Erwerbsmöglichkeiten, auch mit Blick auf regionale Wertschöpfungsketten
  3. Verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen und Nutzung erneuerbarer Rohstoffe
  4. Symbiose von schützenswerter alter und qualitätvoller neuer Bausubstanz sowie Ressourcen sparende und Verkehr vermeidende Siedlungsentwicklung
  5. Stärkung der Identität und des Selbstbewusstseins der DorfbewohnerInnen
  6. Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen und soziokultureller Qualitäten
  7. Förderung der Teilhabe aller Generationen, Nationalitäten und Minderheiten sowie beider Geschlechter am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben

D. MOTTOGERIGKEIT

Information

Theres Friewald-Hofbauer, Projektleitung
Tel.: +43/1/533 84 01-14; Fax: +43/1/533 84 01-20.;
E-Mail: friewald@clubnoe.at

Gabriele Gober, Sekretariat
Tel.: +43/1/533 84 01-10; Fax: +43/1/533 84 01-20;
E-Mail: info@clubnoe.at

Im Mittelpunkt der im Sommer 2007 erschienenen „Dorferneuerung international – good practice meets best practice“ Nummer 17 stehen die Teilnehmer am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006, wodurch sich diese Publikation als eine Sammlung besonders beispielhafter und herausragender Projekte ländlicher Entwicklung in verschiedenen europäischen Regionen präsentiert.

Darüber hinaus nehmen die mit Unterstützung der Europäischen Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, im September 2006 in Ummendorf, Sachsen-Anhalt, anlässlich der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise durchgeführten Veranstaltungen sowie Informationen über die Europäische Union und die Gemeinsame Agrarpolitik eine zentrale Rolle ein.

In Ergänzung dazu werden auch Blitzlichter auf den 6. Europäischen Dorferneuerungskongress in Kamien Slaski sowie auf den Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2008, der Mitte 2007 ausgelobt wurde, geworfen.

Bestellungen richten Sie bitte an info@clubnoe.at

Juni 2007

Ergebnisse einer Evaluierung des Wettbewerbes um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006

Um aus Fehlern zu lernen, um Ideen und Anregungen für neue Aktivitäten zu finden und um die Eindrücke der Teilnehmer festzuhalten, unternahm die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung den Versuch einer Evaluierung des Wettbewerbes um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006.

Neben Fragebögen, die an alle Teilnehmer an den von der Europäischen Union, GD Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, geförderten Veranstaltungen in Ummendorf (im Rahmen der Preisverleihung) ausgegeben wurden, stand dabei eine Befragung der Repräsentanten der teilnehmenden Orte mehrere Monate nach Abschluss der Aktion im Vordergrund. Dieser späte Zeitpunkt sollte verhindern, dass nur emotional geantwortet wird. Er sollte aber auch Zeit dafür geben, längerfristige Auswirkungen zu erkennen und eventuell gewonnene Projektideen zu realisieren.

Inhaltlich ging es darum zu eruieren,  inwieweit die Maßnahme auf das qualitative Niveau und die Zahl der Entwicklungsmaßnahmen Einfluss genommen hat und inwieweit durch Workshops, Referate, Erfahrungsaustausch, Exkursionen, Ausstellung, Dokumentationsband und das Kennenlernen anderer Projekte ländlicher Entwicklung ein Mehr an Wissen, Sensibilisierung und Motivation betreffend Bedeutung und Intentionen der Gemeinsamen Agrarpolitik gewonnen werden konnte. Außerdem wurde nachgefragt, ob es Bestrebungen und Aktivitäten zu einem längerfristigen Erfahrungsaustausch bzw. zu Kooperationen mit einzelnen oder mehreren im Rahmen der Maßnahme präsentierten Gemeinden gibt.

Folgende Fragen wurden gestellt:

1. Nahm die Maßnahme Einfluss auf das Geschehen in Ihrem Dorf/ Ihrer Gemeinde/ Ihrer Region? Falls ja, in welcher Form (Qualität,  Inhalte, Methoden …)?

