11.08.2006

Wettbewerbsprojekte 2002

Großes Walsertal, Vorarlberg, Österreich, wurde mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis 2002 ausgezeichnet

Das Große Walsertal, bestehend aus sechs Gemeinden mit knapp 3.500 Einwohnern, die seit Mitte der 90er Jahre unter Federführung einer Regionalplanungsgemeinschaft an der Umsetzung eines gemeinsamen regionalen Leitbildes arbeiten, ist eine Modellregion für nachhaltige Wirtschafts- und Lebensweise und  ein Musterbeispiel für integrierte, gemeindeübergreifende ländliche Entwicklung auf Basis ausgeprägter Bürgerbeteiligung. Besonders hervorzuheben sind:

  • das hoch entwickelte Bewusstsein und Engagement für den Erhalt der natürlichen Ressourcen, was sich in der UNESCO-Zertifizierung des großen Walsertales als „Biosphärenpark“ niedergeschlagen hat;
  • die gelebte Überzeugung, dass die sorgsame Bewahrung einer Naturregion kein Widerspruch, sondern geradezu ein Impuls auch für wirtschaftliche Nutzung ist;
  • die nachhaltige Waldbewirtschaftung durch den vielfältigen Einsatz des Werkstoffes Holz im Projekt „zertifiziertes Bergholz“. Die Veredelung reicht vom konstruktivem Holzbau bis zum Möbelbau unter partnerschaftlichem Zusammenschluss der Betriebe vor Ort;
  • die Stärkung und Sicherung der kleinstrukturierten Land(wirt)schaft durch Veredelung der Produkte und Direktvermarktung in Gastronomie und Tourismus;
  • der sorgsame Umgang mit Ressourcen: aktive sowie passive Nutzung der Sonnenenergie, Niedrigenergiehäuser, Versorgung von 50% der öffentlichen Bauten mit erneuerbarer Energie, Nutzung der Wasserkraft durch Kleinkraftwerke und des anfallenden Schadholzes als Brennmaterial;
  • das Bekenntnis zu einer zeitgemäßen und von hoher Detailqualität geprägten Architektur;
  • die Stärkung der eigenen Identität durch ein umfassendes Bildungs- und Kulturangebot sowie
    die große Leistung im Prozess der Bürgerbeteiligung.

Im Großen Walsertal ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, Menschen, die aus ihrer Geschichte heraus immer Einzelkämpfer waren, von gemeinsamen Zielen zu überzeugen, sie zum „grenzüberschreitenden“ Tun zu bewegen und in ihnen eine allerorts spürbare Begeisterung zu wecken.

Mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für ganzheitliche, nachhaltige und mottogerechte Dorfernentwicklung von herausragender Qualität wurden ausgezeichnet:

Auerbergland, Bayern, Deutschland, zählte zu den drei Finalisten, weil es den Akteuren auf vorbildhafte Weise gelungen ist, aus einer durch Verwaltungsgrenzen getrennten Rand- und Vorfeldlage viele gruppenspezifische und gemeindliche Eigeninteressen zusammenzuführen und durch Vernetzung und Bündelung wirtschaftlich tragfähige und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Insbesondere sind dabei die erfolgreichen Bemühungen um

  • eine Tourismusentwicklung mit Augenmaß unter Einbindung der regionalen Produkte und der naturräumlichen Ressourcen,
  • die Pflege und Etablierung zahlreicher regionaler und überregionaler Kulturinitiativen,
  • umfassende, vernetzte und ganzheitliche Konzepte:
    territorial mit 11 Gemeinden,
    horizontal über Fachgruppengrenzen hinweg,
    vertikal mit Anbindung an die kulturellen geschichtlichen Wurzeln,
  • die Bedachtnahme auf eine stabile nachhaltige Entwicklung durch verteiltes, aber aufeinander abgestimmtes Zusammenwirken,
  • die Auslösung eines Planungsprozesses „von unten“ als Basis für Eigeninitiative, Bürgerbeteiligung und kreative Lösungen,
  • den von den Betroffenen ausgelösten Dialog zu und zwischen den Behörden

zu nennen.

