11.08.2006

Eva Elbaek-Jørgensen "Erneuerbare Energien: Vorbild Dänemark"

Seit über zwei Jahrzehnten ist die dänische Energiepolitik eine Erfolgsgeschichte mit bemerkenswerten Resultaten: Trotz kräftiger Zuwachsraten ist der Bruttoenergieverbrauch seit 1974 fast unverändert, mit einem Anteil von 15 Prozent an erneuerbaren Energiequellen in der Stromproduktion, mit einem Fernwärmeanteil (im Raumwärmesektor) von 55 Prozent (davon 82 Prozent durch Kraft-Wärme-Kopplung) und mit einem für alle Endverbraucher geltenden Energie- und CO2-Steuersystem, das im nationalen Alleingang durchgeführt wurde. Die Regierung legt Wert darauf, dass Dänemark auch weiterhin dazu beiträgt, den internationalen Klimaschutz voranzutreiben, und zwar auf der Grundlage eines fortgesetzt konsistenten und glaubwürdigen nationalen Einsatzes.
Mit dem 1990 beschlossenen Handlungsplan „Energie 2000“ strebt die dänische Regierung eine CO2-Emissionsreduktion von 20 Prozent bis zum Jahr 2005 (in Relation zu 1988) an; acht Prozent davon wurden bis 1998 realisiert.
Die drei wesentlichen Strategiebestandteile des Energieplans 2000 zur Erreichung dieser Ziele liegen in einer Steigerung der Effizienz im Umwandlungssektor durch den Ausbau mit Kraft-Wärme-Kopplung, in einer Umstellung von Kohle und Öl auf CO2-ärmere bzw. -freie Brennstoffe wie Erdgas, Biomasse und Windenergie und in einer Stabilisierung des Strombedarfs. Der Niedertemperatur-Wärmebereich spielt im Energieplan 2000 eine untergeordnete Rolle, da hier der größte Teil der Einsparpotenziale im Gebäudebestand bereits realisiert wurde. Für den Neubaubereich wurde allerdings eine Verschärfung der Wärmeschutzverordnung vorgesehen. Besondere Bedeutung hat das CO2-Abgabenpaket: Als eines der ersten Länder in der Europäischen Union konnte Dänemark zusätzlich zu den Energiesteuern seine CO2-Verminderungsziele effizient erreichen. Durch die Einführung einer anteiligen CO2-Abgabe und entsprechende Zuschussprogramme aus diesen Einnahmen wurde die Wirkung der Energiesteuern optimiert.
Für den Bereich erneuerbare Energien wurde 1995 ein Handlungsplan vorgelegt, der die Stromunternehmen durch Parlamentsbeschluss verpflichtet, bis zum Jahr 2005 jährlich 1,2 Millionen Tonnen Stroh und 0,2 Millionen Tonnen Restholz einzusetzen. Mit „Energie 21“, dem vierten Handlungsplan seit 1976, präzisiert die dänische Regierung die Prioritäten und Zielsetzungen der energiepolitischen Entwicklung für die ersten Jahrzehnte des dritten Jahrtausends mit einer Halbierung der CO2-Emissionen bis 2030 durch:
l Zunehmende Einpassung der erneuerbaren Energieressourcen in die Versorgungsstruktur (Ziel: 35 Prozent des Bruttoenergieverbrauchs im Jahr 2030), die dezentral und weiterhin verbraucherdemokratisch und transparent sein muss.
l Fortgesetzte Einsparung im Endverbrauch und
l Verbesserung der Energieintensität (verglichen mit 1994) um rund 55 Prozent.
Die Umsetzung dieser Ziele für eine tragfähige Entwicklung erforderte eine Reform der Rahmenvoraussetzungen für den dänischen Energiesektor – und zwar unter Berücksichtigung zunehmender Marktorientierung im Stromsektor im Rahmen der EU Stromdirektive und internationaler Regulierungen. Diese Reformarbeit für den Elektrizitätssektor ist abgeschlossen. Die wichtigsten Eckpunkte des neuen Elektrizitätsgesetzes sind:
l Freie Versorgerwahl für Großverbraucher im Jahr 2000, für andere bis 2002.
l Ein CO2-Quotensystem für Stromunternehmen (23 Millionen Tonnen im Jahr 2000, fallend auf 20 Millionen Tonnen im Jahr 2003), was ein Stromhandelsvolumen von über drei Milliarden kWh ermöglicht; die Überschreitung kostet umgerechnet 5,7 Euro pro Tonne CO2, etwa 0,5 Cent pro kWh. Mit dieser Regelung wird ein wirksames Steuerungsinstrument für die Begrenzung des CO2-Ausstoßes aus dem Stromsektor eingesetzt, dessen Einhaltung durch die Höhe der Erzeugungskosten, durch internationale Marktpreise und die Höhe der Strafbeträge wirksam beeinflusst wird.
l Die Etablierung eines Marktes für regenerative Energien durch handelbare RE-Zertifikate für „grüne“ Produktion, die an das Netz (10 bis 20 kV) geliefert wird. Mit dieser Regelung werden die existierenden Abrechnungsbestimmungen (gesetzlich festgesetzte Einspeisevergütung und staatlicher Produktionszuschuss) ersetzt durch Abrechnung über den Marktpreis und Einnahmen aus dem Verkauf von RE-Zertifikaten. Der Absatz an die Verbraucher ist dadurch gesichert, dass eine im Verhältnis zum Verbrauch festgelegte Anzahl von RE-Zertifikaten von den Stromkunden abgenommen werden muss. Es wird erwartet, dass im Jahr 2003 20 Prozent des Stromverbrauchs durch regenerative Energiequellen gedeckt werden. Rechnet man die gegenwärtig im Bau befindlichen und in Planung begriffenen Offshore-Windanlagen mit, werden im Jahr 2003 sogar 27 Prozent erreicht werden.
Mit Einführung eines Quotensystems für den CO2-Ausstoß des Stromsektors und der Etablierung eines Marktes für regenerative Energien ist Dänemark in der Lage, auf internationalem Niveau an der Einführung marktbasierender Regelungen teilzunehmen. Die dänische Energiepolitik zeigt, dass eine umweltorientierte Energiepolitik auch unter Wettbewerbsbedingungen fortgesetzt, ja sogar ausgebaut werden kann.

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