2. Wurden Sie zu neuen Projekten angeregt? Falls ja, welcher Art?

3. Gibt es in Ihrem Dorf/ Ihrer Gemeinde/ Ihrer Region Bestrebungen zu einem längerfristigen Erfahrungsaustausch bzw. zu Kooperationen mit einzelnen oder mehreren im Rahmen der Maßnahme präsentierten Gemeinden?

4. Trug die Maßnahme dazu bei, Ihr Verständnis für die ländliche Entwicklung als wesentlicher Bestandteil der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union zu vertiefen?

5. Welche Veranstaltungen sollte die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung in nächster Zeit durchführen, um die im Rahmen der Maßnahme gewonnenen Eindrücke, Informationen und Erfahrungen zu vertiefen und zu verbreitern?

Die Rücklaufquote (14 von 30) wird als durchaus zufrieden stellend eingeschätzt, auch die geografische Streuung – Niederlande, Slowakei, Italien, Luxemburg, Slowenien, Ungarn, Belgien, mehrere deutsche Länder und mehrere österreichische Bundesländer – ist positiv zu sehen.
Besonders beeindruckt und gestärkt sind wir aber von der Qualität und der Substanz der Antworten, die dem Wettbewerb inklusive begleitender Veranstaltungen in vielfacher Hinsicht ein äußerst positives Zeugnis ausstellen. Dies umso mehr, da wir wissen, dass viele Fragebögen nicht von einer Person ausgefüllt wurden, sondern mehrfach das Ergebnis vorausgegangener Besprechungen, Diskussionen und Meinungsbildungsprozesse sind.

Die Ergebnisse im Detail:

Fragen 1 und 2:

  • Man fühlt sich bestärkt und auf dem richtigen Weg,
  • ermutigt, da Beispiele zeigen, dass auch Kleine Großes zu bewegen vermögen
  • gewinnt neue Sicht der EU als „Regionalisiererin“, der die Vielfalt etwas wert ist,
  • wird zu mehr Bürgerbeteiligung, Innenentwicklung, Stärkung des sozialen Gefüges,
  • zur Erstellung eines Gemeindegrenzen überschreitenden ILE-Projektes, zu neuen Leader-Projekten,angeregt,
  • übernimmt Führungsrolle und Vorbildfunktion für die Umgebung,
  • wird von den Medien und der Öffentlichkeit verstärkt wahrgenommen,
  • schenkt der regionalen Wertschöpfung mittels regionaler Produkte und Tourismus mehr Aufmerksamkeit,
  • beschäftigt sich verstärkt mit alternativen Energien (Biogas, Fernwärme),  mit Wirtschaft, Umwelt und Verkehr,
  • ist bereits dabei, das kulturelle Erbe zu bewahren und
  • meint einander innerhalb der eigenen Region durch die gemeinsame Zeit in Ummendorf näher gekommen zu sein.

Frage 3:

  • Man wird verstärkt von anderen Kommunen (auch weiter entfernten, in Nachbarländern) kontaktiert,
  • geht neue, längerfristige Partnerschaften mit Gemeinden in verschiedenen Ländern ein,
  • wendet sich den umliegenden Gemeinden zu
  • oder konzentriert sich auf bestehende Partnerschaften,
  • will sich Anregungen und Unterstützung bei besonders erfolgreichen Wettbewerbsteilnehmern holen,
  • möchte verstärkt im Leader-Netzwerk präsent und aktiv sein,
  • fühlt sich aber mancherorts von den eigenen Aufgaben mehr als ausgelastet und tendiert daher zu Erfahrungsaustausch statt Kooperation.

Insgesamt scheinen die Kommunen und Regionen dem europaweiten Erfahrungsaustausch, allem voran durch das Kennenlernen von Best-Practice-Beispielen und deren Trägern, große Bedeutung hinsichtlich ihrer Information, Animation und Motivation beizumessen. Tatsächliche Kooperationen geht man aber im Hinblick auf Effizienz, Bedarfslage und nicht zuletzt auch (Zeit-)Ökonomie eher in der näheren Umgebung, mit Nachbargemeinden, in einer LAG ein.