Werfenweng, Salzburg,Österreich, zählte zu den drei Finalisten. Besondere Anerkennung fanden:

  • das landesweit einzigartige und äußerst kreative Projekt zur Förderung eines Ressourcen sparenden, zukunftsfähigen Tourismus,
  • die bemerkenswerten Aktivitäten zur Nutzung erneuerbarer Energien,
  • die beispielhafte, qualitativ hochwertige Siedlungs- und Bebauungsplanung sowie
  • eine vorbildliche Gestaltungskultur, die sich als Impuls für den alpinen Raum insgesamt erweisen könnte,
  • auf Basis einer umsetzungsorientierten kommunalen Klimabündnispolitik.

Bellersen, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, zeichnet sich in den unterschiedlichsten Entwicklungsbereichen und -ebenen durch außergewöhnlich kreative und innovative Konzepte, Strategien und Maßnahmen aus. Ob Feriendorf, Gewerbe, Tourismus, offene Vorgärten, "klingende " Brücke oder Kinderspielplätze – der Mut und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen, sind überall sichtbar, was besonders auch für die Landschaftspflege und wirtschaftliche Initiativen zutrifft. So ist es vorbildlich gelungen, die attraktive Landschaft zu erhalten, die Landwirtschaft zu stärken und zugleich auch den Tourismus zu fördern. Besonders hervorzuheben ist weiters, dass die Hobbies und Talente der Dorfbewohner gefördert und zur Etablierung neuer Arbeitsplätze genutzt werden, wie die Beispiele Töpfereien , Kunstladen, Museum und attraktive touristische Angebote zeigen. Basis der erfolgreichen Entwicklung in Bellersen sind eine durchdachte Dorfplanung, die  geglückte Verknüpfung verschiedener Lebens- und Arbeitsbereiche sowie eine beispielhafte Kooperationsbereitschaft und ein ausgeprägtes Engagement der Bevölkerung für ihr Dorf.

Germerode, Hessen, Deutschland, hat es aufbauend auf einem umfassenden Dorfentwicklungskonzept und einer bereits traditionellen, mehr als bedeutenden Eigenleistung der Bevölkerung auf vorbildliche Weise verstanden, seine herausragenden Zeugen der Geschichte nicht nur als Gebäude zu erhalten, sondern sie auch als Basis für eine nachhaltige, grenzüberschreitende Projektion in die Zukunft zu nutzen. Durch eine sinnvolle Rekonstruktion des Klosters, die Umnutzung des Forsthauses zu einer Bildungsstätte und den in jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit entstandenen Wildpark sind zusätzliche wirtschaftliche Impulse im Dorf ausgelöst worden, die in Kombination mit einem hohen Maß an Kreativität, Kooperationsbereitschaft und mehrfachen Grenzüberschreitungen in den verschiedensten Bereichen wesentlich zur Zukunftssicherung beitragen.

Großschönau, Niederösterreich, Österreich, überzeugte vor allem durch die Entwicklung und Realisierung eines großartigen Leitbildes, das Ökologie und Bildung in den Mittelpunkt stellt. Der Gemeinde ist es auf eindrucksvolle Weise gelungen, alle Dörfer des Gemeindegebietes zu weit überregionaler Bedeutung zu führen und damit nicht nur die lokale Infrastruktur zu sichern und auf kreativ-innovative Weise auszubauen, sondern auch zukunftsfähige Arbeitsfelder und Arbeitsplätze zu generieren. Konkret zu erwähnen sind neben einer Fülle an Aktivitäten und überzeugenden Einstellungen

  • die Bioenergie-Messe,
  • die Vorreiterrolle in Fragen der dezentralen Abwasserklärung,
  • die alle Lebens-und Wirtschaftsbereiche durchdringende Umweltgesinnung,
  • das ausgeprägte Bürgerengagement und insbesondere auch
  • die intensive, niveauvolle Jugendarbeit.

