11.08.2006

Kolloquium "Cyberspace & Wirtshaustisch"

Referat anlässlich des Kolloquiums „Cyberspace & Wirtshaustisch“ in Hinterstoder, 2001

Auswirkungen revolutionärer als die Erfindung des Automobiles
Telekommunikation verändert unsere Gesellschaft

"Neue Medien", Telekommunikation und Computertechnik prägen vielfach die Debatte um die Wirtschaft in unserer Zeit. Die Wettrennen um neue Technologien und die Transaktionen mit Beträgen im bereich hunderter Milliarden sind zum Tagesgespräch geworden.

Die konkreten Auswirkungen der neuen Technologien auf das Alltagsleben und auf die räumlichen Strukturen in Stadt und Land, speziell in ländlichen Regionen, finden schon viel weniger Beachtung und Echo in der Öffentlichkeit.

Diese Auswirkungen werden sehr groß sein. "Die Entwicklung der Telekommunikation wird die Struktur unseres Landes stärker prägen als die Erfindung des Automobils, " meint z.B. der Sozialwissenschafter Mag. Franz Nahrada.

In den neuen Technologien liegen beachtliche Chance für ländliche Gebiete: Nachteile durch räumliche Entfernung können teilweise aufgehoben werden. Vom kleinsten Dorf kann ich die ganze Welt erreichen, Informationsquellen aller Art stehen mir in Sekundenschnelle in allen Kontinenten offen.

Und mindestens genauso wichtig: auf diesem Weg könne auch wichtige wirtschaftliche, soziale, kulturelle, technische,... Informationen, die das Leben in einer Region betreffen, relativ einfach und kostengünstig ausgetauscht werden. Die "Neuen Medien" verbinden Menschen sowohl über tausende Kilometer hinweg, aber auch in der Nachbarschaft von Dorf zu Dorf. Das Vereinsleben kann viel leichter werden, wenn neben den wichtigen persönlichen Gesprächen von Angesicht zu Angesicht die Absprachen über Arbeitseinsätze, Terminkoordinierungen und Aussendungen aller Art ohne mühevolle und teure Versandarbeit irgendwann einmal blitzschnell elektronisch erfolgen.

Damit diese Vorteile genützt werden können, müssen allerdings zahlreiche Bedingungen erfüllt sein: es muss leistungsfähige Datenleitungen geben, die zu günstigen Bedingungen verfügbar sind, es muss Menschen geben, die gut mit den Geräten und mit der Fülle an Informationen zurande kommen und die nicht in der Datenflut ertrinken. Außerdem sollten wichtige Inhalte "im Netz" verfügbar sein und laufend aktualisiert werden. Wünschenswert wären auch günstige öffentliche Zugänge für Menschen, die die notwendigen Geräte nicht selbst besitzen.

Die Kosten sind nicht unbeträchtlich, aber trotzdem niedriger als jene der traditionellen Infrastruktureinrichtungen: die Errichtung einer Hochleistungs- Datenleitung kostet etwa soviel wie die Markierung und das Leitsystem einer Autobahn.

Die Entwicklung der neuen Kommunikationstechnologien könnte eine neue Stadt- Land- Partnerschaft einläuten: ist es doch für viele moderne "Informationsarbeiter" möglich, in ländlicher Atmosphäre zu arbeiten, wenn sie nur Zugang zu leistungsfähigen Datenleitungen haben.

Ohne intensive Anstrengungen werden aber die neuen Entwicklungen besonders den Städten zugute kommen, da dort die Nutzer kostengünstiger und profitabler zu erreichen sind.

Für den ländlichen Raum ist es nicht zu spät, aber höchste Zeit: bestehende Initiativen gehören koordiniert und verstärkt, zum Wohle der Regionen und Ihrer Bewohner.

Mag. Karl Trischler
Landesgeschäftsstelle für Dorferneuerung Hollabrunn, Niederösterreich, Österreich

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