Frage 4:

  • Man hat erkannt, dass man mit seiner umfassenden Erneuerung ganz  im Sinne der  GAP handelt,
  • fühlt sich bestärkt, dass im Sinne der GAP nicht nur die Produktion, sondern auch soziokulturelle, ökologische, volkswirtschaftliche Leistungen Unterstützung erfahren,
  • bildet einen Arbeitskreis, um entsprechende Informationen weiter zu transportieren,
  • will noch mehr darüber erfahren,
  • antwortet einfach mit ja,
  • empfindet sein bereits ausgeprägtes Wissen über die GAP als gestärkt und geschärft,
  • wird wesentliche Elemente der ländlichen Entwicklung in Regionalentwicklungspläne einfließen lassen und
  • meint auch, dass die Information noch nicht ausreicht.

Frage 5:

  • Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung sollte noch mehr in dieser Richtung arbeiten, Überzeugungsarbeit auch auf Ebenen leisten, die noch nicht von der gesamthaften Entwicklung des ländlichen Raumes berührt sind (nationale Stellen)
  • müsste die Kontakte mit den teilnehmenden Gemeinden langfristig aufrecht erhalten,
  • sollte Veranstaltungen zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch auch mit anderen Dörfern, früheren Teilnehmern, in unterschiedlichen Ländern anbieten,
  • sollte die nationalen Regierungen dazu ermuntern, sich ihrer auch finanziellen Verantwortung für die ländlichen Räume, für die Dörfer verstärkt zu stellen
  • Durchführung von zeitökonomischen und preisgünstigen Exkursionen zu Erfolgsprojekten,
  • Abhaltung von Fachkongressen zu aktuellen, im Rahmen derartiger Befragungen eruierter Themenschwerpunkte mit Darstellung unterschiedlicher Lösungsansätze in naturräumlich und ökonomisch unterschiedlichen Regionen; dabei wird als Zeichen der Wertschätzung die Präsenz höchster EU-Funktionäre/Beamter (KommissarIn) erwartet,
  • Aufzeigen von erfolgreichen Beispielen und Darstellung ihrer Realisierung durch und mit Hilfe der Politik der Europäischen Union,
  • Sollte sich dem Thema „Globalisierung versus ländlicher Raum“ in Zusammenhang mit der EU-Agrarpolitik widmen
  • Sollte gute Beispiele „vor den Vorhang“ bitten und
  • Sich bemühen, verstärkt auch Gemeinden, die nicht in den Wettbewerb involviert sind, nicht an der Maßnahme direkt beteiligt sind, den Zugang zu den gebotenen und erworbenen Informationen zu ermöglichen
  • Setzen von Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung kommunaler Entscheidungsträger.

Abschließend wurden die Gemeinden gebeten, gegebenenfalls ein generelles Resumée zu geben, was einige auch getan haben. Sie werden nachfolgend im Originalwortlaut wiedergegeben:

“Beim Wettbewerb zum Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 war Schwarzach „Sieganwärter“ und erhielt das Prädikat „Europäischer Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“. Diese Auszeichnung hat für Schwarzach sehr große Bedeutung, weil damit viele Jahre Entwicklungsarbeit und ein jahrzehntelanges Bemühen um ein attraktives Dorf, in dem man gerne wohnt und arbeitet, gewürdigt wurden.
Die Erarbeitung der Bewerbungsunterlagen führte uns in der Gemeinde nochmals in diese Bemühungen der Vergangenheit und zeigte uns aus heutiger Sicht, dass die beschrittenen Wege die richtigen waren. Viele kleine Projekte erhielten in der Gesamtüberschau einen neuen Stellenwert und zeigten, wie aus Mosaiksteinen ein durchaus bedeutungsvolles Bild werden kann, das auch gut ist für eine europaweite Auszeichnung.
Die Teilnahme unseres Gemeindevorstandes an der Verleihungszeremonie in Ummendorf/Sachsen-Anhalt, die damit verbundene Projektausstellung, die Workshops, Informationen und Exkursionen haben uns Wissen um die vielen Möglichkeiten anderer zukunftsorientierter Gemeinden vermittelt. Vor allem profitierten wir von Beispielen des Sozialwesens und der Förderung von Dorfgemeinschaften, wofür die Gastlichkeit und das Engagement der Ummendorfer selbst das schönste Beispiel war.”