Kötschach-Mauthen, Kärnten, Österreich, präsentiert sich als eine überaus aktive Gemeinde mit einem hohen Maß an ehrenamtlichem, bürgerschaftlichem Engagement als Basis für eine Vielzahl an Maßnahmen und Aktivitäten, die in Summe eine äußerst qualitätvolle, nachhaltige und ganzheitliche Entwicklung ergeben. Besonders hervorzuheben sind dabei 

  • die Verbesserung der Situation der Landwirtschaft und die Schaffung neuer Erwerbsmöglichkeiten etwa durch das Projekt „Kulinarium“,
  • der vorbildliche Umgang mit erneuerbaren Energien – von der Bewusstseinsbildung bis hin zur völligen Energie-Autarkie der Gemeinde,
  • die Wiederbelebung alter Traditionen am Beispiel von Hanf und Flachs auf Schloss Manndorf,
  • die kulturellen Initiativen und Grenzüberschreitungen sowie
  • das hohe Maß an ökologischer Gesinnung.

Munshausen, Luxemburg, beeindruckt durch eine nachhaltige, alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche umfassende Dorferneuerung auf Basis eines ganzheitlichen Gemeindeentwicklungsplanes. Besonders hervorzuheben sind dabei die erfolgreichen Bemühungen um

  • grenzenlose Offenheit bei der Suche nach Kontakten, Kooperationen und neuen Erfahrungen;
  • ein fruchtbares Zusammenwirken von arrivierten und jungen Künstlern im weiten Feld eines qualitativ hochwertigen kulturellen Engagements;
  • die Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte im Einklang mit der Natur und unter Beachtung der Umwelterfordernisse, was besonders am Beispiel Naturpark Our zum Ausdruck kommt;
  • die Revitalisierung alter Bausubstanz, wie vor allem beim Projekt „Robbesscheier“ demonstriert, und nicht zuletzt um
  • die Verbesserung der Lebenschancen besonders gehandicapter Randgruppen unserer Gesellschaft.

St. Lambrecht, Steiermark, Österreich, ist ein Paradebeispiel für einen gelungenen, zukunftsorientierten Dorferneuerungsprozess auf Basis einer fundierten, von Experten unterstützten Planungsarbeit und getragen von einer in die Entscheidungsfindungen eingebundenen, bestens informierten und äußerst engagierten Bevölkerung. Hervorzuheben sind dabei

  • die Kooperationen zwischen Gemeinde und Schloss als ein – besonders effizientes – Beispiel für mannigfache Grenzüberschreitungen in räumlicher und inhaltlicher Sicht;
  • die erfolgreichen Bemühungen um neue Erwerbsmöglichkeiten und Stärkung der Wirtschaftskraft;
  • die hohe planerische Qualität der Ortsbildgestaltungsmaßnahmen;
  • die Ressourcen schonende Haltung in Fragen der Siedlungsentwicklung und im Umgang mit Energie;
  • die vielfachen, kreativen Kulturinitiativen und nachahmenswerten sozialen Aktivitäten.

Wiersdorf, Rheinland-Pfalz, Deutschland, ist es als sehr kleine Einheit gelungen, ein überdurchschnittlich hohes Maß an eigenem Gestaltungswillen auf der Basis einer wohldosierten Maßhaltigkeit in Dorf und Landschaft zu erreichen. Besondere Erwähnung verdienen dabei die erfolgreichen Bemühungen um

  • die Erhaltung von alten schützenswerten Bausubstanzen,
  • eine Ressourcen sparende Entwicklung zeitgemäßer neuer dörflicher Siedlungsformen,
  • die Erhaltung und Sicherung einer hervorragenden traditionellen Streuobstlandschaft,
  • die Stärkung und Sicherung der Landwirtschaft durch Einbindung in Tourismus und Schaufunktionen.

    Beeindruckende und gleichzeitig tragende Elemente aller Aktivitäten sind die Motivation, das Selbstbewusstsein und der Elan der Dorfbewohner.

