10.01.2012

Pröll: Die öffentliche Hand kann niemand in den Arm nehmen!

„Die gewaltigen sozialen Herausforderungen, die mit dem demografische Wandel einhergehen und sich in ländlichen Gemeinden oftmals noch wesentlich ausgeprägter gestalten , können nicht von der öffentlichen Hand alleine bewältigt werden. Diese kommt sehr rasch an budgetäre, aber auch an humanitäre Grenzen. Daher braucht es in unseren Dörfern vermehrt eigeninitiative Lösungen und ehrenamtliches Engagement", betonte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, bei einem Symposium zum Thema "Soziale Dorferneuerung. Ein Baustein auf dem Weg zu sozialen Musterregionen in den ländlichen Regionen Europas", das am 10. November 2011 im Landtagssitzungssaal in St. Pölten, Niederösterreich, abgehalten wurde. Die Sozialen Dorferneuerung, so Pröll weiter, sei ein wichtiges Instrument, um das soziale Netz in Niederösterreich noch enger zu knüpfen - dies vor allem durch einen bedarfsgerechten Ausbau der sozialen Infrastruktur, eine bessere Koordinierung bestehender Einrichtungen,eine gezielte Verbreitung erfolgreicher Projekte und eine verstärkte Motivation der DorfbewohnerInnen zu Freiwilligen­diensten. Erste wichtige Schritte auf diesem Weg seien die Erstellung einer "Sozialen Landkarte", ein Online-Tool, das Auskunft über Projekte, Initiativen und Service­leistungen gibt, sowie die Etablierung von SozialkoordinatorInnen in den Gemeinden.

 

Freuen sich über die gelungene Veranstaltung: Landesobfrau Maria Forstner, Univ.-Prof. Gerlind Weber, Woiwode Ryszard Wilczynski, LH Erwin Pröll, MP Stanislaw Tillich, GF Theres Friewald-Hofbauer (von links nach rechts)

Der Ministerpräsident des Landes Sachsen, DI Stanislaw Tillich, der ebenfalls auf der hochrangigen Rednerliste des Symposiums stand, beleuchtete die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung, die die ländlichen Regionen seines Landes in den 22 Jahren seit der Wende genommen haben. Dennoch gestaltete sich die Bevölkerungsentwicklung durch massive Abwanderung aus den ruralen Räumen und zunehmende Überalterung dramatisch. "Daher geht es bei uns jetzt vorrangig darum, die Dörfer attraktiver zu machen. Dabei setzen wir vor allem auf Kooperationen zwischen den Dörfern und Gemeinden, auf vernetzte Lösungs­ansätze, auf die Eigeninitiative und die Kreativität der Betroffenen sowie auf den Erfahrungsaustausch auf europäischer Ebene, der Sachsen stets ein sehr wertvoller Begleiter war", erklärte Ministerpräsident Tillich.

"Gesundschrumpfen statt Gesundbeten" sei für viele Gemeinden mit rückläufiger Bevölkerungsentwicklung die bessere Devise als die Flucht in Wachstumsstrategien, lautete das Credo der Leiterin des Instituts für Raumplanung und Ländliche Neuordnung an der Universität für Bodenkultur Wien, Univ.-Prof. Dr. Gerlind Weber. Sie bekannte sich zu der Überzeugung, dass der Schlüssel für eine geglückte Entwicklungspolitik in manchen ländlichen Regionen auch darin liegen wird, sich rechtzeitig auf das Wenigerwerden einzustellen und mit geeigneten Maßnahmen ein kontrolliertes "Gesundschrumpfen" zu ermöglichen.

Statements des Kreishauptmannes des tschechischen Kreises Vylocina, Dr. Jiri Behounek, und der für Soziales zuständigen niederösterreichischen Landesrätin Mag. Barbara Schwarz, Interviews mit dem Geschäftsführer der NÖ Landesakademie Dr. Christian Milota, der Würnitzer Sozialkoordinatorin Luise Kasses, und mit den Repräsentanten der NÖ Dorf- und Stadterneuerung Maria Forstner und DI Josef Strummer,  Projektpräsentationen aus Sachsen, Tschechien und Gänserndorf, sowie die Vorstellung von Ausbildungsangeboten zu Sozialbetreuungsberufen im ländlichen Raum an den Landwirtschaftlichen Fachschulen Gaming und Zwettl durch die Direktorinnen Daniela Fuchs und Erna Stiermaier rundeten das Programm des eintägigen Symposiums, das von der Geschäftsführerin der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Theres Friewald-Hofbauer, moderiert wurde, ab.

Mehr als 400 TeilnehmerInnen aus Polen, Tschechien, Deutschland und mehreren österreichischen Bundesländern, darunter neben Landeshauptmann Erwin Pröll und Ministerpräsident Stanislaw Tillich auch der der Oppelner Woiwode Ing. Ryszard Wilczynski, Polen, waren der Einladung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung und der Niederösterreichischen Dorf- und Stadterneuerung, die das Symposium in Kooperation durchführten, gefolgt.

 

Weitere Informationen: Theres Friewald-Hofbauer, Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Tel.: +43 1 533 84 01-10, E-Mail: friewald@landentwicklung.org

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