“Die Beteiligung am Wettbewerb zum Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 hat uns viele neue Perspektiven eröffnet. Die Besinnung der Orte auf die je eigenen Kräfte und Ausgangsvoraussetzungen können dargestellt, gebündelt und präsentiert werden. Besonders wichtig ist die länderübergreifende gemeinsame Vertretung der Interessen des ländlichen Raums gegenüber den politischen Entscheidungsträgern in den Hauptstädten, die sehr häufig eine größere Affinität zu den Metropolen darstellen.”

„Mit der Teilnahme am Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2006 hatten die Bürgerinnen und Bürgern des Bohnentales die Möglichkeit ihre bisherige Arbeit der internationalen Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Teilnahme an der Preisverleihung in Ummendorf war für unsere Delegation eine tolle Erfahrung, die uns ermutigt auf dem eingeschlagenen Weg weiter zu machen.“

„,Wandel als Chance’ ist ein hervorragender Impulsgeber und Leitfaden für unsere Gemeindeentwicklung.“

Ergänzend bzw. alternativ zu den Fragebögen haben einige Gemeinden und Teilnehmer ihre Eindrücke „formlos“ in Briefen und Mails zum Ausdruck gebracht. Sie bestärken uns in reichem Maße darin, den Weg der Informationsverbreitung und Bewusstseinsbildung über Best-Practice-Beispiele und Erfahrungsaustausch gepaart mit einem hohen Maß an Emotionen fortzusetzen.

22. bis 25. Mai 2007

Eine Video-Dokumentation des 6. Europäischen Dorferneuerungskongresses in Kamien Slaski, Polen, finden Sie im Internet unter folgender Adresse: www.raumordnung-noe.at , bitte Gemeinde / Landesaktionen / NÖ Dorferneuerung/Dorferneuerung international/Videobeiträge auswählen.

Ziel des 6. Europäischen Dorferneuerungskongresses unter dem Motto „ Geeintes Europa – Reich an Vielfalt und Herausforderungen“ war es, die mannigfaltigen Zukunftsfragen, die die ländlichen Regionen in einem erweiterten Europa bewegen, zur Sprache zu bringen und zu diskutieren. Auf der Suche nach den richtigen Antworten wurde den Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen Ost und West in besonderer Weise Rechung getragen.

Darüber hinaus gab der Kongresses aber auch Anlass, zwei Jubiläen zu begehen: Vor 10 Jahren wurde in der Gastgeber-Region, der Wojewodschaft Opole, die Dorferneuerung in Polen gestartet und vor genau 20 Jahren fand in Krems, Niederösterreich, der 1. Europäische Dorferneuerungskongress statt, der zur Gründung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung anregte.

Die Einladung zur Teilnahme richtete sich an alle EuropäerInnen, denen der ländliche Raum, seine Entwicklung und seine Zukunftsfähigkeit ein Anliegen sind. 250 Frauen und Männer aus weiten Teilen Europas, eine Zahl die am polnischen Tag auf 900! anwuchs, nahmen die Einladung an und konnten dabei nicht nur reiche Erkenntnisse gewinnen, sondern auch wertvolle Kontakte knüpfen.

Tirol, Wien/Niederösterreich, Salzburg, Wroclaw/Polen, Tschechien, Slowenien
und nochmals Polen – der Kongress brachte zahlreiche europäische Regionen
zusammen und einander näher.

22. bis 25. Mai 2007

6. Europäischen Dorferneuerungskongress „Geeintes Europa – Reich an Vielfalt und Herausforderungen“ in Kamíen Slaski, Polen

Eine Replik von Theres Friewald-Hofbauer

Vier Tage lang avancierte das idyllische schlesische Dorf Kamien Slaski, Preisträgerin im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2000,  als Gastgeberin des 6. Europäischen Dorferneuerungskongresses zum „Mekka“ der europäischen und insbesondere der polnischen Dorferneuerungsszene.

