12.11.2014

Gemeinden brauchen Autonomie und Kooperationen

Synergien nutzen. Identitäten bewahren. Kommunale und regionale Entwicklung zwischen Fusion, Kooperation und Koordination – so lautete der Titel einer Konferenz, die am 5. November mehr als 80 Gäste aus sechs europäischen Staaten und mehreren österreichischen Bundesländern an die Donau-Universität Krems, Niederösterreich, gelockt hatte.

 

Die Veranstaltung wurde von der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung  in Kooperation mit der Donau-Universität Krems und der NÖ Dorf-und Stadterneuerung durchgeführt und näherte sich dem ambivalenten Thema aus verschiedenen Perspektiven.

 

Fusionen und Zwang gefährden Kooperationen

 

So informierte der Leiter des Zentrums für Baukulturelles Erbe an der Donau-Universität Krems, Peter Strasser, über internationale Initiativen im Bereich des Natur- und Kulturerbes, die allesamt als „Ansatz, Hilfe und Ideengeber  für die Schaffung und Erhaltung einer regionalen Identität dienen“.

 

Der Luxemburger Charles Konnen, stv. Vorsitzender der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung, zeigte anhand von zwei Beispielen aus Luxemburg und Bayern auf, dass mittels freiwilliger interkommunaler Kooperationen die Lebensqualität in ländlichen Räumen maßgeblich verbessert werden könne, während er in Zwangsfusionen den „Tod“ für fruchtbringende regionale Entwicklungen sieht. In die gleiche Kerbe schlug auch Johannes Pressl, Bürgermeister der Mostviertler Gemeinde Ardagger, der allem voran dem Subsidiaritätsprinzip, der Transparenz und der BürgerInnenbeteiligung das Wort redete und keinen Zweifel daran ließ, dass nur „starke“, autonome Gemeinden zu effizienter Zusammenarbeit befähigt seien.

 

NÖ.Regional.GmbH – ein Kind der Zeit

 

Der Leiter der Gruppe Raumordnung, Umwelt und Verkehr im Amt der NÖ Landesregierung, Friedrich Zibuschka, und der Geschäftsführer der  NÖ.Regional.GmbH, Walter Kirchler, erklärten die Struktur und die Motive für die Gründung dieser neuen Gesellschaft, in der die Regional- und die Kleinregionsmanagements sowie der Verband für Dorf- und Stadterneuerung eine gemeinsame operative „Heimat“ gefunden haben. Für Zibuschka ist die Schaffung der NÖ.Regional.GmbH ein logischer Schritt im Sinne einer „notwendigen Anpassung der Strukturen und Services an gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen“, für Kirchler eine „Chance, partnerschaftlich und effizienter und koordinierter als bisher für die Gemeinden und das Land Niederösterreich zu arbeiten“.

 

Dorothea Stepan, Leiterin des Lehrgangs „Integrative Regionalentwicklung“ an der Donau-Universität Krems, stellte den Lehrgang „Integrative Regionalentwicklung“ als ein erfolgreiches Zusammenwirken von Theorie und Praxis auf Basis eines Fachbereiche übergreifenden Ansatzes vor und betonte, dass Regionen mit gut ausgebildeten Menschen die Basis für den Erfolg im globalen Wettbewerb seien.

 

Résumé

 

Bemerkenswert ist, dass die Kernbotschaften der ReferentInnen ebenso wie die Diskussionsbeiträge der Konferenzgäste einander nicht nur ergänzten, sondern auch wesentliche Übereinstimmungen aufwiesen:

 

  • Kooperationen sind in Zeiten komplexer werdender Aufgabenstellungen und schmäler werdender Budgets ein Gebot der Stunde.
  • Sie müssen jedoch auf Freiwilligkeit beruhen und dem Prinzip der Subsidiarität Rechnung tragen.
  • Voraussetzung für fruchtbringende Zusammenarbeit sind starke, selbstbewusste und eigenständige Gemeinwesen sowie eine koordinierte Vorgehensweise, die Top-down- und Bottom-up-Ansätze, also etwa Landestrategien und lokale Interessen, in Einklang bringt.
  • Dabei gilt es multisektoral und multidisziplinär zu denken und zu agieren, das heißt integrative Entwicklungen zu verfolgen, bei denen auf Fachwissen ebenso wie auf regionalen und internationalen Erfahrungsaustausch zurückgegriffen wird.
  • Kooperationen, die sich an diesen Grundsätzen orientieren, vermögen lokale und kommunale Identitäten nicht nur zu bewahren, sondern sogar zu stärken, und können darüber hinaus zur Herausbildung neuer, oft grenzüberschreitender Identitäten beitragen, die auf traditionellen oder innovativen, wiederentdeckten oder erst geschaffenen Gemeinsamkeiten mit anderen Gemeinden und Regionen beruhen.

 

Presseaussendung

 

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