28.09.2010

Die Europameisterschaft der Dörfer ist entschieden!

Mehr als 1.000 DorferneuerungsakteurInnen aus über 30 europäischen Regionen wohnten der stimmungsvollen Preisverleihung in der Südtiroler Gemeinde Sand in Taufers bei.

"Das diesjährige Motto des Europäischen Dorferneuerungswettbewerbes ‚Neue Energie für ein starkes Miteinander’ thematisierte zwei der wohl größten Herausforderungen unserer Zeit und verlangte nach innovativen Konzepten gegen den Klimawandel sowie nach effizienten Maßnahmen zum sozialen Zusammenhalt von Generationen, Geschlechtern und Kulturen. Wie sich herausstellte, echte Domänen der Vorarlberger Gemeinde Langenegg, die sich darüber hinaus durch eine ganzheitliche, zukunftsorientierte und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Gemeindeentwicklung von höchster Qualität auf Basis einer ausgeprägten Bürgerbeteiligung auszeichnet. Damit bestand für die 19-köpfige internationale Jury kein Zweifel daran, dass der Sieger im Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis 2010 nur Langenegg heißen konnte“, erklärte der Vorsitzende der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, Niederösterreichs Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, bei der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2010 am 24. September 2010 in der Südtiroler Gemeinde Sand in Taufers, Italien.

Dem Festakt bzw. den zahlreichen Rahmenveranstaltungen wohnten neben einer Reihe anderer hochrangiger Persönlichkeiten auch die Südtiroler Landesregierungsmitglieder Landeshauptmann Dr. Luis Durnwalder, Landeshauptmann-Stv. Hans Berger und Landesrat Dr. Michl Laimer, der Vorarlberger Landesstatthalter Mag. Markus Wallner sowie mehr als 1.000 DorferneuerungsaktivistInnenen aus über 30 europäischen Staaten bei. Konferenzen, Workshops, Open Space, Exkursionen, eine Ausstellung der Wettbewerbsprojekte, ein Festumzug, eine Genussstrasse zur Präsentation regionaler Produkte und ein grandioses Fest der Begegnung, das sich über den ganzen Ort erstreckte und drei Tage andauerte, rundeten das Programm ab.

Die Gemeinde Langenegg startete ihren beispielhaften Entwicklungsprozess Mitte der 1990er Jahre auf Basis eines umfassenden, von BürgerInnen und ExpertInnen erarbeiteten Konzeptes. Initialprojekt war die Sanierung eines geschichtsträchtigen Gebäudes mitten im Ortszentrum, in dem wichtige Dienstleistungen und Wohneinheiten Platz fanden. Damit war ein wichtiger erster Schritt zu mehr Lebensqualität und Identität im Ort gesetzt. Daneben wurden zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht, um eine effiziente Nutzung von Energie unter Einsatz erneuerbarer Energieträger zu etablieren. Biogasanlagen, Hackschnitzelheizanlagen und eine Vielzahl an Photovoltaik- und Solaranlagen, deren Errichtung von der Gemeinde gefördert wurde, machen Langenegg heute zu einem Vorreiter in Sachen Energieautarkie. Die Nutzung der heimischen Weißtanne als Baumaterial für zahlreiche private und kommunale Bauprojekte trägt nicht nur zur Stärkung kleinräumiger Wirtschaftskreisläufe bei, sondern leistet auch einen wertvollen Beitrag zum ökologischen Bauen. Die hohe Qualität der Architektur wird niemals allein zum Selbstzweck, sondern beinhaltet in Langenegg immer auch die soziale und wirtschaftliche Komponente. Zahlreiche Aktivitäten beweisen, dass man gewillt ist, die Energie aller Bevölkerungsgruppen zu nutzen. Ein Beispiel dafür ist die Einbindung der „Langenegger Lebenshilfe Werkstätte“ in das Wirtschaftsleben, die im „Postlädle“ die Postdienste übernimmt und kunsthandwerkliche Produkte aus der Werkstätte verkauft.

Die Vorderwälder Mitfahrbörse, die „Langenegger Talente“ – eine Ersatzwährung, die  dazu beiträgt, das Geld in der Gemeinde zu halten, ein gemeindeeigenes Carsharing-Auto, ausleihbare Jahreskarten für den Verkehrsverbund Vorarlberg sowie ein umfassendes Sozialkonzept für junge, alte und bedürftige MitbürgerInnen sind nur einige der Projekte, die verdeutlichen, dass in Langenegg das Motto „Neue Energie für ein starkes Miteinander“ sowohl  im Wortsinn als auch im übertragenen Sinn eindrucksvoll gelebt wird.

„Neue Energie für ein starkes Miteinander“ bewiesen auch alle anderen Teilnehmer. Unter vielen guten Projekten wurden die zwölf Besten mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfentwicklung von herausragender Qualität“ ausgezeichnet. 13 Teilnehmer dürfen sich über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in mehreren Bereichen der Dorfentwicklung“, vier über einen „Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in einzelnen Bereichen der Dorfentwicklung“, freuen.

Der Wettbewerb um den Europäischen Dorferneuerungspreis wurde 1990 von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung mit dem Ziel, den Erfahrungsaustausch zu fördern, Europas Zusammenwachsen zu begünstigen und die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der ländlichen Regionen der europäischen Öffentlichkeit bewusst zu machen, ins Leben gerufen. Er wird seit 1990 im 2-Jahresrhythmus veranstaltet und bewertet neben der äußeren Erscheinung vor allem die inneren Qualitäten der Dörfer und Gemeinden, also Aktivitäten im Sinne einer Standort angepassten wirtschaftlichen Entwicklung, die Schaffung zeitgemäßer sozialer Einrichtungen, die Auseinandersetzung mit Architektur, Siedlungsentwicklung, Ökologie und Energieversorgung sowie kulturelle Initiativen und Weiterbildungsmaßnahmen. Wesentlich dabei sind ferner ein ganzheitlicher Ansatz, eine Orientierung in Richtung Nachhaltigkeit und eine von Bürgerbeteiligung, Eigeninitiative und Kooperations¬bereitschaft geprägte Methodik der Umsetzung.

Die Veranstaltung wurde von der Europäischen Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung, gefördert.

INFORMATIONEN:
Theres Friewald-Hofbauer, +43/1/533 84 01, E-Mail: friewald@landentwicklung.org

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