Charles Konnen, stellvertretender Vorsitzender der Europäischen ARGE  Landentwicklung und Dorferneuerung, Geschäftsführerin Theres Friewald-Hofbauer und Vize-Marschall Ryszard Wilczynski, Opole, informieren die Medienvertreter über die wesentlichen Inhalte des 6. Europäischen Dorferneuerungskongresses

250 TeilnehmerInnen am europäischen Teil und 900 TeilnehmerInnen am polnischen Tag stimmten angesichts der Referate, Diskussionen, Exkursionen und Ausstellungen darin überein, dass das Motto des Kongresses „Geeintes Europa – Reich an Vielfalt und Herausforderungen“ nicht treffender hätte sein können. Die Vielfalt an naturräümlichen, kulturellen, historischen, strukturellen und ökonomischen Bedingungen und Prägungen ist enorm, auch innerhalb von Ländern, oft auch von Regionen, und beileibe kein reines West-Ost-Phänomen. So gesehen kann es kein Patentrezept für eine erfolgreiche Entwicklung der so unterschiedlichen ländlichen Räume geben, muss Dorferneuerung etwas sehr Spezielles, ganz im Sinne von „Jedem Dorf seinen Maßanzug“, sein.

Und doch gibt es Allgemeingültiges, an dem weder da noch dort ein Weg vorbei führt, das auch mehrfach angesprochen wurde. Etwa das endogene Potenzial, die Besonderheiten, die es zu erkennen, schätzen zu lernen und zu nutzen gilt. Und, dass Dorferneuerung häufig einer Gratwanderung, nicht selten zwischen (scheinbaren) Gegensatzpaaren, gleichkommt. Zwischen kreativer Spontanität und visionärer Planung, zwischen Tradition und Innovation, zwischen Form und Funktion, zwischen dörflicher Eigenständigkeit und regionalen Allianzen, um nur einige zu nennen.

Herausforderungen von heute als Chancen von morgen

Wesentliche Leitlinien jedes Entwicklungsprozesses, so das unisono Credo, müssen Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit sein, also ökologische, ökonomische, kulturelle und soziale Maßnahmen. Nicht nebeneinander, nicht nacheinander, sondern aufeinander abgestimmt und miteinander verwoben. Menschen bleiben oder kommen nur, wenn sie Arbeit, wenn sie ihr finanzielles Auskommen finden, gleichzeitig aber auch auf einen ländlichen Raum stoßen, der seine ursprünglichen Qualitäten ausspielen kann, Qualitäten, die allem voran Naturnähe sowie soziokulturelle und soziale Kompetenz heißen.

Im ökologischen Bereich wird deutlich, dass die Herausforderungen von heute sich als die Chancen von morgen erweisen könnten. Auf die brennende Frage der  Energieversorgung der Zukunft hat das Land mit nachwachsenden Rohstoffen die richtige Antwort parat. Und im sozialen Sektor könnte der demografische Wandel den Dörfern sogar in die Hand spielen, wenn es ihnen gelingt, sich als Lebensraum zu präsentieren, der prädestiniert dafür ist, die Bedürfnisse älterer Menschen zu befriedigen. Sie sind neben Familien mit Kindern genau jene Bevölkerungsgruppe, die die Vorteile des Landlebens  besonders zu würdigen wissen könnte. Voraussetzung dafür ist freilich, dass geänderte Realitäten akzeptiert werden, dass zeitgemäße Strukturen geschaffen werden, die Frauenbeschäftigung ermöglichen und Kinder- sowie Seniorenbetreuung gewährleisten, was neue Berufsfelder und Einkommensquellen induziert.

Noch eine wichtige Erkenntnis: Das Dorf darf nicht zum Lebensraum der Zukurzgekommenen werden, soll attraktiv auch für Neubürger sein, verträgt Zugezogene und auch ein gewisses Maß an Heterogenität.

Zukunftsgewinn ist möglich

„Top down“ und „Bottom up“ sind bei der Dorferneuerung keine Alternativen. Sie braucht beides, politische Rahmenbedingungen und Bürgerpartizipation. Eine Beteiligung, die freilich auch zugelassen werden muss, idealerweise in kreativen Milieus. Eine Beteiligung, zu  der die BürgerInnen aber auch befähigt sein müssen, was Investitionen in deren Bildung voraussetzt. Eine Geldanlage, die jedenfalls reiche Zinsen trägt, Zinsen die dringend benötigt werden, denn, um es mit Worten des Vorsitzenden der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Erwin Pröll, auszudrücken: Die Zukunft ist kein Geschenk! Insbesondere nicht für die ländlichen Räume angesichts von Globalisierung, Europäischer Einigung und noch längst nicht abgeschlossener Transformationsprozesse im Osten.