Mit einem Europäischen Dorferneuerungspreis für besondere Leistungen in Teilbereichen der ländlichen Entwicklungen wurden bedacht:

Brozec, Oppeln, Polen, hat vorbildhafte Leistungen hinsichtlich der Schaffung und Forcierung eines harmonischen Zusammenlebens von BürgerInnen polnischer, deutscher, tschechischer und österreichischer Herkunft erbracht, was sich in einer vielfältigen Vereinstätigkeit und einem bemerkenswerten dörflichen Kulturleben widerspiegelt. Ebenfalls hervorzustreichen ist, dass es in Brozec trotz minimaler finanzieller Unterstützung gelungen ist, die schwierige wirtschaftliche Situation unter Bewahrung ursprünglicher historischer und kultureller Traditionen und unter Beachtung der Erfordernisse des Umweltschutzes zu bewältigen.

Hinterhermsdorf, Sachsen, Deutschland, hat es aus einer extrem schwierigen Randlage heraus verstanden, auf Basis eines klaren Leitbildes, gefördert durch ein aktives Vereinsleben und aufbauend auf seinen natürlichen und baulichen Potenzialen sein reiches Patrimonium zu erhalten und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, die Identifikation der BewohnerInnen mit ihrem Lebensraum zu stärken, seine Zukunft beispielhaft auf nachhaltigem Tourismus aufzubauen und gleichzeitig die Lebensgrundlagen seiner EinwohnerInnen abzusichern.

Kamenicky, Böhmen, Tschechische Republik, zeichnet sich durch einen respektvollen Umgang mit kulturhistorischen Traditionen, der in einzelnen Projekten wie einer Bildergalerie im sanierten Pfarrhof  und in der gesamten Entwicklungsorientierung Ausdruck findet, eine vorbildliche Nutzung des Naturpotenzials für touristische Zwecke und die Schaffung standortgerechter Erwerbsmöglichkeiten aus. Besonderer Erwähnung bedürfen schließlich auch die sozialen Initiativen, allen voran das in einem Ortsbild gerecht sanierten Gebäude untergebrachte „Betreute Wohnen“ für alte Menschen aus dem Dorf und der angegliederte Alten-Service mit überörtlicher Bedeutung.

Lana, Südtirol, Italien, wird für besondere Leistungen

  • im Umgang mit erneuerbarer Energie – als Ausdruck einer insgesamt vorbildlichen ökologischen Gesinnung –,
  • hinsichtlich der Sicherung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unter Einbeziehung und Förderung der Landwirtschaft,
  • bei der Schaffung einer anspruchsvollen sozialen und sozio-kulturellen Infrastruktur,
  • betreffend die Entwicklung der Kulturlandschaft und der Siedlungsstruktur,
  • im Engagement für ein neues Bauen in Südtirol
    ausgezeichnet.

Lanz, Brandenburg, Deutschland: Besonders hervorzuheben sind die vorbildliche innerörtliche Dorfgestaltung im öffentlichen wie auch privaten Bereich, die intakte, durch das Biosphärenreservat in der Elbaue gekennzeichnete Kulturlandschaft und das reiche Vereinsleben. Die Aktivitäten zur Hebung der Lebensqualität werden in gleicher Weise von den Verantwortlichen in der Gemeinde und von der Bevölkerung getragen, was ebenfalls Erwähnung verdient.

Lewkowo Stare, Podlasie, Polen, beeindruckt insbesondere durch die bewundernswerte Einstellung, seine Randlage an der Grenze zu Weißrussland weniger als Problem, sondern viel mehr als Chance und Herausforderung, daraus neue Stärken zu entwickeln, zu sehen. Aufbauend auf einer äußerst engagierten Bürgerschaft ist es gelungen, wichtige Ver- und Entsorgungsprobleme zu lösen, dem regen dörflichen Gemeinschaftsleben den notwendigen infrastrukturellen Rahmen zu geben, sich landwirtschaftlichen Alternativen zu öffnen, den „grünen“ Tourismus zu forcieren und auf vorbildhafte Weise nicht nur die schützenswerten traditionellen Bauformen zu erhalten, sondern mit viel Mut und ästhetischem Feingefühl auch zeitgemäße Architektur zu realisieren und harmonisch in das Alte zu integrieren.

