11.08.2006

Siegerportrait

Die "Lintelner Geest" mit knapp 1.820 Einwohnern umfasst fünf Ortschaften innerhalb der Großgemeinde Kirchlinteln. Entwicklungsziel ist die Schaffung und Erhaltung einer regionalen Eigenständigkeit durch überörtliche Bündelung. Diese richtet sich an einem nachhaltigen, umweltverträglichen und sozialverträglichen Handlungsrahmen aus.

Örtliche Potenziale wurden daher in einem ortsübergreifenden Entwicklungskonzept zusammengeführt und zu tragfähigen nachhaltigen Maßnahmen weiterentwickelt. Eine intensive Bürgermitwirkung jeder einzelnen Ortschaft - ideell, finanziell und mit Eigenleistung - war und ist die Grundlage für das Gelingen. Viele aufeinander abgestimmte Einzelprojekte ergeben im Sinne des gegenseitigen Ergänzens ein stimmiges Gesamtbild. Dabei geht es im wesentlichen darum, Strategien zum Strukturwandel in der Landwirtschaft durch Alternativen zur klassischen Produktion einschließlich einer erhöhten Wertschöpfung durch Direktvermarktung zu entwickeln, zusätzliche Erwerbsquellen zu schaffen, Entwicklungschancen im sozio-ökonomischen Bereich auszubauen sowie den sanften Tourismus zu forcieren.

Tragende Gemeinschaft

Ein beispielhaftes, herausragendes Projekt im Sinne der Agenda 21 ist die "Tragende Gemeinschaft" des Vereins zur Förderung pflegebedürftiger Menschen. In zwei revitalisierten Hofanlagen im Zentrum des Dorfes Schafwinkel in unmittelbarer Nachbarschaft eines Seminarhotels leben und arbeiten seit zwei Jahren 80 Betreute und Betreuer. Sie werden aus der Region heraus versorgt und stellen die in den Werkstätten gefertigten Produkte der Region zur Verfügung. Das Projekt zeugt einerseits von einem hohen Integrationsvermögen der Einrichtung, andererseits von einer hohen Akzeptanz der örtlichen Bevölkerung. Das zeigt sich auch darin, dass die "Tragende Gemeinschaft" das Zentrum für ein neues Tourismusangebot für Ferien von und mit Behinderten in der Region werden soll.

In Summe sind es 109 geförderte größere und kleinere Einzelmaßnahmen, die bisher verwirklicht worden sind, eine Fülle, die nur Beispiele herausgreifen lässt. So betreiben Landwirte eine serviceorientierte Direktvermarktung über die sogenannte „grüne Kiste“ (Zustelldienste) oder im neu adaptierten Dorfladen, der durch einen Verein aus Kirchlintelner Bürgern finanziert und getragen wird. Im Bereich der Forstwirtschaft geht es vor allem um das bisher kaum beachtete ökonomische Schwachholz, das einerseits in einem entstehenden Hackschnitzelheizwerk sowie andererseits in einem Bauelementewerk über eine neue, bereits patentierte bautechnische Innovation als Wandelemente verarbeitet werden. Als weitere Erwerbsmöglichkeiten haben sich aus den Dörfern heraus unter anderem Pferdezucht, Fahrzeugbau, Landhotel, Dorfladen und Urlaub auf dem Bauernhof entwickelt. Nicht alltäglich ist auch das Anbot eines Ruftaxis. Es wird von der Gemeinde mit 100.000 DM pro Jahr gefördert und hilft, den privaten Verkehr zwischen den nur wenige Kilometer auseinanderliegenden Ortsteilen zu reduzieren.

Eine maßvolle Siedlungsentwicklung rundet das Bild ab. Der Schwerpunkt liegt nicht bei Neubauten, sondern in der Sanierung von alter, schützenswerter Bausubstanz, insbesondere von Fachwerkgebäuden, in Verbindung mit Neu- oder Wiedernutzungen. Dieses Augenmaß für das Gewachsene und Bestehende schlägt sich auch im Umgang mit der umgebenden Landschaft nieder. Auf der Basis eines Entwicklungs- und Pflegekonzeptes wird die Erhaltung der kleinteiligen Landschaft und seltener Arten gesichert.

Die Planung erfolgte zweifellos mit ganzheitlicher Sichtweise. So ist auch die Verbindung zwischen ökologischem Kreislaufdenken und regionaler Wertschöpfung klar erkennbar. Ebenso sind regionale Identität und regionales Selbstbewusstsein stark spürbar. Ausdruck davon ist der "Kulturkreis Lintelner Geest e.V.", der in einem sanierten Müllergebäude ein Zuhause gefunden hat und mit einer Vielzahl an kulturellen Aktivitäten aufwartet, in die die Kirchlintelner stets eingebunden sind.

Das gute Beispiel macht Schule

Die Erfolge der "Lintelner Geest" haben andere Gemeindeteile zum Nachdenken gebracht. Eine Erweiterung des Projekts über die Aller hinweg steht an. Das gute Beispiel macht Schule.

Kirchlinteln ist ein vorbildhaftes Beispiel für eine ganzheitliche, zukunftsorientierte und nachhaltige Dorf- und Regionalentwicklung von herausragender Qualität mit besonders bemerkenswertem sozialen Schwerpunkt und soliden regionalen Wertschöpfungen vor dem Hintergrund eines regionalen Verbundes und auf Basis ausgeprägter Bürgerbeteiligung.

zurück