Aber: Der Zukunftsgewinn bleibt eine reale Option mit Aussicht auf Erfolg, wenn es gelingt,

  • immer wieder geographische, räumliche, mentale und ideologische Grenzen zu überschreiten ,
  • flexibel genug für eine Erneuerung der Erneuerung zu sein,
  • Synergien zwischen Stadt und Land zu nutzen,
  • den Blick über den Zaun zu wagen, Erfahrungen auszutauschen, Netzwerke zu knüpfen und
  • den Mut zum Träumen mit der Kraft zum Handeln zu paaren.

22. bis 25. Mai 2007

6. Europäischer Dorferneuerungskongress „Geeintes Europa – Reich an Vielfalt und Herausforderungen“ in Kamíen Slaski, Polen

Statement von Charles Konnen, Luxemburg, Stellvertretender Vorsitzender der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung

Dorferneuerung ist keine Erfindung unserer Zeit. Schon vor dem 2. Weltkrieg gab es in Tschechien in Reaktion auf die fortschreitende Industrialisierung und damit einhergehende wirtschaftliche, soziokulturelle und optische Veränderungen der Dörfer ein so genanntes Dorfrevisionsprogramm. Von Dorferneuerung die Rede war dann erstmals in den späten 50er Jahren im süddeutschen Raum, von wo sie sich sehr rasch auf immer mehr europäische Länder und Regionen ausbreitete und vielfach auch als Ortserneuerung oder Dorfentwicklung bezeichnet wurde.

Eine wesentliche Zäsur in der Geschichte der Dorferneuerungsbewegung stellte zweifellos der 1. Europäische Dorferneuerungskongress im Jahr 1987 in Niederösterreich dar. Der dabei ermöglichte Blick über den Zaun, das Kennenlernen neuer Projekte und Strukturen, wurde als besonders wertvoll empfunden und sollte, so der Wunsch zahlreicher Teilnehmer, zu einer ständigen Einrichtung werden. Damit war die Idee zur Gründung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung  geboren, die ein Jahr später beschlossen und 1989 vollzogen wurde.

Im Laufe ihrer nunmehr 18-jährigen Geschichte hat sich die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung von einem kleinen, losen Bündnis zu  einem immer komplexeren, zunehmend mehr europäische Regionen umfassenden Netzwerk entwickelt, das seit einigen Monaten auch den Status einer eigenen Rechtspersönlichkeit inne hat. Ihre vorrangigen Anliegen sind,

  • die Know-how-Bildung im Bereich einer nachhaltigen dörflichen und regionalen Entwicklung sowie den Know-how-Transfer und den Erfahrungsaustausch zwischen Staaten, Ländern, Regionen, Gemeinden und Dörfern zu fördern,
  • das Selbstwertgefühl, die Motivation und das Engagement der LandbewohnerInnen zu heben und
  • die Wahrnehmung der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung des ländlichen Raumes und der Anliegen seiner BewohnerInnen durch Öffentlichkeit,  Medien und Politik zu forcieren.

Die Grundintention der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, nämlich die Stärkung der ländlichen Räume in Europa als zukunftsfähige Wirtschafts- Erholungs- und Lebensräume, entspricht exakt jener, die Dorferneuerungsbewegungen in Europa seit jeher verfolgen. Dass die Mittel und Wege zu diesem Ziel sich oft von Ort zu Ort und erst recht im Laufe der Jahre sehr unterschiedlich präsentieren, liegt auf der Hand. Denn Europa ist reich an Vielfalt – und das in jeder Hinsicht: vielfältig an Kulturen, Werthorizonten sowie an naturräumlichen, aber auch sozioökonomischen Gegebenheiten. Dazu kommen gewandelte und sich permanent verändernde politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, die Aktion und Reaktion, oft auch eine Erneuerung der Erneuerung und immer wieder Grenzüberschreitungen im weitesten Sinn verlangen und bewirken.