Lontzen, Deutschsprachige Gemeinschaft, Belgien, ist es auf hervorragende Weise gelungen, die in einzelnen Dörfern umgesetzte Revitalisierung der Dorfkerne an der jeweiligen Dorftypologie auszurichten und damit eine gestalterische wie auch soziokulturelle Aufwertung zu erzielen. Besonders hervorzuheben sind das ausgeprägte Problembewusstsein und die zahlreichen kreativen Lösungsansätze in den Bereichen Siedlungsentwicklung, Verbesserung der Infrastruktur, Harmonisierung von landwirtschaftlicher Nutzung und Ansprüchen von Landschafts- und Naturschutz sowie Integration der Neubürger in die dörfliche Gemeinschaft, die die engagierten BürgerInnen in mehrsprachigen Arbeitskreisen artikuliert und zu realisieren begonnen haben. Erwähnung verdienen auch das reiche kulturelle Geschehen und die grenzüberschreitende, Tourismus orientierte Zusammenarbeit mit den Niederlanden.

Meana Sardo, Sardinien, Italien, zeichnet sich vorrangig dadurch aus, dass sämtliche Dorfentwicklungsprojekte in eine regionale Partnerschaft eingebunden sind und damit das Wettbewerbsmotto in weiten Strecken Umsetzung findet. Besonders hervorzuheben sind

  • die vorbildliche Behindertenintegration in das dörfliche Wirtschafts- und Gesellschaftsleben,
  • die vielfältigen und qualitativ hochwertigen Kulturinitiativen sowie
  • die Bemühungen zur Erhaltung der Kulturlandschaft, insbesondere durch die Forcierung der Beweidung, um der drohenden Verwaldung entgegenzuwirken,

auf Basis eines ausgeprägten Freiwilligenengagements.

Oriszentpéter, Vas, Ungarn, ist es auf herausragende Weise gelungen, innerhalb von nur zehn Jahren aus einer äußerst nachteiligen Situation heraus eine bemerkenswerte und weit über die Grundversorgung hinaus reichende wirtschaftliche und soziale Infrastruktur und damit die Voraussetzungen für eine weitere gedeihliche Entwicklung des Ortes zu schaffen. Besondere Wertschätzung verdienen darüber hinaus die vielfachen Bemühungen zur Umsetzung der Ziele des Nationalparkes, die sowohl die Tier- und Pflanzenwelt als auch die traditionelle Siedlungsstruktur umfassen, und die breiten kulturellen Aktivitäten.

Ostrowiec, Westpommern, Polen, hat sich sehr erfolgreich der nach der Wende aktuell gewordenen Herausforderung gestellt, sich von einer landwirtschaftlich orientierten Produktionsgesellschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft zu verändern. Ausgehend von der Erarbeitung eines Entwicklungskonzeptes mit „Meilensteinen“, der Aktivierung der Bevölkerung und der Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte wurden das Selbstbewusstsein der BewohnerInnen gestärkt, Arbeitsplatz schaffende Schritte in Richtung Aufbau eines sanften Tourismus und in Richtung Direktvermarktung mit dem Ziel, eine eigene Marke zu etablieren, gesetzt, ein Internet-Raum für alle GemeindebürgerInnen eingerichtet und zahlreiche Kulturinitiativen gestartet. Ostrowiec ist damit dem Ziel, sich zu einem eigenständigen, vitalen Dorf zu entwickeln, das den EinwohnerInnen ein Verbleiben in ihrer Heimat ermöglicht, ein großes Stück näher gekommen.

Ottenstein, Niedersachsen, Deutschland, zeichnet sich auf besondere Weise durch eine landwirtschaftliche Entwicklungsorientierung in Richtung Tourismus, einen beispielhaften Einsatz für die Nutzung verschiedenster erneuerbarer Rohstoffe und durch vielfältige Kulturinitiativen aus. Lobend zu erwähnen sind nicht zuletzt auch das rege Vereinsleben und das breite bürgerschaftliche Engagement.

