07.07.2010

Die Entscheidung ist gefallen!

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung vergibt heuer zum 11. Mal
den Europäischen Dorferneuerungspreis – 30 Länder bzw. Regionen waren mit jeweils
einem Projekt vertreten und schickten ihre besten Dörfer und Gemeinden ins Rennen:
Sieger : die Gemeinde Langenegg, Vorarlberg, Österreich

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2010 ist entschieden: Eine
hochrangige, internationale und interdisziplinär zusammengestellte Jury hat dieser Tage
nach einer umfassenden Begutachtung vor Ort bei der abschließenden Bewertungssitzung
im tschechischen Boretice die Gemeinde Langenegg, Vorarlberg, Österreich,
zum Sieger gekürt. „Damit wird ein Projekt ausgezeichnet, dass dem Wettbewerbsmotto
,Neue Energie für ein starkes Miteinander’ auf überzeugende und mehrfache Weise
gerecht wird und mit einer ganzheitlichen, nachhaltigen Entwicklung von herausragender
Qualität besticht“, freute sich der Vorsitzende der Europäischen ARGE
Landentwicklung und Dorferneuerung, Landeshauptmann Erwin Pröll, Niederösterreich,
in einer ersten Reaktion.

Langenegg – eine Gemeinde mit Energie
Die Bregenzerwäldergemeinde Langenegg mit ihren 1062 EinwohnerInnen startete ihren
beispielhaften Entwicklungsprozess Mitte der 1990er Jahre zunächst mit dem Ziel, die
Lebensqualität in der eigenen Gemeinde deutlich zu verbessern, um der drohenden
Abwanderung und dem Verlust von Dienstleistungseinrichtungen und Arbeitsplätzen
entgegenzuwirken. Mit dem Beitritt zum Klimabündnis Österreich nur wenige Jahre
später wurden auch der Klimaschutz und das Energiesparen wichtige Bestandteile der
Aktivitäten von Gemeinde und BürgerInnenn und ziehen sich bis heute wie ein roter
Faden durch die vielfältigen Projekte. Der hohe Grad der Vernetzung der einzelnen
Maßnahmen, die unter der Prämisse stehen, einen möglichst hohen Nutzen für möglichst
viele Langenegger BürgerInnen zu generieren, führte zu einem die Wettbewerbskommission
im höchsten Maße beeindruckenden Ergebnis.

Unter Einbindung der Bevölkerung erarbeitet die Gemeinde zusammen mit der
Universität Innsbruck und der FH Liechtenstein ein umfassendes Entwicklungskonzept.
Initialprojekt war der gemeinsame Entschluss zur Sanierung eines geschichtsträchtigen,
leer stehenden Gebäudes mitten im Ortszentrum. Parallel dazu gelang es der neu
gegründeten Wirtschaftsgemeinschaft, im nunmehr vorbildlich sanierten Objekt wichtige
Dienstleistungsfunktionen wie Arzt, Apotheke und Friseur sowie drei Wohneinheiten zu
etablieren – ein wichtiger erster Schritt zu mehr Lebensqualität und Identität im Ort.

Daneben wurden zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht, um eine effiziente
Nutzung von Energie unter Einsatz erneuerbarer Energieträger zu etablieren. Die Nutzung
der heimischen Weißtanne als Baumaterial für zahlreiche private und kommunale
Bauprojekte trägt nicht nur zur Stärkung kleinräumiger Wirtschaftskreisläufe bei, sondern
leistet auch einen wertvollen Beitrag zum ökologischen Bauen. Die hohe Qualität der
Architektur wird niemals allein zum Selbstzweck, sondern beinhaltet in Langenegg immer
auch die soziale und wirtschaftliche Komponente.

Biogasanlagen, Hackschnitzelheizanlagen und eine Vielzahl an Photovoltaik- und Solaranlagen,
deren Errichtung von der Gemeinde gefördert wurde, machen Langenegg zu
einem Vorreiter in Sachen Energieautarkie. Die Energie aller Bevölkerungsgruppen –
auch der Menschen mit besonderen Bedürfnissen –, die sich in zahlreichen Aktivitäten
manifestiert, leistet einen großartigen und unverzichtbaren Beitrag zur Ideenfindung und
zur Umsetzung einer Fülle an Projekten aus unterschiedlichsten Bereichen wie etwa:
Einbindung der „Langenegger Lebenshilfe Werkstätte“ in das Wirtschaftsleben, die im
„Postlädle“ die Postdienste übernimmt und kunsthandwerkliche Produkte aus der
Werkstätte verkauft; die Vorderwälder Mitfahrbörse; die „Langenegger Talente“ – eine
Ersatzwährung, die dazu beiträgt, das Geld in der Gemeinde zu halten; ein gemeindeeigenes
Carsharing-Auto; ausleihbare Jahreskarten für den Verkehrsverbund Vorarlberg
sowie ein umfassendes Sozialkonzept für junge, alte und bedürftige MitbürgerInnen, um
nur einige zu nennen.

Wettbewerbsprojekte von höchster Qualität
„Neue Energie für ein starkes Miteinander“, so das Motto des Wettbewerbs um den
Europäischen Dorferneuerungspreis 2010, haben neben Langenegg auch alle anderen
der insgesamt 30 Teilnehmer aus ebenso vielen europäischen Ländern bzw. Regionen
bewiesen. Unter vielen guten Projekten wurden die zwölf Besten, die mit zu den
Sieganwärtern gezählt hatten, mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche,
nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender
Qualität“ ausgezeichnet. 13 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis
für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“
freuen. Mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in
einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung“ wurden vier Teilnehmer bedacht. Aufgrund
der hohen Qualität der Wettbewerbsprojekte wurde diesmal keine „Lobende
Anerkennung besonderer Leistungen“ vergeben.

Die Preisverleihung erfolgt am 24. September 2010 in Sand in Taufers, Südtirol, Italien,
dem Gewinner des Europäischen Dorferneuerungspreises 2008.

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