Die von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung im 2-Jahres-Rhythmus durchgeführten Wettbewerbe um den Europäischen Dorferneuerungspreis  liefern uns den Beweis, dass es der Dorferneuerung gelingt, diesem Anspruch gerecht zu werden. Sie ist vielerorts von einer Ortsbildaktion zu einem ganzheitlichen, nachhaltigen und innovativen Prozess gereift, bei dem die Betroffenen, also die BewohnerInnen des ländlichen Raumes, die Hauptrolle spielen. Dabei werden häufig die Dorfgrenzen überschritten und kommunale, zunehmend auch regionale Kooperationen eingegangen, die dabei helfen, Synergieeffekte zu nutzen und Projekte in Angriff zu nehmen, die den üblichen thematischen und finanziellen Rahmen eines einzelnen Dorfes zu sprengen vermögen.

Auch wenn vieles bereits gelungen scheint, wenn da und dort die Dorferneuerung dafür gesorgt hat, dass sich die wirtschaftliche Situation und die Lebensbedingungen spürbar verbessert haben, wenn der ländliche Raum einen neuen, höheren Stellenwert in der Öffentlichkeit erlangt hat, so steht doch auch außer Zweifel, dass die Probleme der letzen Jahrzehnte wie wirtschaftliche Aushöhlung, Abwanderung und Verstädterung längst nicht überwunden sind, dass ländliche Räume nicht gerade auf der Gewinnerseite der Globalisierungswelle stehen, dass die Geldmittel seitens der Europäischen Union  nicht für alle Ewigkeit gesichert sind und dass die Zukunftsfähigkeit unserer Dörfer stets auf Neue hart erkämpft und erarbeitet werden muss.

Das heißt, wir müssen in Zukunft noch mehr als in der Vergangenheit in der Lage sein, Scheuklappen abzulegen und gewandelte Realitäten zu akzeptieren, Fehlentwicklungen und Gefahrenpotenziale zu erkennen und ihnen mit geeigneten Mitteln zu begegnen sowie Chancen und Entwicklungsoptionen aufzuspüren und sie mit ganzer Kraft zu nutzen. Konkret bedeutet das:

  • Stärkung einer umweltgerechten Land- und Forstwirtschaft unter Berücksichtigung der Kulturlandschaft
  • Erhaltung und Aufbau standortgemäßer Erwerbsmöglichkeiten, auch mit Blick auf regionale Wertschöpfungsketten
  • Verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen und Nutzung erneuerbarer Rohstoffe
  • Symbiose von schützenswerter alter und qualitätvoller neuer Bausubstanz sowie Ressourcen sparende und verkehrsvermeidende Siedlungsentwicklung
  • Stärkung der Identität und des Selbstbewusstseins der DorfbewohnerInnen
  • Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen und soziokultureller Qualitäten
  • Förderung der Teilhabe aller Generationen, Nationalitäten und Minderheiten sowie beider Geschlechter am wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben

Ebenso wichtig wie die Inhalte sind dabei die Methoden und Strategien, die es zu verfolgen gilt. So ist Wert auf vernetzte, sektorübergreifende Projekte zu legen, die dem Anspruch auf eine ganzheitliche und nachhaltige Entwicklung gerecht werden, die von Eigeninitiative, Bürgerengagement, der Bereitschaft zur Zusammenarbeit sowie von Konsequenz, zugleich aber auch von Flexibilität und Lernfähigkeit geprägt sind und die sich auch Expertenmeinungen nicht verschließen.

Ans Ziel kann nur eine eigenständige, auf den vorhandenen Potenzialen aufbauende Entwicklung führen. Aber um neue Ideen, Impulse und Motivation zu gewinnen, bedarf es eines ständigen Erfahrungsaustausches mit anderen, mit den Menschen aus den  Nachbardörfern ebenso wie mit jenen aus nahen und fernen europäischen Regionen, mit denen man auch dann und wann gemeinsam als „Chor“ auftritt, um lauter zu sein, um sich Gehör in Warschau und in Brüssel zu verschaffen. Dazu kann und will dieser Kongress im Besonderen und die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung im Allgemeinen wesentlich beitragen.