Panaci, Rumänien, hat sich besonderer Leistungen hinsichtlich der Schaffung vorbildlicher Infrastrukturen, wobei vor allem eine private Molkerei, ein kooperativer Lebensmittelverkauf, ein kommunales Kreditinstitut sowie mehrerer sozio-kulturelle Einrichtungen zu nennen sind, als erste Schritte in Richtung Rekonstruktion kommunalpolitischer Strukturen verdient gemacht. Bemerkenswert und gesondert hervorzuheben sind die Kirchenneubauten und allem voran die Selbsthilfe-Gesinnung der BürgerInnen in Verbindung mit einer großen Bereitschaft zur Eigeninitiative.

Sloup, Mähren, Tschechische Republik, wird für besondere Leistungen zur Erhaltung der Kulturlandschaft, für die Schaffung wichtiger Infrastruktur, für das beispielhafte Engagement im kulturellen Bereich und für die bemerkenswerten sozialen Initiativen ausgezeichnet. Lobende Erwähnung verdienen darüber hinaus auch die Renovierung und Umnutzung wertvoller historischer Bausubstanz sowie die konsequente Realisierung des Leitbildes auf Basis einer hohen Bürgerakzeptanz und einer ausgeprägten Bürgerbeteiligung.

Soblahov, Slowakei, wird für eine beispielhafte Kooperation mit der Bezirksstadt und eine intensive Bürgerbeteiligung bei der Realisierung eines zukunftsfähigen Leitbildes, das die Gemeinde als Naherholungsort mit großen ökologischen Qualitäten ausweist, ausgezeichnet. Erwähnung verdienen darüber hinaus auch die erfolgreichen Bemühungen um die Verbesserung der Infrastruktur und der Beschäftigungssituation, die Pflege der Volkskultur und die liebevollen Gestaltungsmaßnahmen.

Spitalic, Slowenien, zeichnet sich durch besondere Leistungen im Zusammenhang mit der Schaffung wichtiger Infrastruktur, der Erhaltung der Kulturlandschaft, der Ausbildung eines hohen Ökologiebewusstseins, der vorbildlichen Pflege des kulturellen Erbes sowie der erfolgreichen Suche nach Arbeitsplätzen aus. Bemerkenswert sind dabei das hohe Maß an Eigeninitiative, der ausgeprägte Gemeinschaftssinn und die große Offenheit gegenüber dem Neuen und Fremden bei gleichzeitiger Bewahrung der Eigenheiten und Besonderheiten des eigenen Lebensraumes auf Basis eines hohen Grades an Identifikation mit dem Ort.

Steckby, Sachsen Anhalt, Deutschland, hat sich besonders durch die Weiterführung der Naturschutztradition des Dorfes, die Nutzung der Chancen des Biosphärenreservates und des überregionalen Elberadweges sowie die Sicherung der vorhandenen Potenziale auf Basis eines Dorfentwicklungskonzeptes verdient gemacht. Hervorzuheben ist darüber hinaus, dass die vor allem auf baulich-gestalterische Bereiche ausgerichtete Dorferneuerung von einer aktiven Bürgerbeteiligung und einem vielseitigen Kultur- und Vereinsleben geprägt ist und dass alle Aktivitäten und Projekte insgesamt einen fruchtbaren Nährboden für eine behutsame wirtschaftliche Entwicklung bilden.

Thiersee, Tirol, Österreich, ist es auf nachahmenswerte Weise gelungen, unter starker Einbeziehung eines großen Teiles der Bevölkerung ein qualifiziertes Leitbild zu erarbeiten. Die intensive Bürgerbeteiligung induzierte eine enorme Vielfalt an Ideen und Standort angepassten, teils weit in die Zukunft reichenden Projekten. Aus Arbeitskreisen heraus etablierten sich Vereine wie der Verein „FIT“, die sich durch regelmäßige Veranstaltungen auszeichnen und allen BürgerInnen offen stehen. Die traditionellen Passionsspiele, an denen zahlreiche BewohnerInnen mitwirken, sind ein überregionales Kulturereignis und ebenso zu würdigen wie couragierte Bauland-Rückwidmungen und die Initiativen zur Bewahrung, zeitgemäßen Weiterentwicklung und sinnvollen Nutzung historischer Bausubstanz.

Eine besondere Anerkennung wurde ausgesprochen:

Amt Breitenfelde, Schleswig Holstein, Deutschland: Besondere Anerkennung verdienen die erfolgreichen Bemühungen der zehn Gemeinden des Amtes Breitenfelde, die Gestaltung ihrer Zukunft auf Basis eines LSE-Planes und unter Einbindung der Bevölkerung selbst in die Hand zu nehmen. Dabei sind vor allem die Aktivitäten im Bereich

  • der Integration von Jugendlichen in das Entwicklungsgeschehen,
  • der Erhaltung einer erlebbaren Naturlandschaft und
  • der Grenzüberschreitungen durch die Mitarbeit in einem Leader+ Projekt.

Dunapataj, Bács-Kiskun, Ungarn: Große Anerkennung verdienen die Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur und die beispielhafte Mobilisierung der Bevölkerung, insbesondere im Hinblick auf die Realisierung bemerkenswerter soziokultureller Projekte. Hervorzuheben ist darüber hinaus die positive, unbefangene Auseinandersetzung mit vergangenen Zeitepochen und deren prägenden Elementen – zum Teil als Basis für gegenwärtige Orientierungen und zukünftige Entwicklungen.

Jasienica, Schlesien, Polen, wird eine besondere Anerkennung für die wirtschaftliche Belebung in einer durch industrielle Umstrukturierung sehr stark betroffenen Region, für bemerkenswerte Initiativen zur Stärkung der regionalen Identität sowie für außergewöhnliche Eigenleistungen der Bevölkerung bei der Schaffung wichtiger Infrastrukturanlagen und Gemeinschaftseinrichtungen ausgesprochen.

Langenwetzendorf, Thüringen, Deutschland, wird eine besondere Anerkennung für die nach der Wende gesetzten und mit großer Leistung verbundenen zahlreichen Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur und zur Schaffung von Arbeitsplätzen zuerkannt. Besonders hervorzuheben sind dabei das Engagement für den Aufbau einer Behindertenwerkstatt und für die Erhaltung und Revitalisierung des Denkmaldorfes Nitschareuth.

Lübow, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland, wird für die tatkräftige, optimistische Grundeinstellung trotz schwierigster Ausgangsbedingungen und die darauf aufbauenden Leistungen zur Sicherung und Verbesserung der Qualitäten als Wohnstandort eine besondere Anerkennung ausgesprochen. Erwähnenswert sind dabei die Errichtung einer neuen Wohnsiedlung in Verbindung mit einer Gewerbezone und die liebevolle Grünraumgestaltung im Wohngebiet, weiters aber auch das Engagement für erneuerbare Energie, Kinder und Jugendliche sowie die Bemühungen, die Identifikation der BürgerInnen mit ihrem Lebensraum zu verstärken.

Ottenschlag im Mühlkreis, Oberösterreich, Österreich, wird für die liebevolle Pflege der historischen Bausubstanz, für die vorbildliche Grünraumgestaltung in Dorf und Flur sowie für die erfolgreichen Bemühungen um Stärkung der Identität und Erhaltung der herrlichen Kulturlandschaft mit fallweise sehr kreativen Projektideen eine besondere Anerkennung ausgesprochen.

 

Eine reich illustrierte und ausführlichere Beschreibung der einzelnen Wettbewerbsprojekte (Deutsch mit Zusammenfassungen in Englisch sowie der jeweiligen Landessprache), eine umfassende Liste mit allen relevanten Kontaktadressen sowie zahlreiche weitere Informationen über den Europäischen Dorferneuerungspreis 2002 finden sich in der Festbroschüre – erschienen aus Anlass der Verleihung der Europäischen Dorferneuerungspreise 2002 im November 2002 in Verden.

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